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Blues Bootcamp: Dominant-Pentatonik

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(Bild: PRS Guitars)

Na, alles flauschig im Gefieder? In der letzten Episode haben wir einen ersten Schritt in Richtung Ausspielen von Akkordwechseln unternommen, indem wir uns vom pauschalen Benutzen der Blues-Skala über alle drei Akkorde unseres Dominant-Blues verabschiedet und die Moll- sowie die Dur-Pentatonik eingesetzt und leicht vermischt haben. Zur Erinnerung: Über A7 und E7 die A-Dur-Pentatonik spielen, und die A-Blues-Skala lediglich über den D7. Ein Sound wie wir ihn von Clapton & Co. mögen. Hat das gut geklappt? Ja fein!

Wie lief es in den anderen Tonarten unseres Bootcamps? An dieser Stelle möchte ich übrigens nochmals daran erinnern, wie wichtig die Gestaltung der Terzen ist, um es authentisch klingen zu lassen. Diesmal gehen wir noch einen Schritt weiter: Mithilfe der Dominant-Pentatonik gehen wir nun auf jeden einzelnen Akkord unseres Blues in A ein.

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Was ist die Dominant-Pentatonik? Neben den bekannten, populären Pentatoniken der letzten Folge gibt es ja noch zahlreiche andere Möglichkeiten, aus den zur Verfügung stehenden 12 Tönen fünf auszuwählen, um eine Pentatonik entstehen zu lassen. Bei dieser Tonleiter wird die große Sexte einer Durpentatonik um einen halben Ton nach oben zur kleinen Septime verändert. Dies nimmt der Skala ihren leicht naiven, bestenfalls Country-mäßigen Klang und gibt ihr eine bluesige Kante, ohne ihren durigen Grundcharakter zu verlieren (siehe Beispiel 1).

(zum Vergrößern klicken!)

DAS ROBBEN-FORD-MISSVERSTÄNDNIS

Auf die Dominant-Pentatonik bin ich vor ca. 15 Jahren eher zufällig gestoßen. In einigen Publikationen zum Thema Blues-Sologitarre von Robben Ford und zu seinem Stil, war ich auf den Begriff Moll-6- Pentatonik gestoßen, die der Gute beim Improvisieren einsetzen soll. Es fiel mir jedoch auf, dass er diese Skala nicht oft über A7 sondern überwiegend über D7 spielt. Baute man diese A-Moll6- Pentatonik allerdings vom Ton D als Grundton auf, entstand automatisch die Dominant-Pentatonik in D. Was für eine schöne Entdeckung. Du findest dies in Beispiel 2.

Der nächste Schritt bestand dann darin, dies auch für die anderen im Blues in A verwendeten Akkorde zu tun, was uns zu der heutigen Episode bringt. Unser Thema ist diesmal also, auf jeden unserer drei Akkorde gesondert einzugehen und über ihn die jeweilige Dominant-Pentatonik zu spielen. In Beispiel 3 findest Du die drei Tonleitern im Großraum der fünften Lage, unserer Homebase für die Tonart A.

Wenn man wollte, könnte man sicherlich sagen, dass es sich bei unserer neuen Tonleiter lediglich um ein Dom7/9-Arpeggio handelt. Mache ich aber nicht! Meiner Erfahrung nach frieren oft jegliche Organik und Unbeschwertheit ein, sobald das Wort Arpeggio fällt, während Pentatoniken in der Regel viel natürlicher phrasiert werden. Außerdem sagt man ja zu einer Moll-Pentatonik auch nicht Am7/11-Arpeggio.

MEINE 7-5-4-3-2-SPECIAL-FX-ORDNUNG

Jeder organisiert sich seine zur Verfügung stehenden Informationen ja individuell. Um größtmöglichen Zugriff auf die Dinge zu haben, die ich irgendwann mal geübt habe, organisiere ich mir meine Informationen nach Zahlenrubriken: 7-5-4-3-2 plus Special-FX.

  • 7: Alle Ideen aus siebentönigen Tonleitern wie Dur, Harmonisch Moll, Melodisch Moll, Harmonisch Dur.
  • 5: Alle Ideen aus pentatonischen Tonleitern wie Dur-, Moll-, Dominant-Pentatonik, Raga Joy etc.
  • 4: Alle Ideen mit den sieben vierstimmigen Arpeggio-Typen: Maj7, Dom7, Moll7, Moll7b5, Mollmaj7, Maj7#5, Dim7.
  • 3: Alle Ideen mit den sechs Dreiklängen Dur, Moll, Vermindert, übermäßig, sus2, sus4.
  • 2: Intervalle. Von Ton zu Ton denken und Motive entwickeln und diese durch die Akkordwechsel bringen.
  • Special-FX: Chromatik – Pat Martino Activities/Convert-To-Minor-Konzept und diverse andere akustische Ablenkungsmanöver.

Wie man sieht, denke ich bei Arpeggien nur mit Vierklängen. Das lastet mich schon voll aus. Ich denke halt am liebsten einfach. Komplexere Arpeggio-Klänge generiere ich über Upper-Structure-Denken. Dazu mache ich vielleicht auch mal eine Episode. Soll ich? Zurück zur Dominant-Pentatonik: Für mich ist sie ein perfekter Sound für Dom7-Akkorde in nahezu jedem Stil. Sie klingt melodisch, wie ich es bei Carlton, Ford etc. höre und mag – ohne dabei die Blues-Kante zu verlieren, die ich in meinem Spiel einfach gerne habe. Sie ist melodisch und bluesig zugleich. Dieser Effekt wird verstärkt durch das bekannte Einsetzen der kleinen Terz/#9 vor der jeweiligen Dur-Terz, wie wir es in der letzten Folge angesprochen haben.

Schaut man etwas tiefer in die Skala, wie in Beispiel 4, findet man z. B. in der A-Dom-Pentatonik auch noch ein C#m7b5-Arpeggio sowie einen Em-Dreiklang (bzw. bei der D-Dom-Pent das F#m7b5- Arpeggio und den Am-Dreiklang bzw. G#m7b5 und Hm in E). Diese kleinen Tools gehen von ihrer Melodik und ihrer Wirkung doch schon ordentlich vom Blues weg in Richtung Jazz und sind, als Kontrast zur vertrauten A-Blues-Skala gespielt, richtige ear catcher. Einige Fingersätze in dieser Episode sind nur Ausschnitte aus der jeweiligen vollständigen Möglichkeit, diese Tools zu spielen und die, die in unserem Zusammenhang einfach am effektivsten klingen und in der Regel grundtonbezogen sind.

Der Preis, den man für diesen geschmeidigen, eleganten Bluessound zahlen muss, ist schnelleres Umschaltspiel. Man muss jetzt bei jedem Akkord das System wechseln. Irgendwas ist ja immer…

Wie geht man die Sache an? Darauf gibt es unterschiedliche Antworten. Ich würde sagen, erstmal über einen Akkord üben, in einer Lage. Danach den Radius vergrößern oder die obengenannten Tools entdecken. Interessant: Der Fingersatz der D-Dom-Pentatonik mit dem Grundton auf der A-Saite ist dem der A-Dom-Pentatonik mit dem Grundton auf der E-Saite sehr ähnlich, nur eben eine Saite höher. Das gilt auch für einige der Drei- und Vierklänge. Als nächstes dann mal den Wechsel zwischen A7 und D7 trainieren. Der Wechsel zwischen den Akkorden möchte halt trainiert werden.

Es braucht daher wirklich ein bisschen Zeit und Geduld. Man findet kaum so sehr plakative Licks in diesem Konzept, aber das ist ja gerade das Schöne. SRV-Licks findet man zuhauf in der Bluesskala und der Einsatz dieser neuen Möglichkeiten ist ja auch keine Entweder-Oder-Entscheidung. Spielt man diese Tools, sind das verglichen mit dem sehr vertrauten Sound der Bluesskala deutlich andere Klänge. Gut so.

Was auch eine gute Idee ist: einfach mal den Groove ändern. Mal was Binäres. Funky Blues, Latin Blues und so weiter, damit man sich nicht im endlosen Rumgeshuffle festfährt.

Zum Beispielsolo dieser Episode (Beispiel 5): Es ist diesmal ein Solo, das weitgehend auf Dominant-Pentatoniken basiert. Vielleicht mal mit unterschiedlichen Anschlagshärten und Sounds ausprobieren. Weniger Gain und Anschlagshärte und Vibrato bringen einen leicht jazzigeren Sound à la Carlton und Ford. Aber auch auf jeden Fall mal mit einer Strat und mehr Effekten im Stil von Michael Landau testen. It’s your blues, you decide. Beim nächsten Mal: Decoding Josh Smith (and others) …


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2023)

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