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Guitar Guru: Elvis-Bass und Hoyer-Gitarre

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Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat.

Diesmal geht es um einen Elvis-Bass und eine Hoyer-Gitarre.

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Bei mir geht es um eine Mosrite-Kopie, laut Neckplate “Made in Japan”, keine Seriennummer. Hier ein paar Infos dazu: 2011 für 100 Euro gekauft, Mensur 30,5″, schmaler zweiteiliger Ahornhals (40,5 mm am Sattel, 51 mm am 12. Bund), Gewicht 4,1 kg. Auffällig ist die Tatsache, dass auf den Pickups ‚Mosrite‘ steht. Für ein paar Infos wäre ich dankbar.

Christian

Wer die Marke “Elvis” einst ins Leben rief, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da sie – aus naheliegenden Gründen – niemals offiziell eingetragen wurde. Es handelt sich also um eine der zahllosen „Fantasie-Marken“, unter denen in den 1960er- und 1970erJahren Gitarren aus Japan in alle Welt vertrieben wurden. Wer aber hat deinen Bass gebaut?

Nach meinen Recherchen war es Teisco Gen Gakki. Dabei handelte es sich nicht um die berühmte Teisco Co. Ltd., die heute fälschlicherweise als Hersteller von so vielen alten japanischen Gitarren herhalten muss. Teisco Gen Gakki war hauptsächlich eine Zulieferer-Firma, die für viele Marken und andere Hersteller Gitarren oder auch Teile lieferte. Was genau in den Jahren 1969/1970 geschah, wird wohl für immer im Nebel der Zeit verloren sein, denn Teisco Gen Gakki ging 1969 bankrott (Teisco Co. übrigens bereits 1967 – andere Geschichte).

Um diese Zeit ging auf der anderen Seite der Welt auch die berühmte Firma Mosrite bankrott – und zwar 1968. 1969, also in den letzten Monaten von Teisco Gen Gakki, startete die Firma mit der Herstellung japanischer Mosrite-Kopien, auch unter dem Mosrite-Namen. Ob sie dafür offiziell die Lizenz hatten und im Auftrag der Amerikaner handelten, bleibt unklar – der Mosrite-Eintrag auf Wikipedia z.B. erwähnt eine japanische Mosrite-Herstellung mit keinem Wort.

Und so schließe ich, dass Teisco Gen Gakki in jenen Monaten des Jahres 1969 die Mosrite-Kopien auch für andere Auftraggeber und unter anderen Markennamen herstellte und verkaufte. Diese Art von chaotischer Teile-/Resteverwertung ist bei Gitarrenfirmen, die so am Rand der Insolvenz oder bereits in Insolvenz arbeiten, nicht ungewöhnlich. Und so ist vielleicht auch dein Bass entstanden. Gerade die Japaner waren in den 1960er- und 1970er-Jahren in Sachen Lizenzen und Rechte relativ schmerzbefreit, was dann ja auch zu so einigen juristischen Auseinandersetzungen in den 1970er-Jahren führte.

Mir ist eine LP-Kopie mit dem Markennamen ‚Elvis‘ – für den die Hersteller/Auftraggeber sicherlich ebenfalls keine offizielle Lizenz hatten – bekannt, die aber nicht von Teisco Gen Gakki hergestellt wurde, sondern von einem anderen japanischen Hersteller in den mittleren 70er-Jahren. Der Markenname war also weiter aktiv, und andere japanische Firmen wurden mit der Produktion von Instrumenten beauftragt. Mit den 100 Euro hast du sicherlich nichts falsch gemacht, ich halte einen möglichen Marktpreis von 350 bis 450 Euro für realisierbar.


Dieser Tele-Nachbau ist meine erste E-Gitarre. Ich habe sie gegen Ende der 1970er-Jahre vom ursprünglichen Käufer erworben – sie soll von 1969 sein. Da der Trussrod defekt war, wurde er 2009 samt Griffbrett und neuen Bünden ausgetauscht. Ich wüsste gerne mehr über den Hersteller, den Fertigungsort, das verwendete Korpusholz und was der Guru sonst noch über diese Gitarre in Erfahrung bringen kann.

Rainhard

Bei deiner Gitarre handelt es sich um eine Arnold Hoyer T-Style-Gitarre. Die Firma Hoyer (nicht zu verwechseln mit dem anderen Gitarrenbauer des gleichen Namens, Rodebald Hoyer) wurde 1874 in Schönbach (heute Luby in Tschechien) gegründet und siedelte sich im Zuge der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 in Tennenlohe bei Erlangen an – dort wurde deine Gitarre auch gebaut.

Hoyer machte sich bald einen Namen als Hersteller von hochwertigen Gitarren, vor allem von Schlaggitarren bzw. Archtops. In den 1960er-Jahren begann man mit dem Bau von E-Gitarren und verkürzte den Namen zu Hoyer. Die genaue Modellbezeichnung deiner Gitarre ist 35(III), erkennbar an der asymmetrischen Kopfplatte. Ab 1972 wurde das Modell mit der Nummer 5061 geführt. Wegen der Nummer auf der Halsplatte schließe ich auf ein Baujahr zwischen 1972 und 1976, als Hoyer eine Art Bestellnummer-System einführte.

So ganz schlüssig ist die aber nicht, denn die Nummern mit 20 am Anfang waren eigentlich für vollakustische Westerngitarren gedacht. Ich schließe auch 1969 nicht aus, obgleich Hoyer da noch relativ eigenständige Formen herstellte und auch andere Pickups verwendete. Ein Baujahr in der frühen 1970er-Jahren ist etwas wahrscheinlicher, die zweite Hälfte der 1970er schließe ich komplett aus. Ich sehe den möglichen Verkaufspreis hier bei zwischen 350 Euro (darunter würde ich nicht gehen) und maximal 600 bis 700 Euro – dann aber mit viel Geduld.

Die Erneuerung von Bünden und Trussrod war sicherlich sehr sinnvoll und wertet das Stück in meinen Augen auf, in den Augen eines Sammlers könnte es aber auch den Wert verringern, da nicht mehr original. Zu den verwendeten Korpushölzern gibt es keinerlei Aufzeichnungen, und es ist nicht ausgemacht, dass man sich an die Originale hielt und entweder Esche oder Erle verwendete. Beim Hals handelt es sich um die typischen Ahorn-Laminat-Streifen, die man auf so einigen deutschen Gitarren aus der Zeit sah, u.a. auch von Framus oder auch bei Hopf.


Mails an: guru@gitarrebass.de


(erschienen in Gitarre & Bass 09/2022)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Schöne alte Vintage Gitarre! Die damalige deutsche Gitarrenmanufaktur Hoyer erinnert mich an die einstigen Tele Copy Modelle,die sich da Hoyer „Black Lady“ und „White Lady“ nannten.Heute sehr gesucht,und deshalb wahre Schätze.

    Mir lief vor wenigen Jahren so gar mal ein Hobby-Gitarrensammler mit einer gleichsam alten Hoyer Tele-Kopie mit dem Vermerk „The Prince“ über den Weg,und dieser „irre“ Typ entfernte damalig das Hoyer Firmenlogo auf der Kopfplatte seiner Tele-Kopie.Wie „verrückt“ muß man da eigentlich sein,um das besagte Hersteller-Label einer wahrhaft top E.-Gitarre einfach zu beseitigen? Weshalb leugnet man das Firmenlogo,und somit die Herkunft einer wunderbaren Elektrischen? Ich empfinde solche dilettantischen „Aktionen“ als total „schwachsinnig“ .Zumal die einstige deutsche Hoyer Manufaktur in Erlangen sich mit seinen Saiteninstrumenten wirklich nicht vor den Gitarrengiganten aus den U.S.A. verstecken mußte!

    Ich besitze selbst seit etwa 10 Jahren eine uralte Hoyer „Taurus“ E.-Gitarre mit durchgehendem Hals und einstelliger Nummerierung,also ein echtes Unikat (wie mir der freundliche Verkäufer glaubhaft versicherte) und käme niemals auf die irre Idee,das goldfarben erhabene Relief-Hoyer-Firmenlogo auf dem eleganten Headstock entfernen zu müssen.Dazu bestand zu keiner Zeit irgendein Anlaß,ganz im Gegenteil,diese,also meine Hoyer,klingt verdammt gut,wurde sehr sauber verarbeitet,und es existiert weltweit lediglich nur ein einziges Exemplar! Ich stehe ergozur ehemaligen Hoyer Gitarrenmanufaktur,was sonst?!

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    1. Hallo
      das Nummernsystem 506x für E-Gitarren zB wurde bei Hoyer 1970 eingeführt und die Seriennummer 20xxx bedeutet klar ein Baujahr 1970.
      Grüße eines Hoyeristas

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