Celestion

Die Lautsprecher des britischen Herstellers Celestion sind legendär – schon Jimi Hendrix haben sie zu seinem ikonischen Little Wing-Intro verholfen. Bei Gitarre & Bass erfährst du alles über Celestion Gitarrenlautsprecher!

Der Delestion fullback
Celestion Fullback Lautsprecher

Gegründet wurde Celestion 1924 in Hampton Wick. Schnell wurden die Speaker aus England zur “Stimme des Rock’n’Rolls” und partizipierten an zahlreichen legendären Auftritten von Gitarristen wie Jimi Hendrix oder Slash. Im gleichen Atemzug mit Celestion muss man außerdem Marshall nennen – die beiden englischen Institutionen haben in den letzten 60 Jahren den Sound des Rock geprägt.

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Seit 2016 stellt Celestion auch Pro-Audio-Beschallungssysteme her.

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Vergleichstest: Klingt ein Heritage G12M wirklich wie ein G12M Greenback von 1967?

Celestion Reissue-Lautsprecher im Test

Klingt ein Heritage G12M wirklich wie ein G12M Greenback von 1967?

Gitarre & Bass Autor Udo Pipper betrachtet in dem Workshop Amp Station ausführlich die unterschiedlichen Herstellungsabschnitte während der letzten 45 Jahre und vergleicht schließlich die alten Celestion Originale mit den aktuellen Celestion Angeboten.

Der Celestion Greenback G12M

Wenn es einen Heiligen Gral unter den Greenbacks geben mag, dann ist das vor allem der G12M mit 20 oder 25 Watt, jener legendären Pulsonic Cone und 75 Hz Resonanzfrequenz aus den Baujahren von etwa 1966 bis etwa 1970. Die Live-Aufnahme von Creams ,Crossroads‘, das war der G12M in den 4¥12-Boxen von Eric Clapton. Ebenso die frühen Aufnahmen von Jimi Hendrix.

Woran erkennt man eigentlich das Baujahr von Celestion Speakern?

Die alten Pre-Rola Greenbacks erkennt man vor allem an ihrer Code-Nummer, die meist vorn auf der Kork-Isolierung oder auf dem Blechkorb aufgestempelt war. Die Auflistung dieser Codes findet man im ,The History of Marshall‘-Buch von Michael Doyle. Meist steht am Anfang eine Zahl, die für den Herstellungstag steht, danach folgt ein Buchstabe für den Monat und dann für das Jahr.

Hier ein Beispiel: 19MK steht für 19. Dezember 1965, wobei das M den Herstellungsmonat Dezember angibt und das K das Herstellungsjahr. Gleichzeitig sorgt dieses System mitunter auch für Verwirrung, denn manchmal sind die beiden Buchstaben verdreht oder stehen vor der Zahl usw. Dann benötigt man andere Parameter, um das genaue Herstellungsjahr auszumachen.

Ein Indiz ist etwa die kleine schwarze Pappe mit den Lötösen für das Lautsprecherkabel, die später (im Rola-Zeitalter und bei den früheren Reissues) zur Farbe Grau geändert wurde. Dann sollte man die Cone oder Membran selbst beurteilen können.

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Celestion G12H – ein Celestion Speaker für Jimi Hendrix?

Kurz nach den G12M-Greenbacks kam der G12H auf den Markt, der Legende nach speziell für Jimi Hendrix, weil dieser so laut spielte, dass die leistungsschwachen G12M-Modelle ständig kaputtgingen. Der G12H hat einen stärkeren Magneten, mehr Tiefen und Höhen und einen um etwa 3 dB stärkeren Wirkungsgrad. Er ist daher deutlich lauter als ein G12M. Beide Lautsprecher gab es mit einer 003 Lead-Cone oder einer 014 Bass-Cone.

Die Mebranen tragen dazu einen Stempel auf der Rückseite der Membran in weißer Stempelfarbe. Der G12H wurde in den meisten Fällen mit der 014 Bass-Membran mit einer tieferen Resonanz-Frequenz mit 55 Hz gefertigt. Es wäre zu schön, wenn man dies als Regel manifestieren könnte.

Aber es gab dafür zu viele Ausnahmen, wie die teils verwirrenden Angaben und Aufdrucke auf den unterschiedlichen Greenbacks zeigen. „Was habe ich für einen Greenback?“ lautet die am häufigsten gestellte Frage auf entsprechenden Internet-Foren.

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Die Nummer T1221

Der G12M wurde bald nach seiner Einführung etwa 1966 in seiner Leistung von 20 auf 25 Watt angehoben. So kann es etwa sein, dass ein G12M mit Bass-Cone und ein G12H mit Lead-Cone sehr, sehr ähnlich klingen. Noch nicht genug der Verwirrung. Auch die T-Nummern sind so variabel, dass man oft nicht versteht, um welchen Greenback es sich handelt. In der Regel hatten die „berühmten“ G12M-Lautsprecher die Nummer T1221. Das sind die Modelle, die heute gebraucht und in gutem Zustand schon ein kleines Vermögen kosten.

Die frühen 20- Watt-Versionen erreichen nicht selten Preise von € 350 das Stück oder eben € 1.400 im Quartett. Die G12H-Modelle trugen am häufigsten die Nummer T1281, aber auch hier gibt es zahlreiche andere Nummern, die auf den gleichen Lautsprecher gestempelt sind. Im Marshall-Buch von Michael Doyle gibt es dazu eine sehr ausführliche Übersicht.

Somit genug mit der Verwirrung. Tatsache ist, dass die sogenannten Pre-Rola Greenbacks, gleichgültig ob M oder H heute zu den legendärsten Gitarrenlautsprechern gehören. Daher sind sie bei Sammlern entsprechend gesucht und begehrt.

Wie klingen die Pre-Rola Greenbacks?

Vor Jahren machte ich einen Besuch bei Peter Diezel, der unterschiedliche Marshall-Boxen mit unterschiedlichen Greenback-Typen bestückt hatte. So konnten wir ausgiebig vergleichen und die Klangunterschiede grob ausmachen.

Der G12M klingt mittig, cremig und hat diesen unvergleichlichen Woman-Tone, wenn man die Gitarre und den Amp entsprechend einstellt (mit Verzerrung erinnert der Ton manchmal an ein halb getretenes Wah-Wah-Pedal). Der G12H ist dagegen klarer, hat mehr Höhen und mehr Bässe und scheint daher weniger stark in den Mitten.

Dieser Lautsprecher erinnert wie kein anderer an das ,Little Wing-Intro‘ von Jimi Hendrix’ Live-Aufnahme auf ,Hendrix in the West‘. Auch die meisten Orange-Boxen waren mit diesem Lautsprecher bestückt. Kennt man die Unterschiede dieser beiden Lautsprecher, beginnt man sich beim Hören jeder alten Aufnahme sofort zu fragen: „Höre ich da nun G12M oder G12H?“

Was spielten Wishbone Ash, was Billy Gibbons und was Humble Pie? Welche Speaker hatte Angus Young in seiner Box? Welche Speaker Peter Frampton? Und so weiter und so fort.

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Die Verkabelung von Celestion Lautsprechern

Dass dieses Ohrenspitzen praktisch zwecklos ist, erfährt man spätestens dann, wenn man sich die unterschiedlichen Gehäuse-Konstruktionen und Verkabelungen bestimmter Marshall-, Orange- oder Park-Boxen ansieht.

Auch hier streiten die Gemüter ohne Ende über die ultimative Holz-Konstruktion oder die beste Verkabelungs-Methode. Allein durch das Gehäuse verwandelt sich so mancher Legenden-Lautsprecher in einen Schreihals.

Können Celestion Speaker ‚ausleiern‘?

Und schließlich kommen noch weitere Parameter hinzu. Hierfür wieder ein Beispiel: Vor ein paar Jahren brachte mir ein Gitarrist eine 1966er Marshall-Box mit dem begehrten Pinstripe Frontbespannstoff mit vier G12M-20-Watt-Greenbacks. Die Marshall-Box schlechthin! Wow!

Sein Problem war, dass die Box furchtbar dünn und leblos klang. Beim ersten Check mochte man glauben, die Speaker seien kaputt, einige davon phasenverdreht verlötet oder ähnliches. Er ließ die Box bei mir, damit ich sie genauer untersuchen konnte.

Nach langen Tests, die darauf schließen ließen, dass die Lautsprecher eigentlich alle in Ordnung waren, kam ich zu dem Schluss, dass die Box vermutlich zu oft zu laut „gefahren“ wurde und die Speaker daher buchstäblich ausgelutscht, das heißt ausgeleiert oder kraftlos geworden waren.

So etwas findet man nicht selten bei alten Lautsprechern. Sie funktionieren zwar noch, klingen aber komprimiert, dünn und verwaschen. An einem freien Samstagabend setzte ich mich dann aber genauer mit der Box auseinander und beschloss, sie einfach mal neu zu verkabeln. Hier bedeutete das, dass ich absolut nichts geändert habe, außer dass ich die Verkabelung komplett herausnahm und anschließend wieder einlötete.

Diese simple Maßnahme führte schließlich dazu, dass die Box nachher wirklich fantastisch klang: dynamisch, rund, kräftig, schnell und musikalisch. Kurzum: nicht mehr wiederzuerkennen. Seither habe ich diese Maßnahme bei zahlreichen Marshall-Boxen mit meist gutem Erfolg wiederholt. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, woran das liegen mag. Vielleicht korrodierte Lötstellen, alter Lötzinn? Wer weiß? Jedenfalls hat es erst gestern einer 1970er Basket Weave-Box geholfen, die ebenso leblos und schwach klang.

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Das 4¥12-Gehäuse

Auch streiten die Insider über die beiden Strategien zur Speaker-Verkabelung in einer 4¥12-Box. Heute sind die meisten Marshall-Boxen so verkabelt, dass zunächst zwei Speaker in der Vertikalen in Reihe verschaltet werden und diese beiden Reihen dann an der Buchse parallel zusammenlaufen (parallel/series). So erhält man aus der Verschaltung von vier 16-Ohm-Lautsprechern wieder 16 Ohm.

Die andere Möglichkeit ist, die Speaker in der Vertikalen zunächst parallel und dann vor der Buchse in Reihe zu schalten (series/parallel). Ich habe mit beiden Methoden experimentiert und bilde mir ein (ja, die Unterschiede sind wirklich gering), dass mir die zweite Strategie besser gefällt, weil das Ergebnis ein etwas weicherer, sanfterer Ton ist. Aber das ist eben Geschmackssache.

Um den unterschiedlichsten Greenback- und Gehäuse-Typen auf den Zahn zu fühlen, bin ich durch die Lande gereist, habe mir Boxen ausgeliehen, habe Lötexperimente betrieben, unterschiedliche Amps und Gitarren verwendet und bei Marshall Deutschland (Musik Meyer) zwei 1¥12-Gehäuse sowie eine handwired 4¥12 mit Heritage G12H bestellt.

Alnico Speaker von Celestion
Alnico Speaker von Celestion

Ebenso habe ich alle verfügbaren Reissues wie den Alnico Blue, den Alnico Gold, den Heritage G12M, G12H und G12 65 besorgt. Diese Lautsprecher werden nun bei mir im Keller eingespielt. Denn erst nach vielen Stunden (bei mir sind das etwa 100 Stunden) Betrieb wäre ein Vergleich mit einem alten Lautsprecher wirklich fair.

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Celestion Reissue-Lautsprecher im Test

4¥12-Boxen verlieren zumindest bei den Musikern, die nur in kleineren Clubs auftreten, an Beliebtheit. Sie sind schwer zu transportieren und natürlich laut. Auch diesmal wollte ich die Heritage- oder Alnico-Reissues mit ihren Urahnen aus den Sechzigern und Siebzigern vergleichen.

Dazu stellte mir Marshall Deutschland freundlicherweise zwei identische MR1974 CX 1¥12-Gehäuse zur Verfügung. So konnte ich die eine Box mit dem alten, die andere Box mit dem Reissue-Speaker bestücken und mittels eines Umschalters während des Spielens die beiden Lautsprecher vergleichen. Sehr komfortabel!

Diese Boxen sind mir schon öfter in Tests positiv aufgefallen, und daher schien mir diese Wahl durchaus repräsentativ. Die Gehäuse sind hinten zu etwa einem Drittel offen, was eine andere Abstrahlcharakteristik als bei einer geschlossenen 4¥12-Box zur Folge hat. Bei der Rückwärtsbewegung der Membran kann die Luft nach hinten aus dem Gehäuse entweichen, wobei der Sound natürlich auch nach hinten abgestrahlt wird.

Nicht so bei einer geschlossenen Box. Hier wird die Luft im Inneren komprimiert und die Membran dabei abgebremst. Die Energie wird nur nach vorne abgegeben. Das heißt nicht ganz, denn die tieferen Frequenzen breiten sich kugelförmig aus. Daher genügt bei Stereo-Systemen meist schon ein einzelner Subwoofer, denn die unteren Frequenzbänder sind nur schwer zu orten. Angesteuert habe ich die Boxen mit einem 1965er Marshall JTM45, einem 1969er Marshall JMP50 und einem nagelneuen Two Rock Signature Reverb Top.

Der Celestion G12 Alnico

Beginnen wir mit dem Celestion G12 Alnico. Hier hatte ich einen sogenannten Bulldog-Speaker aus einem 1966er Vox AC30 zur Verfügung, den ich mit dem Celestion Blue oder Gold Reissues vergleichen wollte. Auch hier sei nochmals erwähnt, dass das nur möglich ist, wenn man die neuen Lautsprecher einige Zeit einspielt. Frisch ausgepackt klangen die Reissues sehr hell und beinahe kratzig.

Das änderte sich jedoch schon nach 10 bis 20 Stunden Betrieb drastisch. Die Lautsprecher wurden lauter, weicher und wärmer. Man möge dies bedenken, wenn man sich solche Lautsprecher bestellt und man beim ersten Test möglicherweise von dem Klangergebnis enttäuscht ist. Wie alle Lautsprecher brauchen auch diese etwas Zeit, um sich zu lockern oder zu entspannen.

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1966er Marshall Bass-Box

Im Vergleich zu dem alten Vorbild klangen beide Reissues etwas kräftiger und stabiler. Man könnte auch sagen: dynamischer! Das tonale Spektrum war für mich wiederum überraschend gleich. Der alte Bulldog punktet vor allem in seinem farbigen Mittenspektrum, das bei den Reissues vielleicht etwas weniger zur Geltung kommt. In den Höhen und Bässen war der blaue Alnico Reissue jedoch überlegen. Vor allem die Antrittsgeschwindigkeit, die Knackgeräusche vom Plektrum und die Schärfe im Tiefton konnten hier voll und ganz überzeugen.

Dennoch ist es so, dass man bei einem durchgeführten Blindtest schon bald nicht mehr wusste, ob man nun den alten Bulldog oder den neuen Alnico Blue hört. Sie klingen wirklich verdammt ähnlich. Die Alnicos werden vor allem wegen ihres ausgeprägten, aber dennoch sehr weichen Hochtonspektrums geliebt. The Edge, Rory Gallagher, Tom Petty oder Brian May haben diesen Sound zum Klassiker gemacht. Und selbst mit einem Marshall-Amp angesteuert, hat man hier und da das Gefühl, man spiele über einen Vox AC30.

Celestion Alnico Gold

Der Alnico Gold klingt etwas wärmer und kräftiger im Bass als der Blue. Er hat immerhin 50 Watt und ist daher für eigentlich jeden 1¥12-Combo zu empfehlen. Viele Anwender sind der Ansicht, mit diesem Lautsprecher den weltbesten Zwölfzöller gefunden zu haben. Und an dieser Einschätzung ist durchaus etwas dran. Er klingt einfach für alle Spielarten geeignet und verbindet die feinen Alnico-Höhen mit der leistungsstarken Kraft, die man mit einem 40 Watt-Amp einfach fordern muss. Vor allem die stabilen Bässe überzeugen hier und machen den Gold noch ein wenig interessanter als den Blue.

Leider kosten beide Lautsprecher mit knapp € 300 schon ein kleines Vermögen. Liebhaber stört das jedoch wenig, steht der Celestion Alnico Reissue doch oft am Ende einer langen und teils kostspieligen Suche. Ein Gast, der beim Vergleichstest anwesend war, urteilte hinterher: „Da muss man ja gar nicht mehr nach einem alten Lautsprecher suchen!“ Diesem Urteil kann ich mich anschließen. Die Celestion Alnicos überzeugen, sofern man den Alnico-Sound anstrebt, voll und ganz. Einfach perfekt.

Celestion Heritage G12M

Den Heritage G12M habe ich schon weiter oben beschrieben. Aber auch hier wollte ich die Lautsprecher nochmals einzeln vergleichen. Und das war auch gut so, den man spürt hier viel schneller als in der 4¥12-Box, wo die Stärken oder Schwächen dieser Lautsprecher liegen. Wieder sind es vor allem die Mitten, die bei diesem Lautsprecher einfach fantastisch klingen. Hier schlägt er sogar die Alnicos.

Auch war schnell klar, dass in jenem wichtigen Frequenzband der zum Vergleich herangezogene 66er G12M die Messlatte unerreichbar hoch legt. Sucht man diesen typischen Cream- oder Hendrix-Sound, wie wir ihn unzählige Male aus der Ära von 1966 bis 1968 gehört haben, ist dieser Lautsprecher wohl unschlagbar. Mit 96 dB ist er auch deutlich leiser als die Alnicos oder der G12H (beide jeweils 100 dB) und fördert somit die Lust auf etwas mehr Amp-Lautstärke.

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Original 60s Celestion Pulsonic-Cone

Der Sound ist satt, aber in den Höhen und in den Bässen deutlich begrenzter als bei den Alnicos. Hier liegt der Schlüssel zum Knopfler ,Money For Nothing‘-Sound oder zu Creams ,Crossroads‘. Ohne einen G12M sind solche Klänge nur schwer hinzubekommen. Zudem klingt er auch in der offenen Box recht gut.

Celestion Heritage Reissue G12M

Der Heritage Reissue G12M bietet etwas weniger Mitten, dafür mehr Dynamik, Stabilität in den Bässen und mehr Höhen. Letzteres kann aber auch hier und da etwas nervig werden. Die Höhen sind nicht so weich und gefällig wie bei den Alnicos. Hat man das falsche Distortion-Pedal oder eine nur mittelmäßige Vorstufenröhre im Amp, kann der Hochton richtig kratzig daherkommen. Man muss schon eine gute Balance finden. Die Reissues liefern kein perfektes Double zum alten Vorbild, liegen aber dennoch sehr, sehr nah dran.

Persönlich verzichte ich gerne auf etwas Mitten-Charakter zugunsten der besseren Dynamik der Reissues. Ich gebe zu: Dies ist „mein“ Lautsprecher. Am JTM45 ist dieser Speaker einfach ein Traum.

Celestion G12H

Die G12Hs sind wieder deutlich lauter und unterscheiden sich überraschend intensiv von den M-Modellen. In den Mitten glaubt man ein Loch zu hören, während die Bässe und Höhen viel kräftiger sind. Diese Lautsprecher rocken. ,Allright Now‘ von Free oder modernere Hardrock-Klänge gelingen hier perfekt. Und wieder sind es die G12Hs, die man mit dem typischen „Marshall-Sound“ assoziiert.

In puncto Kraft, Punch und Aggressivität liegen diese Lautsprecher ganz vorne. Zudem war hier zwischen dem alten Pre-Rola G12H von 1969 und dem Heritage Reissue praktisch kein Unterschied auszumachen. Schaltet man beim Spielen zwischen den beiden Boxen hin und her, weiß man schon nach kürzester Zeit nicht mehr, ob man da einen alten oder neuen Lautsprecher spielt. Das ist schon sehr gut gelungen.

Die Heritage G12H empfehle ich vor allem dann, wenn man auch stabile Clean-Sounds fordert. Während der G12M immer ganz leicht zerrt (was ja auch seinen Reiz ausmachen mag), bietet der G12H auch sehr überzeugende Cleansounds à la Hendrix ,Little Wing‘ oder Power-Chords à la Pete Townshend.

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Celestion Heritage G12-65

Eine echte Überraschung bot der zuletzt getestete Heritage G12-65-Speaker. Mit 97 dB ist er wieder etwas leiser, bietet ein ähnlich verführerisches Mittenspektrum wie der G12M, hat aber gleichzeitig mildere Höhen und stabilere Bässe.

Die Vorbilder dieses Reissues stammen aus den späten Siebzigern und sind bei Rockern und Fusion-Gitarristen heute sehr beliebt. Man hörte Eddie van Halen mit diesen Speakern, ZZ-Top, die Rodgau Monotones, Robben Ford, Michael Landau oder Gary Moore. Sie rocken ähnlich kräftig wie die G12H, aber mit deutlich mehr Wärme und viel milderen Höhen.

Aufgrund ihrer stärkeren Leistung und stabileren Membran sind sie in den unteren Lautstärkebereichen nicht ganz so lebendig wie die G12M, bei höheren Lautstärken jedoch etwas überlegen, denn vor allem die Bässe kommen hier knackiger und konturierter.

Ich bin sicher, dass beispielsweise auch AC/DC-Fans diesen Lautsprecher lieben werden. Auch hier gab es nach dem Vergleich eines 79er Originals mit dem Heritage Reissue eigentlich kein Argument mehr für die Suche nach einem Vintage-Modell.

Die Reissues gleichen dem Vorbild wie ein Ei dem anderen. Insgesamt gelingt Celestion mit den beiden Alnicos sowie der Heritage-Serie ein perfekter Auftritt. Nur die Preise sind etwas happig. Aber was heißt das schon, wenn am Ende die Glückseligkeit steht?

Text: Udo Pipper