Plattensammlung

Paul Gilbert und seine Lieblingsplatten

 

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„Ich muss dich warnen“, beginnt Paul Gilbert seine Tipps. „Es gibt wirklich eine Menge Alben, die mich und meine musikalische Entwicklung beeinflusst haben! Da ich früher keine Noten lesen konnte, habe ich parallel zu Platten gespielt, habe versucht heraus zu hören, was meine Helden da spielen. Am Anfang waren das die Beatles. Meine Eltern besaßen u.a. ,A Hard Days Night‘ (1964) und ,Help!‘ (1965), das waren und sind meine Lieblingsplatten der Fab Four. Sie haben mich dazu inspiriert, Musiker werden zu wollen. Ich wusste zwar noch nicht, welches Instrument ich lernen wollte, denn ich konnte damals noch nicht unterscheiden, welche Parts die Gitarren und welche der Bass spielte. Also habe ich mich zunächst immer an den Melodien des Gesangs orientiert.

Danach kamen die Boy-Groups der frühen Siebziger, wie die Jackson 5 und die Osmonds. Hey Kids, dass waren die Backstreet Boys und ‘N Sync von damals! Mit dem Unterschied, dass die Osmonds auch ziemlich gerockt haben, das hat mich beeindruckt. Von ihnen würde ich ,Crazy Horses‘ (1972) empfehlen. Das Album ist wirklich ziemlich cool. Auf ,Burning Organ‘ habe ich übrigens sogar einen Song von ihnen gecovert: ,Burning Drum‘ (vom Osmonds-Album ,Phase III‘ von 1972).

Als sich die Beatles aufgelöst hatten und es keine neuen Alben mehr von ihnen gab, drängte sich plötzlich Elton John in die entstandene Lücke. Er hielt für mich die Fackel hoch, wenn es um großartiges Songwriting und tolle Melodien ging. Von allen seinen Platten die ich besitze, würde ich das ,Captain Fantastic (& The Brown Dirt Cowboy)‘-Album (von 1972) empfehlen. Ich erinnere mich noch, wie ich mit Freunden diese Songs gesungen habe. Elton John war ein wichtiger Einfluss für meine Musikalität, auch wenn das kaum jemand vermuten würde.

Dann entdeckte ich Led Zeppelin. Sie waren meine Eintrittskarte zum Heavy Rock. Ich hörte ,Stairway To Heaven‘ von ihrem Album ,IV‘ (1971) im Radio. Der Song beginnt mit akustischer Gitarre, das fand ich noch nicht besonders spannend. Aber Mann – das Finale, wenn Jimmy Page diese Akkordfolge spielt, die später die Lieblingsakkorde von Iron Maiden werden sollten! Und wenn dann das Gitarrensolo einsetzt, da war mir klar, dass ich Gitarrist werden wollte. Ich habe diese Platte später auswendig gelernt. Songs wie ,Black Dog‘, ,Misty Mountain Top‘ und ,Rock And Roll‘ sind einfach genial. Mit diesem Album habe ich angefangen, intensiv mein Gehör zu schulen, in dem ich die Songs Note für Note herausgehört habe.

Dann platzten Aerosmith mit ,Toys In The Attic‘ (1975) in mein Leben. Ich liebte ,Walk This Way‘. Und ihr Album ,Live Bootleg‘ (1978), mit ,I Ain’t Got You‘, dem alten Yardbirds-Cover und ,Mother Popcorn‘, der James-Brown-Nummer. Zu der Zeit war ich noch ein Kind und hatte gerade mal ein bisschen Taschengeld. Da musste man genau rechnen, für welche Platte man sein Geld hinlegt. Ich fand auch Aerosmiths Album ,Rocks‘ (1976) klasse, aber das hatte sich ein Freund von mir gekauft, von dem konnte ich das tapen. Ich kaufte meist die Platten, die meine Freunde nicht hatten, so hatten wir am Ende alle zusammen den gesamten Katalog einer Band.

Dann entdeckte ich Black Sabbath. Da gab es dieses Doppelalbum mit dem Titel ,We Sold Our Souls For Rock ’n’ Roll‘ (1976), mit all diesen coolen Songs wie ,Paranoid‘, ,Snowblind‘ und ,Iron Man‘. Diese Platte habe ich wirklich andauernd gehört.

Eine weiteres Album, das mich vom Gitarrenstil und Sound her fasziniert hat, war Pat Travers‘ ,Go For What You Know‘ (1979). Eine absolut coole Gitarren-Platte! Die Art, wie Pat Travers und Pat Thrall harmoniert haben, ihr Funk-Rock-orientiertes Zusammenspiel auf ,Hook On Music‘ oder ,Gettin’ Better‘ ist einfach unglaublich gut. Da kann ich nur sagen: Hey, Kids, try this at home!

 

Ach ja, und natürlich das erste ,Van Halen‘-Album (1978)! Die hat mich absolut umgehauen! Mann, was Edward van Halen da auf der Gitarre angestellt hat, war schier nicht zu glauben. Am selben Tag habe ich mir übrigens auch ,Frank Marino & Mahogany Rush Live‘ (1977) gekauft. Marino hat coole Sachen mit dem Whammy-Bar gemacht und war ein wirklich verblüffend schneller Blues-Rock-Gitarrist. Er kam mir so vor, wie eine verrückte Version von Jimi Hendrix und Robin Trower.

Zu der Zeit stand ich natürlich auch schon auf Jimi Hendrix. Meine Eltern hatten mir ,Are You Experienced?‘ (1967) geschenkt. Eine Platte, die ich damals mindestens 1000 Mal gehört hatte. Ach ja, in dem Zusammenhang fallen mir auch die Scorpions ein, deren Alben mit Uli Roth ich sehr mochte. Ich hatte ,Tokyo Tapes‘, das Live-Album (1978). Songs wie ,Top Of The Bill‘ oder ,Polar Nights‘ zeigen, was für ein außergewöhnlicher Gitarrist er ist.

Dann kam meine Phase, in der ich den britischen Heavy Metal entdeckte, mit Bands wie Judas Priest, Saxon und Iron Maiden. Von Maiden hatte ich ,The Number Of The Beast‘ (1982). Dazu hatte ich die ersten Versuche unternommen, so richtig schnell Gitarrensoli zu spielen.

Eine weitere Band, die ich sehr schätze, ist Rush. Mein erstes Album von ihnen war ,Moving Pictures‘ (1981) – später kamen dann noch eine Menge dazu. Ich habe zu ihren Platten komischerweise nie Gitarre gespielt. Ich saß meist mit meinen Kopfhörern auf dem Bett und hämmerte auf ein fiktives Schlagzeug, weil sie einen so coolen Drummer (Neil Peart) haben! Ich mochte aber auch die Ramones. Sie hatten tolle Riffs, eine großartige Energie und witzige Texte! Ich hatte ,Rocket To Russia‘ (1977) und jeder dieser Songs war fantastisch!

Da wir gerade bei Melodien sind, muss ich unbedingt schnell noch Todd Rundgren erwähnen. Er ist der König der Melodien! Ich habe ihn allerdings erst entdeckt, als er vermutlich schon 80 Alben veröffentlicht hatte! Zu der Zeit kamen gerade die ersten CDs auf den Markt und alle Leute verkauften ihre Vinylschallplatten. Auf die Art und Weise habe ich in einem Second Hand Shop für 20 Dollar Rundgrens gesamte Veröffentlichungen erstanden.

Wenn ich ein Album herausnehmen müsste, dann vermutlich ,Utopia‘ (1974) – darauf sind unglaublich schöne Akkordfolgen. Seine Platten höre ich regelmäßig, weil sie immer eine Inspiration sind. Rundgren hat mir die Ohren geöffnet, was Akkorde betrifft. Ohne ihn hätte es einen Mr.-Big-Song wie ,Green Tainted Sixties Mind‘ nie gegeben.

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