(Bild: Dieter Stork)
1986 begann Thomas Eich, damals noch unter dem Markennamen Tech, mit dem Bau von Boxen. Diese Kreationen fanden bald den Weg in die Testberichte dieses im gleichen Jahr gegründeten, ehrwürdigen Magazins und ernteten bei dem Tester Dirk Groll Begeisterung für die detailfeine Wiedergabe der selbst entwickelten Speaker.
40 Jahre später ist Thomas immer noch innovativ unterwegs und hat immer noch ein Auge und ein Ohr für Details im Ton und frische Detaillösungen an seinen längst etablierten Amps.
AUFBAU
Aus dem soliden Karton, in dem der Combo selbst in stressigen Zeiten für Paketdienste unversehrt ans Ziel kommt, ziehe ich den BC115 am Riemengriff oben heraus. Mit gut 17 Kilo ist er nicht der leichteste, aber in der Welt der 15″-Combos gehört er immer noch zu den tragbareren Modellen, zumal der Griff gut platziert ist und für eine angenehme Balance sorgt. Das Gehäuse aus Multiplex ist wie gewohnt sauber in schwarzes Tolex gehüllt, es sind aber auch Custom Colours möglich.
Die Ecken sind mit Metallbeschlägen geschützt und vier dicke Gummifüße sorgen für sicheren Stand. Der Frontbespannstoff ist ebenfalls klassisch schwarz mit schickem Piping. Neben dem Eich-Logo befindet sich unten noch der „Next Level Bass”-Badge – seit einiger Zeit Thomas’ Motto für die nochmals komplett überarbeiteten Boxen und Combos.
Der Antrieb des BC115 ist durch ein Fenster im Gehäuse oben hinten zugänglich eingebaut und entspricht im Wesentlichen dem T500-Top. Los geht es mit der Inputbuchse. Auch hier gibt es eine neue Option zu vermelden: eine höhere Eingangsimpedanz speziell für Kontrabässe. Zum Test habe ich jedoch die Standardausführung.
Der Gain-Regler stellt in Kombination mit der optischen Anzeige per Clip-LED den Eingangspegel ein und ist so bemessen, dass auf einen Schalter zur Vordämpfung verzichtet werden kann. Die Klangregelung beginnt mit dem Taste-Regler, der mit einem Dreh zwischen Dry und Rich agiert, dazu gleich mehr. Der eigentliche Vierband-Equalizer startet mit Lo und ist mit 30 Hz wirklich tief angesetzt.
Die Mitten sind in zwei Bereiche aufgeteilt: Der tiefe Bereich wird bei 250 Hz bearbeitet, der hohe bei 800 Hz. Der Höhenregler liegt mit 8 kHz recht hoch im luftigen Sparkle-Bereich. Der selbsterklärende Master-Regler dient zur Einstellung der Ausgangslautstärke, der danebenliegende Mute-Knopf schaltet den Combo stumm, beispielsweise beim Basswechsel, beim Stimmen oder in Spielpausen.
Der Post-Schalter (nicht Postschalter …) gehört zum DI-Ausgang. Wie auch bei Mute kündigt ein dezentes, aber deutliches Leuchten Aktivität an, in diesem Fall, dass das gesamte Signal vor dem Master vom darüberliegenden XLR-Ausgang abgegriffen wird oder Pre direkt hinter der ersten Eingangsverstärkung, ohne weitere Bearbeitung. Zur Vermeidung von Brummschleifen zwischen Combo und Anlage kann ein Ground-Lift geschaltet werden. Der Powerknopf vervollständigt die Ausstattung an dieser Stelle.
(Bild: Dieter Stork)
Weiter geht es auf der Rückseite. Eich baut nicht einfach das Topteil hängend ein und nimmt die Unzugänglichkeit der Anschlüsse in Kauf, sondern versetzt diese komplett nach Achtern, sodass sie zugänglich sind. Hier geht es los mit der Netzbuchse. Für den internationalen Tourbetrieb kann der Combo (nach dem Wechsel der Sicherung) auch an 115 Volt betrieben werden. Der Umschalter ist abgedeckt, damit hier nichts unabsichtlich passieren kann.
An der Neutrik-Speakon-/Klinken-Kombibuchse können externe Boxen mit einer Mindestimpedanz von acht Ohm angeschlossen werden. Dann gibt der Combo die volle Leistung ab. Außer, ich schalte mit der Funktion „Internal Speaker on/off” die eingebauten Lautsprecher aus. Zunächst habe ich mich gefragt, warum ich das wollen würde, aber damit habe ich zwei Effekte: Zum einen höre ich nur noch die externe Box und zum anderen – was in der Praxis wahrscheinlich wichtiger ist – kann ich bis zur Mindestimpedanz von vier Ohm anschließen, zum Beispiel den Kühlschrank auf der Festivalbühne.
So kann ich den Combo quasi als Topteil benutzen, ohne ein Kabel abziehen zu müssen, was hier ohnehin intern verbaut ist.
Die nächsten beiden Buchsen haben ihren Einsatzort eher abseits der Bühne. Über Aux In kann per Miniklinke ein Stereosignal zugespielt werden, das auch über den Combo wiedergegeben wird. Ebenfalls per Miniklinke kann ein Stereo-Kopfhörer angeschlossen werden, um in Ruhe zu Playbacks zu üben. Über Send und Return können Effekte eingeschliffen werden.
Send bietet außerdem die Möglichkeit, ein Signal vor dem Master abzugreifen, während Return auch als Line-In vor dem Master direkt in die Endstufe genutzt werden kann. Der Line-Out liegt wiederum hinter dem Master. Damit kann eine weitere Anlage zentral in Sound und Lautstärke gesteuert werden. Alle diese Ausgänge werden mit dem Mute-Schalter stummgeschaltet, nur der Tuner-Out ist dann noch aktiv.
TIEFENENTSPANNUNG
Beim Anschalten des Combos stelle ich zwei Dinge fest: Der Soft-Touch-Power-Knopf fühlt sich edel und sehr „satisfying” an, und nachdem der Verstärker ebenso soft gestartet ist, höre ich erst einmal – nichts. Thomas Eich setzt hier auf Konvektionskühlung. Der Verzicht auf einen Lüfter sorgt für absolute Ruhe.
Nachdem ich kurz eingepegelt habe, lasse ich meinen Fender American Elite Jazz Bass auf den BC115 los. Er kann aktiv und passiv gespielt werden, hat eine gute H-Saite, kann tiefe Bässe und glasige Höhen – und all das setzt der Combo souverän und entspannt um. Auch die kleineren Eich-Combos sind in der Basswiedergabe schon sehr erwachsen, aber der hier verbaute 15″-Keramikspeaker gibt dem Ganzen noch einmal eine ganz andere Wucht. Dass hier ohne Zusatzbox „nur” ca. 300 Watt anliegen, ist kaum zu spüren. Die erreichbare Lautstärke ist beeindruckend, bevor die Physik dem Combo dann doch Grenzen setzt.
(Bild: Dieter Stork)
Auch der Höhenbereich wird deutlich, aber harmonisch eingebunden dargestellt. Hier werkelt ein 4″-Mittel-Hochtöner. Dieser ist nicht, wie oft üblich, im Pegel schaltbar, aber der Amp verfügt ja auch über eine Klangregelung. Allein der Taste-Regler ist schon ein wirkungsvolles Werkzeug. „Dry” macht den Ton wie versprochen trocken durch Bassreduktion und Betonung des Attacks, „Rich” macht ihn dagegen voller und nimmt Höhen aus dem Spiel.
Er eignet sich sowohl zum Ausgleich des Instrumentcharakters oder um ihn noch zu betonen, zur Anpassung an die Raum- oder Bühnenakustik als auch als grundsätzliche Voreinstellung zwischen knackig-modern und Vintage. Ein leicht handzuhabendes Feature.
Der EQ selbst agiert nach dem Motto „Weniger bringt viel”. Der Lo-Regler erzeugt heftigen, aber absolut kontrollierten Druck in den Tiefen, während die breitbandiger angelegten Mittenregler Punch, Growl und angenehme Holzigkeit in den Bandsound einbauen oder mittenarme Funk- und Slapsounds produzieren. Der Höhenregler ersetzt den Pegelsteller für den 4-Zöller wunderbar und überzeugt sowohl mit expliziter Luftigkeit als auch beim Abrunden im Vintage-Stil. Der Gesamteindruck ist dabei schnell und transparent. Über eine träge Wiedergabe muss man sich keine Gedanken machen.
Um den guten Ton auch in kleineren Räumen ortbar zu machen, in denen sonst nur die flatternden Hosenbeine in den Genuss des vollen Sounds kommen, hat Eich zwei Schrägsteller mitgegeben. Eine kurze Metallstange kann vorne in die Unterseite eingesteckt werden und entkoppelt den Combo so von möglicherweise dröhnigen Bühnen. Mit der längeren Metallstange lässt sich der BC115 fast hinlegen. Sie wird in eine Halterung in der Bassreflexöffnung geklemmt. Das sieht zwar zirkusreif aus, ist aber standfest und verbessert die Hörbarkeit im Nahbereich erheblich. Der Bassverlust ist dank der bereits erwähnten rückseitigen Bassreflexöffnung absolut zu verschmerzen.
(Bild: Dieter Stork)
Nicht sichtbar, aber hörbar, hat sich Thomas Eich auch noch Gedanken über den Bassgehalt der verschiedenen Ausgänge gemacht. Während der Lautsprecher von Haus aus noch einen leichten Extraschub bekommt, ist der Line-Out am neutralsten (die Hochmitten sind in der Eich-Grundabstimmung immer etwas reduziert, was sich am EQ nachregeln lässt). Der DI-Out hat dagegen einen Cut in den Subbässen, die über PA ohnehin nur für Mulm sorgen. Über einen mageren Sound muss man sich dabei nirgends Sorgen machen.
RESÜMEE
Ein edles Gerät mit guter und gut abgestimmter Ausstattung, sauberer Verarbeitung und ebenso sauberem Ton. Der BC115 ist ein feiner Basscombo, der auch als Standalone-Gerät glänzen kann. Er überzeugt durch große Transparenz und gleichzeitig eine Lockerheit in den Tiefen, die bei kleineren Speakerformaten oft vermisst wird.
Wer gerne auch mal mehr „Dreck” im Ton hätte, kann Preamp- oder Drive-Pedale verwenden, die der BC115 dankend annimmt – sowohl am regulären Eingang mit voller Klangregelung am Combo als auch am Line-In. Die gebotene Qualität hat ihren Preis, aber für „Made in Germany” finde ich den BC115 ein absolut faires Angebot. Zum Selbsttest empfohlen! ●
Plus
- Sound
- Übersichtlichkeit
- solide Bauweise
- Wiedergabe
- Verarbeitung
- Abstimmung Taste/EQ
Übersicht
|
|
| Fabrikat |
Eich Amplification |
| Modell |
BC115 |
| Gerätetyp |
Class-D Bass-Combo |
| Herkunftsland |
Deutschland |
| Leistung |
500 Watt an 4 Ohm |
| Anschlüsse |
Input, DI-Out, Tuner, Line-Out, Send, Return, Aux-In, Kopfhörer-Out, Speaker, Netzkabel |
| Regler |
Gain, Taste, Lo, LoMid, HiMid, Hi, Master |
| Schalter |
Mute, Power, DI-Pre/Post, DI-Ground-Lift, Internal Speaker on/off, Voltage Selector |
| Zubehör |
Anleitung, Netzkabel, Schrägsteller |
| Gewicht |
17,2 kg |
| Maße |
44 cm x 54 cm x 35 cm |
| Internet |
www.eich-amps.com |
| Preis (UVP) |
€ 1699 |
(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)