Produkt: Marshall Sonderausgabe
Marshall Sonderausgabe
Das GITARRE & BASS MARSHALL SPECIAL mit Amp-Tests, Vintage-Guide und einem Interview mit dem legendären Father of Loud, Jim Marshall.
Im Interview

Peter Frampton: Auf zur letzten Runde

(Bild: Amy Nichole Harris)

Die Zeit macht vor niemandem halt, auch Gitarrenlegenden müssen dem Alter irgendwann Tribut zollen. Peter Frampton ist gerade 70 geworden und leidet an einer chronischen Muskelerkrankung, die ihm in Zukunft das Spielen schwer machen wird. Doch vorher will er sich auch auf deutschen Bühnen von seinen Fans verabschieden.

Leider macht das Coronavirus den ursprünglichen Plänen Framptons einen Strich durch die Rechnung, denn die geplanten Konzerte seiner Abschiedstournee mussten, wie so viele andere auch, verschoben werden. Nichtsdestotrotz ist sein runder Geburtstag ein guter Grund, mit ihm auf sein Leben zurückzublicken – und auf das Album, dass eine Karriere für immer überstrahlen wird.

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Peter, ich möchte mit dir auf wesentliche Stationen deiner Laufbahn schauen, von den Anfängen bis zur kommenden letzten Tour. Du spielst seit 1957 Gitarre, damals warst du gerade sieben Jahre alt, und bist schon früh Profi gewesen. Hast du je einen normalen Job gehabt?

Nein, nie. (lacht) Als ich in der Schule war, habe ich mal Zeitungen ausgetragen. Aber ich war nicht sehr gut darin. Ich schaffte es nicht, früh aufzustehen und war meist unpünktlich. Der einzige andere Job, den ich je hatte, war in einem Musikladen. Ich war damals zu jung für eine richtige Stelle und arbeitete dort an Samstagen als Assistent.

Wie für die meisten englischen Gitarristen deines Alters war Hank Marvin der erste große Einfluss. Warum bist du kein Fender-Mann mit einer Strat in Fiesta Red und Ahornhals geworden?

Das ist alles die Schuld meines Vaters. (lacht) Auch er hat die Shadows geliebt. Ich sagte: „Papa, ich möchte eine solche rote Stratocaster haben.“ Er antwortete: „Nein. Das ist keine Gitarre. Das ist nur ein Stück Holz. Du brauchst etwas mit Löchern drin.“ Er war nicht sehr begeistert von Solidbodies und hat das Prinzip damals noch nicht verstanden. Das führte dazu, dass ich den größ­ten Teil meines Lebens Humbucker statt Singlecoils spielte. Erst bei The Herd, wo ich von 1966 bis 1968 aktiv war, hatte ich erst­mals eine Stratocaster. In den späten 1960ern oder frühen 1970ern kaufte ich dann schließlich eine 55er-Strat, die genauso aussah wie die von Hank. Am Ende hatte ich dann also doch eine.

Schon früh in deiner Laufbahn, Mitte der 1960er-Jahre, hast du in Bands wie den Trubeats, den Preachers oder den erwähnten The Herd gespielt und warst dort von Leuten wie dem Stones-Bassist Bill Wyman oder dem späteren Status-Quo-Mitglied Andy Brown umgeben. Welchen Eindruck hat das auf dich gemacht? Warst du damals nah dran an Größen wie Clapton, Hendrix, Jeff Beck oder Peter Green?

Ich war ein Stück jünger als sie, so rund fünf Jahre. Aber ich habe es geschafft, in die Clubs zu kom­men, in denen sie gespielt haben. Ich habe Hendrix früh gesehen, auch Clapton, Peter Green und Mick Taylor – fast alle außer Jimmy Page. Als ich 14 Jahre alt war, hat mich Bill Wyman mit nach London genommen und mich kurz darauf in die dortige Clubszene ein­geführt. Ich hätte da noch nicht rein­gedurft, aber er hat mich reinge­bracht. Ich traf den Rest der Stones, dazu einige andere sehr bekannte Bands. Eines Tages sah ich Jimi Hendrix in einem Club.

Das war, bevor er berühmt wurde. Er saß dort mit der Band. Dann nahm er die Gitarre eines Rechtshänders, drehte sie einfach um, ohne sie anders zu besaiten, und spielte darauf genau so gut wie auf seiner.

Warst du damals auch ein Bluesfan, wie viele der englischen Gitarristen dieser Zeit?

Ich war ein großer Bluesfan. Aber mir wurde damals klar, dass alle auf Erics Pfaden unterwegs waren und ihn kopierten. Sein Stil, und auch der von Peter Green, hatte etwas sehr Verführerisches. Ich dachte mir: Es gibt genug Leute, die das machen. Ich möchte anders sein.

Ich hatte neben meiner eigenen auch die Musik mei­ner Eltern gehört, speziell das Quintette du Hot Club de France mit Django Reinhardt und Stéphane Grappelli. Beim ersten Hören habe ich es gehasst. Aber du kannst Django Reinhardt nicht für längere Zeit hassen. (lacht) Es war einfach anders – und man braucht wohl einen gewissen Horizont, um zu verstehen, dass dieser Typ der vielleicht beste Gitarrist aller Zeiten war, allein schon wegen seiner erfinderischen Kreativität. Ich folgte also mehr der Jazz-Route und habe den Blues eine Zeit lang ausgesperrt.

Abgesehen von den Effekten ist Framptons Live-Rig relativ simpel: Les Paul & Marshall. (Bild: Rob Arthur)

Damals bekamst du auch deine erste Les Paul Black Beauty mit P90-Pickups.

Das muss 1966 gewesen sein. Ich glaube, sie ist dann bei Tony Hicks von den Hollies gelandet. Jedenfalls habe ich sie damals mit zu ihm genommen und dann wahrscheinlich dort gelassen. Aber egal. Jedenfalls war das meine erste.

Es war zu jener Zeit nicht deine Art von Gitarre.

Sie hat mir damals nicht sonderlich gefallen. Deswegen bin ich in dieser Phase mit The Herd zur Strat gewechselt. Ich fing dort mit einer Guild Starfire an. Die mochte ich sehr. Danach spielte ich die erwähnte Les Paul. Sie war dunkler im Klang, was mir nicht übermäßig zusagte, also wechselte ich zur Strat.

Nach einem Konzert im Jahr 1970 bekam Peter Frampton…
… die berühmte „Phenix“ mit drei Humbuckern geschenkt.

Die nächste Les Paul, die ich dann spielte, war die vom Cover von ,Frampton Comes Alive!‘.

Die berühmte „Phenix“. Über sie und das Album werden wir gleich noch ausführlich sprechen. Aber bleiben wir zunächst der Chronologie treu. Die erste Les Paul war also nicht das Richtige für dich. Woran lag das? War es nur der Sound oder auch das Handling? Der Hals? Die Pickups?

Ich denke, es war das ganze Paket. Sie war zu schwer, der Hals hat nicht gepasst. Der Sound war ziemlich langweilig im Vergleich zu dem, was ich gewohnt war. Die Entscheidung, sie nicht zu spielen, fiel schnell.

Dann bist du bei Humble Pie zur Gretsch Duo Jet gewechselt.

Das war die erste Gitarre, die ich mir kaufte, bevor sich Humble Pie formierten. Warum? Steve Marriott hatte eine, und ich liebte die Sounds, die er damit machte. Also suchte ich mir auch eine.

Danach kam eine SG, und dann hast du eine ES-335 ausprobiert, die allerdings starke Nebengeräusche von sich gab.

Das stimmt. Ich hätte die SG nie abgeben sollen. Ich habe sie mittlerweile zurückbekommen und bin glücklich, dass ich sie wiedergefunden habe – oder genauer gesagt, dass mich derjenige gefunden hat, der sie bekam. Zur damaligen Zeit hatte man keine zwei Gitarren. Wenn du eine neue Gitarre haben wolltest, musstest du die alte loswerden, um sie dir leisten zu können.

Von der 335 schließlich kamst du zu deiner berühmten Les Paul mit dem Spitznamen Phenix, die deine Hauptgitarre für eine Dekade werden sollte. Das geschah 1970 in San Francisco.

Ich spielte mit Humble Pie im Fillmore West in San Francisco. Ich hatte eben erst meine 1962er-SG gegen eine ES-335 getauscht, denn ich wollte einen volleren, jazzigeren Sound haben. Ich bekam die 335, probierte sie aber nicht mit der Band aus. Wir waren damals drei oder vier Nächte im Fillmore. Bei der ersten Show gab es ständig Feedbacks, sobald ich die Gitarre aufdrehte – wir spielten damals ziemlich laut. In dieser ersten Nacht konnte man außer diesen Horror-Sounds quasi nichts von mir hören. Nach der Show war ich dementsprechend stinksauer.

Glücklicherweise kam ein Mann namens Marc Mariana zu mir in den Backstage-Bereich. Ich kannte ihn von früher, als wir 1969 dort schon einmal gespielt hatten. Er sagte: „Es war nicht zu übersehen, dass du da oben Probleme hattest. Willst du morgen meine Gitarre ausprobieren?“ Ich fragte: „Was ist es für eine?“ Er antwortete: „Eine Les Paul.“ Ich erwiderte: „Hmmm. Ich bin mir bei Les Pauls nicht sicher. Aber wir können uns morgen in meinem Hotel trefen.“ Er brachte also die Gitarre mit, die heute als Phenix bekannt ist.

Wie war dein erster Eindruck?

Ich öffnete den Koffer, schaute sie mir an und war sprachlos, denn sie sah brandneu aus. Aber das war sie natürlich nicht. Sie war gerade von Gibson zurückgekommen, wo sie refinished worden war. Im Prinzip hatte er eine Black Beauty genommen und sie mit drei Humbuckern bestückt. Ich spielte sie in dieser Nacht und schwebte förmlich über die Bühne. Nachdem ich sie auch die restlichen Abende gespielt hatte, gab ich sie Marc zurück und fragte: „Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass du mir diese Gitarre verkaufst?“ Er sagte: „Nein. Ich schenke sie dir.“ Seit diesem Tag ist er ein guter Freund.

Origin Effects RevivalDrive und Strymon Flint
Mu-Tron III, III+ und MXR Phase 90
Foxx Tone Machine, Electro-Harmonix POG, Fulltone OCD, Creation Audio Labs Mk.4.23 und Klon Centaur
Korg SDD-3000
MXR MC-404 Wah, DigiTech Whammy WH-1, gig-fx Pro-Chop, gig-fx Mega-Wah

Weiter mit der Musik: Du hast 1971 deine Solokarriere gestartet, fünf Jahre später änderte sich dein Leben dann komplett. ‚Frampton Comes Alive!‘ wurde 1976 zu einem Riesenerfolg, du hattest da gerade 26 Jahre auf dem Buckel. Was macht das mit einem noch recht jungen Musiker?

Natürlich hat das alles in meinem Leben komplett verändert. Ich bin mit dieser Platte über Nacht bekannt geworden. Als sie herauskam, bedeutete es zunächst, dass ich nun ein Headline-Act war und meine eigenen Shows machen konnte. Zuerst in Amerika und dann im Rest der Welt. Wir haben Arenen ausverkauft. Das war eine aufregende Zeit, ich war jetzt ganz oben.

Dann bekam ich einen Anruf von meinem Manager, in dem er sagte: „Sitzt du? Das Album ist gerade auf Nummer 1 gestiegen.“ Ich antwortete: „Du verarschst mich.“ Ich war unfassbar aufgeregt und in absoluter Hochstimmung. Dann, vielleicht zwei oder drei Monate später, bekam ich einen weiteren Anruf. „Sitzt du?“ „Schon wieder?“ „Du hast gerade den Verkaufsrekord von Carole Kings ‚Tapestry‘ gebrochen.“ Das war damals die erfolgreichste Platte überhaupt.

Wie war deine Reaktion?

Von diesem Moment an fühlte ich mich sehr nervös. Was konnte ich diesem Blockbuster folgen lassen? Ich hatte sechs Jahre gebraucht, um das Material für ‚Frampton Comes Alive!‘ zu komponieren. Es gibt darauf auch eine Humble-Pie-Nummer und dazu ein Rolling-Stones-Cover, aber der Rest wurde im Zeitraum von sechs Jahren geschrieben. Die Plattenfirma wollte eine neue Platte haben – und das in sechs Monaten. Auf einmal stand ich im Wettstreit mit mir selbst.

Das war eine sehr schwierige Zeit. Die Leute sagten: „Du warst an der Spitze der Charts.“ Das stimmt zwar, aber wenn du Nummer 1 bist, gibt es nur noch eine Richtung. Denn selbst wenn ich mit dem Nachfolger ‚I’m In You‘ (1977) nur ein Exemplar weniger als ‚Frampton Comes Alive!‘ verkauft hätte, wäre es als nicht so erfolgreich angesehen worden.

Die 1970er-Jahre gelten als die Hochphase der Live-Alben. Ob ‚Frampton Comes Alive!‘, ‚Live And Dangerous‘ von Thin Lizzy oder ‚At Fillmore East‘ von den Allman Brothers – zahlreiche Live-Alben waren damals sehr beliebt, und sind es bis heute. Warum war das so?

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Ich weiß nicht, warum mein Album so einschlug. Okay, ich wusste, warum die Allman Brothers so erfolgreich waren: Ihr Album ist fantastisch. Humble Pies Live-Mitschnitt aus dem Fillmore war auch eine tolle Platte. Ich denke, es lag an der Zeit und ihrem Hauptmedium, dem Radio.

Du hast die Zeit danach bereits erwähnt. Die Plattenfirma drängte auf einen Nachfolger von ‚Frampton Comes Alive!‘. Was war die größte Herausforderung? Waren es der Erfolg und die Erwartungen, oder kam auch der Wandel in der Musik und der Rezeption des Publikums dazu? Damals traten Punk und New Wave ihren Siegeszug an.

Als ich im Oktober 1976 in Europa tourte, kamen gerade die Sex Pistols raus. Es war eine Phase der Veränderung. Ich liebte es und fand es toll, aber ich stand in Seidenhosen auf der Bühne. Die Musik veränderte sich – und bei mir ging der Erfolg deutlich zurück. Es war verheerend. Ich war ganz oben auf dem Gipfel gewesen und rutschte von da aus fast ins Minus. Es gab jetzt nicht nur Leute, die nicht meine Fans waren, sondern auch welche, die den Sender wechselten, sobald meine Musik gespielt wurde – weil sie es schlichtweg zu oft gehört hatten. Irgendwann war es einfach zu viel des Guten. Selbst ich fing an, den Sender zu wechseln, wenn sie einen Song von mir spielten.

(Bild: Rob Arthur)

In den 1980ern hast du bei deinem alten Schulfreund David Bowie gespielt. Du bist auf seinem 87er-Album ‚Never Let Me Down‘ zu hören und gingst mit ihm auf die folgende ‚Glass Spider‘-Tour. Dafür bist du von Gibson hin zur Pensa-Suhr Superstrat gewechselt.

Ich bekam sie im Januar 1987, kurz vor der Tour mit David Bowie. Leider ging diese Gitarre in der Flut von Nashville 2010 verloren. Für diese Konzerte hat mir auch Bob Bradshaw mein erstes System gebaut – anfangs gab es jedoch noch Probleme. Ich benutze bis heute programmiertes Equipment, Pedale und MIDI.

War es das erste Mal, dass du so eine Superstrat gespielt hast?

Das war das erste Mal. John Suhr hatte mir schon zuvor ein paar Gitarren gebaut, und ich habe sie geliebt. Aber diese war etwas Besonderes. Sie wurde meine Nummer-1-Gitarre, bis ich in den 1990er-Jahren nach Nashville kam. Dort lud mich Gibson in seinen Custom Shop ein. Die Phenix war nach einem Flugzeugabsturz zu diesem Zeitpunkt verschollen. Wir verbrachten ein Jahr damit, uns an sämtliche Details von ihr zu erinnern. Sie bauten diese Gitarre für mich und sie war traumhaft. Ich dachte damals, sie sei sehr nah am Original. Als ich die originale Phenix dann zurückbekam, wurde mir klar, dass dem kein bisschen so war. (lacht) Aber es ist trotzdem eine tolle Gitarre. Seitdem spiele ich auf der Bühne beide – die Reissue und die Phenix.

Das wollte ich gerade fragen. Nimmst du die Phenix noch mit auf Tour?

Ja. Sie hat alles mitgemacht und sogar einen Flugzeugabsturz überstanden. Ich glaube nicht, dass es noch schlimmer kommen kann. Sie ist dafür gemacht, für die Leute beim Konzert gespielt zu werden. Sie bekommt sogar Beifall. (lacht)

Ich habe noch zwei Fragen zur Phenix. Hast du sie ohne Pickguard bekommen? Oder hast du es abgenommen?

Daran kann ich mich nicht erinnern. Wenn ja und es ein schwarzes gewesen wäre, hätte ich es jedenfalls sofort abgemacht. Steve und ich hatten damals dieses Ding mit Gitarren: Wir haben sie aufgemotzt. Der erste Schritt war, das Schlagbrett abzunehmen. Dazu erinnere ich mich, dass meine Les Paul schwarze Pickup-Rahmen hatte, als ich sie bekam, die auf Steves SG Custom waren weiß. Also haben wir sie getauscht. Ich hatte nun weiße Rahmen und er schwarze. So etwas haben wir gerne gemacht. Uns waren die Werte der Gitarren gar nicht richtig bewusst. Niemand hätte damals gedacht, dass eine Les Paul mal für fast eine Million Dollar verkauft werden würde.

Die andere Fragen dreht sich um die Verschaltung. Das obere Volume-Poti regelt die Gesamtlautstärke der beiden äußeren Pickups, das untere kontrolliert nur den mittleren Tonabnehmer. Stimmt das so?

Jawohl.

Funktioniert diese Schaltung für dich gut? Oder hat sie auf der Bühne auch mal für Verwirrung und unerwünschte Sounds gesorgt?

Im Gegenteil – der Wechsel zu einem Master-Volume für die am meisten benutzten Tonabnehmer, Hals und Steg, hat viele Probleme gelöst. Wenn der Pickup-Schalter in der Mittelposition steht, sind beide an und voll aufgedreht. Ich kann die Lautstärke zwischen beiden zwar nicht abstimmen, aber das wollte und will ich auch nicht. Ich mag den Sound in dieser Position. Und dann kann ich den mittleren Tonabnehmer reindrehen, um alles anzufetten. Manchmal drehe ich den oberen Regler zu und nutze nur den Mittel-Pickup. Das ist dann wie ein fetter Strat-Sound. Dieses Setup gefällt mir sehr gut.

Dein Live-Rig scheint relativ ausgefuchst. Aber wenn man es reduziert, spielst du einfach nur eine Les Paul in einen Marshall-Amp, oder?

So ist es. Alles wird von meinem Haupt-Marshall kontrolliert. Die mittlere Box bekommt von ihm ein trockenes Signal, das lediglich mit vorgeschalteten Pedalen wie einem Verzerrer aufgemotzt wird. Der Rest ist nur für die Effekte da.

Was können die Fans von deinen Shows hier erwarten?

Wir werden ein paar Nummern von ‚All Blues‘ spielen (Framptons aktuelles Album aus dem Jahr 2019, Anm. d. Verf.), normalerweise zwei oder drei pro Abend. Dazu kommen Songs von ‚Fingerprints‘ (Grammy-dekoriertes Instrumentalalbum von 2006, Anm. d. Verf.), darunter meine Version von Soundgardens ‚Black Hole Sun‘, und dann natürlich die Fan-Favoriten von ‚Frampton Comes Alive!‘. Das alles ergänze ich je nach Laune mit ein paar weiteren Liedern, etwa von ‚Wind of Change‘ (Solodebüt von 1972) oder auch von anderen Alben. Generell wird es eine Reise durch meine Musik vom Anfang bis heute.

Du gehst auf Abschiedstour, da du an an einer chronischen Muskelerkrankung leidest und dein Körper in Zukunft irgendwann nicht mehr mitspielen wird. Wie steht es aktuell um deine Gesundheit?

Es geht mir gut, danke. Die Krankheit behindert meine linke Hand noch nicht so sehr, dass mein Spiel in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber die Dinge verändern sich. Deshalb will ich auch so schnell wie möglich nach Europa kommen.

Wie äußert sich die Krankheit denn im aktuellen Stadium? Welche Symptome hast du?

Meine linke Seite ist stärker betroffen als meine rechte. Dort ist es immer ein bisschen fortgeschrittener. Und ich habe Probleme beim Laufen, Treppen sind mein Feind. (lacht) Aber was mein Spiel angeht, bin ich noch immer in Topform. Ich fühle mich sehr gut, was das angeht.

Macht das Stehen beim Gig Probleme? Oder sitzt du?

Ich werden stehen solange ich kann. Wenn ich mich hinsetzen muss, werde ich das halt machen. Ich gehe aber aktuell davon aus, dass ich stehen kann.

Hast du mal daran gedacht, was du tun wirst, wenn die Krankheit fortschreitet? Konkret gefragt: Kannst du dir vorstellen, dass du nur noch singst und komponierst, also Musik machst, ohne dabei Gitarre zu spielen?

Ich muss abwarten, bis es zu dieser Situation kommt. Aber ich kann es mir aktuell nicht vorstellen. Ich genieße das Singen sehr, aber meine größte Leidenschaft ist die Gitarre. Nur als Sänger auf die Bühne zu kommen, wäre keine Erfüllung für mich.

Möchtest du zum Schluss noch etwas sagen?

Ich freue mich einfach nur, rüberzukommen und für alle meine Fans in Deutschland und dem Rest Europas zu spielen. Es ist zu lange her. Das tut mir leid. Aber wir sehen uns hoffentlich sehr bald.

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

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