Hot Rod Mod

Buffer mit Tuner-Out und Mute-Switch Teil 1

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Das Schöne beim DIY ist, dass man nicht warten muss, bis ein Hersteller zufällig das Pedal anbietet, das man im Moment gerade braucht. Legt man selbst Hand an, kann man sich sein Pedal genau auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Das gilt nicht nur für den Klang von Pedalen sondern auch für ihre Funktion.

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Folgende Aufgabenstellung wurde mir vor einiger Zeit von einem gut beschäftigten Musikerkollegen gestellt: Erstens sollte ein klangneutraler Buffer her, der das Signal schon am Beginn der Effektkette fit für die lange Reise durch eine Reihe von True-Bypass-Effekten macht. Zweitens galt es, das Stimmgerät aus dem Signalweg zu verbannen. Damit man aber in Ruhe stimmen kann, sollte drittens noch ein Mute-Schalter auf das Pedalboard. Hmm, drei Wünsche auf einmal …

stimmungswechsel

… sind eigentlich gar kein Problem! Das Ganze wird ein Buffer mit Tuner Out und einem Mute-Schalter. Wenden wir uns zuerst einmal der Stimmgerät-Problematik zu. Der Wunsch vieler Musiker, den Boden-Tuner aus dem Signalweg zu nehmen, hängt mit dem bereits mehrfach in der Hot-Rod-Mod-Kolumne erläuterten Problem der elektronischen Bypass-Schaltungen zusammen. Auch wenn die Idee dieser Bypass-Variante im Grunde ziemlich genial ist, lässt sich doch leider nicht wegdiskutieren, dass einige dieser Schaltungen den Ton belasten. Der weit verbreitete Boss-Tuner TU-2 ist z. B. ein Kandidat, der für sein Tone-Sucking bekannt ist.

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Der beliebte Boss TU-2 sorgt zwar für gute Stimmung, vergreift sich aber auch am Ton.

Eine Klangverschlechterung im Bypass – also wenn das Gerät eigentlich deaktiviert ist – ist bei einem Stimmgerät natürlich besonders ärgerlich. Ein Tuner ist ja überwiegend ausgeschaltet und sobald er aktiviert wird, wird der Ton in der Regel stummgeschaltet. Daher ist es naheliegend, das Stimmgerät komplett aus dem Signalweg zu nehmen. Damit man aber nicht immer vor dem Stimmvorgang ein Kabel umstecken muss und dann noch ggf. sehr unschöne Geräusche verursacht, bietet es sich an, das Signal zu splitten.

Das von der Gitarre kommende Eingangssignal wird dazu auf zwei verschiedene Ausgänge gelegt. Ein Ausgang führt zum Stimmgerät und endet dort in einer Sackgasse, während der andere Ausgang das Signal weiter- und letztendlich zum Verstärker führt. Ein Umschalten des Signals ist nicht nötig, denn der Tuner kann ja gerne immer an sein und dauernd mit den Tönen gefüttert werden. Sinnvoll ist allerdings eine Möglichkeit, das gesamte Setup stumm zu schalten. Das ist eh praktisch, weil man dann z. B. auch in Spielpausen für Ruhe sorgen kann.

ruhe bitte!

Damit wären wir dann beim Mute-Schalter oder Kill-Switch. Dafür genügt ein ganz simpler Schalter oder Taster, der in der einen Schalterstellung das Signal trennt und in der anderen Stellung durchlässt. Ob man lieber einen Schalter nimmt, der eine echte Umschaltung vornimmt, oder einen Taster, der das Signal nur unterbricht, wenn er getreten wird, ist Geschmackssache.

Ein Taster könnte vielleicht noch als Effekt verwendet werden. Wenn man ihn schnell genug treten kann, bekommt man einen interessant klingenden Hard-Tremolo- oder Helikopter-Effekt hin. Ace Frehley hat das zu Kiss-Zeiten gerne mit dem Toggle-Switch seiner Les-Paul gemacht. Dazu drehte er den Volume-Regler des Hals-Pickups ganz zu und schaltete mit dem Pickup-Wahlschalter den Ton so schnell an und aus, dass das Ergebnis in etwa wie ein Hubschrauber klang. Aber das nur nebenbei.

Ich entscheide mich für einen Schalter, der mir den Vorteil bietet, dass ich mein ganzes Setup in Spielpausen ruhigstellen kann. Als Schalter würde zwar auch ein ganz einfaches 2-poliges Exemplar genügen, sinnvoller ist aber die Verwendung eines Schalters mit zwei Schaltebenen (DPDT-Schalter), damit auch eine Status-LED verbaut werden kann.

aus booster wird buffer

Abgesehen von der Lösung des Stimmgeräte-Problems war ja noch ein Buffer gewünscht, damit der Ton schon möglichst am Beginn der Effektkette von dem störanfälligen hochohmigen in ein stabiles niederohmiges Signal transformiert wird. Wer seinen Ton über lange Kabelwege und viele True-Bypass-Effekte schickt, wird von einem Buffer begeistert sein – der Gewinn an Brillanz, Transparenz und Frische kann schon beeindruckend sein.

Wer allerdings eh schon Effekte mit elektronischer Bypass-Schaltung auf dem Board hat, wird eher weniger profitieren, da diese Pedale den Job eines Buffers ja bereits übernehmen. Als Buffer-Schaltung darf der bereits in einer früheren Hot-Rod-Mod-Kolumne gebaute 10-Teile-Booster ran. Herzstück des Boosters ist ein BS170-FET-Transistor. Der günstige Transistor ist v. a. als Schalttransistor weit verbreitet. Aber als Z.Vex ihn in seiner Box of Rock verbaute, machte er dem BS170 auch den Weg als Audio-Transistor frei.

Die vorliegende Schaltung des 10-Teile-Boosters basiert in den Grundzügen auf der Boost-Schaltung der Box of Rock bzw. des SHO (Super-Hard-On). Ein Kritikpunkt der Z.Vex-Schaltung ist der sogenannte „Knisterpoti“. Da der Poti nämlich in der Schaltung so platziert ist, dass durch ihn Strom läuft, raschelt und knistert er beim Verstellen. Das bezeichnete Z.Vex als „Crackle ok“, um darauf hinzuweisen, dass das Knistern kein Defekt, sondern Teil des Konzeptes ist.

Für den geplanten Einsatz als Buffer bräuchte man das in der Booster-Schaltung vorgesehene Poti eigentlich nicht. Stattdessen würde ein fester Widerstand genügen, der den Verstärkungsgrad festlegt. Damit wäre das Lautstärkepotential des Buffers voreingestellt. Das machen auch fast alle Hersteller so. Schade, denn damit verschenken sie die Möglichkeit, den Buffer auf die Umgebung anzupassen. Insbesondere wenn man gerne zwischen verschiedenen Gitarrentypen wechselt, kann ein Buffer mit Volume-Regelung sehr sinnvoll sein, denn schwache Singlecoil-Tonabnehmer können ruhig ein bisschen mehr Vorverstärkung bekommen als kräftige Humbucker oder gar aktive Tonabnehmer.

Mit einem Poti, das von außen zugänglich ist, kann man je nach Gitarre die Voreinstellung entsprechend ändern. Daher soll unser Buffer ein Poti bekommen. Allerdings klein und dezent als Trimmpoti, damit klar ist, dass das Verstellen des Potis nur zur Systemanpassung dienen soll. Dann spielt das oben beschriebene „Knistern“ auch keine Rolle, da das Verstellen des Potis ja nur in Ausnahmefällen erfolgen wird.

im kaufrausch

Da der Schaltplan und ein Streifenraster-Layout bereits in früheren Hot-Rod-Mod-Kolumnen besprochen wurde, spare ich mir hier entsprechende Erklärungen zur Schaltung. Allerdings will ich nicht das Streifenraster-Layout verwenden, sondern die Schaltung auf einer Lochraster-Platine aufbauen. Hintergrund ist, dass mit dem Aufbau auf Lochraster eine noch kleinere Platine möglich ist.

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Eine Lochraster- oder Experimentier-Platine. Das benötigte Format von 7×7 Löchern in Breite und Länge kann aus der Platine z. B. an der Tischkante bequem herausgebrochen werden.

Um die Lochrasterplatine in das entsprechende Format von 7×7 Löchern zu bringen, könnte man eine Säge bemühen – schneller und leichter geht es aber, wenn man die Platine vorsichtig an der Tischkante bricht. Durch die Lochperforation gelingt das in der Regel relativ sauber. Die für das Projekt benötigten Bauteile sind dem Layout zu entnehmen. Darüber hinaus werden noch ein Gehäuse (Hammond A oder GEH10), ein Fußschalter (DPDT), eine LED mit entsprechendem Vorwiderstand (z. B. 1k), drei Klinkenbuchsen und eine DC-Buchse benötigt. Als Poti habe ich einen Trim-Poti/Einstellregler 5K der Serie CA14V von uk.electronic verwendet. Für das Trimpoti gibt es passende Steckachsen, sodass es ohne Werkzeug bequem von Außen bedient werden kann.

Wie üblich können alle notwendigen Teile z. B. bei den Spezialanbietern www.uk-electronic.de, www.musikding.de oder www.banzaimusic.com bestellt werden.

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Lochraster oder Platinen-Layout für den 10-Teile-Booster

löcher über löcher

Bei der Lochraster- oder Experimentierplatine liegen einzelne Löcher mit einer dünner Kupferschicht unverbunden nebeneinander. Daher muss man die Verbindungen zu den Bauteilen selbst herstellen. Liegen die Teile direkt nebeneinander, kann man mit dem Lötzinn eine Brücke zwischen den benachbarten Löchern herstellen. Das geht noch relativ einfach. Liegen die zu verbindenden Bauteile weiter entfernt, wird die Verbindung mit Draht vorgenommen. Dazu kann man z. B. die abgeschnittenen Beinchen der Bauteile nehmen. Das ist dann schon ganz schön fummelig! Ich biege die Drahtstücke vorher so ab, dass ich sie mit den zu verbindenden Bauteilen zusammen in ein Loch, oder zumindest in ein benachbartes Loch stecken kann. Dann verrutschen die Drähte beim Löten nicht so leicht.

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Eine zweite Schwierigkeit bei Lochrasterplatinen ist, dass die Löcher relativ groß sind. Daher empfiehlt es sich, Bauteil für Bauteil zu verlöten, damit beim Umdrehen nicht wieder alles herausfällt. Der Lohn der Mühe: Mit dem Lochraster-Layout, passt die Platine auch noch in die kleinste Ecke.

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Kleiner und kompakter geht es kaum noch. Das Löten auf der Lochraster-Platine erfordert schon etwas Geduld und Übung.

In der nächsten Folge kommt dann der Einbau der Platine in das Gehäuse.

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(erschienen in Gitarre & Bass 07/2018)

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