Gitarrenakkorde

Gitarrenakkorde sind – einfach gesagt – der Zusammenklang von mehreren verschiedenen Tönen und bilden Herz und Seele der meisten Musikstücke, die wir lieben. Neben gleichermaßen einfachen Gitarrenakkorden wie universellen Power-Akkorden (Powerchords) gibt es mit anspruchsvolleren Nonen-  oder  Jazz-Akkorden ein ganzes Akkord-Universum zu entdecken – für Anfänger und Profis gleichermaßen! Auf dieser Seite widmen wir uns deshalb ausführlich dem Akkordspiel!

Um einen Einstieg in das Thema Gitarrenakkorde zu bekommen, findest du hier unsere gesamte Akkord-Serie “Theorie und Praxis”. Wir fangen mit den Grundlagen an und arbeiten uns danach systematisch zu komplexeren Akkorden durch.


>>> Inhaltsverzeichnis <<<

Akkorde und Akkordsymbole 

Vom Power Chord zum Dreiklang

Vermindert und Übermäßig

Akkorde und Akkordsymbole II

Von den Drei- zu den Vierklängen

Der Akkordbaum

Vierklänge auf dem Griffbrett

Die Griffe in der Praxis

Grundton auf der E-Saite

Grundton auf der A-Saite

Grundton auf der D-Saite

Akkorde und Akkordsymbole III

Erweiterte Drei- und Vierklänge


 

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Akkorde und Akkordsymbole

Vom Power Chord zum Dreiklang

Wie wir wissen, bauen sich Akkorde traditionell aus Terzen auf. Große und kleine Terzen werden übereinandergeschichtet, um zu Akkorden zu werden. Bleibt es bei einer Terz, spricht man von einem Intervall, sind es zwei Terzen, muss es ein Dreiklang sein, bei drei Terzen ist es ein Vierklang, usw. Und doch leben wir im Ausklang des 20. Jahrhunderts, in einer herzlos/terzlosen Zeit.

Der einfachste Akkord ist demnach der sogenannte „Power Chord“, der einfach aus einer reinen Quinte besteht. Ihm fehlt also die Terz und somit im klassischen Sinne eigentlich die Berechtigung, sich überhaupt Akkord nennen zu dürfen. Ein Power Chord ist nämlich streng genommen ein Intervall (Intervalle bestehen wie gesagt aus zwei Tönen, Akkorde mindestens aus drei). Der klassischen Harmonielehre zum Trotz bezeichnen wir aber den Power Chord als Akkord. Er erhält als Akkordsymbol eine dem Grundton angehängte 5, die einfach die Quinte beschreibt, aus der er besteht.

Zu den ersten Dreiklängen kommt man, indem man die Lücke zwischen dem Grundton und der Quinte eines Power Chords mit verschiedenen Tönen füllt. Hier bieten sich neben der kleinen und der großen Terz auch die große Sekunde und die Quarte an. Man erhält also neben den beiden bereits aus der klassischen Harmonielehre bekannten Dreiklängen „Dur“ (mit großer Terz) und „Moll“ (mit kleiner Terz) noch zwei terzlose Dreiklänge.

Der Dreiklang mit der großen Sekunde wird „Csus2“ genannt. Das Kürzel „sus“ steht generell für einen terzlosen Akkord. Die „2“ steht bei diesem Akkord für die große Sekunde. Der Dreiklang mit der Quarte wird demnach logischerweise mit „Csus4“ bezeichnet. In der folgenden Tabelle stehen noch einmal alle Akkorde und ihre Akkordsymbole, die sich von einem einfachen Power Chord ableiten lassen:

Akkorde Übersicht

Mancher Leser wird sich vielleicht über die etwas ungewöhnliche Ableitung von Dreiklängen aus einem Power Chord wundern. Ihm sei versichert, dass ich mir über die klassische Harmonielehre und ihre Regeln durchaus im klaren bin (dort gibt es weder Power Chords noch einen Csus2- oder Csus4-Akkord). Meiner Meinung nach muss man aber spätestens dann die Musiktheorie um Neues ergänzen, wenn zahlreiche Publikationen bereits mit neuen Symbolen arbeiten. Eine Diskrepanz zwischen Theorie einerseits und Praxis andererseits hat schon zu vielen fruchtlosen Diskussionen geführt und führt letztendlich dazu, dass sich immer weniger angehende Musiker mit der Theorie beschäftigen. Denn wo liegt der Sinn von Musiktheorie, wenn ihre Regeln Dinge ausschließen, die bereits seit Jahren in den Charts zum Alltag gehören?

Vermindert und Übermäßig

Als nächstes kommen die Dreiklänge an die Reihe, die nicht über eine reine Quinte als Rahmenintervall verfügen. Man kann eine reine Quinte zu einer übermäßigen oder verminderten Quinte machen, sie also um einen Halbton erhöhen oder erniedrigen. So kommt man zu den bereits aus der traditionellen Harmonielehre bekannten übermäßigen und verminderten Dreiklängen, die mit den Akkordsymbolen „C+“ und „C°“ versehen werden.

Theoretisch wären noch zwei weitere Dreiklänge denkbar: zum einen ein Dreiklang mit großer Terz und verminderter Quinte, den man wohl „C b5“ nennen müsste, und zum anderen ein Dreiklang mit kleiner Terz und übermäßiger Quinte (Cm#5), der aber wohl eher als Umkehrung eines Durdreiklangs mit dem Grundton „as“ anzusehen wäre. Beide Dreiklänge kommen in der Praxis jedoch (noch?) nicht vor. Es bleibt also beim Power Chord C5 und bei den sechs grundlegenden Dreiklangstypen C, Cm, Csus2, Csus4, C+ und C°.

Beispiel:

Beispiel Dreiklänge

Akkorde und Akkordsymbole II

In der letzten Folge haben wir die vier „klassischen“ Dreiklänge Dur (C), Moll (Cm), vermindert (C°) und übermäßig (C+) kennengelernt. Hinzu kamen der Power Chord (C5) und die beiden „modernen“ Dreiklänge (Csus4 und Csus2). Heute soll es um die ersten Vierklänge und deren Akkordsymbole gehen.

Von den Drei- zu den Vierklängen

Vierklänge entstehen, indem man den drei Tönen eines Dreiklangs einen weiteren Ton im Abstand einer großen Sekunde, einer kleinen oder einer großen Terz hinzufügt. Nutzt man alle klanglichen Möglichkeiten aus, kommt man zu 12 verschiedenen Vierklangtypen. In der folgenden Tabelle habe ich sie einmal nach der Größe ihrer Intervalle geordnet.

Vierklänge

Ich habe in dieser Tabelle bewußt die deutschen Tonnamen „b“ (international Bb) und „h“ (international B) verwendet – der besseren Lesbarkeit wegen.

Der Akkordbaum

Damit man sich den Sachverhalt beim Aufbau der 12 grundlegenden Vierklänge auch optisch vor Augen halten kann, habe ich den „Akkordbaum“ entwickelt, den ich den Lesern hiermit erstmals vorstellen möchte.

Akkordbaum

Anhand dieses Akkordbaums kann man die einzelnen Akkordsymbole auch bezüglich der Größe ihrer Intervalle vergleichen. Hier wird beispielsweise deutlich, dass dem Dur-Dreiklang (1-3-5) drei verschiedene Töne hinzugefügt werden können (6, 7 und maj7), um zu drei verschiedenen Vierklängen zu kommen. Der gleiche Sachverhalt lässt sich im übrigen beim Moll-Dreiklang (1-b3-5) beobachten.

Vierklänge auf dem Griffbrett

Um nun diese 12 Vierklänge auch spielen zu können, legt man den Grundton des gesuchten Akkords am besten auf den gewünschten Ton auf der tiefen E-Saite oder der A-Saite und sucht sich vom Grundton aus die benötigten anderen Töne zusammen. Hierbei ist lediglich zu beachten, dass man die drei höchsten Töne des Akkords auf drei benachbarte Saiten legt. Das erleichtert das Anschlagen mit Fingern oder Plektrum erheblich. Zwischen dem Grundton und den übrigen Tönen eines Griffs darf aber ruhig eine Saite Abstand liegen. Diese Saite soll leicht abgedämpft oder beim Zupfen mit den Fingern durch die Verteilung auf Daumen und Finger nicht angeschlagen werden.

Die folgenden beiden Griffbrettdiagramme können bei der Suche nach den benötigten Tönen eine echte Hilfe sein. Der Grundton ist fett eingezeichnet, die übrigen Töne befinden sich in Reichweite der Greifhand auf den höhergelegenen Saiten.

Vierklänge - 1

Vierklänge - 2

Die Griffe in der Praxis

Grundton auf der E-Seite

Am einfachsten ist es, den Grundton aller 12 Basis-Vierklänge auf die tiefe E-Saite zu legen und sich die drei übrigen Töne auf den mittleren drei Saiten (D-g-b) zu suchen. Dabei kommen Griffe heraus, die die meisten von euch entweder schon gut kennen oder doch zumindest schon öfter gesehen haben. Dies sind sogenannte Standardgriffe, die zum täglichen Repertoire jedes Gitarristen gehören. Manche dieser Akkorde lassen sich mit Barré-Griffen etwas leichter spielen, wie z. B. der 7sus4-, 7- und m7-Akkord. Ich habe aber aus Gründen der konsequenten Systematik hier darauf verzichtet.

Akkorde Beispiele 1

Man probiere einfach, mit welchen Fingern sich diese Griffe am besten bewerkstelligen lassen. Interessant wird es, wenn man die drei hohen Saiten (g – b – e´) verwendet, um sich die benötigten Akkordtöne zusammenzustellen. Hierbei kommen Griffe heraus, die man nicht mehr so häufig bei allen Gitarristen sieht. Das liegt vielleicht daran, dass sie meist etwas aufwendiger zu greifen sind. Es ist vor allem schwieriger, die beiden Saiten, die zwischen Grundton und Akkordtönen liegen, mit der linken Hand sauber abzudämpfen. Hierbei verwende ich die folgende Technik: die A-Saite wird mit dem Finger abgedämpft, der den Grundton greift. Hierzu muss er so gestellt werden, dass er leicht schräg die A-Saite berührt, ohne sie zu stark herunterzudrücken. Die D-Saite wird auf die gleiche Weise mit dem Finger abgedämpft, der den Ton auf der g-Saite zu greifen hat. Weil zwei Dämpfungsprozesse gleichzeitig bewältigt werden müssen, sollte man sich die genauen Fingerstellungen in aller Ruhe bewußt machen.

Akkorde Beispiele 2

Diese neuen Griffe sollten über einen Zeitraum von mehreren Wochen immer wieder geübt werden. Am besten so, dass man sich die Verschiebungen der Finger von Akkord zu Akkord gleich mit dem jeweiligen Akkordnamen einprägt. So kann man verfolgen, wie sich beispielsweise die große Septime zur Septime und weiter zur Sexte verändert, oder wie aus der sus4 eine große Terz und dann eine kleine Terz wird usw.

Grundton auf der A-Saite

Nachdem wir bereits Bekanntschaft mit dem grundlegenden Akkordaufbau, den Basis-Vierklängen mit Grundton auf der E-Saite und den Halbton-Verwandtschaften zwischen diesen Akkorden gemacht haben, möchte ich dieses Wissen um die Griffe für die Basis-Vierklänge mit Grundton auf der A-Saite ergänzen. Um den grundlegenden Akkordaufbau noch einmal zu verdeutlichen, genügt ein kurzer Blick auf den Akkordbaum. (siehe oben)

Um die 12 Basis-Vierklänge, die in diesem Akkordbaum aufgelistet sind, auf dem Griffbrett unterbringen zu können, legen wir den Grundton des gesuchten Akkords auf die A-Saite und suchen uns anschließend von dort aus die anderen noch benötigten Töne zusammen. Hierbei ist zu beachten, dass man die drei höchsten Töne des Akkords auf drei benachbarte Saiten legt, was zum einen klangliche Gründe hat und zum anderen das Greifen und Anschlagen bzw. Zupfen erleichtert. Zwischen dem Grundton und den drei anderen Tönen darf aber ruhig ein Abstand von einer Saite liegen. Die nicht benötigten Saiten müssen beim Spielen natürlich abgedämpft werden, was man am besten mit den Fingern der linken Hand macht.

Vierklänge - 2

Bei der Suche nach den Akkordtönen kann man ein Griffdiagramm zu Hilfe nehmen, auf welchem alle in Frage kommenden Akkordtöne eingezeichnet sind. Der Grundton ist fett eingezeichnet, und die übrigen Töne befinden sich in Reichweite der Greifhand auf den höhergelegenen Saiten.

Wir unterscheiden bei den Basis-Vierklängen mit dem Grundton auf der A-Saite zwei Gruppen. In der ersten Gruppe liegen die Akkorde auf den Saiten A-D-g-b, wobei manchmal die hohe e-Saite als fünfte Saite noch dazukommen kann.

Akkorde Beispiele 3

Bei diesen Griffen liegt der Grundton auf der A-Saite, die Quinte auf der D-Saite und die übrigen Akkordtöne auf den weiteren Saiten. Die meisten der gängigen Vierklänge wie z. B. maj7, 7 und m7 dürften den Lesern bekannt sein, aber eine kleine Wiederholung und Auffrischung tut in regelmäßigen Abständen immer wieder ganz gut. Zu diesen Griffen gibt es aber noch Alternativen, bei denen auf der D-Saite die Terz der Akkorde liegt. Diese Gruppe ist nicht ganz vollständig, weil einige Akkorde nur unter größten Anstrengungen gespielt werden können oder ganz einfach ungreifbar sind (Beispiel 4). Dennoch sind einige dieser Griffe mit zum Teil erheblichen Streckungen verbunden, weshalb man sich gut aufwärmen sollte. Länger als eine Viertelstunde am Stück würde ich diese Griffe auch nicht üben, wichtiger ist es vielmehr, ein oder zwei solcher Griffe in eine längere Akkordfolge einzubauen, um ihren Einsatz in der Praxis zu simulieren.

Akkorde Beispiele 4

In der zweiten Gruppe liegen die Griffe auf den Saiten A-g-b-e, wobei die D-Saite nicht gegriffen wird und deshalb abgedämpft werden muss. Auch in dieser Gruppe sind einige Akkorde dabei, bei denen das Greifen nicht immer ganz einfach ist. Bei Schwierigkeiten mit einem einzelnen Griff stellt man ihn am besten eine Weile zurück und übt erst einmal die anderen. Wenn einem die leichteren Griffen dann vertraut sind, kann man meist ohne größere Probleme die etwas schwierigeren ins Repertoire integrieren.

Akkorde Beispiele 5

Grundton auf der D-Saite

Um die 12 Basis-Vierklänge auf dem Griffbrett unterzubringen, legt man den Grundton des gesuchten Akkords auf die D-Saite und sucht sich anschließend von dort aus die anderen noch benötigten Töne zusammen. Um die Suche nach den Akkordtönen einfach und übersichtlich zu gestalten, kann man ein Griffdiagramm zu Hilfe nehmen, auf welchem alle in Frage kommenden Akkordtöne eingezeichnet sind.

Akkorde Übersicht 3

Der Grundton ist fett eingezeichnet, und die übrigen Töne befinden sich in Reichweite der Greifhand auf den höher gelegenen Saiten.

Zur Vervollständigung dieses Fachgebiets möchte ich noch die Basis-Vierklänge mit Grundton auf der D-Saite präsentieren.

Akkorde Beispiele 6

Akkorde Beispiele 7

Grundsätzlich hat man bei der Bildung von Akkorden mit Grundton auf der D-Saite nur zwei Möglichkeiten, da man mit g-b(h)-e nur noch drei Saiten für die Akkordtöne zur Verfügung hat: zum einen legt man die Akkorde in der reinen Terzschichtung mit 1-3-5-7 (Grundton-Terz-Quinte-Septime), zum anderen mit der Verteilung 1-5-7-3 (Grundton-Quinte-Septime-Terz.

Nicht alle Griffe sind wirklich gut zu greifen, und manche klingen aus dem Zusammenhang gerissen etwas seltsam. Nicht gut zu greifen sind hauptsächlich diejenigen mit den großen Streckungen, wie z. B. C7sus4, C7#5, C6, Cm6 und C°7. Auch der C7b5 hat seine Tücken, da man hier eine Streckung zwischen dem 2. und 3. Finger zu bewältigen hat, was die Greifhand normalerweise nicht so gerne hat.

Nicht so gut klingen diejenigen Griffe, bei denen zwischen den beiden höchsten Tönen auf der b(h)- und e-Saite das Intervall eines Tritonus besteht. Die dabei entstehende Dissonanz wird durch die hohe Lage noch verstärkt und führt in der Praxis meist dazu, dass man diese Griffe eher vermeidet. Diese sind G7#5, G7 und Gm6. Weniger störend wird der Tritonus hingegen bei G7b5 und G°7 empfunden, was wohl daran liegt, dass bei diesen beiden Akkordtypen der Tritonus ohnehin zum charakteristischen Klangbild gehört. Bei allen anderen Akkorden hat man die freie Wahl und wählt einfach diejenigen aus, die einem am besten liegen.

Akkorde und Akkordsymbole III

Auf der Grundlage des Power Chords, von sechs Dreiklängen und von zwölf Vierklängen haben wir mit den beiden letzten Workshops eine solide Akkordgrundlage erarbeiten können. Ich fasse hier noch einmal kurz zusammen, welchen Akkordsymbolen wir jetzt auch die entsprechenden Griffe zuordnen können.

C5: Power Chord (Grundton und Quinte)

C: C-Dur-Dreiklang

Cm: C-Moll-Dreiklang

C+: übermäßiger Dreiklang

Co: verminderter Dreiklang

Csus4: Power Chord mit Quarte

Csus2: Power Chord mit großer Sekunde

Cmaj7: Dur-Dreiklang mit großer Septime

Cmaj7#5: überm. Dreiklang mit gr. Septime

C7: Dur-Dreiklang mit kleiner Septime

C7#5: überm. Dreiklang mit kl. Septime

C7b5: C7-Vierklang mit verm. Quinte

C6: Dur-Dreiklang mit großer Sexte

Cmmaj7: Molldreiklang mit großer Septime

Cm7: Molldreiklang mit kleiner Septime

Cm6: Molldreiklang mit großer Sexte

Cm7b5: verm. Dreiklang mit kl. Septime

Co7: verm. Dreiklang mit verm. Septime

C7sus4: Csus4-Dreiklang mit kl. Septime

Die herausgesuchten Griffe schreibt man sich am besten auf, um sie immer wieder zu spielen, ihren Namen am besten gleich mitzulernen, und sich dabei an ihren Klang zu gewöhnen. Die oben vorgestellten Akkorde liefern immerhin die Basis für ca. 95 % des musikalischen Materials, mit dem man als Normalsterblicher in seinem Leben konfrontiert wird.

Erweiterte Drei- und Vierklänge

Weitere Akkorde lassen sich bilden, indem man den oben besprochenen Drei- und Vierklängen weitere Töne hinzufügt. Diese Töne werden Zusatz- oder Optionstöne genannt. Ein beliebtes Erklärungsmodell für Zusatztöne ist die Erweiterung der von den Drei- und Vierklängen bereits bekannten Terzschichtung bis zur Tredezime.

13   Tredezime (6 + Oktave)
11   Undezime (4 + Oktave)
9    None (2 + Oktave)
7    Septime
5    Quinte
3    Terz
1    Grundton

In der Praxis sieht es jedoch selten so aus, dass man alle Terzen aufeinanderschichten muss, um in einem Akkord eine „13“ verwenden zu können. Meist wird einem Dreiklang oder einem Vierklang ein Zusatzton (oder seltener auch zwei Zusatztöne) hinzugefügt. Die folgende zusammenfassende Darstellung der Zusatztöne enthält alle 7 Zusatztöne, die Drei- und Vierklängen hinzugefügt werden können:

In der linken Spalte steht die Abkürzung für den Zusatzton, wie er im Akkordsymbol vorkommt. In der mittleren Spalte steht der offizielle Name des betreffenden Intervalls, auch wenn man meist eher von einer „#9“ (Kreuz Neun) sprechen wird als von einer „übermäßigen None“. In der rechten Spalte steht der Ton, der sich ergibt, wenn man von einem fiktiven Akkord mit dem Grundton „C“ ausgeht. Zur Übung sucht man sich ein paar Beispiele aus Songbooks oder sonstigen mit Akkordsymbolen versehenen Noten und zerlegt die dort vorkommenden Akkorde in ihre einzelnen Töne. Dies ist gerade deshalb wichtig, damit man diese Denkübungen von allen 12 Grundtönen aus bewerkstelligen kann. Einige der oben vorgestellten Zusatztöne entsprechen hinsichtlich ihres Abstands vom Grundton bereits bekannten Akkordtönen. Diese Überschneidungen können der untenstehenden Tabelle entnommen werden.

Akkorde Übersicht 2

(Text: Frank Haunschild)

Für iPhone -User gibt es übrigens die sehr hilfreiche Uberchord-App, die beim Entdecken und Lernen selbst von den kompliziertesten Jazz-Akkorden behilflich sein kann. Die Akkord-Erkennung über das Mikrofon kann man zum kontrollieren benutzen und den Akkord Trainer zum Üben. Download unter http://bit.ly/uberchord_app.

 

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