Produkt: Marshall Sonderausgabe
Marshall Sonderausgabe
Das GITARRE & BASS MARSHALL SPECIAL mit Amp-Tests, Vintage-Guide und einem Interview mit dem legendären Father of Loud, Jim Marshall.
Workshop

Hot Rod Mod: Marshall DSL 15 – FX-Loop-Mod

 

Ganz schön kräftiger Zwerg: Der Marshall DSL 15 hat Sound und Power satt, aber leider keinen FX-Loop.

Was nutzen einem die schönsten Effektgeräte, wenn man sie nicht richtig anschließen kann? Klar, Verzerrer, Kompressor, WahWah und Co. machen keine Arbeit – die passen immer gut vor den Verstärker. Aber bereits bei Modulationseffekten scheiden sich die Geister und bei Delay und Reverb wird es für die meisten sonnenklar: die gehören eindeutig hinter die Verzerrung. Das heißt, wenn man die Verzerrung des Verstärkers nutzen will, ist der passende Platz für Delay und Reverb hinter der Vorstufe.

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Ansonsten klingt es komisch, oder zumindest experimentell. Auch Booster oder Lautstärkeregelungen verhalten sich vor dem Verstärker anders als hinter der Vorstufe. Vor der Verzerrung wird eher der Gain beeinflusst, hinter der Vorstufe wird tatsächlich die Lautstärke beeinflusst. Daher bieten Verstärker in der Regel auch einen Effekt-Einschleifweg, der das Signal hinter der Vorstufe und vor der Endstufe abgreift. In den sogenannten FX-Loop kann man dann mehr oder weniger problemlos die Effekte einschleifen. Meist sind die Buchsen mit „Send“ und „Return“ bezeichnet und manchmal sogar in der Empfindlichkeit regelbar.

Während es vor einigen Jahren noch zum guten Ton hochwertiger Verstärker gehörte, einen parallelen Effektweg zu haben, bei dem das eingeschleifte Signal dem Originalsignal zugemischt wird, hat sich mittlerweile wieder der serielle Effektweg als Standard durchgesetzt, bei dem das gesamte Signal durch den Loop geschickt wird.

Aber was macht man, wenn mal kein FX-Loop vorhanden ist? Das Problem, das man von Vintage-Verstärkern kennt, kann einem durchaus auch bei modernen Amps begegnen. Nun, entweder nutzt man nur den Clean-Kanal und arbeitet mit Verzerrern oder man rüstet einfach einen FX-Loop nach.

DSL UNTER SPARZWANG

Als mir letztens ein kleiner Marshall DSL15H zugelaufen ist, war ich erst mal ganz schön begeistert von dem Klang und der Power, die der Zwerg rüberbrachte. Der Sound ist schon ziemlich nahe an meinem langjährigen treuen Weggefährten, dem DSL 100 aus der JCM-2000-Serie, und die 6V6-Röhren in der Endstufe des DSL15 entwickeln eine beeindruckende Leistung und Lautstärke. Das kannte ich zwar bereits von meinem Fender Deluxe Reverb und meinem Laney AOR 30, aber mit aktiviertem Deep-Schalter des Mini-Heads über eine 4x12er-Box kommt das nochmal besser zur Geltung. Erst auf den zweiten Blick war ich dann etwas enttäuscht, weil die Amp-Designer den Rotstift an Stellen angesetzt haben, die mir wichtig sind. So z. B. wurden die Umschaltmöglichkeiten der beiden Kanäle wegrationalisiert. Der DSL 100 bietet für jeden Kanal noch zwei verschiedene Soundpresets. Der Classic-Gain-Kanal kann als reiner Clean oder als Crunch eingestellt werden.

Der DSL 15 hat nur einen Modus pro Kanal: es geht nur clean oder voll auf die zwölf. Der typische Marshall-Crunch wurde weggespart.

Der Ultra-Gain-Kanal bietet die Wahl zwischen einem luftigeren Gain 1 und einem stärker verzerrten Gain 2. Der DSL15 begnügt sich mit je einem Sound pro Kanal. Während ich mit dem Clean-Sound des Classic-Gain-Kanals ganz gut leben kann, ist die Entscheidung für die Gain-2-Variante im Ultra-Gain-Kanal für mich eindeutig die falsche Wahl. Die komprimierte und viel zu heftige Verzerrung habe ich bei meinem DSL 100 noch nie genutzt. Ich bin eindeutig ein Gain-1-Typ. Zudem ist die Abstimmung der beiden Kanäle beim DSL 15 meines Erachtens auch nicht ganz gelungen. Der Classic-Gain-Kanal ist mir zu höhenreich im Vergleich zum Ultra-Gain-Kanal – oder umgekehrt. Jedenfalls ist für mich mit der gemeinsamen Klangregelung hier kein optimaler Abgleich zu erzielen.

Völlig irritiert war ich dann aber, als ich realisierte, dass man dem Kleinen einen Effektweg verweigert hat. Sorry, aber das geht gar nicht. Hier muss dringend nachgebessert werden. Also wird wieder ein Klinikaufenthalt bei Bernd, dem Amp-Techniker meines Vertrauens notwendig. Denn bei aller Freude am Elektronik-Basteln – bei Röhrenverstärkern hört bei mir der Spaß auf. Röhrenverstärker arbeiten mit Hochspannung, die lebensgefährlich sein kann. Also hier eine deutliche Warnung: Auch wenn man bisher an Effektgeräten erfolgreich gebastelt hat, Arbeiten an Röhrenverstärkern gehören in die Hand von Profis.

Vorsicht Hochspannung: Arbeiten an Röhrenverstärkern sind nichts für Hobby-Bastler!
Hier ist der Amp-Techniker gefragt.

FX-LOOP BASTELSPASS!

Aber keine Angst. Es gibt auch für uns noch genug Bastelspaß. Denn vorbereitende Arbeiten kann man ja schon mal machen – z. B. den Bausatz des aktiven FX-Loops zusammenbauen. So etwas gibt es z. B. beim Röhren-Amp-Spezialisten Tube-Town. Es sind sogar zwei verschiedene aktive FX-Loop-Varianten im Programm. Eine Deluxe Version, die mit einer Miniröhre arbeitet und eine einfachere Version, die mit zwei LND150 Hochspannungstransistoren arbeitet. Die Preise für die Bausätze halte ich für völlig in Ordnung und nach der Bestellung war das kleine Paket auch ruckzuck da. Eine ausführliche deutschsprachige Bauanleitung steht auf der Internetseite von Tube-Town zum Download zur Verfügung. Die meisten Bauteile waren entweder eindeutig zu identifizieren oder sogar beschriftet, ansonsten hilft das Multimeter weiter.

Die FX-Loop-Platine von Tube-Town kann auch von weniger erfahrenen Hobby Elektronikern zusammen gebaut werden.
Die FX-Loop-Platine von Tube-Town kann auch von weniger erfahrenen Hobby Elektronikern zusammen gebaut werden.

Das Löten ist angesichts der professionellen Platine eine leichte und auch für Laien schnell zu bewerkstelligende Übung. Das Modul wird mit lediglich vier Anschlüssen in die Verstärkerschaltung integriert: Masse, Spannung sowie Signal-Ein- und Ausgang. Da das Modul mit unterschiedlichen (Hoch-) Spannungen klarkommen soll, liegen mehrere Bauteile für die Spannungsteilung bei. Die bereite ich noch nicht vor. Hier soll der Amp-Tech entscheiden, wo er welche Spannung am DSL-15-Board abgreifen will. Den besten Ansatzpunkt für das Aufsplitten der Signalführung von Vor- zur Endstufe des DSL verrät ein Blick in den Schaltplan, den man im Netz findet: Der 10-k-Widerstand R53 ist ein guter Punkt, um den FX-Loop anzuschließen.

PLATZ DA!

So jetzt wird es nicht nur ziemlich ernst, sondern auch ziemlich aufwendig! Denn das Kernproblem dieses Projektes ist das Arbeiten an der Hauptplatine des DSL 15. Die ist nämlich durchkontaktiert, was das Auslöten von Bauteilen ganz schön schwierig macht. Wer sauber arbeiten will, kommt nicht darum herum, alles zu demontieren: Potis, Kabel, Buchsen – alles muss ab. Dabei sollte man natürlich mit Ruhe und Bedacht vorgehen und die demontierten Teile eindeutig markieren, damit man nicht den Überblick verliert und später auch wieder alles an die richtige Stelle kommt.

Messen ist eine gute Grundlage für ordentliche Arbeit.
Demontiert und fertig zur weiteren Bearbeitung

Das zweite Problem ist dann, ein Plätzchen für die FX-Loop-Platine zu finden. Was bei normal großen Verstärkern kein Problem ist, wird hier zur Herausforderung. Denn die Tube-Town-Platine ist für den DSL etwas zu tief. In dem engen Gehäuse ist eh nur an einer einzigen Stelle Platz für den FX-Loop und ausgerechnet dort steht dann ein Elko im Weg. Nun gut, was im Weg ist, muss dann halt umgelegt werden.

Der Elko ist dem FX-Loop im Weg und wird daher umgelegt.
Der Elko ist dem FX-Loop im Weg und wird daher umgelegt.

Dem Elko ist es egal, ob er steht oder liegt. Das Bohren der beiden Löcher für die Send- und Return-Buchse ist dann nur noch eine kleinere Herausforderung. Der Anschluss der FX-Loop-Platine erfolgt an vier Punkten: Die Masseverbindung wird über den Massesternpunkt der Platine geführt. Das ist dann schon mal erfreulich brumm- und störungsfrei – durchaus ein Thema bei Röhrenverstärkern!

Die Masse (schwarzes Kabel) kommt an den Massesternpunkt der Platine. Eine gute Voraussetzung, damit der DSL auch nach der Mod noch brumm- und störungsfrei arbeitet.

Die Plusspannung kann an R23 oder R24 abgegriffen werden, wo eine Spannung von 390 Volt anliegt. Die Input-Spannungsteiler der FX-Loop-Platine – also die Stelle an der das Send-Signal eingespeist wird – wird im Verhältnis 1:5 gewählt: R14 wird mit 470 k und R 13 mit 100 k bestückt.

Die Spannungsversorgung wird an R23/24 abgegriffen. Hier herrschen 390 Volt. Das stecken die LND150-Transistoren der FX-Loop-Platine aber gut weg.

Der Eingang der FX-Loop-Platine kommt nach dem Auslöten von R53 (10 k) an den hinteren Platinenanschluss (Buchsenseite), der Ausgang der Platine kommt über einen 1-k-Widerstand an den vorderen Platinenanschluss (Potiseite). Hier hat mein Amp-Doctor bewusst Lötpins verwendet, damit ein Rückbau ohne aufwendige Demontage der Platinen möglich ist. Einfach den alten 10-k-Widerstand wieder einlöten und der FX-Loop ist Geschichte. Aber das will ich bestimmt nicht!

An R53 werden die Ein- und Ausgänge der FX-Loop-Platine angeschlossen.
An R53 werden die Ein- und Ausgänge der FX-Loop-Platine angeschlossen.

Zum Schluss wird noch mit den beiden Trimpotis der Pegel des FX-Loops ausgeglichen. Den Poti des Send kann man erst mal in der Mittelstellung lassen, den Poti des Return stellt man so ein, dass die Lautstärke gleich bleibt, auch wenn ein Effekt im Loop betrieben wird. So, damit wäre der Primärauftrag vollends erfüllt, aber wenn die Platine schon mal draußen ist, wäre es ja auch möglich, meine Unzufriedenheit mit dem Gain-2-Preset des Ultra-Gain-Kanals zu beseitigen. Dazu aber das nächste Mal mehr.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

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