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Instant Shredding: Pentatonik mal anders

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Hallo und willkommen zu Instant Shredding! In dieser Folge werden wir uns mit einem alten Freund, der Pentatonik-Skala, beschäftigen. Ja, auch wenn du jetzt vielleicht innerlich mit den Augen rollst, kann ich dir versichern, dass es immer wieder neue und interessante Wege gibt, dieser einfachen Skala neues Leben einzuhauchen.

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Für den Fall, dass du dich nicht mehr an die Pentatonik erinnern kannst, erkläre ich den Aufbau und die Funktion in einem einfachen diatonischen Zusammenhang. Die Formel der Pentatonik lautet: 1, b3, 4, 5, b7. Im Allgemeinen wird die Pentatonik des relativen Moll benutzt, um über Dur- oder Moll-Akkordfolgen zu spielen. Das Interessante hierbei ist, dass der Tritonus der entsprechenden Tonart nicht vorhanden ist.

Als Beispiel: wir befinden uns in A-Dur oder F#-Moll. Die Noten der Pentatonik sind: F#, A, B, C# und E; die Dur-Skala in A-Dur ist: A, B, C#, D, E, F#, G#. Wir stellen also fest, dass das D und G# nicht in der Skala enthalten sind. Diese zwei Noten bilden den Tritonus der A-Dur- und der F#-Moll-Skala. Dies vereinfacht die Anwendung der Skala im diatonischen Kontext immens.

Weiterhin kann man auch die Pentatonik auf der zweiten und dritten Stufe der Dur-Tonleiter benutzen. In A-Dur ist das H-Moll (H, D, E, F# und A) und C#-Moll ( C#, E, F#, G#, und H). Hier ist allerdings anzumerken, dass jeweils eine Note des Tritonus-Paars in diesen Skalen enthalten ist. Im melodischen Sinn können wir diese Skalen über den jeweiligen Moll-Akkord und relativen Dur-Akkord spielen. Das gibt uns sechs von sieben Akkorden in der jeweiligen Tonart, die melodisch perfekt passen. Der m7b5 (halbvermindert) geht leider leer aus, allerdings kann man auch die Pentatonik auf der zweiten Stufe für diesen Akkord benutzen. Und wenn man außerdem die b7 gegen die 6 austauscht, bekommt man auch eine perfekte Skala für diesen Akkord – zum Beispiel: H (1), D (b3), E (4), F# (5), G# (6).

Die Pentatonik ist in der praktischen Anwendung mit den traditionellen 2-Noten-Pro-Saite-Skalenpositionen recht einfach umzusetzen. Allerdings ist dies auch sehr limitierend und produziert immer den typischen Klang der Pentatonik, die so schnell langweilig klingt. Lass uns also diese Skala einfach mal neu organisieren, um mehr klangliche Vielfalt zu bekommen. In den folgenden Beispielen habe ich die F#-Moll-Pentatonik einfach mal neu interpretiert, mit verschiedenen Spieltechniken wie z.B. Sweep-Picking, Tapping, Interval-Stacking und Slides. Weiterhin habe ich die verschieden Skalen-Positionen und 4er-Notengruppen zu neuen Ideen verbunden. Im Video zu diesem Workshop, zeige ich die verschiedenen Elemente der Beispiele, und natürlich spiele ich die Übungen zuerst langsam und dann anschließend im Kontext mit dem Backingtrack.

Beispiel 1 zeigt ein einfaches Lick in Quintolen. Hier ergänze ich die einfachen 4er-Notengruppen der Pentatonik mit einer weiteren Note der Skala, um eine 5er-Notengruppe zu erzeugen. Man kann dieses Lick auch aufwärts spielen. Beachte hier, dass du die „Extra“-Note mit einem Slide wieder an die „Box“-Shapes anhängst. (Details im Video). In Beispiel 2 spiele ich eine Idee, die die verschiedenen „Box“-Shapes kombiniert, um ein flüssiges Lick zu erzeugen. Experimentiere hier auch gerne mit anderen Positionen. Beispiel 3 zeigt dir, dass man auch Slides und Intervall-Sprünge in ein einfaches, aber effektives Lick einbringen kann.

Das Lick in Beispiel 4 ist technisch etwas anspruchsvoller und braucht Übung – ganz besonders mit Blick auf die weiten Spreizungen der linken Hand. Bitte sei vorsichtig und übe es langsam und entspannt. Hier organisiere ich die Pentatonik in 4-Noten-ProSaite-Gruppen, die Tapping und String-Skipping beinhalten. Beispiel 5 ist ein traditionelles Picking-Lick in Sextolen, allerdings habe ich hier auf der H-Saite das F# gegen ein G# getauscht, um das Lick etwas einfacher zu gestalten und ein AMaj7-Arpeggio einzubringen. Mit anderen Worten: man muss auch mal die Regeln brechen! In Beispiel 6 habe ich die Noten der Pentatonik so verteilt, dass es immer abwechselnd drei und eine Note pro Gruppe sind.

Das hat den technischen Vorteil, dass ich Economy-Picking benutzen kann, um es insgesamt flüssiger klingen zu lassen. Beispiel 7 ist ein Intervall-Lick im Stil von Steve Vai. Hier organisiere ich die Skala in Quinten, Quarten, Terzen und Oktaven. In Beispiel 8 spiele ich Fragmente der Pentatonik mit Tapping und Oktavsprüngen – eine einfache, aber ausdrucksstarke Idee.

Versuche, die Licks auch in die H-Moll- und C#-Moll-Pentatonik zu transponieren. Nutze wie immer die verschiedene Ideen, um dein eigenes Lick-Vokabular zu erweitern und eine andere Sicht auf die Pentatonik-Skala zu bekommen.

Ich bin immer für Fragen und Anregungen dankbar! Bis nächstes Mal und viel Spaß beim Shredden!

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden!)

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2022)

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