Produkt: Robert Cray Special
Robert Cray Special
Alles über Robert Cray, Godfather des Blues, auf mehr als 30 Seiten im großen Story und Gear Special.
Aus dem neuen Heft

Interview: Sonny Landreth

(Bild: Robley Dupleix)

Die wichtigste Botschaft zuerst: Von ‚Blacktop Run‘, dem neuen Studioalbum des amerikanischen Slide-Blues-Virtuosen Sonny Landreth, kann man nur begeistert sein. Wie schon die bisherigen Veröffentlichungen des 69-Jährigen vereint auch dieses Werk seine atemberau­benden Fingerfertigkeiten mit einem grandiosen Songwriting, das aus Blues, Rock, Cajun, Americana und Folk besteht.

Ob in swingenden Instrumentalnummern wie ‚Lover Dance With Me‘ oder die auf Joe Satriani verweisenden ‚Groovy Goddess‘ und ‚Beyond Borders‘, ob in staubtrockenen Hymnen wie dem Titelsong oder wundervollen Reminiszenzen an Little Feat (‚Mule‘, ‚The Wilds Of Wonder‘), immer trifft Landreth den richtigen Ton, das perfekte Feeling, die besondere Note. Doch lassen wir den Meister lieber selbst zu Wort kommen. Ein Interview über sein außergewöhnliches Spiel, seine Vorbilder und das Instrumentarium, das auf ‚Blacktop Run‘ zum Einsatz kam.

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Sonny, angesichts deines vollen Terminkalenders der zurück­liegenden Jahre: Wann hattest du Zeit für neue Ideen, für neue Songs?

Interessanterweise habe ich immer dann meine kreativsten Phasen, wenn ich auf Tournee bin. Die Tage unterwegs, die langen Reisen, die Hotels, die Soundchecks, die Stunden auf den Highways, auf Bahn­höfen oder in Flughäfen, das alles führt bei mir zu einem wahren Ideenrausch. Es ist immer eine Mischung aus völlig neuen Erfahrun­gen und der täglichen Routine, die bei mir Kreativität freisetzt. Zwar erwischt mich eine solche Phase mitunter auch Zuhause, aber zumeist passiert es on the road. Alle meine Antennen sind dann automatisch auf Empfang geschaltet. Während der Tourneen bin ich komplett im Hier und Jetzt und sprühe förmlich vor Ideen.

Hast du bereits eine vage Idee davon, wie das spätere Ergebnis klingen soll, wenn du mit dem Songwriting für ein neues Album beginnst?

Nein. Wie ein Album letztlich klingt und in welche stilistische Rich­tung es tendiert, weiß ich immer erst, wenn der überwiegende Teil der Ideen im Kasten ist. Das liegt daran, dass ich während der Ent­stehungsphase einfach die Musik zu mir sprechen lasse und sich daraus dann ein bestimmter Pfad von alleine ergibt. Irgendwann, meistens so nach sieben oder acht Songs, bekomme ich ein vages Bild, wie das geplante Album klingen könnte. Und ich finde, dieses ist die facettenreichste und vielseitigste Scheibe, die ich jemals aufgenommen habe. Es gibt Instrumentalnummern und Songs mit Gesang, ich spiele Akustikgitarren aber auch E-Gitarre. Die Songs haben unterschiedlichste Stimmungen, es gibt Rock-Nummern, Balladen und Akustik-Tracks.

Wichtigstes Stilmittel ist aber weiterhin dein phänomenales Slide-Spiel. Kannst du bitte erklären, wie sich dieser unge­wöhnliche Stil im Laufe der Jahre entwickelt hat?

Nun, er entwickelt sich auch heute noch permanent weiter. Ich stand immer schon auf Slide-Gitarren, und als ich so um 1969 oder 1970 die Kunst entdeckte, wie man mit den Fingern hinter dem Slide spielen kann, öffnete dies für mich ungeahnte Türen. Ich bekam sehr schnell eine noch konkretere Vorstellung von dem, was ich kann und vor allem was ich will. Ab da arbeitete ich hart an meiner Technik und entwickelte diese Spielweise über die Jahre kontinuierlich weiter. Allerdings nicht nur diese bestimmte Slide-Technik, sondern mein Spiel generell. Ich nahm ein paar Scheiben auf, die zunächst nur regi­onal veröffentlicht wurden, bis ich Ende der 80er John Hiatt kennen­lernte. John hatte damals schon absoluten Kultstatus und eine welt­weite Fan-Base. Durch das Engagement bei ihm bekam ich erstmals auch international eine größere Aufmerksamkeit.

(Bild: Greg Miles)

Das motivierte mich natürlich umso stärker, und ich übte und verfeinerte meine Spielweise noch weiter. Auch die Songs, die John mir zeigte, waren für mich eine riesengroße Inspirationsquelle. Ich versuchte, mit mei­nem Spiel die Stücke möglichst noch besser zu machen. Das Tolle in Johns Band war, dass er die Zügel locker ließ. Jeder durfte sich und seine Ideen einbringen, er vertraute einfach unserer Kreativität. So kam es, dass ich Anfang der 90er, als ich anfing an ‚Outward Bound‘ zu arbeiten, bereits viele Sessions, Soundchecks und Konzerte erlebt hatte und über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügte. Ich hatte sozusagen meine eigene Stimme auf der Gitarre gefunden.

Welche Tunings hast du auf ‚Blacktop Run‘ verwendet?

In erster Linie G und E, also D-G-D-G-B-D beziehungsweise E-B-E-G#-B-E. In ‚Somebody Gotta Make A Move‘ war es ein Em7-Tuning mit E-B-E-G-D-E, und in ‚Beyond Borders‘ ein Am-Tuning mit E-A-E-A-C-E. Nur bei ‚Lover Dance With Me‘ handelt es sich um ein reines Standard-Tuning, da ich in dieser Nummer keinen Slide spiele.

Ist dein Spiel eigentlich eher von Melodie oder von Rhythmus geprägt?

Eine sehr gute Frage! Die Antwort lautet: sicherlich von beidem. Ich habe im Laufe der Jahre eine Menge über Rhythmen gelernt und weiß, wie wichtig sie sind. Es gab eine Phase, in der nur die Gitarristen etwas galten, die brillante Soli spielen konnten. Aber ein guter Rhythmusgitarrist ist mindestens genauso wichtig. Zumal: Je besser man das Rhythmusspiel beherrscht, umso besser wird man auch beim Solieren. Es gibt fünf goldene Regeln, die man beherzigen sollte, wenn man ein guter Gitarrist werden möchte: …

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