Produkt: Gitarre & Bass 9/2019
Gitarre & Bass 9/2019
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Aus dem neuen Heft

Interview: Étienne M’Bappé

(Bild: Matthias Mineur)

Seine afrikanische Herkunft sieht man dem in Frankreich lebenden Bassisten/Gitarristen Étienne M’Bappé nicht nur äußerlich an, man hört sie auch in seinem Spiel, seinem Groove, seinem Harmonieverständnis, dem swingenden Appeal, der aus seinen Fingern strömt. Wohl auch deshalb ist der 55-Jährige seit vielen Jahren ein begehrter Session- und Studiobassist, der unter anderem schon für Joe Zawinul, John McLaughlin, Ray Charles, Manu Dibango, Bill Evans oder Antoine Hervé gespielt und auch eigene Soloscheiben aufgenommen hat.

Optisch auffälligstes Merkmal des Kameruners sind die schwarzen Seidenhandschuhe, die er beim Spielen trägt. Wie es zu dieser ungewöhnlichen Angewohnheit kam und welche grundsätzlichen Unterschiede er zwischen afrikanischer und europäischer Musik sieht, erfuhren wir bei einem interessanten Gespräch mit dem überaus freundlichen Musiker.

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Interview

Étienne, du lebst seit mehr als 40 Jahren in Frankreich, hast deine afrikanischen Wurzeln aber immer behalten. Wie fing alles an?

Es stimmt, ich wurde in Douala geboren. Douala hat den größten Hafen Kameruns. Jeder der per Schiff ins Land will, kommt über diese Stadt, wodurch dort ein ziemlich internationales Flair herrscht. Ich wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Meine Eltern und auch die Schwester meiner Mutter sangen in einem kirchlichen Gospelchor, deshalb war unser Haus immer voller Musik. Vor allem Kirchenmusik, aber auch Jazz und afrikanische Lieder, sodass ich schon früh eine gute Gehörausbildung erhielt. Als ich neun war, bekam mein Bruder zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt. Er zeigte mir die ersten Griffe, sodass ich ein paar afrikanische Folksongs nachspielen konnte. Das machte mir ungeheuer viel Spaß.

1978, als ich 14 war, wurden die Gesundheitsprobleme meines Vaters schlimmer, deshalb zog er mit uns nach Frankreich. Dort lernte ich in der Schule einen Jungen kennen, der ebenfalls Gitarre spielte. Als ich ihn zu Hause besuchte, bemerkte sein Vater, dass ich musikalisches Talent habe, und fragte mich, ob er mir ein paar Lektionen in klassischer Musik zeigen solle. Er war Gitarrenlehrer eines Konservatoriums und ermunterte mich, an seiner Schule klassische Gitarre zu lernen. Das habe ich knapp vier Jahre gemacht und bin dann zum Kontrabass gewechselt.

Weshalb?

Weil wir damals eine Band gründen wollten, aber alle vier Mitglieder Gitarre spielten. Also wechselte ich zum Bass, und so entwickelte sich nach und nach, dass ich öfter als Bassist angefragt wurde und nicht als Gitarrist, obwohl ich immer noch gerne und häufig Gitarre spiele. Ich komponiere überwiegend auf der Gitarre, freue mich aber genauso darüber, dass ich seit Jahren als Bassist engagiert werde.

Bevorzugst du eines der beiden Instrumente?

Nein, für mich ist alles Musik, egal ob ich Bass oder Gitarre spiele. Auf meinen Alben spiele ich beides, was ja bereits viel aussagt. Seit meinem 20. Lebensjahr, also seit 1984, werde ich regelmäßig für Studio-Sessions, Live-Performances und so weiter angefragt.

Welche Parallelen bestehen für dich zwischen Gitarre und Bass, und welche signifikanten Unterschiede?

Die Parallelen sind: Alles ist Musik und macht mich glücklich. Aber in einer Band spielen die beiden Instrumente natürlich völlig unterschiedliche Rollen…

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