Nachbrenner

ESP LTD Surveyor 204DX im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Der Surveyor Bass ist laut Eigenbeschreibung eine klassische ESP-Bauform, die eigentlich eine klassische Fender-Form ist. Nicht weiter verwunderlich, hat die Firma doch ihre Wurzeln in der Herstellung von hochwertigen Austauschparts unter anderem für „Fender Shaped Objects“, aus denen bald eigene Instrumente und eigene Entwürfe wurden.

Auch beim aktuellen Surveyor aus der günstigeren LTD-Reihe ist die Herleitung offensichtlich, die Firma aber lange genug am Start, um eigene Würze mit auf den Weg zu geben.

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FLAMMEN ÜBER PAPPELN

Der Korpus hat, wie unschwer auszumachen, P-Bass-Format in klassischem Maß und gängiger Dicke, und ist aus Pappel gefertigt. Kein Holz, das für seine aufregende Maserung bekannt ist, weshalb der 204DX eine dünne Decke aus Maserpappel bekommen hat. Die lässt durch die perfekt ausgeführte, transparentschwarze Burst-Lackierung eine schicke Flamme sehen. Bis in die Armauflage zieht sie sich und verschwindet dann im deckenden Schwarz, in dem die Ränder und die Korpusrückseite ausgeführt sind.

Der Hals besteht aus leicht geröstetem Ahorn mit einem Griffbrett aus Palisander. 21 Extra-Jumbo-Bünde sind hier eingesetzt und sauber abgerichtet. Die Bundenden sind ordentlich abgeschliffen, sodass sich insgesamt ein angenehmes Gefühl an den Griffbrettkanten einstellt. Zur Orientierung sind an den üblichen Stellen Dots in Griffbrett und Flanke eingelegt.

Über einen sauber gekerbten Kunststoffsattel geht es Richtung Kopfplatte, wo ein Niederhalter für D- und G-Saite für den nötigen Andruck sorgt. Die Mechaniken sind eigene, offene „Vintage“-Typen mit konkaver Achse. Die aufgezogenen Saiten in der Stärke 45 auf 105 lassen sich mit ihnen ordentlich in Stimmung bringen und halten diese dann auch.

Die Tuner laufen allerdings untereinander und teilweise in sich nicht gleichmäßig. Da sie auch in der Gängigkeit nicht zu verstellen sind, muss man damit leben – kann man aber auch. Am anderen Ende gibt sich die Brücke als Gotoh-Kopie. Die Saiten lassen sich in Höhe und Oktave einstellen, wobei die Madenschrauben der Saitenreiter in Rillen laufen und damit seitliches Verschieben minimieren.

Kam der vorige von mir getestete Surveyor noch mit Pickups von Seymour Duncan, müssen diesmal LTD-Eigengewächse mit Keramik-Magneten ran. Auf LPB und LJB hören der Split-Coil und der Single-Coil im PJ-Format. Gekoppelt sind sie mit einem Lautstärkeregler, einem Balance-Poti und einem Tone-Boost.

Auf der Rückseite war mir schon das Batteriefach aufgefallen. Was also speist der 9-Volt-Block? Im Netz fand ich dazu auf einer Webseite (nicht der von LTD, die sich da komplett ausschweigt) folgenden Marketing-Blurb: „Ein leistungsstarker aktiver Equalizer mit Tone-Boost bietet vielfältige Klangformungsoptionen, damit dein Groove seinen Platz im Mix findet.“

Eine Mittenrastung gibt es beim dritten Regler nicht, also vielleicht ein EQ, der aus der Nullstellung heraus gleichzeitig Höhen und Bässe anhebt? Ein Blick unter das einschichtige Schlagbrett bringt Klarheit. Der „aktive Equalizer“ ist ein nachgeschalteter Preamp, völlig ohne Klangformungsoptionen, der Regler ist schlicht eine passive Höhenblende. Hätte ich mir jetzt anders vorgestellt, aber entscheidend ist ja, was aus der Zargenbuchse an den Amp geht.

(Bild: Dieter Stork)

LICHT IM AUSSEN

Bis ich so weit bin, kann der Surveyor noch etwas Einstellarbeit vertragen. Die Halskrümmung ist aus dem Karton etwas stark, das ist aber mit wenig Drehen am offenen Zugang zum Zweiwege-Stahlstab an der Kopfplatte schnell erledigt. Die Saitenlage kann auch noch etwas runter, was der Bass problemlos verträgt, ohne zu schnarren.

Der geröstete Hals liegt mit einer Sattelbreite von 40 mm sehr angenehm in der Hand. Wer beim von ESP/LTD als „Thin-U“ beschriebenen Hals-Shaping Angst hat, einen Bleistift in die Hand zu nehmen, den kann ich beruhigen. Von der Dicke her ist das gesundes Mittelfeld, mit einem leicht abgeflachten Halsrücken.

Sowohl im Sitzen als auch im Stehen, auch mit einem rutschigen Gurt an den großen, konventionellen Gurtpins, gibt sich der Surveyor gut ausbalanciert. Mit einem Gewicht von knapp vier Kilo gehört er nicht zu den ausgesprochenen Leichtgewichten, lässt sich aber über längere Zeit bequem tragen.

Der Trockentest ergibt eine normale, gleichmäßige Ansprache mit mittellangem Sustain – und keinerlei Dead Spots oder umgekehrt Tönen, die lauter sind als ihre Nachbarn. Sehr gute Grundlage! Am Amp bin ich nun gespannt, wie sich der Preamp bemerkbar macht. Gibt es einen extra knalligen Sound mit aufgeblasenem Bass?

Hm, klingt alles sehr normal, wenn auch etwas leise, da muss ich den Gain-Regler bemühen. Vielleicht sogar ein bisschen flach im Klang? Da boostet irgendwie nix. Der Blick ins leider nur mit Holzschrauben verschlossene Batteriefach zeigt: Kann auch nicht! Die Batterie ist gar nicht angeschlossen. Offensichtlich ist der Preamp so konzipiert, dass auch ganz ohne Strom noch ein Signal durchkommt.

Mit Strom ändert sich der Klangeindruck dann aber gewaltig. Zuerst mal kann ich den Gain-Regler getrost wieder zurückdrehen. Wie schon vorher, höre ich mit dem Balance-Regler in der Mittelstellung den typischen PJ-Sound. Dezent aufgeräumt in den Mitten, aber mit genug Substanz für Tragfähigkeit und ausreichend Definition.

Klassischer Sound für (fast) alle Gelegenheiten, aber durch den Preamp modernisiert, in den Außenbereichen mit knackigem Bass und fetzigen Höhen angereichert. Angenehm in Grenzen halten sich dabei Einstreuungen, obwohl der Stegabnehmer ein Single-Coil ist und damit die Humbucker-Wirkung auch nicht voll zum Tragen kommt, wenn beide Pickups gleichermaßen in Betrieb sind. Solo gespielt, wird es zwar mehr, bleibt aber im normalen Rahmen.

(Bild: Dieter Stork)

Dank seiner 60s-Einbauposition, also nicht zu nah am Steg, kann der Abnehmer auch alleine den Bandsound füllen, und braucht dank Bassunterstützung vom eingebauten Preamp keine weitere von Amp oder Preamp. Ordentlichen Biss gibt es auch, der sich mit der passiven Höhenblende, die sich als normal herausgestellt hat, zähmen lässt.

Weiter zugedreht und bei entsprechender Spielweise geht es ins Jaco-Territorium. Der Regelweg ist dabei gut abgestimmt, anders als beim Balance-Regler. Da liegen die abrufbaren Mischungen auf wenigen Millimetern links und rechts der Mittelstellung. Dann ist schaltermäßig schnell nur noch der eine oder der andere Pickup zu hören.

Auch der im unabsichtlichen Passiv-Modus eher verhalten klingende LPB profitiert von der Aktivierung. Biss und Attacke liefert er, kombiniert mit der typischen Kehligkeit, ohne dass ich mich dafür großartig anstrengen muss, und auch der Basskeller ist sauber ausgeleuchtet. Moderner P-Bass von Feinsten.

RESÜMEE

Gegenüber dem nicht mehr erhältlichen indonesischen Surveyor ‘87 ist der Surveyor-204DX aus China-Produktion mit Eigengewächsen statt Markenware von Duncan und Gotoh bestückt, kostet dafür aber auch nur die Hälfte – und ist definitiv weit mehr als halb so gut. Ein robustes Arbeitsgerät mit sehr guter Bespielbarkeit und einem Sound, der vom eingebauten Preamp mächtig profitiert.

Der geht wenig subtil zu Werke und modernisiert den Ton, indem er Draht in den Bass einziehen lässt und die Höhen auf Attacke bürstet – was sich mit der passiven Höhenblende gut dosieren lässt. Wie ich unabsichtlich festgestellt habe, funktioniert der Bass auch passiv, obwohl keine Bypass-Option eingebaut ist, aber nachdem ich die Batterie eingelegt hatte, wollte ich sie auch nicht wieder rausnehmen … Guter Bass mit wirklich gutem Preis-Leistung-Verhältnis – zum Antesten empfohlen!

Plus

  • Sound
  • Preamp
  • Bespielbarkeit
  • Balance

Minus

  • Mechaniken könnten runder laufen

Übersicht

Fabrikat ESP LTD
Modell Surveyor-204DX
Typ viersaitiger Schraubhals-E-Bass
Herkunftsland China
Hardware schwarz, LTD-Brücke, offene LTD-Mechaniken
Hals Ahorn, geröstet
Griffbrett Palisander
Halsbreite Sattel 40 mm, XII. 56,1 mm
Bünde 21
Mensur 34 Zoll
Korpus Pappel
Oberflächen Korpus und Headstock vorne Hochglanz, Hals matt
Tonabnehmer passiv; LTD LPB und LJB
Elektronik passiv mit aktivem Preamp
Bedienfeld Volume, Balance-Regler, Höhenblende
Saitenabstände Steg 19 mm
Gewicht ca. 3,95 kg
Lefthand-Option nein
Internet www.espguitars.com
Zubehör Inbusschlüssel
Preis (Street) ca. € 599

 

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)

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