Produkt: Blooddrunk – Children Of Bodom
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Tower Of Power

Remembering Francis “Rocco” Prestia

(Bild: ESP Guitars)

In seinem Lehrvideo beschrieb sich Francis „Rocco“ Prestia, der legendäre Bassist der Funk-Institution Tower Of Power, mit folgenden Worten selbst: „Einige meiner Einflüsse gehen zurück in die 60er- und 70er-Jahre, wie James Brown, Sly Stone, der Memphis-Sound, der Motown-Sound, Bassisten wie James Jamerson oder Duck Dunn. Ich sehe mich selbst im Wesentlichen als Mitglied der Rhythm Section und nicht als Solist, obwohl ich das Gefühl habe, ständig zu solieren durch die Art, wie ich spiele. Ich soliere aus dem Inneren des Grooves heraus.

Wer mich auf Platte oder live hört, wird zu dem Eindruck kommen, dass ich ein Vielspieler bin. Ich möchte nur betonen, dass es in Ordnung ist, viel zu spielen, solange du dabei niemandem auf die Füße trittst.“

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Rocco, wie ihn alle nannten, ist am 30. September nach jahrelangen gesundheitlichen Problemen im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Und so kann er nicht mehr miterleben, wie Tower Of Power möglicherweise mit einem Grammy für das im März erschienene Album ‚Step Up‘ ausgezeichnet wird. Nominiert wurde die Band jedenfalls in gleich fünf Kategorien.

Tower Of Power 2018 (Bild: Anna Webber)

Die CD wurde schon 2018 bei einer Session unter der Ägide des Star-Produzenten Joe Vannelli eingespielt. Mit ‚Soul Side Of Town‘ war bereits am 1. Juni 2018 der erste Teil der Session veröffentlicht worden. Und Rocco hat alle 28 Songs eingespielt, einige mitkomponiert, und zeigte sich trotz seiner angeschlagenen Gesundheit in Bestform. Beim am 20. August 2018 veröffentlichten Tiny-Desk-Gig der Band konnte Rocco jedoch nicht mitspielen.

Sein Einfluss auf die Bass-Community und die Musik kann gar nicht überschätzt werden. Zwar gab es schon vor ihm Bassisten wie Jerry Jemmott oder Chuck Rainey, die 1/16- Funk-Basslines spielten. Dass ein Bassist aber, wie bei ‚You Got To Funkifize‘, dem Opener des zweiten TOP-Albums ‚Bump City‘ (1972) buchstäblich alle 1/16-Noten in einem hypnotischen Puls durchspielt, gab es noch nie.

Rocco spielte damals einen Fender Precision Bass mit Flatwounds. Um niemandem „auf die Füße“ zu treten, brauchte er einen tighten und perkussiven Basston, mit dem er die 1/16-Subdivisions klar markieren konnte, ohne den komplexen Bandsound zuzudröhnen. Während sich Motown-Bassisten wie James Jamerson mechanischer Dämpfung mittels Schaumstoff bedienten, erfand Rocco das „Left Hand Muting“, bei dem er meistens mit dem Mittelfinger und auch mit dem Zeigefinger die Töne greift und die Saitenschwingung durch dosiertes Auflegen von Mittel- und Ringfinger auf die Saite so abdämpft, dass die gespielte Tonhöhe gerade noch identifizierbar bleibt, das Ausschwingen der Saite aber unterbunden wird.

Resultat ist ein Staccato-Ton, der mehr nach Perkussion als nach Saiteninstrument klingt. Bei Bedarf kann Rocco aber die Saiten auch ausklingen lassen und verfügt so über eine breite Palette von Tondauern vom Legato bis zum Staccatissimo. Die zweite Komponente seiner Technik ist der konsequente Wechselschlag der rechten Hand. Dabei verzichtet er fast immer auf das Raking, was dazu führt, dass Zeigefinger (i) und Mittelfinger (m) meistens für die gleichen rhythmischen Notenwerte zuständig sind:

Durch diese klar definierte Aufgabenteilung der Anschlagshand entsteht ein konstanter Puls und so auch ein resoluter und klarer Groove. Und genau den braucht eine Band wie Tower Of Power auch, die sich durch ihre schon fast schon chirurgische rhythmische Präzision und ihre ungeheure Energie bei Gigs einen legendären Ruf erarbeitet hat.

Der Keyboarder und Produzent George Whitty, mehrfacher Grammy-Gewinner, spricht in einem Nachruf auf Rocco deutliche Worte: „In all meinen Jahren mit den Brecker Brothers auf Tour war Tower die Band, nach der wir niemals spielen wollten, und auch sonst niemand. Mike Brecker (legendärer Saxophonist und Bandleader, † 13. Januar 2007) sagte immer „Oh, boy…“, wenn wir erfuhren, dass wir nach ihnen spielen sollten. Diese Energie war einfach kaum zu toppen, und Rocco hatte an dieser einen riesigen Anteil.“

(Bild: ESP Guitars)

Roccos Bass-Spiel hat einige der besten Bassisten dieses Planeten deutlich beeinflusst. Allen voran Jaco Pastorius, der in seiner ebenfalls oft von durchlaufenden 1/16-Noten geprägten Art zu grooven viel von Rocco übernommen hat. Von Oktaven über Tonrepetitionen bis hin zur Tonauswahl sind die Parallelen unübersehbar. Auch die prägnant deutliche, rhythmische Artikulation hat Jaco übernommen, allerdings mit einer total anderen Spieltechnik. Während Rocco immer über dem Pickup seines Precisions, und damit ziemlich weit vom Steg entfernt, anschlug, bevorzugte Jaco den Anschlag nahe der Brücke über dem Steg-Pickup seines Jazz Basses.

Ein anderer Weltklasse-Bassist ist Gary Willis, der von Rocco wie von Jaco geprägt wurde und trotzdem mit der Zeit seinen komplett eigenen Stil entwickelt hat. Auch er spielt viel dichte 1/16-Linien, dämpft aber die Saiten mit dem Handballen der rechten Hand ab und benutzt eine einzigartige Anschlagsmethode, die Dreifinger-Technik mit Anschlägen des Daumens kombiniert. Aus der jüngeren Bassisten-Generation hat Vulfpeck-Bassist Joe Dart Rocco offensichtlich sehr genau zugehört. Bestes Beispiel ist der jetzt schon legendäre Vulpeck-Bass-Hit ‚Dean Town‘.

Transkription

Das oben bereits erwähnte ‚You Got To Funkifize‘ ist wohl das erste Stück, in dem Roccos Spiel in voller Pracht und mit allen Komponenten, die ihn zu einem der größten Bassisten aller Zeiten gemacht haben, zu hören ist. Deshalb zeigen wir in Beispiel 1 seinen kompletten Bass-Part. Ich habe versucht, die beschriebenen Spieltechniken so genau wie möglich zu dokumentieren. Fingersätze für die linke und rechte Hand und die Kennzeichnung des „Left Hand Mutings“ entweder durch dreieckige Notenköpfe oder bei längeren Passagen durch eine gestrichelte Linie sollten es möglich machen, sich Roccos Spieltechnik zu nähern.

Beispiel 2 widmet sich dann ‚The Educated Bump, Part 1‘, einem spektakulären kurzen Song vom 1993er-Album ‚T.O.P.‘ Hier hören wir extremes „Left Hand Muting“ in absoluter Perfektion, und die Band in faszinierendem Zusammenspiel und maximaler Tightness.

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden)

 

Produkt: Coming Home – Sons Of Apollo
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