Guitar Tuning

Pimp that Strat: Pickups austauschen

Nachdem ich in der letzten Folge eine preisgünstige Fender Road Worn Stratocaster mit größtenteils einfachsten Mitteln klanglich verbessert hatte, möchte ich in der zweiten Folge näher auf grundsätzliche Ziele bei der Klangverbesserung und die Elektronik eingehen.

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1961 Fender Stratocaster Pickup-Set

Natürlich ist guter Klang Geschmackssache! Es gibt aber auch ein paar Parameter, über die sich die meisten Gitarristen einig sind. Eine besonders herausragende Gitarre wird in der Regel von jedem Gitarristen auch als solche erkannt. Ich habe hier zu Hause meist nicht allzu viele Gitarren. Dafür handelt es sich bei diesen Instrumenten jedoch oft um ganz besonders gute Exemplare. Sie gehören mir selbst oder einigen Sammlern, die mir die Instrumente zum Tunen oder zu Testzwecken freundlicherweise zur Verfügung stellen. Das Sportive an dieser Forschungsarbeit ist genau das, worum es in dieser Kolumne geht: Da es sich bei den herausragenden Instrumenten meist um sehr teure Vintage-Gitarren handelt, möchten wir herausfinden, ob man diesen Klang auch neuen und vergleichsweise preisgünstigen Instrumenten einpflanzen kann. Mit anderen Worten: Wie teuer muss „Gut“ sein?

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Man kann nun über den Klangcharakter einer Gitarre durchaus streiten. Es gibt aber offenbar ein paar Beobachtungen, die man als „Klangkiller“ zusammenfassen könnte:

  1. Fehlende Dynamik

Schlägt man einen Akkord oder eine einzelne Saite an, so überträgt die Gitarre (bzw. die Saite) die Anschlagsenergie nicht im gleichen Verhältnis zum Kraftaufwand beim Anschlag selbst. Einfacher gesagt gibt es kaum Unterschiede zwischen laut und leise. Die Gitarre scheint immer gleichlaut. Da aber die Dynamik des Spielers für den musikalischen Ausdruck ein sehr, sehr wichtiger Faktor ist, begrenzen solche Instrumente einfach die Ausdrucksmöglichkeiten des Musikers.

  1. Fehlende Saitentrennung

Wenn sich bei Akkorden die einzelnen Saiten überlagern, wirkt der Sound einer Gitarre verwaschen und unscharf. Er wird eher als Geräusch und nicht als definierter Klang empfunden. Auffällig ist hierbei, dass viele Gitarristen dieses Manko gar nicht ihrer Gitarre zuschreiben, sondern eher einer Begrenzung ihres Verstärkers oder Lautsprechers. Klärt sich dieser Irrtum nicht auf, bleibt man ewig auf der Suche nach dem perfekten Equipment.

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Abigail Ybarra Custom-Shop Set
  1. Fehlende Ansprache

Der angeschlagene Ton hat eine sogenannte Anstiegskurve. Ist diese zu flach oder gar verzögert, hat man den Eindruck, dass das Instrument müde oder verkümmert klingt. Die Lebendigkeit beim Spiel geht durch diese Trägheit bei der Tonentfaltung verloren.

  1. Midrange Honk

So verführerisch das Mittenspektrum für Rocksounds auch sein kann, so „gefährlich“ sind zu mittige Gitarren für das Gesamtergebnis bei der Klangausbeute. Wir wissen, dass bei E-Gitarren das Klangspektrum immer irgendwo „in den Mitten“ stattfindet. Kritisch wird es, wenn zu starke Pickups, die falsche Hardware oder Elektronik für eine deutliche Überhöhung (Peak) eines bestimmten Mittenspektrums sorgen.

Dann wirkt der Gitarren-Sound nicht mehr klar und definiert, sondern verklumpt, mulmig, harsch oder zu dick. Wir können diesen vier Phänomenen nur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu Leibe rücken: Setup, Hardware, Elektronik, Pickups. Eines ist jedoch sicher: Die Gitarristen, die wegen eines KlangTunings zu mir kommen, beklagen stets eines oder mehrere der aufgeführten Probleme.

Die Road-Worn-Stratocaster, die hier Gegenstand meiner Versuche ist, hatte ich ja bereits in einigen Punkten aufgewertet. Der neue Callaham Vibrato-Block sorgte für eine verbesserte Ansprache, größere Dynamik und eine gesteigerte Saitentrennung. Die neuen Vibrato-Federn brachten mehr Glanz in das Obertonspektrum und machten das Spielgefühl weicher und leichtgängiger. Der NOS „SK“ Tone-Kondensator sorgte vor allem für mehr Klarheit in der Tonabbildung. All diese Maßnahmen wiesen also in die richtige Richtung. Und ich empfehle dringend, sich mit diesen Maßnahmen zu beschäftigen, bevor man sich nach neuen Pickups umschaut.

Das habe ich mir für diese Folge aufgehoben. Ich hatte unglaubliches Glück, denn ich konnte von einem Sammler verschiedene Schlagbretter mit Vintage- und Custom-Shop-Pickups ausleihen und in der Road Worn ausprobieren. Diese Tests sollten die Frage beantworten, ob die alten Pickups wirklich einen so großen Beitrag zur Klangausbeute leisten, wie allgemein angenommen wird.

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58er Fender Stratocaster-Set

Darunter waren alte Stratocaster-Sets aus verschiedenen Baujahren (1958, 1961 und 1966) sowie zwei Kloppmann-Sets (Standard 60s und 50s) und ein Custom Shop Abigail Ybarra Handwound-Set sowie ein John Mayer „Big Dipper“-SignatureSet. Natürlich habe ich alle Pickups immer wieder mit dem Leo-Sound 50s-Set aus der Road Worn und dem Custom Shop 60s-Set aus der Relic Stratocaster verglichen.

Die wesentliche Frage war, ob der Sound einer alten Stratocaster „mitwandert“, wenn man nur die Pickups auf eine preisgünstige neue Gitarre umbaut. Die Antwort lautet „Ja“ und „Nein“ zugleich.

Anstatt jetzt jedes einzelne Set während des Test in der Road Worn vorzustellen, möchte ich zunächst einige Vorzüge zusammenfassen, die sich bei allen herausragenden Pickups-Sets beobachten ließen.

Vor allem bei den alten Sets musste man kaum mit der typisch vorlauten G-Saite kämpfen. Bei meiner Relic Custom Shop Stratocaster ist die G-Saite gut doppelt so laut wie die benachbarte D- oder H-Saite. Die Gründe dafür kann ich nur erahnen. Vermutlich wäre es klüger, dazu Andreas Kloppmann zu befragen.

Die Magnete der alten Pickups waren durchweg schwächer als die der neuen Tonabnehmer. Und ich glaube nicht, dass das mit dem Alter der Pickups zu tun hat. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Saiten werden durch die schwächeren Magnete weniger beim Schwingungsvorgang „gebremst“ und vor allem die tiefen Saiten leiden kaum unter der als „Stratitis“ bekannten Verstimmung in höheren Lagen. Die tiefen Saiten werden dabei durch ihre größere Masse von der Anziehung des Magneten so stark abgelenkt, dass der Ton verstimmt klingt.

Daher kann man die alten Pickups beim Setup näher an die Saiten heran schrauben und mehr Fidelity (Klarheit, Obertöne, Höhen) aus der Gitarre herausholen. Vermutlich wegen der schwächeren Magnete hatten alle alten Stratocaster-Pickups etwas weniger Output als die neueren Modelle, obwohl ihr Widerstand oft etwas höher lag. Deutlich ausmachen konnte man bei den alten Pickups daher ihre Klarheit und Ausgewogenheit. Sie klangen durchweg wie ein Song mit einem verbesserten Mix. Und diese Eigenschaft nehmen sie mit auf eine neue Gitarre. Ganz klar.

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66er Fender Stratocaster-Set

Sie müssen allerdings eine Paarung dieser Eigenschaften mit dem Klangcharakter, resultierend aus der Kombination von Holz, Verarbeitung, Hardware und Elektronik der neuen Gitarre hinnehmen, was zu ganz neuen Klängen führt. Das 58er Set, welches in der 58er Strat umwerfend ausgewogen und musikalisch klang, war in der Road Worn einen Hauch zu dünn und zu wenig körperhaft. Besonders den Diskant-Saiten fehlte die meist vom Holz beigesteuerte Substanz für einen vollen, satten Ton. Das schaffte die Road Worn einfach nicht.

Das 61er Set klang wie in der Ursprungsgitarre bereits beobachtet wunderbar glockig und seidig, allerdings dieses Mal auf den Bass-Saiten schon etwas zu weich und federnd. Alleine vor dem Amp sitzend gespielt vielleicht noch ein wunderbarer Sound, eingebettet in ein Playback schon einen Hauch zu konturlos. Einzig das 66er-Set konnte in der preiswerten Gitarre vollends überzeugen. Das überraschte mich. Bisher dachte ich vor allem an die vermeintliche Überlegenheit der sogenannten Pre-CBS-Pickups. Dass ein 66er-Set so gut klingen könnte, hatte ich kaum für möglich gehalten.

Die Bass-Saiten kommen unsagbar fett und trocken daher, die Mitten sind auffällig zurückhaltend und die Höhen kommen mit viel Fleisch und Körper. Sie haben nicht die „bunten“ Obertöne des 61er-Sets, dafür mehr Durchsetzungskraft und Volumen. Sie erinnerten mich daher sogar an einen 50s DeArmond-Jazz-Pickup, den ich mal auf einer fantastischen D’Angelico-Gitarre gehört hatte. Kurzum: Diese Pickups repräsentieren den Hendrix-Sound: fett, körperhaft und wenig „Quack“ wie wir ihn etwa von Mark Knopflers ,Sultans Of Swing‘ kennen.

Diese Tests sollten aber nur eine Annäherung sein, denn schließlich hatte ich kaum vor, ein paar Tausend Euro für ein altes Stratocaster-Set auszugeben.

Also probierte ich zunächst die Custom-Shop-Sets von Fender, die auch gebraucht auf eBay schon ein kleines Vermögen kosten (ca. € 500 bis € 700). Leider sind weder das John Mayer „Big Dipper“-Set noch das „Abigail Ybarra“ erhältlich. Man muss eben nach Ebay-Angeboten schauen. Ich wollte lediglich wissen, wie diese beiden, hochgelobten Sets klingen.

Das Big Dipper-Set wurde auf Wunsch von John Mayer gefertigt und verfügt über einen „scooped midrange response“. Das heißt, es wurde so gewickelt, dass eigentlich ein Mittenloch erzeugt werden sollte. In der Praxis glich dieses Set jedoch dem 66er-Set ziemlich stark. Ein Mittenloch konnte ich gar nicht feststellen. Eher vermisste ich den üblichen Mitten-Honk bei neueren Sets. Und das war gut, denn mit diesem Set konnte man an alle herausragenden Eigenschaften der alten Stratocaster-Sets anknüpfen. Schöne Saitentrennung, keine vorlaute G-Saite, trockene, klare Bässe und körperhafte Diskant-Saiten.

Eigentlich wäre dieses Set perfekt für die Road Worn und würde meinen Geschmack voll treffen. Nicht die Gitarre gibt hier den Sound vor, sondern der Gitarrist!

Das Abigail-Ybarra-Set ähnelte in den Grundzügen tatsächlich dem 58er-Set: knackig, lebendig und frisch. Allerdings hatte ich hier wieder das Problem mit etwas zu starken Magneten (Stratitis) und einer überlauten G-Saite. In der Road Worn tönte es außerdem etwas zu harsch. Höhen sind ja gut und werden gebraucht, aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich habe das Set nur in dieser Gitarre gehört, aber Ausgewogenheit klingt anders. Für meinen Geschmack war es ein klein wenig zu schrill.

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Kloppmann 60s-Set

Ganz anders die Sets von Andreas Kloppmann. Er forscht seit vielen Jahren mit unglaublichem Eifer am idealen Stratocaster-Pickup. Und ich glaube, ihm kommt es gar nicht so sehr darauf an, einen alten Pickup exakt zu kopieren, sondern die Balance seiner Pickups passend auf die Klangeigenschaften neuerer Gitarren abzustimmen, denn da kommen sie schließ- lich zum Einsatz. Und das ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Das 60s Standard-Set klang ungemein ausgewogen und ebenmäßig.

Die G-Saite sticht nicht heraus, die Bässe bleiben schlank und haben diese klare und knackige Durchsetzungskraft, die Diskantsaiten klingen fleischig und voll. Auch die Stratitis scheint fast komplett verschwunden. Ein Hinweis darauf, dass er recht schwache Magneten einsetzt. Außerdem gefiel mir die Tatsache, dass dieses neue Kloppmann-Set weniger Mitten zu haben scheint als ältere Baujahre. Bisher waren für mich die „Kloppmänner“ immer eine ideale Besetzung für Rocksounds mit viel Distortion. Strat-Sound mit Pfund!

Dieses Set kam jedoch ganz anders als in meiner Erinnerung. Es tönte seidiger, geschliffener und linearer, was der Gitarre viel Platz zum Atmen gibt. Sehr schön! Das 50s-Set klingt eine Spur drahtiger und frischer, obwohl diese Pickups mit Übersteuerung ganz schön böse und fett werden können. Wer auf dem Bridge-Pickup auch mal einen mit der Les Paul verwandten Ton erreichen möchte, wird hier fündig. Diese Pickups klingen im Vergleich mit dem original 58er-Set beinahe identisch. Hier ist meiner Meinung nach die Nähe zum Vorbild noch größer als beim 60s-Set.

Unterm Strich favorisiere ich das John Mayer „Big Dipper“-Set und das (neue?) Kloppmann Standard 60s-Set. Beide haben wenig Mitten und daher die Klarheit und Ausgewogenheit, die ich eigentlich für jede meiner Gitarren suche.

Mal sehen ob ich auch in den unteren Preissegmenten gute Probanden finde. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. die Höhen kommen mit Fleisch und Körper??? Sorry, aber da muss ich doch gleich weiterblättern…
    In welchem Frequenzbereich wirkt sich “Fleisch” aus?
    Gibt es nicht schon genug Voodoo rund um die Gitarrentechnik?
    Sachlich technische Ausdrücke und kurze hintereinanderfolgende Soundbeispiele mit Angabe, der jeweils verwendeten Bestückung wären da hilfreicher gewesen.

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  2. Ach Udo. Immer noch voll auf Voodoo bei der ewigen Suche nach dem Glockenklang. Tremolo-Fendern als Soundmacher! Ich Fass es nicht. Ich dachte schon einmal, du hättest aus der “Physik der E-Gitarre” tatsächlich gelernt. Weit gefehlt. Vielleicht ist deine Schreibe und “Forschung” aber alleine der Tatsache geschuldet, dass du Brötchen verdienen musst.

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    1. Ja, das sehe ich genau wie Carlos!!! Wenn nichts aus den Fingern kommt mußt du in der Elektronik suchen. Hendrix hätte eingestöpselt und dir den Gockenklang um die Ohren gefeuert. Egal welches Set am Start ist…Die Industrie jedenfalls freut sich über guten Umsatz und der Schreiber über einen warmen Ofen….

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  3. Die Pickups sind doch komplett egal. Aufs Tonholz kommts an. Atmen muss das, durch hauchdünnes Nitro, porentief rein und raus uns so weiter.

    Für eine der nächsten Ausgaben schlage ich vor, der Udo forscht mal nach dem Einfluss von Schlagbrettern. Die werden total unterschätzt. Und dabei werden die Pickups einer Strat ja gar nicht ins Tonholz geschraubt, sondern ins Plastik! Und mit welchen Schrauben. Bringts linksdrehend? Nageln? Vintage Palisander Spray?

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  4. Ich hätte nie geglaubt, dass die weit verbreitete Esoterik, wie sie in der Hi-End HiFi Szene vorherrscht, jemals auf die Musik-Szene abfärbt. Spätestens nachdem ich den letzten Bericht über das SRV-Tuning gelesen habe, bin ich eines Besseren belehrt worden. Zunächst dachte ich, es gilt nur das übliche: ‘Hauptsache teuer, dann klingt es besser’, also: Vovox Kabel für Längen im cm-Bereich. Aber dann kam es: die “Fließrichtung des Signals muß eingehalten werden!” – Nein, da wusste ich, alles ist zu spät. Marketing-Manager haben wirklich leichtes Spiel mit der Herrschar an gutgläubigen Schafen. Und ich wette, wenn ich nur überzeugend genug auftrete, dann glaubt man mir auch, dass ich heraushören kann, dass Abigail beim Wickeln eines bestimmten PU’s leicht erkältet war.
    Ich bin bei meinem Vorredner: klingt die Gitarre vom Holz her nicht, dann kann ich auch Rolex Tonabnehmer für $7,5 Mill. einbauen. Es bringt nichts.

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    1. Bitte zwischen den Zeilen lesen!

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  5. Hey Leute, bleibt doch mal locker…Musikmachen und auch Klangforschung soll doch Spaß machen…ich hatte mal eine 57 Strat von einem Kumpel zum Überarbeiten da, die sah völlig abgeranzt aus. Egal mit welchen Pickups (DiMarzio, Kinman etc.) ich sie bestückt habe, sie klang herausragend.

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