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Robert Cray im Interview
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Im Interview

Scott Henderson: Blues trifft Fusion

Scott Henderson(Bild: Henderson)

Derzeit tourt Scott Henderson im Trio mit den jungen Franzosen Archibald Ligonnière (Drums) und Romain Labaye (Bass) und seiner von John Suhr gebauten Strat um den Globus. Das einzige diesjährige Konzert in Deutschland fand im M8 Live Club in Mainz statt, wo wir den freundlichen Gitarren-Allrounder zum Interview treffen konnten.

Mit seinem eigenen, unverkennbaren Ton machte der 1954 in West Palm Beach geborene Scott Henderson schon früh große Bandleader auf sich aufmerksam. So holte ihn Chick Corea 1986 in seine Electric Band und sogar Miles Davis zeigte großes Interesse an dem damals Anfang-Dreißigjährigen. Dieser hatte kurz zuvor allerdings schon bei Joe Zawinuls Syndicate zugesagt, dem er mehr als zwei Jahre angehörte.

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Parallel gab es seit 1986 das Ensemble Tribal Tech, von dem inzwischen insgesamt zehn Alben erschienen sind. Maßstäbe gesetzt haben vor allem die in der Zeit zwischen 1992 und 1995 erschienen ,Illicit‘, ,Face First‘ und ,Reality Check‘. Mit Scott Kinsey an den Keys, der mit genialen Moog-Sounds und Pitchbends auch bei Pianoklängen besticht, Kirk Covington als dynamischem, aber explosivem Schlagzeuger, Gary Willis mit seiner eigenen Zupftechnik und eben Scott Henderson an der Gitarre haben Tribal Tech die Messlatte in Sachen Fusion sehr hoch gehängt.

Vor allem Henderson sticht auf seinen Einspielungen nicht nur aufgrund seiner brillanten Technik aus der großen Menge der Gitarrenvirtuosen heraus, sondern auch aufgrund seiner äußerst geschmackvollen und melodisch nachvollziehbaren Licks. Seine Linien zeigen strukturelle Vielfalt, gehaltene Feedbacks steigern Spannungsbögen zwischen trickreichen, doch sparsam gehaltenen Glissandi und eruptiven Staccato-Einwürfen.

Scott Hendersons Solo-Alben widmen sich zumeist mehr dem Blues, wohingegen die Alben mit Jeff Berlin und Dennis Chambers oder Victor Wooten und Steve Smith wiederum eher „straight forward“ instrumentaler Fusion-Jazz auf höchstem Niveau sind.

Beim Konzert im Mai ist Henderson und seinen Begleitern die mitreißende Spielfreude deutlich anzumerken. Nach dem Opener ‚All Blues‘ von Miles Davis spielt das Trio Stücke vom letzten Album ,Vibe Station‘ und Tracks, die auf dem im Juli erscheinenden neuen Album zu finden sein werden. Hinzu kommen mit ,Mysterious Traveller‘ und ,Black Market‘ zwei Stücke von Joe Zawinul. Der Ansatz, von Zawinul fürs Keyboard geschriebene Hauptmotive auf die Gitarre zu übertragen, mag gewagt erscheinen, doch Scott Henderson gibt diesen Melodien mit seinem satten und warmen Ton erfrischenden Glanz.

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Gibt es ein bestimmtes Ereignis, das dich dazu bewegt hat, ernsthaft eine Karriere als Gitarrist anzustreben?

Ich habe auf einem Mittelwellesender die lange Version von ,Whole Lotta Love‘ gehört. Was da im Mittelteil passiert, hat mich umgehauen.

Auf deiner Strat ziehst du die Saiten nicht nur, die Kombination der Bendings mit dem Vibrato-Bar klingt bei dir auffallend anders. Wie ist das gewachsen?

Nicht nur Jimmy Page und Jimi Hendrix, auch Jeff Beck und vor allem Ritchie Blackmore haben mich damals mit ihrer Spielweise sehr beeindruckt. Was Blackmore auf den Alben ,In Rock‘, ,Fireball‘, ,Machine Head‘ und erst recht auf ,Made In Japan‘ live gespielt hat, war innovativ. Jeff Beck holt gerne die Töne mit dem Hebel von unten hoch. Und eine mit dem Finger auf dem Griffbrett hochgezogene Saite mit dem Bar wieder auf Pitch zurückzuholen, gibt im Ausklang noch mehr Flexibilität. Auch bei John Scofield oder Alan Holdsworth mit ihrem Geschmack und Mut ist in dieser Hinsicht viel Neues für mich zu entdecken.

Welche Verstärker und Effekte sind für dich unverzichtbar?

Zu Hause habe ich einen Marshall, Baujahr 1971, den ich nicht auf Tour mitnehmen möchte. Meinen Fender Bandmaster hat John Suhr modifiziert, beide setze ich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Songs ein. Unterwegs habe ich als Basis einen für mich modifizierten Suhr OD100- Amp und eine 4x12er-Box, dazu den Fender DeVille. Den RC Booster habe ich immer auf der Bühne und im Studio experimentiere ich nach Lust und Laune mit weiteren kleinen Kistchen. Geräte, die in einem Song fantastisch funktionieren, sind für viele andere Parts unbrauchbar.

Mit meinem Fuß-Drehknopf für die Lautstärke im Effekt-Loop fühle ich mich – unabhängig vom Gain, das ich mit dem Lautstärkeregler an der Gitarre einstelle – wesentlich wohler. Nuancen gelingen spontaner und einfacher als mit einem „Auf-und-ab-Gaspedal“. Das Umschalten zwischen den Pickups ist sowieso entscheidend für den Ton.

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Als Live Amps kommen ein Custom Audio Amplifiers OD100 Classic Plus sowie ein Fender Hot Rod DeVille zum Einsatz. (Bild: Kröher)

Was hältst du von dem Hype um alte Vintage-Gitarren?

Alles Voodoo. Hendrix hat damals mit nagelneuen Gitarren auf der Bühne mit bescheidener Anlage fantastisch geklungen. Der Ton kommt aus den Fingern. Natürlich gibt es alte Instrumente, die besser klingen als relativ teure neue, doch liegt es immer an der Spielweise, wie man klingt. Natürlich kann ein tolles FX-Board viel bewirken, doch sollte es stets als Hilfsmittel verstanden werden und nicht im Vordergrund stehen.

Wie schreibst du neues Material?

Mal ist es ein bestimmtes Lick, das in einer Jam-Session entstanden ist, mal ist es ein Drum-Loop, über den ich anfangs zwei, drei Akkorde lege. Bei Tribal Tech haben wir auf den letzten drei Alben die meisten Tracks durch einfaches Jammen aufgebaut. Das Editieren ist zwar im Grunde einfach, doch mit den musikalischen Inhalten meistens recht delikat. Im Studio ist es eher wie in einem Spielfilm, wo lange gebastelt werden kann, bis eine Szene sitzt. Live ist es wie in einem Theaterstück, du hast nur den einen Moment, wo alles stimmen muss.

Zawinul ist für mich der größte Komponist, seine Sachen haben von Anfang an die Substanz, die ein gutes Stück ausmacht. Er hatte das absolute Gehör und wusste genau, was wie zu klingen hat. Mit ihm zu spielen hat mir sehr viel gebracht.

Welche Kriterien entscheiden darüber, mit wem du zusammenspielst?

Man kann mich ganz einfach als Gitarristen buchen. Wer vernünftiges Material schickt und bereit ist, mich zu bezahlen, dem spiele ich gerne zwei, drei Spuren ein. Archibald und Romain habe ich spielen gehört und wusste sofort, dass wir viel Spaß miteinander haben werden. Nun touren sie mit mir seit über zwei Jahren.

Scott Henderson
Scotts Live-Effekt-Board (Bild: Kröher)

Welche drei Alben würdest du auf einer einsamen Insel nicht missen wollen?

Ich höre alle möglichen Genres, doch wenn es um Prog Rock geht, wäre sicher ,Power And The Glory‘ von Gentle Giant dabei. Bei Fusion ist ,Night Passage‘ eines meiner liebsten Alben von Weather Report. Im Blues schätze ich Albert King, Johnny Winter, Billy Gibbons und natürlich auch B.B. King. Im geradlinigen Jazz mag ich die Sachen von Miles Davis mit Wayne Shorter und Tony Williams.

Womit beschäftigst du dich privat, wenn du gerade mal nicht Gitarre spielst?

Ich liebe das Kino. Ich sehe mir gerne Filme an. Natürlich ist auch da für mich die Musik wichtig, oft gibt erst die Filmmusik einem Streifen das, was ihn für den Konsumenten beeindruckend macht. John Williams hat großartige Filmmusik geschrieben, auch Hans Zimmer hat seine Oscars verdient.

Scott, vielen Dank für das Gespräch!

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2019)

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