Meilenstein 1991!

Eric Clapton: 24 Nights

Nach seinen großen Erfolgen als Solomusiker in den 70er- Jahren eröffnete Eric Clapton das folgende Jahrzehnt mit ,Just One Night‘, das mit Live-Aufnahmen aus der Budokan Hall in Tokio vom Dezember 1979 beeindruckte. Dieses Album wird wohl für viele Fans sein großes Live-Opus darstellen und für immer bleiben.

(Bild: Warner / Carl Studna)

Doch die Karriere von E.C. ging bekanntlich weiter, und ist man auf der Suche nach einem Album, das die vielen Facetten des englischen Sängers, Gitarristen, Songwriters und Interpreten umfasst, landet man unweigerlich bei ,24 Nights‘. Es dokumentiert auf zwei CDs einen Querschnitt aus 24 Konzertnächten, die zwischen 1990 und ’91 in der Londoner Royal Albert Hall stattfanden.

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CD 1 zeigt Clapton zunächst mit der „4 Piece Band“, zu der mit Steve Ferrone (dr) und Nathan East eine klasse Rhythm-Section gehörte. Und auch Greg Phillinganes (kb) glänzt in den kraftvollen Interpretationen zweier Cream-Klassiker: In ,White Room‘, übrigens mit Phil Collins am Schellenkranz, beeindruckt Eric mit einem virtuosen Solo, das er mit knackigen WahWah-Einlagen würzte. Und der basslastige Zerr-Sound in ,Sunshine Of You Love‘ lassen den Gitarrenton in tiefen Lagen fast schon wegbröckeln.

(Bild: Warner / Carl Studna)

Klasse wie der Chef am Ende des Songs noch mal richtig Solo-Gas gibt. Clapton sieht und hört man in Mitschnitten, die später auch auf DVD erschienen, mit verschiedenen Fender-Stratocaster-Modellen. Die Songs fünf bis acht widmen sich der „Blues Band“, die mit reichlich Prominenz besetzt ist: die Chicago-Ikone Buddy Guy und der damalige Blues-Shooting-Star Robert Cray spielen toll Gitarre, der eine unglaublich lebendig, der andere elegant und flüssig. Chuck- Berry-Pianist Johnnie Johnson liefert knackige Boogie-Riffs und rollende Fills. Der packende Shuffle ,Watch Yourself‘ zählt zu den Höhepunkten des Albums. Mit einem scharfen Clapton-Lick beginnt ,Have You Ever Loved‘, ein stimmungsvoller Slow- Blues. In ,Hoodoo Man‘ spielt jetzt Jimmie Vaughan die zweite Gitarre und Jerry Portnoy liefert angezerrte Harp-Licks. CD 2 wirft mit der größeren „9 Piece Band“ ein Licht auf Claptons Schaffen in den 80er-Jahren. Gleich fünf Songs, darunter das treibende ,Pretending‘, stammen von seinem damals letzten vielbeachteten Studioalbum ,Journeyman‘.

Eigentlich gesetzte 70s-Clapton-Klassiker (Finde in folgendem Satz gleich fünf Anspielungen: Layla wollte nach Mitternacht keine Rauschmittel mehr zu sich nehmen, denn der Sheriff war zur Zeit in Tulsa 😉 ) sind auf diesem Album nur durch zwei Balladen vertreten. In ,Wonderful Tonight‘ erzeugen die weichgespülten 80s-Keyboard-Sounds noch mehr Pathos, was man eigentlich kaum für möglich halten sollte. Unschlagbar bleibt auch hier die Einfachheit und Eingängigkeit von Claptons Gitarrenmelodie, die besonders sensibel phrasiert wird. Noch dramatischer wird es im ,Bell Bottom Blues‘ – einem von drei Stücken mit dem National Philhamonic Orchestra unter der Leitung von Michael Kamen. Und es wird ein ganz eigener Reiz entfaltet, wenn Erics kerniger Gesang und seine blauen Licks auf Streicher treffen. Und dann bietet dieses Album zum Schluss noch eine großartige Nummer: ,Edge Of Darkness‘, der Titeltrack zum gleichnamigen Polit-Krimi-Mehrteiler der BBC, hatte Clapton 1985 gemeinsam mit Kamen geschrieben. Die markante Gitarrenmelodie transportiert eine Intensität, die man auch von Pink Floyds David Gilmour kennt.

(Bild: Warner / Carl Studna)

Ein Jahr bevor Clapton mit seinem Unplugged-Album eine Stilwendung hin zur Akustikgitarre unternahm, präsentiert ,24 Nights‘ noch einmal in einem modernisierten Sound Claptons breitgefächertes Schaffen, von 60s-Rock über Blues und 70s-Pop-Hits hin zu den aktuelleren Songs. Claptons Karriere unterlag immer wieder den Schwankungen des Meisters. Und ob er denn tatsächlich ein solcher war/ist, blieb stets umstritten. Von überbewertet, wie man etwa in vielen Internet-Foren nachlesen kann, bis zur berühmten Einschätzung „Clapton is God“ reicht da die Bandbreite. Auf diesem Album zeigte sich Slowhand jedenfalls in bester Verfassung. Hier können selbst Clapton-Skeptiker mal ein Ohr riskieren.

>>Hier geht’s zu unseren Playalongs zu Eric Clapton<<


Aus Gitarre & Bass 12/2016

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