Produkt: Gitarre & Bass Digital 04/2018
Gitarre & Bass Digital 04/2018
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Aus dem neuen Heft

Interview: Jason Isbell

(Bild: ©ALYSSE GAFKJEN 2020)

Spätestens seit ihrem 2017er-Album ‚The Nashville Sound‘ spielen Jason Isbell und seine Begleitband The 400 Unit in der obersten Liga des Americana. Trotz der aktuellen Coronakrise hat der 41-Jährige nun den Nachfolger ‚Reunions‘ veröffent­licht. Uns erzählte er im Interview, was ihn musikalisch geprägt hat, welche Gitarren und Amps ihn aktuell inspirieren – und dass er die Quarantäne am liebsten in seinem eigenen Rockclub verbringt.

Doch wichtig zu erwähnen ist auch, dass sich Isbell selbst mit dem genannten Label „Americana“ nicht so recht anfreun­den kann. Seine Musik ist Melancholie bei voll aufgedrehten Amps oder schlicht – wie er selbst sagt – „Sad Rock“. Und auch die aktuelle Veröffentlichung zeigt, dass der Südstaatler seine Lektio­nen als Rockgitarrist gelernt hat. Vielseitig, versiert und virtuos.

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Jason, momentan sind keine Shows möglich. Wie vertreibst du dir die Zeit?

Ich spiele definitiv mehr Gitarre als sonst. Man kann es vielleicht Üben nennen, aber ich mache das vor allem, weil es mir Spaß bereitet. 100 Meter hinter unserem Haus steht eine Scheune, die wir umgebaut haben, als wir eingezogen sind. Sie sieht jetzt aus wie ein Rockclub, mit einer Bühne und Discokugeln an der Decke. Sie ist schalldicht, sodass wir dort sehr laut spielen können. Neben all den Amps und Gitarren steht dort auch ein Fractal Audio Axe-Fx für meine Frau (Amanda Shires, spielt Geige bei The 400 Unit, Anm. d. Verf.) sowie ein Kemper, über den ich mit Kopfhörern spiele, wenn unsere vierjährige Tochter schläft.

Ich möchte mit dir über deine musikalische Sozialisation sprechen. Du bist 1979 geboren – und demnach aufgewachsen mit der Musik der frühen 90er-Jahre, oder?

Nicht ganz. Ich fing schon sehr früh an, Radio zu hören – das muss irgendwann Mitte der 80er gewesen sein. Gitarre spiele ich, seit ich sieben oder acht Jahre alt bin.

Was waren deine frühen Einflüsse?

Mein Großvater war Prediger in einer Kirche in Alaba­ma, er brachte mir alte Gospel- und Countrysongs auf der Gitarre bei. Aus dem Radio lernte ich dazu Lieder von Crowded House, Prince oder den Dire Straits. In meiner Teenagerzeit kam dann Grunge mit Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden. Aber die ganze Zeit über hörte ich auch Blues. Mein Großvater ließ mich ein paar Stunden Gospelmusik spielen, dann belohnte er mich, indem er Slidegitarre mit seinem Taschenmes­ser spielte.

Wenn ich ihn lange genug an der Rhyth­musgitarre begleitete, während er Geige, Banjo und Mandoline spielte, zeigte er mir, wie man Slide mit offenen Tunings spielt. Er kaufte mir Robert-Johnson-Aufnahmen, als ich zehn oder elf Jahre alt war. Zu dieser Zeit habe ich mich in den Blues verliebt. Außerdem wuchs ich in der Nähe von Muscle Shoals auf, wo viele populäre Rhythm-&-Blues-Sachen der 1960er- und 70er-Jahre aufgenommen wurden. Schon als Kind kannte ich Musiker, die auf Platten von Otis Redding, Percy Sledge, Wilson Pickett oder Aretha Franklin gespielt hatten und sah ihnen bei Auftritten zu.

Auf der anderen Seite des Spektrums hast du mal Eddie Van Halen als Antrieb erwähnt.

Das war er. Und zwar ein großer. Meine Mutter hat mich ein paar Mal zu seinen Konzerten mitgenommen, als ich noch ein Kind war. Mit 14 oder 15 habe ich mich dann intensiv mit dem Katalog von Van Halen beschäftigt. Vorher hatte ich keinen Schimmer, was Eddie da macht.

Jason mit seiner Band The 400 Unit. (Bild: ©ALYSSE GAFKJEN 2020)

Dazu gibt es eine kleine Anekdote: Bei meinem ersten Auto funktionierte der Lautsprecher auf einer Seite nicht. Das hat mich sehr wütend gemacht, denn auf den frühen Van-Halen-Alben sind die Instrumente sehr nach links und rechts gemischt. Eddies Gitarre ist ganz rechts, und die Seite hat bei mir nicht funktioniert. Ich hörte nur die Hallfahne, die nach links geregelt ist. Ich löste das Problem, indem ich einen Kopfhörer aufsetzte und die Musik über einen Kassettenrecorder abspielte, der auf dem Beifahrersitz lag. Das war wohl ziemlich gefährlich, aber ich musste Eddies Gitarre hören können.

Hast du seine Sachen damals spielen können?

Vieles davon. Ich bin mir sicher, dass ich sie nicht ganz korrekt hinbekommen habe, aber ich habe definitiv viel vom Nachspielen dieser Platten gelernt. Ich konnte das Tapping-Zeug und icherinnere mich, dass ich das meiste von ‚Eruption‘ spielen konnte. Ich war damals ziemlich schnell.

In den frühen 90ern startete neben Grunge auch das, was man heute Americana nennt – mit Uncle Tupelo, aus denen dann Son Volt und Wilco hervorgingen. Hat dich das interessiert?

Von Anfang an – denn es brachte zwei Dinge zusammen, die mein Leben früh geprägt haben. Mein Vater mochte Arena Rock und Country-Musik. Er war 19, als ich geboren wurde, meine Mutter 17. Dad hörte Sachen wie Free, Thin Lizzy und Queen, und daneben Merle Haggard und Hank Williams. Beide mochten John Prine und viele andere dieser Folk- und Country-Songwriter. Deren Musik sprach mich mindestens genauso stark an, wie der Rock’n’Roll mit seinen lauten Gitarren. Irgendwann wurde mir bewusst, dass die Kombination aus hochklassigem Songwriting und rockigen Gitarren mich zu meinem musikalischen Ziel führen würde. Das ist es, was ich seitdem versuche.

Der Umstand, dass ich aus Alabama stamme und in der Mitte vom Nirgendwo auf­wuchs, gab mir diese ländliche Prägung, die mich für Bands wie Son Volt, Wilco und Uncle Tupelo sehr empfänglich machte. Speziell das erste Son-Volt-Album (‚Trace‘, 1995) war eine wichtige Platte für mich. Meine damalige Freundin lebte in St. Louis, wo auch Son Volt herkommen. Eines Tages hörte ich im Radio den Song ‚Drown‘. Ich dachte mir: Was ist das? Das ist fantastisch. Es hat laute Gitarren, dazu ist es ein toll geschriebener Song. Ich denke, das half mir auf den Weg, auf dem ich jetzt bin.

Das vielleicht letzte Detail deiner musikalischen Sozialisation ist das Slidespiel, das du eben schon erwähnt hast.

Da muss ich vor allem Duane Allman nennen – wie gesagt, ich bin im Süden aufgewachsen. Als ich zum Teenager wurde und anfing, mit anderen Musikern rumzuhängen, spielten wir viel von den Allman Brothers. Das waren wohl die ersten komplizierten Rock-sachen, in die ich wirklich kopfüber eingetaucht bin. Wir saßen herum, rauchten einen Joint und…

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