Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Britain's next big thing?

Interview: Chris Buck

(Bild: Lars Horstmann)

Die Masse an jungen neuen Talenten, die aus den USA und Großbritannien kommend die internationale Rockszene bereichern, scheint derzeit ähnlich groß wie damals in den glorreichen Bluesrock-Zeiten Ende der 1960er/Anfang der 1970er. Einer von ihnen ist der Waliser Chris Buck, ein 28-jähriger Gitarrist mit feiner Fingertechnik, tollem musikalischen Gespür und der notwendigen Leidenschaft.

Mit seiner Band Buck & Evans sorgt er seit Monaten in England für zunehmend größeres Interesse, aber auch als Repräsentant/Endorser für Firmen wie Fender oder Victory Amps steht der sympathische Künstler immer häufiger im Fokus der Öffentlichkeit. Und um schon mal vorab die gar nicht mal so verwegene Prognose zu wagen: Von diesem Musiker werden wir in Zukunft noch viel Positives hören!

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Interview

Chris, du warst eine der größten Überraschungen beim 2019er Guitar Summit in Mannheim. Bitte stell dich unseren Lesern kurz vor!

Gerne. Ich stamme aus Wales und fing mit 12 oder 13 mit dem Gitarrenspielen an. Im Rückblick betrachtet war mein Interesse für Musik wohl zunächst eine Entschuldigung dafür, den Mathematikunterricht zu schwänzen. Denn zur gleichen Zeit wurde an unserer Schule Gitarrenunterricht angeboten, und der kollidierte zeitlich mit der Mathestunde. Außerdem passte die Gitarre weitaus besser zu meinem Lebensgefühl als diese seelenlose Zahlenakrobatik. Seither sind Gitarren meine ständigen Begleiter, sie fühlen sich ganz natürlich und einfach perfekt für mich an.

Ein wichtiger musikalischer Einfluss war auch die Plattensammlung meines Vaters, mit Scheiben von den Beatles, den Rolling Stones, Bob Dylan oder Eric Clapton & The Bluesbreakers. Mein Vater spielt zwar selbst keine Gitarre, ist aber ein riesiger Rockmusikfan. Mich hat immer schon der Sound speziell von John Mayall, Eric Clapton und den Bluesbreakers begeistert. Meine Anfänge liegen also 15, 16 Jahre zurück. Aber seither steht für mich fest, dass ich Berufsmusiker werden möchte. Und bislang konnte ich mich damit auch einigermaßen über Wasser halten.

Mit welchen Gitarren ging es bei dir los?

Mein erstes Instrument war eine recht gute Squier Telecaster, die meine Eltern mir kauften. Ich bekam die Tele mit einem kleinen Übungsverstärker, einem Gurt und einem Buch. Vom ersten Moment an liebte ich sie und nahm sie überall mit hin. Wenn wir in Urlaub fuhren, war die Gitarre das erste, was ich ins Auto packte. Ich habe die Tele rund um die Uhr gespielt, weshalb sie sich für mich auch heute noch so unglaublich natürlich anfühlt.

Du besitzt die Squier also noch?

Oh ja, sie wäre das erste, wonach ich greifen würde, wenn unser Haus brennt. Immerhin ist diese Gitarre ein sentimentaler und elementarer Bestandteil meines Lebens. Ohne sie wäre bei mir sicherlich vieles ganz anders verlaufen. Ich habe seither zwar eine Menge deutlich teurere Gitarren gespielt, aber diese 50-Pfund-Squier hat alles in Gang gesetzt.

Derzeit schwörst du aber eher auf Les Paul, nicht wahr?

Nun, für mich waren Gitarren immer schon Werkzeuge, so wie man zum Hausbau beispielsweise eine Maurerkelle braucht. Ich benötige Gitarren für meinen Job, und deshalb wähle ich immer das Modell, das am besten dazu passt, was ich gerade mache. Stratocaster habe ich massenhaft gespielt – zum Glück besteht ein enger Kontakt zu Fender –, denn auf Strats fühle ich mich generell am wohlsten. Aber ich habe auch häufig die Yamaha Revstar gespielt, ein fantastisches Instrument, klanglich irgendwo in der Mitte zwischen einer Tele und einer Les Paul angesiedelt. Ich muss zugeben, dass ich mit zunehmendem Alter immer mehr auf Les Paul stehe.

Chris Buck bei seinem Workshop auf dem Guitar Summit 2019 (Bild: Matthias Mineur)

Ich habe einen guten Freund, der eine ganze Reihe originaler 59er-Modelle besitzt und mich damit hat spielen lassen. Es war das erste Mal, dass ich diese außergewöhnlichen und sehr raren Instrumente ausprobieren durfte. Für mich war dies eine Art Lehrstunde, wie eine Les Paul klingen muss. Mit den originalen PAF-Pickups klingen sie wie „ballsy“ Teles, also warm, fett und druckvoll. Und genauso sollen Humbucker ja auch klingen. Dieser wunderbare Charakter ist meiner Meinung nach über die Jahre ein wenig verlorengegangen, zwischenzeitlich klangen PAFs ziemlich basslastig und dadurch etwas matschig. Allerdings muss ich zugeben, dass sich ganz generell die Wahl meiner Lieblingsgitarre von Woche zu Woche ändert.

Stimmt es, dass du seit einiger Zeit bevorzugt Victory Amps spielst?

Ja, das ist richtig, ganz konkret: den Victory V40. Die Firma stammt wie ich aus Großbritannien, und seit etwa eineinhalb Jahren kooperieren wir. Victory bauen fantastische Amps, mit einem grandiosen Federhall, worauf ich besonders abfahre.

Victory V40 Combo (Bild: Matthias Mineur)

Für mich gilt: Je mehr Reverb umso besser, denn dann lassen sich meine Spielfehler besser kaschieren. (lacht) Der V40 ist nicht übermäßig laut, wodurch sich die natürliche Verzerrung leichter erzeugen lässt. Ich liebe das!

Du giltst als riesiger Fan von Effektpedalen.

Oh, das hat sich bereits herumgesprochen? Ich liebe Pedale! Ich schwöre auf den Analogman King Of Tone, auch wenn er sehr teuer und nur schwer zu ergattern ist. Zudem habe ich einen wirklich großartigen Klon eines Marshall Bluesbreakers, die Firma heißt Snouse. Eine Einmann-Company aus Denver, Colorado, das Pedal nennt sich Black Box. Ich stehe auch auf unterschiedliche Delays, vor allem auf das Catalinbread Echorec und das Dawner Prince Boonar. Zurzeit suche ich noch ein altes Talent-Pedal, das einen Sound wie den von Stevie Ray Vaughan erzeugt. (lacht)

Wenn man deine Soli hört, scheint man immer ein Konzept dahinter zu entdecken.

Freut mich, dass du das erkannt hast, denn ich hasse Soli, die aus Selbstzweck gespielt werden, nur weil der Gitarrist unbedingt zeigen will, was er drauf hat, oder um eine Schwachstelle in seinem Song zu kaschieren. Bei meinen Lieblingsgitarristen wie etwa David Gilmour, Eric Clapton, Buddy Guy, Stevie Ray Vaughan oder Derek Trucks kommt so etwas nie vor.

Bei ihnen erzählen die Soli eine eigene Geschichte und nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise. Ein gutes Solo ist wie ein eigener Song in einem Song. Für ein Solo sollte man stets gute Gründe haben. Eine ganze Reihe meiner Lieblingsmusiker sind Sänger. Ella Fitzgerald, Otis Redding oder Sam Cooke, allesamt großartige Soulstimmen, die ich in meinen Soli nachzuahmen versuche, vor allem diese Freiheit und den natürlichen Fluss ihres Gesangs. Ob mir dies immer gelingt, ist zwar Ansichtssache, aber ich versuche es zumindest. Ich bemühe mich, die Noten möglichst homogen zu verbinden, mit Bendings, Slides, und so weiter.

Wie stehst du bei Studioaufnahmen zu Plug-Ins?

Nun, in einer perfekten Welt würde man natürlich möglichst alles über diese großartigen alten Röhrenverstärker einspielen. Aber die Wahrheit ist: Die meisten Gitarren nehme ich bei mir zu Hause auf, und dort gibt es nun einmal Nachbarn, die sicherlich nicht allzu erfreut wären, wenn ich nachts um zwei die Röhren meiner Amps zum Glühen bringen würde. Also muss ich mir mit moderner Technik helfen. Ich schwöre auf den Line6 Helix, dazu kommt das Guitar-Rig-Plug-In von Native Instruments. Ich bin diesbezüglich nicht sonderlich idealistisch eingestellt: Solange der Sound nach mir klingt, er mich inspiriert und der Job damit gemacht werden kann, bin ich zufrieden. Live nehme ich den Victory V40, den Line6 Helix und eine 1x12er-Line6-Power-Cab. Mit Speaker-Simulationen tue ich mich dagegen schwer, weil sie meiner Meinung nach eben nicht wie Lautsprecher klingen. Aber wie gesagt: Wir haben 2019 und leider nicht mehr 1974, also sind 100-Watt-Amps und 4x12er-Boxen nicht gerade das praktischste Werkzeug der Welt. Heute geht es darum, dass man seinen Job erfüllt.

 

(Bild: Matthias Mineur)

Kannst du bitte kurz deine derzeitige Hauptband Buck & Evans vorstellen?

Buck & Evans sind ein Quartett, mit Sängerin Sally Ann Evans, Schlagzeuger Bob Richards und Bassist Dominic Hill. Wir haben gerade ein neues Album veröffentlicht, waren damit in Großbritannien auf Tour und kommen hoffentlich demnächst auch nach Deutschland. Zurzeit haben wir noch keine Plattenfirma, sondern die Scheibe mit Unterstützung von Pledge Music eingespielt. Leider waren Pledge Music genau zum Zeitpunkt der Fertigstellung Pleite. Fantastisch! (rollt mit den Augen)

Wie würdest du die Musik der Band beschreiben?

Es sind rockig-bluesige Songs mit einem Spritzer Soul. Einige Leute vergleichen uns mit Fleetwood Mac in der Ära von ‚Rumors‘. Der Vergleich könnte schlimmer sein, oder? (lacht) Auch bei uns dreht sich alles um Songs, starke Songs!

Welche Projekte hast du darüber hinaus?

Die Realität im Jahr 2019 ist, dass nur die wenigsten Musiker von ihrer Band leben können. Deshalb arbeite ich so oft es geht für Yamaha und Fender, ich veröffentliche Videos auf meinem eigenen YouTube-Kanal, der sich erfreulicherweise sehr gut entwickelt. Ich versuche, so viel wie möglich zu machen.

Auch Top-40-Bands?

Nein, das ist nicht mein Ding. Ich bin zu gerne selbst kreativ, als dass ich ständig covern möchte. Ich komponiere viel und versuche meine eigenen Songs unterzubringen. Aber wer weiß? Bekanntlich soll man niemals nie sagen. Solange ich von meiner Gitarre leben kann, bin ich glücklich, denn alles ist besser als ein regulärer 9-to-5-Job.

Abschließend noch die Frage: Was hat deine neue Patrick-James-Eggle-Macon-Les-Paul an Features, die dir besonders gut gefallen?

Zunächst einmal müssen gute Gitarren nicht zwangsläufig teuer sein. Meine Haupt-Stratocaster ist eine Fender Highway 1, die so um das Jahr 2004 gebaut wurde. Ich konnte mein Exemplar gebraucht für 400 Pfund über eBay kaufen.

Sie klingt großartig, der Hals fühlt sich perfekt an und auch die Balance ist tadellos. Meine Lieblings-Yamaha-Revstar ist die 502, die man aus dem Regal heraus bereits für 600 Euro ergattern kann. Demgegenüber ist meine Patrick James Eggle Macon Les Paul vergleichsweise teuer, fühlt sich aber wirklich wundervoll an und hat ähnliche Features wie eine originale 59er-Gibson, unter anderem PAFs. Das Finish nennt sich „Aged Nitro“. Ich durfte zu Patrick in die Firma fahren und mir mein eigenes Modell aussuchen. Ich nahm das Exemplar, das am wenigstens geflammt ist, denn – wie ich schon sagte – auch die alten 59er Les Pauls sind vergleichsweise einfach gehalten, und genau nach einer solchen Gitarre hatte ich gesucht.

Vielen Dank, Chris, für das nette Gespräch, ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft!

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

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