Spontaner Gig 1985

Steve Lukather: Dieser Tag hat meinen Tinnitus verursacht

Musiker müssen sich auf Youtube einem kritischen Publikum stellen. Die Kommentare gehen dabei nicht selten weit über sachliche Musik-Kritik hinaus. Vor ein paar Jahren nutzten wir ein Interview mit Steve Lukather, um ihn auf Soziale Netzwerke anzusprechen. Als Antwort erhielten wir eine ziemlich Leidenschaftliche Abrechnung mit anonymen Hatern auf Youtube.

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“Trevor fing damit vor einiger Zeit an und überredete mich auch dazu, die sozialen Netzwerke intensiv zu nutzen. Und das ist klasse, so kann ich mit den Fans ständig in Kontakt bleiben. Aber das Internet hat auch seine Schattenseiten. Ich sage nur YouTube!

Was da alles zu sehen ist, macht mich wirklich wütend. Mike Landau erzählte mir noch letztens, wie er zusammen mit Scott Henderson vor YouTube saß und alle möglichen Clips von sich sah, die er am liebsten aus dem Netz verbannen würde. Mir geht es genauso. Was ich da zum Teil über mich lesen muss, ist entwürdigend.

Alle kriegen dort ihr Fett weg und werden durch die Kohlen gezogen: Eddie, Satch, Steve Vai …. Es ist unvorstellbar, was für ein Hassfest manche Clips auslösen können. Oh Mann, jeder hat auch schlechte Tage!

Bitte schreibe das, ich finde das relevant: Auf YouTube gibt es richtig gute Clips von mir, Jams mit Paul Rogers und Brian May oder Clips von der allerersten Toto-Tour zum Beispiel. Aus irgendeinem Grund kriege ich aber für diesen Jam von 1986 mit Jeff Beck und Santana permanent den Arsch versohlt, so nach dem Motto, bei 02:35 min. hat er sich voll verhauen … Oh man, get a life!

Das war vor fast 30 Jahren und was zum Teufel haben diese Typen, die mich da am liebsten erschießen wollen, vor 25 Jahren gemacht?! Ich sag dir, das war der lauteste Gig meines Lebens – bis heute! Dieser Tag hat meinen Tinnitus verursacht, ich höre permanent ein hohes Fis in meinem Ohr!

Man konnte damals auf der Bühne diesen unfassbar lauten Boxen nicht entkommen … Das war alles nicht dazu gedacht, für die Ewigkeit festgehalten zu werden. Und 25 Jahre später gehen mir die YouTube-Kommentatoren dafür an den Hals.

Ich frage mich, warum die Leute einen wegen einer spontanen Session so hassen können. Man muss das ja auch nicht mögen und ich mag schließlich auch manches nicht, aber sich so brutal und aggressiv aufzuführen und zu artikulieren, finde ich erschreckend.

Dabei leben wir in einer virtuellen YouTube-Welt voll mit Shreddern, die in ihrem Zimmer die wildesten Licks und Tricks aufnehmen. Aber einen guten Song habe ich da noch von keinem gehört. Da scheint es nach dem Motto zu gehen, schneller höher weiter – die wollen sogar noch Allan Holdsworth blass aussehen lassen.”

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Recht hat er, der gute Steve….

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  2. Der Mann hat so Recht. Anonym kann jeder die Scheißekübel werfen….Respekt vor großartigen Musikern oder anderen Meinungen ist ein Fremdwort. Was man allein über Bonamassa oder Mayer lesen muss ist eine Schande. Einfach nur jede Menge Neid und Missgunst..diesen Typen würde auf einer 100 EUR Gitarre 99 % ihrer Kritiker wegblasen.

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  3. Ich kann mich meinen Vor-“Rednern” nur anschließen!! Diese “sozialen Netzwerke” sind
    meist (oder zumindest oft) sehr “unsozial”. Steve hat völlig Recht: viele dieser “Kritiker”
    haben zum Zeitpunkt der von ihm beschriebenen Video-Aufnahme wahrscheinlich noch
    “in die Hose gesch….” und maßen sich heutzutage an, kleine Fehler, die jedem passie-
    ren können, kübelweise “Sch…” auszugiessen (dies gilt natürlich generell, ob im Kultur-
    bereich, in der Politik, in der Wirtschaft oder auch sonstigen Bereichen der Gesellschaft).
    So, das mußte einfach mal ge”sagt” werden, zumal es außerdem äußerst ungerecht ist.

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  4. Vor dem Bildschirm kritisieren kann jeder. Ich möchte mal einen derer sehen und hören und schauen wie weit dessen Kunst ist. Ich nehm mir lieber Steve als Vorbild und finde es gut dass er keine Maschine ist und sich auch mal verspielt. Alles andere wär unheimlich. Gibt auch massig bessere Gitarristen als mich. Aber was mir wichtig ist: ich hab Ultra viel Freude und Spaß am Spielen und ich freu mich jeden Tag an meinem Instrument.

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  5. Es gibt leider zu viele dieser Menschen, die sich nur in negativer Kritik äußern können oder wollen. Andere, am besten dann anonym, durch den Dreck zu ziehen, hilft Ihnen, sich in ihrem ärmlichen Ego besser zu fühlen. Dies trifft, wie schon Joachim Heinemann erwähnte, für alle Bereiche der Gesellschaft zu.

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  6. Wenn ich mich mal wieder verhaue, bin ich froh, dass es den “Großen” auch passiert, passieren kann. Macht sie irgendwie “erreichbarer” *smile

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  7. Steve ist ein begnateter und sauguter Musiker und Gitarrist. Ich war in mehreren Konzerten bei Ihm und ich möchte keines missen. Die bösesten und dummsten Kommentare kommen doch bekannterweise von Leuten die nichts können und auch nie selbst was richtiges zustande bekommen haben ….. und schon gar kein Gitarrensolo auf großer Bühne.

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  8. es kann manchmal sehr tröstlich sein, auch bei den großen Helden kleine Verkacker zu hören.Nach dem Motto: Der kocht ja auch nur mit Wasser. Das bringt uns Mittelmaßgitarristen auch dazu nicht aufzugeben. Wenn man diese kleinen Fehler aber mit Spott und Häme kommentiert versucht man doch nur, die Helden vom sockel zu holen, die man selbst dort hingestellt hat. Und das ist natürlich armselig. Ich unterrichte seit 25 Jahren Gitarre aller Art. Wenn ich im Unterricht gemeinsam mit schüler bemerke, oh der hats aber auch jetzt anders gespielt oder verrissen, ermutigt das auch Schüler/in zu individuellen Lösungen bei technischen Detailproblemen. Fehler sind menschlich. Vielleicht müssen wir lernen wieder mehr zu genießen beim Zuschauen und weniger Erbsen zu scheißen.

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  9. Die (wohl nicht zu erfüllende) Forderung kann nur lauten, dass anonyme Kommentare
    gar nicht erst erscheinen, das würde schon Vieles eindämmen. Und der “Rest”
    soll es doch erst einmal besser machen! Sachlichkeit und Respekt ist das Gebot, leider
    verschwinden diese Worte mehr und mehr aus der dem Wortschatz der “Social Network” Gesellschaft. Ich bin gewiß kein Fan der Musik von Steve Lukather, aber Respekt und Hut ab vor einem Gitarrenspiel!

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  10. WARUM ZU HÖLLE nimmt sich ein mit allen Wassern gewaschener Pro die Kommentare von irgendwelchen Amöben aus den Tiefen der Netz-Kloake zu Herzen?

    Dass er niedergeschlagen war, als Zappa ihn bei einer Audition aus Spaß fertig gemacht hat – kann ich gut verstehen.

    Wenn er nach einer Scheidung, nach schlechten Management-Erfahrungen oder dem Tod von Freunden und Kollegen am Ende ist – kann jeder verstehen. Und der gute Steve musste schon viel durchmachen.

    Aber was irgendwelches Pack in die Tastatur kotzt? Das wäre mir sowas von egal.

    Im Gegenteil. Wenn ich mit befreundeten Zockern davor sitze und mir diesen Quatsch durchlese… Bierchen dazu und wir hätten den Spaß unseres Lebens.

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  11. Das geht durch alle Arbeitswelten. Menschen “ohne Führerschein” die aus der anonymen Deckung heraus anderen sagen wie schnell man eine Kurve fahren soll.
    Rausgelöste Kritik mit der puren Absicht, Cerebraldiarrhoe loszuwerden.
    Ich verehre Steve Lukather, ohne dabei unkritisch zu sein. Aber was würden wir Amateure dafür geben, ein solch majestätisches Gitarrenspiel zu besitzen. Und ist das nicht schön, dass auch die Ausnahmemusiker mal menschliche Fehler machen? Totokonzerte, oder Lukather mit Soloprojekten Live zu sehen waren IMMER etwas Besonderes . Mal etwas das ein Leben lang in Erinnerung bleibt, mal weniger lang – aber immer außergewöhnlich.

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