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Hot Rod Mod: Expression-Pedal

Hot Rod Mod Expression Pedal
Ein alter Bekannter: Das Harley Benton Digital Delay bekam bereits eine Tap Tempo Funktion spendiert und darf sich nun auf eine Expression-Buchse freuen.

Heute wird das Vorhaben, das wir uns in der letzten Kolumne überlegt haben, umgesetzt: Das Harley Benton Delay bekommt einen Ausgang für ein Expression-Pedal, um das Delay-Level mit dem Fuß steuern zu können. Also rasch an den Bohrer und Lötkolben.

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Natürlich soll das Pedal auch weiterhin normal funktionieren, wenn gerade mal kein Expression-Pedal angeschlossen ist. Darum bleibt der originale Poti drin und der Anschluss für das Pedal wird in Form einer zusätzlichen Klinkenbuchse realisiert. Die Buchse wird zwischen Platine und Poti gelötet. Damit im Pedalbetrieb nicht zwei Potis im Signalweg hängen, kommt eine Schaltbuchse zum Einsatz, die die Verbindung zum Poti trennt, sobald ein Klinkenstecker eingesteckt wird. Schaltbuchsen haben fünf oder sechs statt der notwendigen drei Anschlüsse.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Eine Schaltbuchse verhindert, dass sich das originale Poti und das Expression-Pedal in die Quere kommen.

Die Schaltfunktion wird durch eine einfache mechanische Konstruktion ermöglicht: Ist kein Stecker eingesteckt, sind Tip und Ring jeweils über kleine Metallzungen mit ihren Schaltausgängen verbunden. Sobald der Stecker eingesteckt wird, drückt der Stecker die großen Metallzungen der Anschlüsse etwas weg. Dadurch sitzt nicht nur der Stecker fest in der Buchse, sondern es wird auch die Verbindung von den großen Metallzungen und den kleinen Metallzungen, die mit den Schaltausgängen verbunden sind, getrennt. Einfach aber sehr effektiv.

bohren und löten

Die Stereo-Klinkenbuchse kommt an die Kopfseite des Gehäuses. Platz ist dank der tief sitzenden Platine im Harley Benton Delay genug und das Loch ist mit einem Stufenbohrer schnell gebohrt. Da das Auslöten auf der durchkontaktierten Platine nicht so einfach ist, nehmen wir die pragmatische Lösung und kneifen die Poti-Beinchen mit der Seitenschneiderzange durch.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Ohne viel Schnick-Schack. Die Poti-Beine werden einfach durchtrennt. An die jeweiligen Enden kommen die Litzen, die zur dazwischen geschalteten Buchse führen.

Die Litzen, die zur Stereobuchse führen, werden an die Reste der Poti-Beinchen gelötet: Die Schaltkontakte der Klinkenbuchse kommen an die Poti-Anschlüsse und die normalen Kontakte der Buchse werden mit den Platinen-Anschlüssen verlötet. Dadurch ist gewährleistet, dass immer nur entweder der originale Poti oder das Expressionspedal im Signalweg ist und nicht beide zusammen.

Bei genauer Betrachtung der Platine ist zu erkennen, dass ein Anschluss des originalen Level-Potis auf Masse gelegt ist. Den sollte man dann auch auf den Masseanschluss der Buchse legen – zumindest wenn man keine isolierten Buchsen verwendet. Wo die beiden anderen Anschlüsse des Potis (Ein- und Ausgang) hinkommen, ist erstmal egal. Das regeln wir später mit dem Kabel.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Verdrahtung der Schaltbuchse. Die abgeschrägte Ecke ist der Masseanschluss der Buchse.

kabelsalat

Für den Anschluss des Boss FV-50 an das Delay wird noch ein Kabel benötigt, das auf der einen Seite einen Stereo-Klinkenstecker und auf der anderen Seite zwei Mono-Stecker hat. Die gibt es als „Insert-Kabel“ bereits für kleines Geld. Alternativ lötet man sich solch ein Kabel in der passenden Länge schnell mal selbst. Der Stereo-Klinkenanschluss des Insert-Kabels kommt in die frisch eingebaute Schaltbuchse des Delays. Die beiden Mono-Klinkenstecker des Kabels kommen jeweils in einen Ein- und Ausgang des Boss-Pedals.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Ein Insert-Kabel, wie es im PA-Bereich häufig verwendet wird.

Dabei ist wegen der Stereo-Funktion des Boss-Pedals natürlich darauf zu achten, dass man konsequent nur einen Kanal benutzt – also nur die linke Seite oder nur die rechte Seite und nicht etwa den Eingang des linken Kanals und den Ausgang des rechten Kanals. Das kann dann natürlich nicht funktionieren!

Welches der beiden Monokabel nun Ein- und Ausgang ist, probiert man am besten aus. Das hängt nämlich zum einen davon ab, wie die Stereo-Buchse im Delay verlötet wurde und zum anderen, wie das Insert-Kabel intern verdrahtet ist. Eine Fehlbelegung bemerkt man aber recht schnell, weil man den Level zwar ganz runter fahren kann, aber über den restlichen Regelweg des Pedals nichts passiert. Dann halt einfach die beiden Monokabel in die jeweils anderen Buchsen des verwendeten Kanals stecken.

Noch ein kleiner Fallstrick ist der Minimum-Level-Regler, der in den Boss-Pedalen verbaut ist. Den sollte man erst mal ganz zudrehen. Ist er nämlich weit aufgedreht, hört man keine Parameteränderung wenn man die Pedalwippe betätigt.

potitausch?

Wie bereits in der letzten Ausgabe beschrieben, stimmt der Potiwert des FV-50 L nicht ganz mit dem originalen Potiwert des Delays überein. Statt der geforderten 50 K Ohm liefert das Boss-Pedal nur 20 K Ohm. Bei dem Delay-Pedal hat mich die leichte Fehlanpassung des Potis ja nicht wirklich gestört. Auf die zweite Hälfte des Regelwegs für das Delay-Level konnte ich gut verzichten. Aber ein exakt passender Potiwert kann bei anderen Verwendungen schon wichtig sein.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Links ein Standard Alpha Poti mit zu kurzer und zu dicker Achse (6,35 mm). Das rechte Poti passt wegen der zu langen Achse auch nicht. Die beiden mittleren Potis würden zumindest mechanisch passen. Aber der Regelweg von Standard-Potis ist viel zu lang im Vergleich zum Originalpoti von Boss oder Bespeco.

Daher stellt sich natürlich die Frage, wie der Poti in einem Expressionspedal bei Bedarf getauscht werden kann. Doch das ist leider nicht trivial! Die Problematik dabei ist, dass es sich bei den in Volume-Pedalen verwendeten Potis in der Regel nicht um Standardprodukte, sondern um Spezialanfertigungen handelt. Die Stereo-Potis, die Boss oder andere Hersteller, wie z. B. Bespeco oder Lead Foot verwenden, sind in der Regel Typen mit besonders langen Poti-Achsen und einem sehr kurzen Regelweg.

Die Potiachse ist dabei das geringere Problem – hierfür gibt es Alternativen – aber der kurze Regelweg ist ein echtes Problem. Der Einbau eines Standard-Potis kann also nicht „plug and play“ funktionieren.

Auch in den Volume-Pedalen von Dunlop und Ernie Ball finden sich spezielle Potis und Morley-Pedale arbeiten optoelektronisch – also ganz ohne Potis. So einfach mal eben den Wert anpassen, indem man das Poti tauscht, ist also bei den gängigen Volume-Pedalen nicht möglich. Ein kleiner Trick kann aber vielleicht helfen, sich dem Wert des benötigten Potis zumindest anzunähern. Ein parallel verlöteter Widerstand zwischen den beiden äußeren Lötpunkten des Potis (Pin 1 und Pin 3) reduziert den Potiwert. Es gelten dabei die Regeln von parallel geschalteten Widerständen.

Hot Rod Mod Expression Pedal
Ein Widerstand zwischen den beiden äußeren Lötösen des Potis ändert den Potiwert – allerdings auch das Regelverhalten des Potis.

Einen bequemen Rechner gibt es unter www.gitarrebass.de/widerstand-rechner.

Wenn man also den 250-K-Poti des Boss‘ FV-50 H auf 50-K-Ohm reduzieren will, kann man einem 62-K-Widerstand einlöten. Wer ein 100-K-Poti braucht, lötet einen 160-K-Widerstand ein. Allerdings funktioniert das nur bei linearen Potis und man nimmt damit ein anderes Regelverhalten des Potis in Kauf, d. h. das Poti wird mit dem zusätzlichen Widerstand nicht mehr ganz linear regeln.

Eine Erhöhung des Potiwertes ist nicht so leicht möglich. Das niederohmige Boss FV-50 L kann von seinem 20-K-Poti zwar auf 50-K-Ohm gebracht werden, indem man einen 30-K-Widerstand in Serie vor den Eingang (mittlere Lötöse, Pin 2) einlötet. Das erkauft man sich aber damit, dass das Level nicht mehr auf Null zurückgehen kann. Das ist dann nur eine Verschiebung des Regelweges nach oben und in der Praxis meist unbefriedigend. Also dann doch lieber die hochohmige Variante nehmen und mit dem parallelen Widerstand „downsizen“. Damit bleiben zumindest die Extremwerte unbeeinflusst.

Eine ganz saubere Lösung gibt es in diesem Fall also nicht. Mein Kollege Heinz Rebellius, der auch schon mal vor dem Expression-Pedal-Problem stand, hat mit Mission Engineering (www.missionengineering.com) noch einen heißen Tipp, für alle, die ein passendes Expression-Pedal kaufen wollen.

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(erschienen in Gitarre & Bass 04/2018)

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