Der wichtigste Job

Vintage-Trouble-Gitarrist Nalle Colt im Interview

Anzeige
Das Pedalboard u.a. mit Roland EV-5, Boss ES-8, Boss MD-500, Boss DD-500, Nordland ODR-C, Keeley Roto Sonic, Origin Effects Cali76, Digitech Polara, Chase Tone Purple Stardust & Chase Tone Fuzz Fella (Bild: Nalle Colt)

Dafür musste dein Board wachsen …

Es sieht sehr viel komplizierter aus, als es wirklich ist. Ich verwalte alles über den Boss ES-8 Switcher. Einige Songs haben ein paar sehr spezielle Sounds, etwa besondere Delays. Dafür braucht man Presets. Und das ist das Coole mit diesen modernen Schaltern: Du kannst die Setlist der kompletten Show einprogrammieren und dann von Song zu Song schalten.

Anzeige

Auf deinem Board sind Drive-Pedale und auch ein Kompressor. Wählst du die einzeln an oder gibt es Kombinationen?

Das Lacy-J-Pedal (nicht im Bild, Anm. d. A.) ist ständig an. Bei den härteren Songs kommt ein Fuzz-Pedal von Chase Tone hinzu. Die Firma macht einige tolle Fuzz-Pedale, die sehr dynamisch sind. Das verwende ich als erstes in meiner Kette. In jedem gitarrenorientierteren Song sind jetzt immer zwei Pedale gleichzeitig an. Das hört sich vielleicht komisch an, aber mit zwei Pedalen kann ich klarere Sounds bekommen. Wenn ich den Pegel zurücknehme, blüht der Ton auf und wird sehr clean. Ich kann damit sehr dynamisch spielen.

Wie verwendest du den OriginEffects-Cali76? Nur für cleane Sounds oder auch in Kombination mit einem der Drives?

Das ist mal so und mal so. Zuletzt habe ich es heftiger eingestellt und für einige spezielle Songs verwendet. Davor war es meist die ganze Zeit an, aber das habe ich wieder verworfen. Mit Pedalen ändert es sich ständig. Aber grundsätzlich ist es bei mir so, dass ich irgendeinen Overdrive durchgängig im Signalweg habe und den Sound über die Gitarre zurückregle. So fühlt es sich für mich am besten an, und ich habe alles unter Kontrolle. Ich kann mich von meinem Board entfernen und muss mir keine Gedanken darüber machen, auf Sachen zu treten.

Heißt das, dass die Amps selber eher clean eingestellt sind? Oder am Rand des Crunch?

Nein, ziemlich clean. Wenn wir Fly Dates machen, bringe ich mein Pedalboard und eine oder zwei Gitarren mit und miete zwei konventionelle Fender Deluxe Reverbs. Und die sind ja nun wirklich sehr clean. Die Lazy-J-Amps, die ich normalerweise verwende, klingen ein bisschen komprimierter, haben also einen etwas tighteren Sound. So habe ich es am liebsten.

Nalles Lieblingsamps kommen vom Boutique-Hersteller Lazy J. (Bild: Nalle Colt)

Sind diese zwei Gitarren, die du mitnimmst, dann Les Pauls?

Eigentlich schon. Aber mein neues Teil ist das hier (hält eine Semi-Akustik in die Kamera): eine Collings. Die ist unglaublich gut. Ich habe sie direkt beim Hersteller gekauft. Sie sind wahrlich nicht billig, aber ich muss sagen, das ist vielleicht meine All-Time-Lieblingsgitarre. Ich habe zwei von ihnen, neben dieser noch eine Sunburst, aber die ist gerade nicht hier. Diese hier habe ich zu unserer letzten Konzertreise nach Australien mitgenommen, und dazu meine Les Paul, aber ich muss sagen, ich habe die Collings mehr gespielt. Sie ist so ungemein vielseitig. Ich kann sie schreien lassen, bekomme aber auch diesen 70er-Soul-Vibe daraus.

Collings Semi-Akustik
Neben der Collings setzt Nalle live auch eine Gibson Les Paul ein.

Sie ist wie eine ES-335, hat allerdings ein paar Veränderungen …

Das ist das Coole an ihnen. Ich habe einen Freund, der eine Collings-Acoustic hatte. Er hat sie mir mal für Aufnahmen geliehen. Die hat mich umgehauen. Ich habe Martins und Taylors, also wirklich gute Gitarren. Aber diese kleine Collings-Concert-Akustikgitarre klang so unglaublich toll. Dann sah ich, dass sie auch E-Gitarren machen und nahm Kontakt mit ihnen auf. Die Warteliste war ein Jahr lang. Aber das war mir egal. Ich habe zuerst die Sunburst gekauft und danach diese. Ich habe tatsächlich ein Jahr darauf gewartet. Aber das war es wert. Sie ist um einiges kleiner als eine 335, und auch dünner. Außerdem ist sie superleicht. Manche 335er sind so schwer wie Les Pauls. Aber diese wiegt fast gar nichts. Mit ihrem Center Block kannst du sie auf der Bühne ziemlich laut spielen, ohne Feedback zu bekommen. Oder auch mit einem kontrollierten Feedback, wenn du es willst. Ich liebe es außerdem, dass der Input an der Seite sitzt und nicht auf der Decke. Die Pickups stammen von einer Firma namens ThroBak Electronics. Die haben mir die Leute von Collings dafür empfohlen und hatten damit absolut recht. Diese Tonabnehmer setzen dem Ganzen die Krone auf. Für die Musik von Vintage Trouble ist diese Gitarre wohl einfach die ultimative Wahl.


(erschienen in Gitarre & Bass 07/2023)

Produkt: Robert Cray Special
Robert Cray Special
Alles über Robert Cray, Godfather des Blues, auf mehr als 30 Seiten im großen Story und Gear Special.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren