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Robert Cray im Interview
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Zukunftsmusik

Interview: Laurence Jones

Laurence Jones(Bild: Mineur)

Mit überschwänglichen Lobeshymen über neue Künstler ihres Landes sind englische Medien ja schnell bei der Hand. Laurence Jones wird auf der Insel als „Zukunft des Blues“ gefeiert, als „kommender Star“, Motto der Brit-Presse: the sky is the limit.

Der 27-Jährige hat auch tatsächlich die Fähigkeit, zu den ganz Großen des (Bluesrock-)Genres aufzusteigen, wie seine vier bisherigen Alben beweisen. Mit seinem aktuellen, fünften Werk ‚The Truth‘ hat Jones allerdings ein wenig die Parameter seines kernigen Sounds geändert und seinem Spiel radiofreundliche Mainstream-Einflüsse hinzugemischt.

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Weshalb? Weil auch seine Vorbilder Eric Clapton oder Joe Bonamassa mit diesem Hybrid Erfolg haben. Kein Zweifel, der Mann besitzt einen Karriereplan, wie wir im Gespräch vor seinem Konzert in Groningen feststellen konnten.

Interview

Laurence, einige unserer Leser kennen dich möglicherweise noch nicht. Woher stammst du und wie bist du zur Musik, speziell zur Gitarre gekommen?

Ich wurde in einem kleinen Ort zwischen Liverpool und Manchester geboren. Als ich acht Jahre alt war, zog meine Familie nach Stratford-Upon-Avon. In dieser Zeit fing ich mit dem Gitarrespielen an. An unserer Schule gab es allerdings keinen Kurs in Rockgitarre, also lernte ich zunächst klassische Akustik-Gitarre und machte darin mit 18 meinen Abschluss. Eine für mich wertvolle Zeit, denn ich lernte viel über Disziplin, Noten, Harmonielehre und so weiter.

Mein Vater besaß ein paar Gitarren und eines der Lieder, die er konnte, war ‚House Of The Rising Sun‘ von den Animals. Er zeigte es mir und ich versuchte natürlich, es besser als er zu spielen, was aufgrund meiner klassischen Ausbildung schnell der Fall war. Witzige Pointe dieser kleinen Anekdote: Im Jahr 2015 spielte ich mit Van Morrison und Eric Burdon in der Londoner Royal Albert Hall. Und zwar ausgerechnet diesen Song, während mein Vater im Publikum saß!

Mit 13 entdeckte ich den Blues. Mein Dad hatte eine tolle Plattensammlung mit Jimi Hendrix, Led Zeppelin, The Groundhogs, Rory Gallagher und Gary Moore. Vor allem der freiheitliche Ansatz von Jimi Hendrix gefiel mir, weil er das genaue Gegenteil von klassischer Musik darstellte, in der alles nach strengen Mustern abläuft. Also lernte ich via YouTube seine Songs und entdeckte dabei unter anderem auch Eric Clapton. Ich recherchierte, woher Claptons Einflüsse stammen und stieß so auf Robert Johnson, der für viele heutige Blues-Größen eine wichtige Tür aufgestoßen hat.

Gibt es die eine wichtige Lektion, die du von all deinen Idolen gelernt hast?

Ja, und zwar: Alles dreht sich nur um die Gitarre. Musik ohne Gitarre ist für mich ausdruckslos, denn außer Gesang trägt kein anderes Instrument so viele Emotionen in sich, durch die Berührung der Saiten mit den Fingern, durch das Holz. Man kann von unglaublich vielen Gitarristen etwas lernen, denn jeder hat einen eigenen Sound kreiert und einen eigenen Pfad gelegt. In ihre Fußstapfen zu treten und einen eigenen Stil, einen eigenen Sound zu kreieren, ist mein großes Ziel. Aber das ist in der heutigen Zeit nicht so leicht, denn das meiste wurde bereits gesagt und getan. Aber ich versuche, aus den Einflüssen all meiner Vorbilder etwas Eigenes zu schaffen und so viel wie möglich zu komponieren, um mich weiterzuentwickeln.

Laurence Jones(Bild: Mineur)

Gibt es einen speziellen Grund, dass ‚The Truth‘ deutlich gemäßigter klingt als eure Bühnenperformance? Muss jetzt ein Radio-Hit her, damit deine Karriere den nächsten Schub bekommt?

Ja, das ist sicherlich einer der Gründe. Meine bisherigen vier Scheiben klangen sehr rau, für eine von ihnen bin ich extra für eine Woche nach Louisiana geflogen, ins Dockside-Studio, mitten in den Sümpfen, wo schon B.B. King, Derek Trucks oder Buddy Guy aufgenommen haben, um die gewünschte Rauheit zu bekommen. Eine andere Scheibe habe ich in Cambridge eingespielt und alles selbst produziert, mit einem modernen, kernigen Rocksound.

Diesmal, bei meiner fünften Scheibe, haben wir im Vorfeld einen neuen Plattenvertrag bei einer Firma in Miami unterschrieben. Ihr gehört ein altes Sony-Tonstudio, vielleicht hängt damit auch der eingängige Sound der Scheibe zusammen. Fakt ist, dass ich nicht etwa eines Morgens aufwachte und mir vornahm, ein radiofreundliches Album zu komponieren, um berühmt zu werden. Aber ich bin ein junger Typ aus Stratford-Upon-Avon, 27 Jahre alt, weißhäutig, ich kann nicht vom Baumwollpflücken auf den Feldern am Mississippi singen …

… aber vielleicht vom Angeln in Stratford-Upon-Avon.

(lacht) Ja, das ginge tatsächlich. Ich kann über Beziehungen schreiben und über das, was heutzutage in der Welt los ist. Und da es Geschichten aus der Gegenwart sind, braucht die Scheibe auch einen zeitgemäßen Sound.

Sind es britische Geschichten mit britischem Sound?

Ja, das würde ich unterschreiben. Der Produzent meiner neuen Scheibe, Gregory Elias, gleichzeitig auch Inhaber meiner neuen Plattenfirma, ist in diesem Business eng vernetzt. Er hat unter anderem die Rolling Stones nach Kuba gebracht und sie dort bei einem Free-Concert spielen lassen. Gregory hatte eine Vision für dieses Album, nämlich einen eingängigen amerikanischen Sound mit meiner britischen Spielweise zu kombinieren, so wie es in den 1960ern die Rolling Stones gemacht haben, und später – in umgekehrter Richtung – auch Jimi Hendrix. Daraus ist dieser ganz spezielle Sound entstanden.

Du hattest zu diesem Album auch einen Vocal-Coach. Hatte der Gesangsunterricht auch Einfluss auf dein Gitarrenspiel?

Ja, zumal ich die Gitarre sowieso als meine zweite Stimme bezeichne. Vor allem bei den Soli geht es mir darum, dass man die Gitarrenmelodie mitsummen kann, so als wäre es ein weiterer Gesangspart.

Die Soli wurden also Note für Note komponiert, nicht improvisiert?

Ja, das war neu für mich. Normalerweise liebe ich den „spirit of the moment“, weshalb ich auch nur die Hälfte der Soli zu Hause vorbereitet und die andere Hälfte spontan im Studio entwickelt habe. Aufgrund meiner klassischen Ausbildung macht es aber durchaus Sinn, ein Solo Note für Note zu komponieren, um sicherzustellen, dass es auch wirklich zum betreffenden Song passt.

Equipment

Seine Gibson Les Paul 2018 Standard
Die Custom Made Fender Stratocaster 2016, gebaut von Cameron Mackenzie
Fender Telecaster mit Fernandes Vibrato
Danelectro Baritone

Warst du von Beginn an eher der Les-Paul- oder der Stratocaster-Typ?

Meine erste E-Gitarre war eine Les Paul, die ich dann aber verkaufte und mir einige Strats zulegte, da sie einfacher zu spielen sind. Seit wenigen Monaten bin ich jedoch wieder bei Gibson gelandet, auch weil die Songs auf meinem neuen Album ‚The Truth‘rockiger als die vorherigen sind. Dazu passt der kraftvolle Sound einer Gibson halt besser.

Dein aktuelles Equipment besteht aus Les Paul-, Stratocaster- und Telecaster-Modellen. Wie mischt du sie in deinem Live-Set? Und wie bei deinen Studioproduktionen?

Im Studio kombiniere ich diese unterschiedlichen Gitarrentypen schon gerne, aber generell versuche ich, die Songs so aufzunehmen, dass sie auch live reproduzierbar sind. Zumal ich auf der Bühne ebenso rau und kantig klingen möchte wie meine Vorbilder. Noch einmal zurück zu den Gitarrentypen: Zum Glück habe ich einen hervorragenden Gitarrenbauer namens Cameron Mackenzie, der in der Nähe von London lebt und Gitarren für Glenn Tilbrook von Squeeze und die Jungs von Nine Below Zero baut. Cameron ist unglaublich talentiert und kooperiert auch mit Fender.

Er hat mir eine Stratocaster so gebaut, dass sie zu meinen verhältnismäßig kleinen Händen passt, mit einem Hals, der für mich perfekt spielbar ist. Nach einer solchen Gitarre hatte ich jahrelang vergeblich gesucht, bis ich mich entschied, mir eine bauen zu lassen. Bei meiner Telecaster handelt es sich um ein Flohmarkt-Schnäppchen, das mein Gitarrenbauer für 300 Pfund erstanden hat. Es war ursprünglich eine Fernandez-Gitarre, die mit einer hässlichen metallenen Kopfplatte ziemlich skurril aussah.

Mit welchem Amp hast du im Studio aufgenommen?

Mit einem Fender Hot Rod Deville, den ich auch auf der Bühne spiele. Nichts Außergewöhnliches also. Hinzu kam mein Pedalboard mit Effekten überwiegend von Mad Professor, die ich endorse. Es waren nur drei Pedale, nämlich das Deep Blue Delay, das Sweet Honey Overdrive und das Royal Blue Overdrive. Ich habe es bewusst simpel gehalten, da mich zu viele Effektgeräte nur irritieren.

Die Effektleiste – u. a. mit den Mad-Professor-Pedalen Deep Blue Delay, Royal Blue Overdrive und Sweet Honey Overdrive sowie Mojo Hand FX Rook Overdrive

Wie sah es im Studio mit Plug-Ins aus?

Nicht die Spur, bei mir ist alles echt! Für andere Musiker mag das etwas sein, für mich ist es das nicht. Ich wollte mit diesem Album etwas Reales schaffen. Etwas, zu dem man genauso singen kann wie zu diesen am Computer gemachten Songs, die man normalerweise im Radio hört, nur eben mit echter, handgemachter Musik.

Heutige Radiokünstler rufen das meiste auf der Bühne von Samples ab, bei mir dagegen steht eine leibhaftige Band hinter mir. Und ich denke, dass diese Tatsache von den Zuschauern honoriert wird. Man nennt mich „The Future Of Blues“, und ich denke, wenn er so echt und handgemacht ist wie meine Musik, dann ist dies eine goldene Zukunft!

 

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

 

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