(Bild: Dieter Stork)
Das Thema Relics oder Aging sorgt nach wie vor für Diskussionsstoff. Wer so bearbeitete Instrumente ablehnt, tut das oft mit großer Heftigkeit. Wenn du zu dieser Gruppe gehörst, deren Meinung ich respektiere und grundsätzlich gut nachvollziehen kann, musst du jetzt ganz stark sein – Fame hat da was für dich!
Ich persönlich mag Aging, wenn es sich an alten Vorbildern orientiert und/oder subtil ausgeführt ist. Das kann man von den neuen Bassmodellen der Music-Store-Hausmarke nicht behaupten. Es sind Instrumente, die Historisches neu interpretieren und die Abnutzungsprozesse nicht sonderlich realistisch darstellen.
Zudem werden zwei übereinander geschichtete Farben verwendet, was sehr plakativ wirkt. Und dennoch sprechen sie mich persönlich, ganz entgegen meinen Vorlieben, erstaunlich an.
HEAVY AGING
Formal folgen beide Bässe dem altbewährten Jazz-Bass-Muster. Der asymmetrische Korpus ist aus bewährter Erle gefertigt. (Während ich das schreibe, listet die Website Mahagoni/Erle – nur der Custom JB Special Burl Green hat einen Mahagoni-Korpus, alle anderen sind aus Erle, wie der Store auf Nachfrage bestätigt.) Grundlage der spektakulären Lackierung beider Bässe ist Pink Paisley.
Zu den Hintergründen dieser Farbe, die ursprünglich eine bedruckte Folie war, die Fender Ende der 1960er-Jahre für kurze Zeit auf Telecaster-Gitarren und -Bässe klebte, hat mein lieber Kollege Franz Holtmann im Heft 5/2023 eine schöne Geschichte geschrieben (guckst du hier: gitarrebass.de/paisley). Der Viersaiter in Vintage White über Pink Paisley lässt die Paisley-Tapete überall dort durchscheinen, wo die eigentliche Lackierung als abgespielt dargestellt ist, auch am Matching Headstock.
Ob diese Spielspuren realistisch sind, sei an dieser Stelle dahingestellt, auf jeden Fall ist die Bearbeitung gut ausgeführt. Das gilt auch für den Fünfsaiter, der „echter” daherkommt in seiner behaupteten Abnutzung und gleichzeitig eine wirklich krasse Optik bietet. Das eigentlich deckende Candy Apple Red, das hier über Pink Paisley gesprüht wurde, hat Fame als transparenten Burst-Topcoat interpretiert. Dieser harmoniert sehr schön mit dem Pink und Silber der Grundlage.
Während die Farben beim Viersaiter fast Colour-Block-mäßig nebeneinander stehen, verschmelzen sie beim Fünfer zu etwas Neuem. Die Schlagbretter stechen mir ins Auge. Sie können zwar farblich bei beiden durchgehen, wirken in ihrer einschichtigen Machart aber doch ein bisschen einfach.
Der Hals der JBs ist aus thermisch behandeltem, geröstetem Ahorn. Das ist ja nichts Ungewöhnliches mehr, aber künstlich ge-aged hatte ich das noch nicht unter den Fingern. Wie sich das, speziell für den Daumen, anfühlt, dazu gleich mehr. Weiter mit den Fakten: Die Palisander-Griffbretter sind von einem etwas unsauberen Binding eingefasst, in dem die Bearbeitung feine schwarze Spuren hinterlassen hat.
Neben den ansehnlichen perlweißen Block-Inlays gibt es auch Stainless-Steel-Bünde, die längere Haltbarkeit versprechen. Die Kopfplatte ist ein gelungenes Fender-Derivat. Beim Custom JB5 kommt zu den offenen 4L-Mechaniken auf der linken Seite noch eine auf der rechten Seite. Außerdem gibt es einen zweiten Niederhalter für die Saiten, um nicht nur D und G, sondern auch E und A mit ausreichend Druck im Sattel zu versorgen.
Der Sattel besteht aus Knochen und wurde sauber gefeilt. An der Kopfplatte befindet sich auch der offene Zugang zum Zweiwege-Stahlstab. Die Brücke am anderen Ende der Saiten wirkt erstmal solide. Zwar hakt sie einige Kästchen ab – dicke Grundplatte, massives Ende zum Durchfädeln, Rillen zur Führung der stabilen Saitenreiter –, aber sie hat einen Tail-Lift, das heißt, das Ende hinter den Befestigungsschrauben biegt sich unter dem Saitenzug nach oben.
Beim Custom JB4 kann man hier ein Blatt Papier unterlegen, beim Fünfsaiter reicht schon eine dünne Pappkarte. Das hat erst einmal keinen weiteren negativen Einfluss, sollte aber nicht vorkommen. Erfahrungsgemäß kann es sich über die Jahre noch mehr verziehen. Viele Rickenbacker-Spieler:innen können davon ein Lied singen.
Die Tonabnehmer sind Singlecoils mit Alnico-Stabmagneten, die beim Fünfsaiter etwas weit vorstehen. Falls das stört, können die Kappen schnell unterfüttert werden, da sie nur lose aufgesetzt sind. Die typische Chromplatte für Potis und die Buchse ist bei den Customs gut gefüllt.
(Bild: Dieter Stork)
Los geht’s mit einem Doppelstock-Poti, dessen kleinerer, innenliegender Knopf für Volume zuständig ist; der größere darunter ist die passive Höhenblende. Der freistehende, mittenrastende Regler daneben ist für die Balance zuständig, gefolgt vom Höhenregler. Bässe und Mitten teilen sich wieder einen Reglerplatz. Ausgangsbuchse und Minischalter für die Aktiv-/Passiv-Umschaltung komplettieren das Ensemble.
(Bild: Dieter Stork)
Alles ist sauber auf einer Platine aufgebaut, die auch ein Trimpoti zur Gain-Anpassung bietet. Wie die Pickup-Fräsungen ist das E-Fach mit Abschirmfolie ausgekleidet. Der für den Aktivbetrieb nötige 9-Volt-Block hat sein Fach auf der Rückseite und ist ohne Werkzeug zu öffnen. Er verfügt über einen stabilen Batterieclip.
Beide Fames sind mit einem Lock-System für den Gurt ausgestattet. Die gute Nachricht: Die Gegenstücke liegen bei und sind leicht zu montieren. Einen Gurt ohne Gegenstücke sollte man lieber nicht nutzen, denn die schmale Rille in den Pins gibt kaum Halt. Den entsprechend ausgestatteten Gurt also nicht zu Hause vergessen!
(Bild: Dieter Stork)