Produkt: Gitarre & Bass 12/2019
Gitarre & Bass 12/2019
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Interview: Testament – Alex Skolnick & Steve DiGiorgio

(Bild: Stephanie Cabral)

Auch wenn die US-amerikanische Formation Testament eindeutig dem beinharten Thrash-Metal zuzuordnen ist, hat sie mit ihrem neuen Album ‚Titans Of Creation‘ viele Fans über­rascht. Denn neben der gewohnten Mischung aus Geschwindigkeit, schroffer Härte und der­ben Gesängen zeichnet sich die aktuelle Studio­scheibe – es ist die 13. in der seit Mitte der Acht­ziger andauernden Karriere – auch durch einige erstaunlich groovige Momente und sogar melo­dische Parts mit eingängigen Melodien aus.

Wie und weshalb es dazu kam und mit welchen Instrumen­ten die zwölf Songs eingespielt wurden, haben uns Lead-Gitarrist Alex Skolnick und der technisch überragende wie ungewöhnlich spielende Bassist Steve DiGiorgio in zwei aus­führlichen Gesprächen erklärt.

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Alex Skolnick mit seiner ESP-Signature-Gitarre (Bild: Em Coulter Photography)

ALEX SKOLNICK

Hallo Alex, wie geht es dir? Und wie geht es deinen Bandkolle­gen, die sich im März mit dem Covid-19-Virus infiziert hatten, sodass ihr eure Europatour vorzeitig beenden musstet?

Erfreulicherweise ist die Band wieder vollständig gesund, alle haben sich bestens erholt. Außer einer Show in Italien musste ja zum Glück nur der allerletzte Gig in Hannover gecancelt werden. Leider hat der Shutdown unsere sämtlichen Pläne für den Herbst diesen Jahres durchkreuzt, denn eigentlich wollten wir nach dem Sommer wieder losziehen.

Seid ihr durch den Shutdown in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten?

Natürlich ist ein solcher Lockdown für viele Künstler ein echtes Problem. Einige von uns haben das Glück, über weitere Einkom­mensmöglichkeiten zu verfügen, so ist es auch in meinem Fall. Man wird dabei zwar nicht reich, aber es sichert zumindest die Existenz.

Und wie hast du dir die Langeweile vertrieben?

Langeweile hatte ich nicht eine Sekunde. Ich mache ja sowieso viele Dinge, auch außerhalb von Testament. Ich arbeite im Studio, gebe Unterricht, bastele an Instruction-Videos und habe immer alle Hände voll zu tun. Wenn man natürlich nur über Einkommen durch die Band verfügen kann, kommt man schnell in Schwierigkeiten. Das gilt ja nicht nur für Testament, das gilt vor allem für zahllose junge Musiker, die noch nicht so lange im Geschäft sind.

Kommen wir zu eurem aktuellen Album ‚Titans Of Creation‘, das überall gefeiert wird. Wusstest du schon während der Aufnahmen, dass es ein so starkes Werk werden wird?

Nein. Wie gut das Material ist, weiß man vor Produktions­beginn nie. Aber wenn man dann im Studio feststellt, dass man die Aufnahmen zu lieben beginnt, bekommt man bereits eine Vorahnung, wie stark das Resultatwerden könnte. In unserem Fall hat ja Eric (Peterson, Gitarrist und Hauptkomponist der Band, Anm. d. Verf.) bei allem das letzte Wort, denn er hat die Band gegrün­det und ist der Chef. Übrigens auch dann, wenn man mal mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist, was in meinem Fall durchaus vorkommen kann. Aber die goldene Regel lautet: Wenn etwas uns selbst gefällt, wird man damit auch die Fans überzeugen können.

Du sprachst von mitunter unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Band.

Ja, ich spiele da auf meine Komposition ‚Symptoms‘ an, bei der wir im Studio schwierige Diskussionen hatten. Ich finde, dass der Komponist eines Stückes immer das letzte Wort haben sollte, aber in diesem Fall musste ich hart dafür kämpfen. Denn meinen Kolle­gen war die Nummer zu langsam. Für Testament sind Midtempo-Nummern ja eher ungewöhnlich, aber ‚Symptoms‘ braucht dieses groovige Grundgefühl. Doch ständig hieß es: „Das Stück muss schneller gespielt werden.“

Ich blieb aber hart: „Nein, das Tempo bleibt so, wie es ist.“ Sie darauf: „Lass es uns doch schneller versu­chen, und dann entscheiden wir!“ Aber ich ließ mich nicht umstim­men. „Nein, das Tempo bleibt!“ Jeder Song hat nun einmal sein eigenes Tempo, denn sonst verliert er den Charakter, den man ihm zugedacht hat.

Ist das richtige Tempo der alles entscheidende Faktor in der Musik?

Auf jeden Fall einer der wichtigsten Faktoren. Ich liebe Grooves. Aber gleichzeitig muss ich natürlich auch den Sound respektieren, für den Testament stehen, und der basiert auf Tempo. Ich mag das, ich spiele gerne schnell, aber die Mischung muss stimmen. Früher wurden in Testament-Shows ausschließlich schnelle Songs aneinandergereiht, sodass bei einigen Nummern die gewünschte Wirkung verpuffte. Heute sind Testament-Konzerte zum Glück abwechslungsreicher und daher auch deutlich kraftvoller, wie ich finde. Es scheint, dass die Jungs älter geworden sind und nicht mehr ausnahmslos im Vollgas-Modus rennen wollen. (lacht)

Mit welchem Equipment hast du ‚Titans Of Creation‘ eingespielt?

Bei früheren Produktionen wurden ausschließlich richtige Röhren-Amps verwendet, während ich auf unseren letzten Tourneen die gewünschten Sounds immer aus einem Kemper geholt habe, was sehr angenehm ist. Eric, Steve und ich spielen alle drei Kemper-Amps, auch weil unser deutscher Live-Mischer total darauf steht. Diesmal habe ich den Kemper erstmals auch im Studio eingesetzt, zumal die Technik zunehmend besser geworden ist. Außerhalb von Testament, in meinen – wie ich sie nenne – Ein-Gitarren-Bands, bevorzuge ich weiterhin traditionelle Amps, aber für Testament sind Kemper einfach perfekt.

Welche Profiles hast du verwendet?

Das Profile stammt von einem Marshall JVM plus Distortion-Pedal, bei dem ich Geräte der griechischen Firma Jam Pedals bevorzuge. Unser Mischer Andy Sneap hat dann den Sound in seine eigenen Kemper Amps geladen und die Spuren ge-reampt. Hinzu kamen ein paar Phasing-Effekte und Delays, mehr nicht.

Zwei von Skolnicks ESP-Signatures: In Silverburst…
… und Black Aqua Burst.

Hast du deine ESP-Signature-Gitarren gespielt?

Ja, überwiegend. Es kamen zwei meiner Alex-Skolnick-Modelle zum Einsatz, und zwar die in Lemon Burst mit der festen Brücke. Sie sind im Studio großartig zu spie­len. Die Tonabnehmer waren Seymour Duncan Custom. Wie du vielleicht weißt, sind in den etwas günstigeren LTD-Versionen meiner Gitarre die Seymour-Duncan-JBs verbaut.

Was muss eine Gitarre bieten, damit sie dir gefällt?

Zunächst einmal sollte der Hals nicht allzu…

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