Joe Perry

Aerosmith Lead-Gitarrist Joe Perry wird gemeinhin mit einer Gibson Les Paul assoziiert. Mittlerweile existieren auch mehrere Joe-Perry-Signature-Les-Pauls. Daneben kann man Joe Perry aber auf (aktuelleren) Fotos auch mit einer Gibson SG, Gibson Firebird oder einer semiakustischen Gibson ES entdecken.

Joe Perry gilt als Sammler und zudem als sehr experimentierfreudig, was den Einsatz von Gitarren betrifft. Daher ist es denkbar, dass er 1987 im Studio zu den Aufnahmen von Permanent vacation ebenfalls verschiedene Modelle auch anderer Hersteller einsetzte. Joe Perry scheint laut einem Interview in G&B 02/94 insgesamt eher auf Fender-Röhrenverstärker zu stehen, einige fettere Sounds auf ,Permanent Vacation‘ sprechen allerdings auch für Marshall-Amps oder ähnliches.

„Oft spielen wir beide Rhythmusgitarre, in vielen Songs spielen wir parallel. Brad ist auf der linken Seite zu hören, ich auf der rechten, so wie wir auch auf der Bühne stehen“, erklärt Joe Perry die Arbeitsteilung mit seinem Kollegen. Großen Anteil an Sound und Erfolg der Band haben die clever arrangierten Gitarren-Parts. Perry und Whitford sind dabei ein ziemlich gegensätzliches Gespann, das sich jedoch perfekt ergänzt: der extrovertierte Joe Perry steht gern im Rampenlicht, Whitford ist der ruhige Counterpart im Hintergrund. Und obwohl Perry die meisten Leads spielt, weiß auch Whitford in dieser Rolle zu glänzen – etwa im dramatischen Intro-Solo von ‚Nobody’s Fault‘.

Auf die Frage, ob er manchmal angefressen sei, dass Joe Perry ständig im Rampenlicht stehe, antwortet er: „Es gab Zeiten, da hätte ich schon gerne ein bisschen mehr im Vordergrund gestanden. Aber ich bin mit meiner Rolle zufrieden. Ich finde es nett, Komplimente von den Fans zu bekommen. Das bedeutet mir mehr, als auf dem Cover eines Magazins abgebildet zu sein.“ Es lohnt sich, Joe Perrys Stil zu analysieren, da seine Licks und Leads vordergründig einfach erschienen, aber stets mit einer Menge interessanter Details versehen sind. Man höre sich exemplarisch die Bendings in ‚Crazy‘ an, oder die ungewöhnlichen Noten in ‚Janie’s Got A Gun‘.

In Vorbereitung auf Studioarbeit sagt Perry: „Vor jeder Aufnahme mache ich es mir schwerer, als es sein müsste, damit mir die Aufnahmen einfacher von der Hand gehen. Ich spiele zum Beispiel mit Plektrum auf einer Dobro, im Studio spiele ich dann Fingerstyle, was lockerer aus dem Handgelenk kommt. Oder ich bespanne eine Gitarre mit sehr dünnen Saiten, mit denen ich mich sehr auf mein Spiel konzentrieren muss. Bei der Aufnahme spiele ich dann die übliche Saitenstärke und kann ohne Bedenken voll reinhauen.“

Das Equipment von Joe Perry

Während Joe Perry (seit langem) Les Pauls spielt, bedient Whitford auch gerne mal Stratocasters und Teles. Seit den frühen Jahren sind Whitford und Perry mit dieser Kombination unterwegs. „Auf unserem ersten Album habe ich meine Gold Top mit P-90 gespielt und Joe eine schwarze Strat“, berichtet Whitford. Perrys 1959er Paula mit der Seriennummer 9 0663 gehört, wie erwähnt, heute Slash und ist im Kultbuch ‚The Beauty Of The Burst‘ auf Seite 58 zu bestaunen. Randnotiz:

Das Instrument wurde inzwischen vom Gibson Custom Shop als Reissue-Modell aufgelegt.  Mit dem Song ‚Wooden Ships‘ verbeugt sich Perry übrigens vor Les Paul: „Les war ein einmaliger Mensch und Künstler, ein Genie. Er war so etwas wie der Leonardo da Vinci der Musik, weil er unglaublich viele Dinge erfunden hat. Er war ein Visionär. Sein vielleicht größter Beitrag zur Musik lag gar nicht so sehr in seinen Kompositionen, sondern in seinen Erfindungen, viele der Aufnahmetechniken und Effekte, die wir heute als selbstverständlich erachten, gehen auf ihn zurück.“ Von Gibson bekommt Perry ein Les-Paul-Signature-Modell mit Mahagonikorpus und einer auffällig „getigerten“ Ahorndecke, bestückt mit Burstbucker-Pickups, einem „Boneyard“-Emblem auf der Kopfplatte und Perrys Autogramm auf der Glocke, also der Stahlstababdeckung. Das Modell ist so beliebt, dass Epiphone (angeblich auf Betreiben von Perrys Frau Billie) ebenfalls eine Joe-Perry-Boneyard-Signature als preisgünstige Variante auflegt.

Zum Thema Verstärkung sagt Perry: „Ich spiele eine Kombination aus alten Fenderund Marshall-Amps die abgenommen und gemixt werden. Je nach Song verändere ich den Sound, indem ich das Mischungsverhältnis der Amps variiere. Viele Fans vermuten, ich würde auf einen dichten Heavy-Sound mit einer Menge Kompression stehen, was aber nicht der Fall ist. Um das mal klar zu stellen: ich hab’s gerne etwas cleaner. Ich mag es, wenn man bei der Gitarre deutlich erkennen kann, ob es eine Les Paul, eine Strat oder eine ES-335 ist.“

Joe Perry war jedoch auch schon mit Strats zu hören, etwa auf ‚Pump‘: „Für dieses Album habe ich oft meine 1957er Strat benutzt, über einen Hiwatt, einen Fender Dual Showman, einen Marshall Plexi und einen Soldano.“ Interessant auch, dass er bereits früh die Talk-Box einsetzt, auf ‚Sweet Emotion‘ etwa. Kultstatus erlangte damit jedoch nur Kollege Frampton.

Wichtig für Liebhaber alter Instrumente dürfte sein, was Perry für das Spätwerk ‚Honkin‘ On Bobo‘ einsetzt. „Meine Hauptgitarre war eine blonde Epiphone Casino, jene Gitarre, die John Lennon damals (am 30. Januar 1969) beim Konzert auf dem Dach des EMI-Gebäudes in London gespielt hat. Eine große Hollowbody-Gitarre mit P90-Tonabnehmern und F-Löchern. Daneben habe ich noch eine blonde Gibson ES-350 gespielt und eine alte Gibson ES-125, mit einem Tonabnehmer und wunderbarem Sunburst.“ Vintage gilt auch beim Thema Verstärker:

„Ich habe einen Fender Tweed Champ gespielt, einen ganz kleinen Übungsverstärker, ziemlich alt und abgeranzt, aber mit einem wundervollen Sound. Ab und zu kam noch ein Epiphone-Regent-Combo aus den 50er-Jahren dazu.“ Wer in Sachen Equipment weiter in die Tiefe gehen mag: auf YouTube gibt Perrys Guitar Tech Trace Foster ausführlich Auskunft.  Randnotiz der Rock-Geschichte: Seit ‚Guitar Hero: Aerosmith’ im Juni 2008 auf den Markt kommt, bearbeiten tausende Teenager ihre Controler-Klampfen mit dem Ziel, wenigstens virtuell so berühmt zu werden wie der Bostoner Kultgitarrist.