Macht die auch Kaffee?
Yamaha TAG3 C im Test
von Guido Lehmann, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Puh, diese Yamaha ist etwas mehr als nur eine schlichte Westernklampfe. Da muss man wohl tatsächlich mal die Bedienungsanleitung aufschlagen.
Looper, Aktuatoren (?), Bluetooth, Effekte, Musikwiedergabe … holy moly, wo fängt man da an? Ich würde sagen: Bei der Gitarre selbst, denn auch die TAG3 C ist grundsätzlich erstmal eine Dreadnought-Steelstring – und als die erfunden wurde, fuhren noch Pferdekutschen durch die Stadt.
Die erste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten: die Gitarre ist nicht ganz leicht! Schnell gecheckt … 2,8 kg, da ist halt so einiges an Bord. Der Hang-Tag an der Kopfplatte verrät uns „All solid” – wir haben es also mit massiven Hölzern zu tun, was immer eine gute Nachricht ist. Die Decke ist aus Sitka-Fichte, sie ist zweiteilig, sehr fein gemasert und hat den Yamaha-eigenen A.R.E. Prozess (Acoustic Resonance Enhancement) durchlaufen, der das Holz quasi „einspielen” und „altern lassen” soll.
Des Weiteren auffällig sind hier die geschmackvolle Schalllochrandung, das transparente Schlagbrett und dieser ominöse Kreis, der mit dem internen Looper zu tun hat. Der restliche Korpus ist aus Mahagoni gefertigt – der gesamte Body ist auf’s Feinste in Hochglanz lackiert. Anders der Hals – er wurde für eine bessere Haptik mattversiegelt, besteht auch aus Mahagoni und hat ein Griffbrett aus Ebenholz, das auf jegliche Einlagen verzichtet … elegante Schlichtheit.
Die Saiten ruhen bei einer Mensur von 650 mm auf Stegeinlage und Sattel aus Urea und sind unten mit Kunststoff-Pins im Ebenholzsteg fixiert. Urea? Dabei handelt es sich um ein synthetisches Harz auf Harnstoffbasis, das typischerweise durch Reaktion mit Formaldehyd zum Kunststoff verarbeitet wird. Oben an der Kopfplatte werden die Saiten mit sehr edlen, offenen Mechaniken in Champagne-Gold-Finish „in tune” gebracht.
Man muss hier nochmal betonen: die Yamaha verbindet auf sehr gelungene Weise Schlichtheit, Eleganz, geschmackvolle Details und hochwertige Anmutung. Schon an diesem Punkt ist die TAG3 C eigentlich jeden Cent wert, aber …
… JETZT GEHT’S ERST RICHTIG LOS
Mein Vater hat immer gesagt: „Früher war Spielzeug aus Holz!” Ja hallo, da sind wir doch wieder, denn diese Yamaha ist ein wunderschönes Holz-Konstrukt, aber auch ein formidables Spielzeug für Sound-Tüftler, Neugierige, Experimentierfreudige und Musiker, die offen sind für moderne Sound-Tools. Es würde hier den Rahmen sprengen, alle Funktionen und Parameter einzeln durchzugehen, aber einen Überblick kriegen wir hin. Und ein Teil der TransAcoustic-Features ist ja auch schon hinlänglich bekannt.
Hall und Chorus, der aus der Gitarre heraus ertönt, ohne dass diese an einen Verstärker angeschlossen ist – das kannten wir schon. Dies geschieht, indem die oben genannten Aktuatoren den bearbeiteten Signalanteil in Schwingungen umsetzen und den Korpus damit anregen, sodass Hall/Chorus akustisch aus der Gitarre heraus abstrahlen. Jetzt wird aber noch eine Schüppe draufgelegt. Als dritter Effekt ist jetzt ein Delay mit im Bunde und darüber hinaus ein Looper.
Die Effekte kriegt man noch intuitiv in den Griff, aber dann kommt es unweigerlich zu RTFM (read the f’#*ing manual), denn die vier Regler auf der Zarge haben alle Mehrfach-Funktionen und es steht eine App (TAG Remote) zur Verfügung, mit der man mehrere Delays, Chorusse und Hall-Programme auswählen und detailliert justieren kann. Von daher ist die Yamaha natürlich auch Bluetoothfähig und kann auch als Musikwiedergabegerät dienen.
Widmen wir uns mal dem Looper. Die Regler funktionieren jetzt als Taster: Looper mit der Loop-Taste aktivieren und mit Druck auf Reverb-Taste starten – die Aufzeichnung beginnt. Mit einem Tippen auf den Kreis auf der Decke (Tap-Sensor) beendet man die Aufnahme und der Loop läuft. Durch Drehen an der Looper-Taste kann man die Lautstärke anpassen und dann dazu mitspielen.
Ein Druck auf die Chorus-Taste stoppt den Loop, ein langes Drücken löscht ihn. Natürlich kann man auch mehrere Overdubs aufzeichnen.
(Bild: Dieter Stork)
Also, um alle Möglichkeiten der TAG3 C zu ergründen und auszuschöpfen braucht man etwas Zeit, es ist aber alles recht logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Natürlich ist auch ein Stimmgerät integriert, es gibt Tab-Tempo … ich habe bestimmt irgendwas vergessen. Mit dem beiliegenden Ladegerät lässt sich der Akku aufladen, der Anschluss auf der Zarge gibt magnetisch sicheren Halt. 5,5 Std. Spielzeit stehen dann zur Verfügung.
(Bild: Dieter Stork)
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