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Workshop

Prinzipien des Pickup-Baus – Teil 3: Magnetmaterial und Pickup-Kappen

Wolfgang Damm von AmberPickups erzählt, wie er zum Pickup-Hersteller wurde und gibt Klang- und Material-Tipps rund um den Magnettonabnehmer.

Wolfgang mit seiner alten Wickelmaschine

In Teil 3 von „Prinzipien des Pickup-Baus“ geht es noch einmal um den Einfluss von Magnetmaterial auf den Klang des Tonabnehmers und um den Einfluss von Pickup-Kappen.

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Die meisten Magnete werden bereits voll aufgeladen im Handel angeboten, aber wer seine Magnete selbst aufladen oder mit unterschiedlichen Magnetstärken experimentieren möchte, um den Unterschied zwischen voll aufgeladenen und teil-entladenen Magneten zu erforschen, kommt nicht umhin, sich entweder einen Magnetisierapparat oder alternativ ein paar extra starke Neodym-Magnete anzuschaffen. Mit diesen extrem starken Neodym-Magneten, die locker eine Flussdichte von mehreren tausend Gauss erreichen, können AlNiCo-Magnete aufgeladen, aber auch wieder entladen werden. Diese Methode kann man gut bei Zylindermagneten, wie sie in Strat- und Tele-Pickups verbaut werden, anwenden. Für Humbucker-Magnete ist die Methode nicht so gut geeignet, weil die Magnetisierung recht ungleichmäßig ausfällt.

Magnetisiergerät

Zur Überprüfung der Magnetstärke benötigt man eigentlich ein Magnetfeldmessgerät. Wer sich dieses teure Messgerät nicht zulegen möchte, kann zumindest vergleichend arbeiten, um die Magnetstärke einzuschätzen. Der erste Test kann mit dem Schraubendreher erfolgen: Je größer die Kraft, die ich aufwenden muss, um den Schraubendreher wieder vom Magneten abzuziehen, desto stärker ist der Magnet aufgeladen. Diese Methode kann man verfeinern, indem man eine kleine Haltevorrichtung baut, in der ein Magnet gegenpolig über dem anderen schwebt. Der Abstand der beiden Magnete kann als vergleichendes Maß für die Stärke herangezogen werden.

Damit kann man nur leider keine Aussage über die absolute Magnetstärke treffen, aber es hilft, die Magnete nach ihrer Stärke in Kategorien einordnen zu können. Bei solch einer Methode ist natürlich größte Vorsicht geboten, damit die Magnete nicht versehentlich entmagnetisiert werden.

Als ich Mitte der Neunzigerjahre den P-94 entwickelte, stellte sich zwar auch die Frage nach der richtigen Magnetlegierung, aber ich hatte nur die Wahl zwischen AlNiCo 2 und AlNiCo 5, denn das waren die einzigen Magnetlegierungen, die ich über meine Beziehungen zu Gibson bekommen konnte. So wurden zwei identische Heritage H-575-Jazzgitarren mit den P-94-Prototypen bestückt: Eine Gitarre bekam AlNiCo 2-bestückte, die andere AlNiCo 5-bestückte Pickups. Gemeinsam mit dem Chefredakteur von Gitarre & Bass, Dieter Roesberg, haben wir dann die beiden Gitarren im Vergleich gespielt und sowohl Dieter als auch ich haben den Klang der AlNiCo 5-bestückten P-94 Pickups favorisiert.

Verschiedene AlNiCo-Magnete
Prototyp der P-94 bestückten Heritage H-575

Gibson hat damals für mich einen Kontakt zur Firma Arnold Magnete in USA hergestellt und die haben mir 2.000 AlNiCo 5 Magnete geliefert, und zwar exakt die gleichen Magnete, die auch Gibson in den 90er-Jahren für die P-90-Produktion eingesetzt hat.

Kappen & Sound

Neben Wickeldraht und Magnet können die Metallkappen den Klang der Tonabnehmer mehr oder weniger stark beeinflussen. Was viele Gitarristen aus eigener leidiger Erfahrung kennen, ist das Feedback, das entsteht, wenn die Kappe nicht fest genug auf dem Pickup sitzt und die relativ große Kappenfläche durch zu hohe Lautstärke, oft verbunden mit starker Verzerrung, in Schwingung gerät. Manche Gitarristen setzen das Feedback gezielt ein, aber die meisten versuchen es zu vermeiden. Als man erkannte, dass ein Tonabnehmer nicht pfeift, wenn seine Bauteile unbeweglich an ihrem Platz sitzen, wurden die Pickups komplett in Wachs getaucht oder vollständig mit Kunstharz vergossen.

Alternativ zum Vergießen konnte man beim Humbucker einfach das Problem „entfernen“ und die Kappe abmontieren, sodass die beiden Spulen des Pickups sichtbar wurden. Das verlieh der Gitarre eine neue interessante Optik und das Feedback war auch weitgehend eliminiert.

Spulen der Amber-Pickups werden durchnummeriert

Als ich bei meiner ersten Gibson Les Paul auf der Suche nach der Feedback Quelle war, konnte ich leider noch nicht auf dieses Wissen zurückgreifen. Selbsternannte Spezialisten klopften die Röhren meines Verstärkers ab – denn an der teuren Gitarre konnte es ja nicht liegen. Doch auch nach dem Röhrentausch hat die Les Paul immer noch ganz erbärmlich gequietscht.

Schließlich kam die Gitarre auf die Werkbank und der Pickup wurde auseinandergebaut. Die Wachsbehandlung kannte ich damals noch nicht, aber ich hatte gehört, dass die lockeren Windungen der Spulen sich aufschwingen und das Pfeifen verursachen. Wie bekommt man lockere Windungen fest? Mit Faller Modellbau Kleber! Das war dann auch eine der schlechtesten Ideen, die ich je hatte, denn der Kleber war so stark lösemittelhaltig, dass er die Lack-Isolierung des Wickeldrahtes aufgelöst hat und mein Pickup nun gar keinen Mucks mehr von sich gab…

Neusilberkappen für Humbucker mit Aging

Doch zurück zu den Kappen. Auch das Material (inkl. Beschichtung) und die Materialstärke haben Einfluss auf den Klang eines Tonabnehmers. Humbucker- und Tele-Kappen werden normalerweise aus Neusilber gefertigt; das ist eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink. Diese Neusilber-Kappen bedämpfen (= Höhenverlust) den Klang nur minimal, weil Neusilber kein guter elektrischer Leiter ist und somit nur wenig Wirbelströme induziert werden. Messing hingegen ist ein wesentlich besserer Leiter und sorgt für reichlich Höhenverlust, wenn Kappen aus diesem Material eingesetzt werden.

Die alten Tele Hals-PU Kappen waren beispielsweise aus Messing und man findet noch heute sehr viele Tele-Messingkappen auf preiswerten Instrumenten (Messing ist etwas preiswerter als Neusilber). Der Klang dieser Konstellation ist ja nicht schlecht: Er ist weich, rund und jazzig, aber die Höhen, die durch das Material verloren gehen, können nicht nachträglich wieder beigemischt werden. Da ist es für die Praxis geschickter, einen Pickup ohne Kappe oder einen mit Neusilber-Kappe zu verwenden und dann die Höhen mit dem Tonpoti zu reduzieren, wenn das gewünscht ist.

Wolfgang Damm mit Pickup-Guru Abigail Ybarra

Setup

Die wohl häufigste Frage, die mich erreicht, dreht sich um das optimale Justieren des Tonabnehmers: „Welchen Abstand soll der Pickup zu den Saiten haben?“ Und jeder erwartet eine genaue Angabe in Zehntel Millimeter, was so nicht möglich ist, ohne das Instrument, die Spielweise und den Geschmack des Gitarristen zu kennen. Der Abstand von Pickup zur Saite gestaltet sich sehr individuell und ist weitgehend Geschmackssache. Abgesehen davon, dass man die Pickups nicht dichter als ca. 2 mm an die Saiten heranbringen sollte, weil sonst die Saiten auf den Pickup aufschlagen können, sind nur zwei Punkte zu berücksichtigen, die jeden in die Lage versetzen, die richtige Einstellung zu finden:

  1. Je dichter der Pickup an der Saite ist, desto attackreicher und lauter ist der Ton.
  2. Wird der Abstand des Pickups zur Saite größer, wird der Klang etwas weicher und leiser.

Da muss jeder – in Verbindung mit dem Amp und seiner Spielweise – seine persönliche Einstellung durch Ausprobieren finden. Bei Single-Coils, z.B. bei Strat- und Telepickups, muss man besonders aufpassen, dass der Pickup nicht zu dicht unter der Saite positioniert wird, denn dann kann der starke Magnetismus des Pickup-Magneten die Saitenschwingung so beeinflussen, dass unsaubere Töne und Schwebungen zu hören sind. Man spricht dann von „Stratitis“.

Ich hoffe, die drei Folgen von „Prinzipien des Pickup-Baus“ haben euch gefallen und ihr konntet ein paar interessante Tipps oder Anregungen mitnehmen.

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
INTERVIEWS: Toto & ZFG – FAMILIENTREFFEN, The Allman Betts Band, In Extremo, Jared James Nichols, Nathan Navarro u.v.m. +++ TEST: Kemper Profiler Stage, Engl Savage 120 Mark II, Gretsch G5655TG Center Block Jr., Ibanez Fingerstyle-Collection, Reverend Rick Vito Soulshaker, Phil Jones Bass BP-800, Dingwall NG3 Combustion 5, Fender Vintera ’70s Telecaster Thinline & ’50s Precision Bass

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