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Interview: In Extremo

(Bild: Robert Eikelpoth)

Nach einer Schaffenspause sind die deutschen Mittelalterrocker In Extremo zurück im Geschäft, und zwar auf gleich mehreren Ebenen. Zum einen haben die ersten Arbeiten am kommenden und derzeit noch unbetitelten Studioalbum begonnen, dessen Veröffentlichung für Frühjahr/Sommer 2020 angekündigt ist. Zum anderen nutzte die Gruppe den trocken-heißen Sommer in Deutschland, um an einigen ungewöhnlichen Orten Open-Air-Konzerte zu spielen.

Wir haben In Extremo auf der Freiluftbühne des Hamburger Stadtparks besucht und den Musikern etwas genauer auf die Finger geschaut. Allen voran Gitarrist Sebastian Lange (SL), Künstlername „Van Lange“, und Bassist Kay Lutter (KL), beruflich als „Die Lutter“ unterwegs. Hier nun das interessante Gespräch mit den beiden Berlinern, inklusive eines lohnenden Blicks auf ihr derzeitiges Equipment.

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Interview

Bassist Kay Lutter (Bild: Matthias Mineur)

Wie war das eigentlich in den 1980ern, noch zu Zeiten der DDR: Hatte man als hoffnungsvoller Jungmusiker eine hauptberufliche Perspektive? Oder sah die Karriere eher die Mitgliedschaft in einem der VEBs vor?

KL: Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich immer schon Berufsmusiker werden wollte, bereits als kleiner Junge. Mein Vater spielte Tanzmusik, zwar nicht professionell, aber dennoch sehr häufig, und immer, wenn ich durfte, fuhr ich mit zu den Auftritten. Eigentlich wollte ich Gitarre spielen, meldete mich auch in Potsdam bei einer Musikschule an, doch es gab auf lediglich fünf oder sechs freie Plätze so viele Bewerber, dass es aussichtslos war.

Also erkundigte sich mein Vater bei der Musikschule, ob Bass eine Alternative wäre, um für mich einen Platz zu bekommen. Auf dem Weg nach Hause fragte ich meinen Vater, was denn überhaupt ein Bass sei. Mein Vater meinte: „Elektrisch!“ Ich darauf: „OK, mach ich!“ (lacht) Damals war ich zwar erst acht, wollte – auch durch das Vorbild meines Vaters – aber nie etwas anderes machen. Außer an der Musikhochschule habe ich mich nie irgendwo beworben. In der DDR brauchte man eigentlich Abitur, um zu studieren. Nur nicht in den Fächern Sport und Kunst. Daher war ich schon mit 16 an der Uni.

Bereits mit eigenem Equipment?

KL: Ja. Zunächst hatte ich einen tschechischen Bass, vermutlich einen Jolana, mit kurzer Mensur, dann folgte ein Bass mit langer Mensur, den wir bei Karstadt zum Umtauschwert von eins zu sieben oder eins zu acht für 2800 Mark kauften, quasi drei Monatsgehälter. Meinen ersten professionellen Bass erhielt ich erst nach dem Ende der Uni-Zeit, ein Ibanez Soundgear, der damals gerade auf den Markt kam und den ich mir nur deshalb kaufte, weil ich aufgrund einer Handverletzung ein Instrument mit schmalem Hals brauchte. Der Soundgear klang zwar nicht allzu gut, erfüllte aber seinen Zweck.

Gitarrist Sebastian Lange (Bild: Matthias Mineur)

SL: Bei mir verlief die Geschichte ganz ähnlich. Mein Vater war Musikwissenschaftler in der DDR. In unserer Wohnung stand immer ein Klavier, außerdem brachte er von seinen Dienstreisen häufig Instrumente mit. Mein fünf Jahre älterer Bruder konnte schon recht früh ziemlich gut Schlagzeug spielen, während ich nur immer mal zwischendurch auf Gitarre oder Klavier herumklimperte. Als ich zehn oder elf war, brachte mein Vater ein Songbook der Beatles mit, und mit dem fing ich an, die ersten Akkorde auf der Gitarre zu greifen. Danach hatte ich ziemlich schnell meine erste Schülerband und besuchte in Friedrichshain eine Musikschule. Damit stand für mich fest, dass ich beruflich irgendetwas mit Musik machen wollte. Zunächst fing ich an, klassische Gitarre zu lernen, suchte aber immer nach Ausreden, weshalb ich nicht ausreichend geübt hatte. Doch seit Kurt Cobain weiß jeder, dass man nicht unbedingt Noten lesen und technisch besonders gut sein muss, um Musik machen zu können.

Was war deine erste Gitarre?

SL: Ebenfalls eine Jolana, die ich in einem Gebrauchtwarengeschäft in Ostberlin für 200 DDR Mark kaufte. Das Teil hatte eine unvorstellbar hohe Saitenlage und war eigentlich nicht stimmbar. Danach bekam ich mit einem DDR-Fender-Nachbau meine erste einigermaßen professionelle Klampfe, anschließend folgte die weiße Gibson Les Paul, die ich dir gerade auf der Bühne gezeigt habe.

Kay, wurdest du eher Melodie- oder Rhythmus-orientiert ausgebildet?

KL: Für Bassisten ist der berufliche Werdegang bekanntlich nicht einfach. Natürlich möchte jeder wie Stanley Clarke spielen, was an den Unis ja auch gefordert wird. Doch dann stellt man fest, dass man mit dieser Fähigkeit eigentlich nur auf Messen spielen kann, während im – ich nenne es mal so – „normalen Musikerleben“ das Bass-Spiel völlig anders aussieht…

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