Von der Werkbank: Über Setup, Service & Reparaturen
von Torsten Preuss,
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Friederike und Torsten Preuß mit einer voll restaurierten Martin-Gitarre von 1860. (Bild: Torsten Preuss)
Nachdem uns in Bezug auf das Editorial zum Thema Setup unzählige persönliche Erfahrungen, Tipps und Empfehlungen erreicht haben − von Lieblings-Setups über Geheimadressen bis hin zu echten Leidensgeschichten − kam von Torsten Preuß ein Text, der nochmal eine andere Perspektive aufmacht: die aus der Werkstatt. Aus dem Alltag eines Zupfinstrumentenmachermeisters, der genau die Fälle auf den Tisch bekommt, über die viele von euch geschrieben haben. Gute Setups. Schlechte Setups. Und alles dazwischen.
Was seine Einsendung besonders macht: Sie bündelt vieles von dem, was ihr uns geschildert habt – nur eben aus der Sicht eines Profis, der seit Jahrzehnten nichts anderes macht. Vom Anfängerinstrument, das erstmal spielbar gemacht werden muss, bis hin zum Vintage-Schätzchen, das jemand vorher gründlich „verbessert“ hat. Dazu kommen klare Meinungen, handfeste Beispiele und ein authentischer Blick auf das Thema Reparatur und Setup in der Praxis.
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AUS DEM ALLTAG EINER MEISTERWERKSTATT
Wir sind eine renommierte Meisterwerkstatt für Zupfinstrumentenbau in Markneukirchen (PreußGuitars) und haben sehr viele Kunden, die mit allerlei Service-, Einstell-, Lötarbeiten u. ä. zu uns kommen. Das geht bei Kirchenmusikern los, über die Hobbyisten, ambitionierte Customshop- und Vintagesammler, bis hin zu ständig tourenden Gitarristen im Semi- oder Vollprofibereich.
Unser Einzugsgebiet erstreckt sich dabei von Regensburg im Süden bis Leipzig/Halle im Norden, Görlitz/Bautzen im Osten, mitunter bekommen wir aber auch aus dem übrigen Bundesgebiet Reparaturen zugesandt. Reparatur und Setup ist eine Vertrauenssache. Dabei wird immer das bestmögliche Ergebnis angestrebt, das gut für den Musiker (klar), seinen Geldbeutel und natürlich auch für sein Instrument ist. Getreu nach dem Motto: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.
Gerade bei Sammlerstücken und/oder sehr alten Instrumenten kann man da schnell über das Ziel hinausschießen. Mich persönlich ärgert es immer am meisten, wenn ich verpfuschte Reparaturen anderer oder von früher her auf den Tisch bekomme und mir dann denke: „Mensch, warum hat der das denn nicht gleich richtig gemacht?“, dann muss man manchmal das halbe Instrument nochmal auseinandernehmen (zurückbauen), um solche Sünden zu beseitigen.
Es gibt wirklich schlimme Servicekräfte da draußen, die auch noch von ihrer Arbeit total überzeugt sind, ein Beispiel: Kunde kam mit einer älteren Guild D55 aus den 80ern. Der Reparateur hatte es wohl mit dem Schwabbeln der Kopfplatte zu gut gemeint und den Lack wegpoliert. Also hat er den Kopf neu lackiert, der Lack reagierte mit dem alten Lack und zerstörte zudem noch das Binding, welches bei diesem Modell etwas aufwändiger ist.
Es wurde anschließend ein billiger China-Vinyl-Aufleimer auf den Kopf geklebt und überlackiert (inklusive Zerstörung des Perlmuttlogos), zu allem Überfluss ein anderer Tonabnehmer eingebaut und das Kabel innen mit Kaugummi fixiert. Wir sind ja einiges gewöhnt, aber das war echt eklig.
Der Kunde kam todunglücklich, wir haben alles wieder entfernt, den kompletten Guildkopf mit Bindings und Perlmutt etc. wieder in Ursprungszustand versetzt bzw. rekonstruiert, vernünftig lackiert,
(Bild: Torsten Preuss)
Eine Framus AZ-10 Neuauflage von ca. 2000 mit Schellacklackierung auf Pomele Bubinga. Diese „Reparatur“ ist wirklich von einer Gitarrenbauwerkstatt so gemacht worden: Der originale, mit Pomele-Bubinga belegte Kopf inkl. Framus-Logo aus Perlmutt wurde in der Form abgeändert und mit diesem Plastik-Fernost Aufleimer beklebt. Und dann wurde nicht mal der Lack darunter entfernt! Ich musste nur an einer Ecke knibbeln, und hatte den Aufleimer in der Hand. Das Instrument war übrigens komplett weiß mit PU-Lack überlackiert. Die Kundin war totunglücklich und wir haben in Absprache mit ihr den Kopf auf den alten Umriss zurückgebaut, inklusive Perlmuttlogo etc. Nachdem der dicke PU-Lack unten war, klang die AZ-10 auch richtig gut.
die Seriennummer erhalten (ganz wichtig!), den China-Pickup gegen LR Baggs Anthem getauscht, eingestellt und besaitet. Ergebnis: Kunde war überglücklich, hat ein gutes Trinkgeld dagelassen und ist seitdem Stammkunde.
Der Reparateur war aber von seinem Pfusch so überzeugt, dass er überall im Korpus seinen Adressaufkleber angebracht hat, sogar unter der Spannstababdeckung! Sowas ist leider kein Einzelfall.
VERTRAUEN IST GUT, WISSEN IST BESSER
Ich wäre sehr dafür, dass Arbeiten am Instrument nur noch von zertifiziertem Fachpersonal ausgeführt werden dürfen. Früher gab es für sowas mal Musikläden… Das hören wir übrigens ständig: „Es gibt ja keine mehr oder keinen, der das macht.“
Auch wenn Reparaturen aus Berlin oder sonstwo herkommen, dann fragen wir: „Wieso kommt ihr zu uns, gibt es da keine Gitarrenbauer, die das neu bundieren können?“ Meist hören wir folgende Antwort: „Ja, schon, aber die machen keine Reparaturen.“ oder „ … die sind zu teuer“, oder „ … die sind zu schlecht.“
Was jeder Einzelne für seine Arbeit nimmt, muss er ja selber wissen, aber es gibt durchaus Sachen, die gehören bei einer Neubundierung dazu, wie zum Beispiel ein neuer Obersattel und ein mustergültiges Setup. Für uns ist das selbstverständlich.
Ich bin unter anderem Mitglied im Meisterprüfungsausschuss und Dozent an der Fachhochschule für Musikinstrumentenbau AKM der WHZ Zwickau in Markneukirchen. Ich bewerte jedes Jahr zig Instrumente auf handwerkliche Qualität und kann das durchaus sehr gut einschätzen.
ZWISCHEN BÜHNE UND WERKBANK
Auch bin ich seit über 30 Jahren selber aktiver Musiker und weiß, worauf es ankommt. Ich hab das alles selber durch: Die ganze Gitarre ist scheiße, eingestellt, aber passt schon! Bei Gigs reißen ständig Saiten – ok, dann packen wir eben 12er-Drähte auf die Paula. Da soll ein Humbucker in die Strat – wo ist Vatis (natürlich stumpfes!) Stechbeitel? Ja, ich war jung und hatte keine Ahnung.
Aber was ich damit sagen will: Ich kann mich sehr gut in die Lage der Musiker und ihrer Instrumente reindenken. Und es macht mir nach wie vor Spaß! Sicher, Neubau ist am schönsten, aber das Reparieren gehört doch auch dazu!
Bis vor ein paar Jahren wurde man auf Ausstellungen immer komisch angeschaut, wenn man gegenüber Kollegen erwähnte, dass man auch Reparaturen mache. Man war direkt irgendwie geächtet, als ob man eine schlimme Krankheit hätte. Außer bei einigen alten Hasen.
Ich hab den Beruf in Berufsschule, Studium, Praktikum und später Meister sieben Jahre lang gelernt, und ich lerne auch heute immer noch jeden Tag dazu! Den vielleicht größten Teil habe ich aber durch das Reparieren gelernt, einfach weil ich dadurch an so ziemlich jede Gitarre gekommen bin − auch Vintage-Pre-War-Custom-Shop usw., 200 Jahre alte historische Instrumente… Ich durfte sie alle genauestens inspizieren, reparieren, studieren und weiß heute, wie sie funktionieren.
Das ist wahnsinnig wertvoll und fließt auch in unsere eigene Arbeit an neuen Instrumenten ein. Der einzige Nachteil bei uns ist, dass man mitunter lange auf seine Reparatur warten muss − manchmal ein halbes Jahr. Die Standard-Reparaturen wie Setup usw. versuchen wir immer so schnell wie möglich innerhalb eines Monats zu machen.
Der Kunde bekommt von uns bei Anlieferung einen klaren Preis genannt sowie einen Zeitrahmen − sollten Änderungen auftreten, rufen wir an. Ich bin mit meinen Preisprognosen ziemlich konkret und verkalkuliere mich da auch nicht.
HANDWERK & SOCIAL MEDIA
Zum Thema Standardreparaturen: Mich persönlich nervt das total bzw. langweilt es, wie diverse Kollegen mit Bundierungen oder Poti-Lötarbeiten an irgendwelchen F- & G-Custom-Shop-Instrumenten im Social Media rumprotzen − das ist doch nix Besonderes, das macht jeder! Auch der klassische Gibson-Headcrack gehört für mich zum Standardprogramm.
Postet doch mal was wirklich Interessantes! Ich kann nur jedem angehenden Gitarrenbauer oder denen, die gerne einer werden wollen, nur empfehlen: Macht eine fundierte Ausbildung als Zupfinstrumentenmacher und lernt das Handwerk von der Pike auf und nicht aus irgendwelchen Youtube-Videos, die man ja optional durchaus zusätzlich nutzen kann.
Und an die Musiker und Musikerinnen: Sucht euch eine renommierte Gitarrenbauwerkstatt für eure Serviceaufträge und achtet darauf, dass der oder diejenige die Reparatur − ganz egal welcher Art − auch gerne macht und wirklich Ahnung hat. Sprecht Zeit und Geld vor dem Auftrag konkret ab, dann gibt es hinterher auch keine bösen Überraschungen.
Gut ist immer, wenn am Schluss beide Seiten zufrieden sind. Ich freue mich jedenfalls immer darüber, wenn der Kunde mit einem Grinsen im Gesicht unsere Werkstatt verlässt.
Bild: Torsten Preuss
Bild: Torsten Preuss
Oft entfernen Hersteller (billig wie teuer) den Lack unter dem Steg nicht, vor dem Aufleimen. Der Lack muss, genau der Kontur entsprechend, bis zur äußersten Stegkante entfernt werden − sonst hält das nicht, mit keinem Leim. Bei 12 Saiten ist das natürlich richtig fatal. Besonders, wenn Furnierschichten der Sperrholzdecke so mangelhaft verleimt wurden, dass gleich die oberste Schicht mit herausreißt.
(Bild: Torsten Preuss)
Eine Gretsch Synchromatic. Auch typisch für Jazzgitarren: Irgendwer säbelt ein größeres Schallloch in die Decke, zerstört dabei die Beleistung und jemand anderes verschließt das Loch wieder − auch irgendwie. Hinzu kommt, dass das F-Loch einfach mal verschandelt wird, um da Elektronik hinein zu stopfen − das ist nämlich ganz schön fummelig. Zwei „ Ralley-Streifen“ auf der Decke und irgendein Saitenhalter runden das Fiasko ab. Bei sowas hat man richtig zu tun, um das wieder in Ordnung zu bringen.
Gut, jetzt wissen wir, daß es da draußen eine Menge Stümper gibt – und nun?
Schön, daß es bei Euch alles ganz anders läuft, aber warum diese giftigen Tiraden gegen die Pfuscher?
Qualität wird sich am Ende immer durchsetzen, auch ohne Bashing der “Konkurrenz”. Der ganze Artikel klingt wie ein Bewerbungsschreiben. It’s only Rock’n Roll…
LG R.
Gut, jetzt wissen wir, daß es da draußen eine Menge Stümper gibt – und nun?
Schön, daß es bei Euch alles ganz anders läuft, aber warum diese giftigen Tiraden gegen die Pfuscher?
Qualität wird sich am Ende immer durchsetzen, auch ohne Bashing der “Konkurrenz”. Der ganze Artikel klingt wie ein Bewerbungsschreiben. It’s only Rock’n Roll…
LG R.