Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Funk'n'Rock Queen

Interview: Malina Moye

(Bild: Leopard (Lea Mary Grace McKernan/ Marc Fusco/ Isaiah Mays))

Die Linkshänderin spielt eigenwillig wie virtuos ihre Gitarre upside-down und hat die Stimme und den Stil einer R&B-Diva. Malina Moye ist eine Entertainerin im Großformat. Im November wird sie in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich unterwegs sein, u. a. als Support von Anastacia im Rahmen der Leverkusener Jazztage. Und hier wird Moye ihr packendes aktuelles Album ,Bad As I Wanna Be‘ präsentieren.

Und dessen Bandbreite ist groß. Das schnelle ,Jumpin‘, geht knackig nach vorne mit viel 80er Mainstream-Touch. Aus Hendrix‘ ,If 6 Was 9‘ macht sie eine moderne wie minimalistische Funk Nummer. ,Betta>U‘ und ,Run Free‘ transportieren den Spirit von Mother‘s Finest bis Lenny Kravitz. Bootsy Collins verleiht ,Kyotic‘ mit seiner spacig verfremdeten Stimme ein HipHop-Feel, den Bass spielt hier mit Ronda Smith ein weiterer prominenter Gast.

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Und da sind die einfach schönen Balladen ,Woman 2 Woman‘ und ,Enough‘, die ganz alte Soul-Tradition mit modernem R&B verbinden. In den ruhigen Momenten zeigen sich dann auch mit sparsamen Linien und Bending-Licks die Blues-Wurzeln in ihrem Spiel. Das bislang dritte Album ist die aktuelle Zwischenstation einer spannenden Karriere.

So trat Moye als erste Frau bei der Experience-Hendrix-Tour an der Seite von u. a. Zakk Wylde, Brad Whitford, Jonny Lang sowie César Rosas auf und nahm in der Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland an einem Gedenkkonzert für Chuck Berry teil.

Zudem gab Malina ihr Filmdebüt in ,The Samuel Project‘ des renommierten Indie-Regisseurs Marc Fusco, einem langjährigen Steven-Spielberg-Assistenten.

Jetzt kommt sie mit ihrer Band – Toneia Rodgers (bg-voc), Kyle Bolden (g), Stacey Lamont Snydor (dr), Maurice Ellis (b) und David Council (kb, bg-voc) – auf Tour. Bereits im Frühjahr gab es für G&B die Gelegenheit zum Interview mit der hierzulande bislang eher unbekannten Musikerin.

Interview

Malina, wo bist du geboren und aufgewachsen?

Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Meine Mutter sang und spielte Drums, mein Vater spielte Bass und ich hatte noch zwei Brüder, die Musik machten. Ich bin in Ohio geboren und meine Familie zog später nach Minnesota. In Ohio hast du den Funk, etwa mit Bootsy Collins. Und Minnesota ist eher eine Rock-Basis, mit Leuten wie Prince, Soul Asylum und weiteren unglaublichen Künstlern.

Das ist meine DNA: Funk, Rock und Soul. Ich möchte mich nicht zwischen diesen Richtungen entscheiden, ich mag sie alle. Ich möchte eine Balance zwischen ihnen erreichen, die sich für mich gut anfühlt.

Stimmt es eigentlich, dass deine Mutter Background-Sängerin bei Tina Turner war?

Ja. In unser Haus kamen Leute wie George Clinton und Babyface, was für uns Kinder großartig und zugleich ganz normal war. Und mein Vater kannte Prince.

Live: Malina Moye mit Robby Krieger (Bild: Leopard (Lea Mary Grace McKernan/ Marc Fusco/ Isaiah Mays))

Hast du Prince persönlich kennengelernt?

Ja, ich war zwölf als ich ihn das erste Mal traf und fragte ihn: ,Kann ich die Hauptrolle in deinem nächsten Film spielen?‘ Ich trug damals Zahnspangen, stell dir das vor, und deswegen verstand er mich nicht direkt. Prince drehte sich um und sagte: ,Was?!‘ Er schaute mich von oben bis unten an und meinte: ,Im Moment arbeite ich an keinem Film, sage dir aber Bescheid wenn es soweit ist.‘ Kaum jemand weiß, dass er sehr freundlich war.

Ab da hatte ich die Möglichkeit, jeden Tag zum Paisley Park zu gehen und Prince bei der Arbeit zuzusehen. Ich schaute ihm zu, wie er Gitarre spielte, wie er Keyboards spielte. Es war unglaublich, und als Kind saugst du so etwas auf. Irgendwann ging ich nicht mehr hin und sagte zu ihm: Vielen Dank, ich denke ich kann jetzt rausgehen in die Welt und selber etwas machen. Und weißt du was er sagte? „Ich bin gespannt darauf es zu erleben.“

Wie ging es dann weiter?

Wir gründeten eine Familien-Band und nannten uns Les Moyes. Und dies war für mich die Basis für alles. Als wir in Minnesota aufwuchsen spielten wir wie alle anderen draußen, und abends probten wir im Keller. Tagsüber gingen wir in die Schule und manchmal hatten wir am Wochenende Auftritte. Schließlich ging ich mit 20 Dollar nach Kalifornien um herauszufinden, wer ich bin und was passiert.

Ich war obdachlos, lebte auf der Straße, wusch mich an Tankstellen und endlich zeigte sich mein Glück. Ein Freund hörte von meiner Geschichte und investierte in mein Recordlabel und so wurde meine erste Platte ,Diamonds & Guitars‘ (2009) geboren, die mich in die Billboardcharts brachte – und von da an ging’s weiter.

Noch mal zurück zum Anfang deiner Karriere: Wann genau hast du begonnen mit dem Gitarrespielen?

Mein Vater hat mir meine erste richtige Gitarre gegeben als ich neun Jahre alt war. Das Lustige daran war, dass er mir eine Rechtshändergitarre gab und er wollte, dass ich sie auch wie ein Rechtshänder spiele. Ich habe es nicht hinbekommen, und als er den Raum verließ, habe ich sie umgedreht.

Er kam zurück und meinte: „Malina, das ist falsch herum.“ Ich antwortete: „Ja, aber es fühlt sich für mich gut an.“ Und er: „Niemand spielt so. Ich sagte: Jimi Hendrix schon.“ Er: „Aber Jimi hat sie dann neu besaitet.“ Ich ließ jedoch die Saiten so wie sie waren, eben mit der hohen E-Saite oben – so wie Eric Gales.

Oder Blues-Ikone Albert King.

Genau!

War es schwierig für dich, aufgrund der anderen Perspektive das Instrument zu lernen? Bei Tabulatur-Notationen oder Akkordbildern z. B. musstest du ja stets umdenken.

Das stimmt. Aber die Sache ist die: Ich spiele eigentlich mehr nach Gehör. Wenn du mir einen Akkord zeigst, spiele ich ihn nach. Und wenn ich beispielsweise in einem Buch einen Fingersatz sehe, funktioniert es auch. Ich nehme an, mein Gehirn ist darauf trainiert, und mittlerweile ist es normal für mich.

Mein Vater sagte mir einmal, dass es schwierig für meine Lehrer war, die alle Rechtshänder waren. Die sagten immer: Malina, das ist alles falsch herum. Deshalb fing ich auch an, mit anderen Upside-Down-Spielern wie Eric Gales zu reden. Er war ja oft bei uns. Wenn wir unten beim Frühstück saßen spielten wir Gitarre, dann kam mein Vater runter und spielte Bass – er spielt übrigens mit Bernard Allison.

Eric hat mir viel gezeigt. Das war großartig. Ich bin also bei meiner Herangehensweise geblieben, aber mit der Zeit merkte ich, dass der Cut am Hals nicht so gut ist. Schließlich dachte ich, dass Fender mir vielleicht ein eigenes Modell bauen könnte, bei dem ein Rechtshänder-Hals an einen Lefthand- Korpus montiert wird.

(Bild: Leopard (Lea Mary Grace McKernan/ Marc Fusco/ Isaiah Mays))

Das ist die Stratocaster in Sea Foam Green, mit der man dich auch auf dem Albumcover sieht. Was ist das Besondere an ihr?

Die Gitarre wurde genau nach meinen Vorstellungen gebaut. Sie hat einen Bund mehr als üblich und Di-Marzio-Tonabnehmer: einen True Velvet in der Hals- und einen Virtual Vintage Blues in der Bridge-Position. Dadurch singt die Gitarre mehr, sie klingt dicker und geschmeidiger. Der Vibratohebel befindet sich unterhalb der Saitenreiter und ist wie die restliche Hardware goldfarben.

Welche Saiten verwendest du?

Ich liebe Dean Markleys. Normalerweise benutze ich .008er-Saiten auf meiner Custom. Sie haben ein tolles Sustain.

Welche Amps spielst du?

Mein Lieblingsverstärker ist ein Fender Hot Rod Deville 2×12. Je länger ich ihn spiele, desto weicher klingt er. Ich kombiniere ihn mit den Boss-Pedalen Metal Zone und Blues Driver. Dann habe ich noch ein Jim-Dunlop-Wah.

Wer sind denn deine musikalischen Idole?

Ich habe mich immer für Leute interessiert, die mich sofort bewegten, wie Prince, Led Zeppelin oder Steven Tyler. Außerdem habe ich viel meiner Mutter und meinem Vater zu verdanken. Sie sagten ständig zu mir: „Malina, du willst also Entertainerin werden? Ok, du kannst nett aussehen, aber sei nicht nett! Bewege dich wie ein Mann, spiel‘ wie ein Mann, hab‘ die Aggression eines Mannes.“

Ich war noch nie ängstlich, ich mache deutlich, dass ich da bin, stecke meinen Claim ab und sage: Das ist das was ich mache, egal ob du es magst oder nicht. Mit meinem Albumtitel sage ich den Leuten: Finde dein eigenes ,Bad As I Wanna Be‘. Was immer das auch ist, was dich einzigartig, besonders oder anders macht, nimm es an. Denn damit wirst du erfolgreich sein. Das ist wie mit deinen Fingerabdrücken, niemand hat solche wie du.

Das Album: ,Bad As I Wanna Be‘ (Bild: Leopard (Lea Mary Grace McKernan/ Marc Fusco/ Isaiah Mays))

Du kannst die selbe Gitarre und die selbe Note spielen wie ein anderer, aber du wirst nie so klingen wie er. Ich will, dass man meiner Musik anhört, dass ich das bin. Und wenn vielleicht Gitarre & Bass in zwanzig Jahren ein Interview mit einer neuen Musikerin macht und fragt, wer sind deine Idole, dann sagt sie vielleicht Malina Moye. Ich möchte, dass die Leute sich bewusst werden, dass alles möglich ist.

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2018)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sie trifft genau meine Einstellung, gut dass auch Frauen diesen steinigen Weg gehen.

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