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Guitar Guru: Framus 12 String & Fender Maverick

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um zwei seltene E-Gitarren aus derselben Zeit – von Framus und von Fender.

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? Ich habe seit Anfang der Achtzigerjahre diese 12-saitige Framus. Nachdem mir der Steg verloren ging, habe ich lange recherchiert und im Netz überhaupt keine Angaben zu diesem Modell gefunden. Die Seriennummer ist hinten in der Kopfplatte eingeprägt aber sehr schwer zu entziffern. Sie müsste aus Anfang bzw. Mitte der Sechzigerjahre sein.

Wilfried (G&B-Leser)

! Ein sehr interessantes und seltenes Stück hast du da. Es handelt sich um eine der vielen Variationen der 5/155 Strato – ich vermute „5/055 Strato 12“. In der Spätphase wurden diese Variationen auch als „Apollo“ beworben. Warum schreibe ich „eine der vielen Variationen“? Weil es von den meisten Framus-Modellen mit gleicher Typenbezeichnung sehr viele verschiedene Ausführungen gab, selbst die Korpusform variiert. Und, es gab eben auch 12- saitige Varianten, ja sogar eine mit neun Saiten.

Bei deinem Modell handelt es sich um eines aus der Spätphase der Strato-Serie. Das zeigen auch die nur noch schwer lesbaren, aber eindeutigen Zahlen auf der Rückseite der Kopfplatte – da sieht man rechts eingestanzt „72 D“ – das ist der Hinweis auf Baujahr und -monat. Demnach wurde Deine Gitarre im April 1972 gebaut. Sie entspricht auch in ihren Features dieser relativ späten Baureihe, darauf weisen z. B. die Billy-Lorento-Pickups hin, die man auf so gut wie allen Framus-Modellen aus dieser Zeit findet. Framus stellte diese Modellreihe kurz danach ein.

Deine Gitarre sieht sehr gut erhalten aus, ich sehe einen erzielbaren Marktpreis (solltest du sie denn verkaufen wollen) von ca. 500-700 €. Die Gitarre ist zwar selten, aber Seltenheit allein treibt nicht den Preis – es muss auch genügend Leute geben, die genau diese Gitarre haben wollen.

? Ich habe meinem ehemaligen Gitarrenlehrer diese alte Strat abgekauft. Ich weiß nur, dass die Gitarre 1968/1969 in Berlin gekauft wurde. Damals gab es anscheinend für Berlin nur zwei Exemplare. Unter Fender findet man lediglich die Bezeichnung „Maverick“, und dass es sie hauptsächlich als 12- saitige Gitarre zu kaufen gab. An der Gitarre wurden von einem Gitarrenbauer nur die Bundstäbchen erneuert. Der Rest ist original. Da ich sie nicht spiele und überlege, sie zu verkaufen: In welcher Preiskategorie bewege ich mich und wann wurde die Gitarre gebaut?

Robert (G&B-Leser)

! Du hast da ein richtig seltenes Stück ergattert: Eine Fender Custom, auch bekannt als Maverick. Ursprünglich handelte es sich dabei um „Resteverwertung“: Fender hatte von der Fender XII, also der von dir erwähnten 12-saitigen E-Gitarre, noch Teile über. Und diese „verwursteten“ sie in einer kleinen Auflage dann auch als 6-Saiter. Bei der Maverick wurden dazu die überzähligen Löcher in der Kopfplatte wieder verdübelt und mit einem Furnier bedeckt, zudem wurde die Brücke von der Mustang verwendet.

Angeblich wurden nur 700 Exemplare von 1968 bis 1969 gebaut. Der wohl berühmteste Spieler ist Rick Nielsen von Cheap Trick – dessen eigene Maverick übrigens derzeit online zum Verkauf steht, für stolze € 8.500. Da wurde aber sicherlich der Promi-Faktor ordentlich aufgeschlagen.

Deine Maverick wurde laut Seriennummer 1969 in Fullerton, Kalifornien, hergestellt. Den Wert kann man auf etwa € 2.800 – 3.000 schätzen, das entspricht zumindest dem Preis, zu dem eine 1968er-Custom-Maverick vor einiger Zeit in Deutschland verkauft wurde. Das erscheint niedrig, aber das Modell ist eben nicht so gesucht – wer sich eine Vintage-Fender kaufen will, hält eben doch meistens eher nach den gängigen Modellen Ausschau.

Ein verzweifelter Sammler, dem genau dieses Instrument noch fehlt, könnte aber auch geneigt sein, deutlich mehr hinzulegen. Bei einem geplanten Verkauf würde ich mir deshalb überlegen, ob ich mich mit einem Spezialisten wie Guitarpoint (Maintal), Vintage-Guitar Oldenburg oder No. 1 Guitar Center (Hamburg) zusammentue, die auch die Echtheit der Gitarre bestätigen und eventuell bereits Käufer kennen, die genau nach so einem Modell suchen.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2019)

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