Remembering Jimi

Yngwie Malmsteen über Jimi Hendrix: Er hat alles auf den Kopf gestellt

Jimi Hendrix singend

Vor ziemlich genau 48 Jahren verschwand mit Jimi Hendrix eine Gitarren-Legende, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. In unserer Reihe Remembering Jimi zeigen wir euch, was andere Gitarren-Größen zum Hendrix-Phänomen zu sagen haben – diese Woche mit Yngwie Malmsteen.

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G&B: Erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit Jimi Hendrix’ Musik?

Yngwie: Wie könnte ich das vergessen! Ich sah ihn zum ersten mal an jenem Tag im Fernsehen, als er starb: Am 18. September 1970. Sie zeigten den Gig, bei dem er seine Gitarre in Brand steckte. Ich hatte damals gerade eine Gitarre bekommen und begann sofort zu spielen. Er war für mich ein Star. Aber das lag, ehrlich gesagt, weniger an seiner Musik, sondern an seinem Image. Ich wollte so sein, wie er. Mit seiner Musik habe ich mich erst viel später beschäftigt.

G&B: Was glaubst du, macht seine Songs noch immer so spannend und zeitlos?

Yngwie: Weil er mit etwas so derart neuem ankam, das seiner Zeit weit voraus war. Er klang einfach nicht wie The Mamas And The Papas oder wie das andere blöde Zeug aus den 60ern. Und er war einfach er selbst. Das macht ihn auch heute noch so zeitlos.

Deshalb glaube ich auch ganz stark daran, dass es wichtig ist, nur das zu machen, woran man selbst glaubt, anstatt einem Trend zu folgen. Das habe ich in meiner Karriere immer so gemacht. Ich will damit nicht sagen, dass meine Musik zeitlos ist. Aber sie ist bestimmt nicht an irgendwelche Trends gebunden.

G&B: Was fasziniert dich an seinem Spiel?

Yngwie: Um ganz ehrlich zu sein – ich denke das ist ein Paket aus vielen Aspekten. Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt.

Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.

G&B: Du spielst wie er Fender Stratocaster. Was reizt dich an diesem Instrument?

Yngwie: Das Witzige ist: Selbst, wenn ich nie von Hendrix gehört hätte und ich in einen Gitarrenladen gegangen wäre und hätte mir zwischen Hunderten von Instrumenten eine Gitarre aussuchen sollen – ich hätte eine weiße Fender Stratocaster gewählt. Denn diese Gitarre ist ein Meisterstück! Nichts kann sich auch nur annähernd mit ihr messen. Es wäre mir völlig egal, was für Gitarren du mir schenkst – Gibsons, Paul Reed Smiths, Gretschs, was auch immer. Die lassen mich völlig kalt! Gib mir ’ne Stratocaster, mehr brauche ich nicht! Natürlich haben mich die Leute, die so ein Instrument gespielt haben – wie eben Hendrix oder auch Ritchie Blackmore – beeinflusst. Keine Frage. Aber auch ohne sie hätte ich diese Gitarre gewählt.

G&B: Du hast auf deinem Album ,Attack!!‘ mit ,Freedom Isn’t Free‘ einen Song eingespielt, der eindeutig Hendrix’ Handschrift trägt.

Yngwie: Eigentlich wollte ich den Song nicht aufs Album packen, aber alle um mich herum meinten, ich müsse es. Ich habe die Nummer live eingespielt und dazu gesungen. Am Ende ist sie besser geworden, als ich dachte.

Yngwie Malmsteen ‘Freedom Isn’t Free’:

 

G&B: Du hast dich anscheinend auch sehr genau mit seinem Sound auseinandergesetzt. Yngwie: Interessant. Ich habe zwar ein WahWah-Pedal benutzt, aber meine Amp-Settings waren fast die gleichen, wie immer. Der Sound ist etwas cleaner, wenn ich singe, um dieses Hendrix-Feel hinzubekommen. Für mich ist der Song so etwas wie ein kleines Tribute. Die Nummer macht Spaß. Ich werde sie live auf der nächsten Tour bringen. Ich habe in der Vergangenheit ja schon einige seiner Songs wie ,Red House‘ oder ,Purple Haze‘ gespielt.

G&B: Gibt es einen Hendrix-Song, von dem du dir wünschtest, ihn selbst geschrieben zu haben?

Yngwie: Hmm, ich weiß nicht. Das Witzige ist: Wenn ich an damals denke, waren die Songs, die ich am besten fand, jene, die gar nicht von ihm waren. Ich fand ,All Along The Watchtower‘ toll (Bob Dylan) oder ,Wild Thing‘ (The Troggs). Aber was seine Songs betrifft, finde ich alle Nummern von ,Axis Bold As Love‘ auch heute noch verdammt cool. Ich kann dir leider keine bessere Antwort geben. Wie gesagt: Für mich waren es seine Erscheinung und seine Ausstrahlung, die ihn so außergewöhnlich machte. Er war der coolste.

G&B: Wie glaubst du, würde Hendrix heute mit 60 klingen?

Yngwie: Ich denke, vermutlich ganz anders, als wir das von ihm erwarten würden. Was er zu seiner Zeit machte, war absolut innovativ, neu und anders. Er benutze die neuesten technischen Möglichkeiten, Amps und Effekte, die es damals gab. Er setzte Geräte wie Fuzz Face, WahWah und Flanger ein. Gut. Was ist heute innovativ? Was ist heute neu und anders? Vielleicht würde er heute Techno machen! Wer weiß?


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