Hot Rod Mod

Looper/Switcher

Je größer die Anzahl der benutzten Effekte, desto eher stößt man auf das Thema Looper/Switcher. Der Begriff „Looper“ an sich wird ja auch für Audio-Recorder in Pedal- und 19″-Bauformen verwendet, mit denen man kurze Gitarrenparts aufnimmt und in einer Endlosschleife, sogenannten „loops“, wieder abspielen kann.

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(Bild: m.o. richter)

Beim Thema Pedalboard sprechen wir aber nicht von solchen Loopern, sondern von Looper/Switchern; hier geht es darum, ein Signal über verschiedene Wege von der Gitarre zum Verstärker zu leiten. Sinnvoll wird das, wenn man mit Bodeneffekten arbeitet und z. B. von einem Clean-Sound mit Chorus und Hall zu einem Distortion-Sound mit Flanger und Echo schalten will, ohne einen Steptanz auf der Bühne zu veranstalten, indem man versucht, vier Pedale so schnell wie möglich zu bedienen, um diese Sound-Veränderung herbeizuführen.

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Soll die Umschaltung mehrerer Effektgeräte mit einem einzigen Tritt erfolgen, wie es z. B. bei den programmierbaren digitalen Multieffekten möglich ist, benötigt man ein Gerät, das den Sound in verschiedenen Schleifen („loops“) durch den Effektgeräte-Dschungel führt. Sind die Ansprüche nicht allzu groß, kann man sich auf einfache Art helfen und solch einen Umschalter selbst bauen. Für einen 2-Wege-Looper benötigt man lediglich einen 3PDT-Schalter, sechs Klinkenbuchsen, etwas Litze und ein Gehäuse. Soll das Ganze noch optisch durch eine oder zwei Status-LEDs unterstützt werden, müssen noch die LEDs, ein Vorwiderstand und eine DC-Buchse in den Einkaufswagen. Die Materialkosten dürften um die € 15 liegen.

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Verdrahtungsplan. Da der China-Bausatz ohne Plan kam, wurde der Bauplan des Musikding „loop selector“ zugrunde gelegt. (Bild: m.o. richter)

Das Prinzip eines solchen Simpel-Loopers ist trivial: Das am Input ankommende Signal wird mit Hilfe des 3PDTSchalters entweder in Loop A oder Loop B geschaltet. An die beiden Send-Buchsen wird jeweils der Eingang eines Effektgerätes oder einer seriell hintereinander geschalteten Effektreihe angeschlossen. Deren Ausgang kommt dann wieder über die jeweiligen Return-Buchsen in den Looper, der das Signal über die Output-Buchse z. B. zum Verstärker oder zu weiteren, nachgeschalteten Effekten führt. Wem das Zusammensuchen der Bauteile zu mühsam ist, findet z. B. bei Musikding auch einen fertigen Bausatz für einen Loop Selector (€ 10,50, ohne Gehäuse). UK-electronic bietet seinen True Bypass Looper für € 10 (ohne Gehäuse) an, der mit zwei zusätzlichen Klinkenbuchsen auch zu einem A/B-Looper erweitert werden kann. Ich habe mich diesmal für einen Bausatz entschieden, den ich bei einem eBay-Anbieter gefunden habe.

Bei dem Angebot hat mich das lackierte und vorgebohrte Gehäuse gelockt, das im Gesamtpreis von € 15,99 (inklusive Transportkosten) bereits enthalten war. Da ließ ich mich auch nicht von der etwas merkwürdigen und schwer verständlichen Produktbeschreibung des chinesischen Anbieters abschrecken. Gut vier Wochen später kam dann ein kleines Päckchen an, in dem sich ein sehr ordentlich lackiertes und beschriftetes Gehäuse, sechs einfache Monoklinkenbuchsen, ein 3PDT-Schalter, zwei rote LEDs mit Halterungen, eine Strombuchse und vier selbstklebende Gummifüße befanden. Eine Bauanleitung und Litze waren nicht dabei. Auch ein Vorwiderstand für die LEDs gab es nicht. Nun, vielleicht sind es ja spezielle LEDs, die 9 Volt vertragen? Mal schauen, was passiert.

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Der Looper-Bausatz aus China (Bild: m.o. richter)

Zusammenbau

Für den Zusammenbau habe ich zuerst alle Bauteile in das Gehäuse geschraubt. Bei zwei der sechs Klinkenbuchsen war das nicht so ohne Weiteres möglich, weil die vorgebohrten Löcher zu nah an den Ecken waren, sodass die Buchsen nur schief hätten eingebaut werden können. Hier half leichtes Aufbohren mit einem Schälbohrer. Nach der Bestückung der Bauteile erfolgte die Verbindung mit den Litzen gemäß Verdrahtungsplan. Für die Masseverbindungen wurden schwarze Litzen genommen, die Eingangsseite (Input und die beiden Send-Buchsen) erhielt blaue Litzen, die Ausgangsseite (Output und die beiden Return-Buchsen) erhielt grüne Litzen und Strom bekam rote Litzen.

Welcher Lötanschluss bei den Buchsen nun an Masse oder an Signal angeschlossen werden sollte, lässt sich auch bei den geschlossenen Buchsen gut erkennen. An den mitgelieferten Buchsen ist die Lötöse für die Masseverbindung durch die abgeschrägte Ecke markiert. Alle Litzen kommen an der Schaltzentrale, dem Fußschalter, zusammen. Gut zu erkennen sind die drei Schaltebenen des 3PDT-Schalters, die hier vertikal liegen: links die für den Eingang, in der Mitte die für den Ausgang und rechts die Schaltebene für die LEDs. Horizontal kommen die mittleren Pins des Schalters jeweils an Input, Output und 9- Volt. Die äußeren Pins kommen jeweils an die Send-/ und Returnbuchsen der beiden Loops bzw. an die Anoden (lange Beinchen) der LEDs. Die Masse läuft als Ringleitung um alle Bauteile.

Praxis

Nach dem ersten Ausprobieren wird klar, dass es sich doch um keine speziellen LEDs handelte, die eine 9-Volt-Spannung vertragen. So endete die Lebenszeit der LED, die ohne Vorwiderstand auskommen musste, abrupt mit einem hellen Aufleuchten. Nun, dann halt eine andere LED aus dem Vorratskästchen geholt. Diesmal eine grüne – sieht eh besser aus – und einen 1- k-Widerstand an die Strombuchse gelötet, um die beiden LEDs zu schützen. Wer keinen Vorrat hat, um das defekte Bauteil sofort zu ersetzen, hätte sich über die Nachlässigkeit des Anbieters geärgert, auch wenn es sich bei einer LED und einem Widerstand nur um einen Cent-Betrag handelt. Der Rest funktionierte jedoch soweit prima – zumindest wenn man den Looper bestimmungsgemäß einsetzt, d. h. zwischen zwei Loops hin und herschaltet.

Ist nur einer der beiden Loops belegt, hat man einen On-Off-Schalter, weil auf der nicht belegten Seite das Signal einfach unterbrochen wird. Wer den Looper auch als einfachen True-Bypass-Looper nutzen möchte, muss ein Patchkabel in die Send- und Returnbuchsen des nicht belegten Loops stecken. Hier bietet sich eine kleine Optimierungsmöglichkeit an: Wenn man die Send-Buchse eines Loops durch eine sogenannte Schaltbuchse ersetzt, kann man sich das Patchkabel sparen. Bei Schaltbuchsen wird das Signal über einen kleinen Blechsteg an eine dritte Lötöse weitergeleitet, wenn kein Stecker eingesteckt wird.

Verbindet man diese dritte Lötose zusätzlich mit dem Signalanschluss der Return-Buchse, hat man einen Bypass zwischen Send und Return, auch wenn die Buchsen nicht belegt sind. Der Bausatz aus China hinterlässt insgesamt einen zwiespältigen Eindruck. Er punktet durch den günstigen Preis, in dem ein vorgebohrtes und lackiertes Gehäuse enthalten ist. Die Bauteile kommen erwartungsgemäß aus dem „Gut-und-Günstig“- Bereich. Die fehlende Bauanleitung und die fehlenden Teile mindern den Praxiswert allerdings. Alternativ zu diesem chinesischen Set kann man auch einen Bausatz aus den umfangreichen Angeboten von Uwe Kämmerich (www.uk-electronik.de) oder Klaus Brunner (www.musikding.de) nehmen. Dann muss man nicht vier Wochen auf die Lieferung warten und die Bauteilequalität kann den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Außerdem findet man da sicher noch weitere interessante Dinge, sodass sich die Versandkosten relativieren.

Zumal Klaus Brunner sein Programm über die reinen MusikdingBausätze hinaus durch den Vertrieb von GuitarPCB.com- und TH-Custom-effects-Produkten auf derzeit über 160 Bausätze (!) erweitert hat. Um preislich mit dem Direktimport aus China mithalten zu können, müsste man sich allerdings mit einem rohen und ungebohrten Gehäuse begnügen. Daher beschäftigen wir uns in der nächsten Folge intensiver mit dem Thema der Gehäusebearbeitung.

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