Produkt: Blues Gitarren Special
Blues Gitarren Special
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06/2021

Die Platten des Monats: Blues & Jazz

ALABAMA SLIM: PARLOR

Sänger und Gitarrist Alabama Slim wurde 1939 als Milton Frazier in Vance, Alabama geboren. In den 50ern und 60ern tingelte er durch die örtlichen Clubs und ging 1965 schließlich nach New Orleans, wo er bis heute lebt. Den Blues hatte er auf der Farm seiner Großeltern gelernt, später bewunderte er Country-Blueser wie Big Bill Broonzy und Lightnin’ Hopkins. Es dauerte dann allerdings bis in die 2000er, dass der Mann zum ersten Mal ein Tonstudio betrat.

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Jetzt gibt es das dritte Album – und das ist ein packendes Erlebnis. Slim mit seiner tiefen Stimme, Gitarrist Little Freddie King und der swingende Ardie Dean (dr) spielen den Boogie im Stile von John Lee Hooker. Und das packt wirklich von der ersten Minute an, denn die hypnotischen Grooves gehen in die Beine. Und ,Forty Jive‘ klingt richtig funky, was mit dem sprechartigen Gesang an Jimi Hendrix erinnert. Wobei die Gitarren-Sounds grundsätzlich clean bleiben, Verzerrung entsteht allenfalls durch den dynamischen Anschlag. Die drei Musiker haben die zehn Songs innerhalb von vier Stunden eingespielt, erst später wurden Bass, Orgel und Piano hinzugefügt, so dass die Lebendigkeit erhalten blieb. am

 

ROGER C. WADE & MARION WADE: COOKIN’ AT HOME

Roger (voc, harp) und seine Frau Marion (p) sind seit über 20 Jahren mit der Bonner Band Little Roger & The Houserockers auf europäischen Bühnen unterwegs. Letztes Jahr initiierten und produzierten sie die vielbeachtete ,Lockdown Sessions‘-2CD. Auch ihr neues Album präsentiert den guten alten Zwölftakter in vielen Facetten.

Funky Texas Blues gibt’s in ,Something Don‘t Smell Right‘. Und ,Playing With Fire‘ oder ,Habanero Hop‘ zelebrieren schön swingenden Jump Blues. Roger C. Wade ist mit seiner kraftvollen Stimme und satten Harp stets präsent. Marion Wade ist mit ihrem rollenden Spiel eine tragende Säule der Songs. Die Gitarristen Balta Bordoy und Shakedown Tim spielen eine Menge scharfer Licks. Schöne Slide-Gitarren kommen von Michael Van Merwyk, der in ,Fly Away‘ auch singt. Ein wirklich schönes Blues-Album. am

 

JESSE AND THE ALCHEMISTS: LET IT SHINE

Die ursprünglich als Duo angelegte Band ist seit 2015 als Quartett unterwegs, drei Jahre später erschien dann das selbstbetitelte Debüt. Und jetzt hat die Band ein begeisterndes zweites Album am Start: Von Beginn an beeindruckt die Stimme von Jessie Lee Houllier, die auch Gitarre spielt. Die französische Band wechselt zwischen ruhigen und knackigen funky Passagen und wirklich packenden Soul-Balladen zu straight nach vorne rockenden Nummern mit zwei Gitarren, Bass, Drums und Orgel. Trotzdem bleibt der Blues-Background immer spürbar.

Daneben findet auch Jazziges seinen Weg in die Musik. Gitarrist Alexis „Mr. Al“ Didier hat einen fantastischen Ton zwischen transparentem wie tragendem CleanSound und satter Zerre, dazu kommen Reverb und Modulationseffekte. In Kombination aus Fingeranschlag und viel Dreharbeit an den Reglern seiner Telecaster erzeugt er viele scharfe Nuancen. Jessie hat im Vergleich einen eher runden, warmen Sound, den sie mit einer Semiacoustic im ES-335-Style produziert. am

 

ANDRÉ NENDZA: ON CANVAS I

Kontrabassist und Bandleader André Nendza (*1968) hat schon einige Platten, Projekte & Preisverleihungen hinter sich, arbeitete u.a. mit Dave Liebman, Kenny Wheeler, Charlie Mariano, Dave Pike, und ist auch als Dozent in der Jazz-Ausbildung aktiv. Seine neuen Stücke basieren größtenteils auf konventionellen Standard-Changes, die Groove-Basis ist straight-ahead swingend, und oft fühlt man sich etwas in die kurz vor dem Ausbruch in die freie Welt stehenden, frühen 60erJahre versetzt – und spürt sofort, wie zeitlos dieses Thema ist: Ausbruch, Aufbruch, das Weiterspielen, die Entwicklung, aber auch die Erhaltung der Basis.

Für die freie Welt steht ohne Frage die großartige Saxofonistin Angelika Niescier (*1970), die für mich immer ein bisschen nach Tenor klingt, obwohl sie hier ein Alt-Saxofon spielt. Pianist Martin Sasse, Matthias Bergmann am Flügelhorn und Niklas Walter am Schlagzeug komplettieren die kraftvolle Band um Bassist André Nendza, der in Tracks wie ,Placontemption‘ so etwas wie die kraftvolle, deepe Achse dieser packenden Formation darstellt. Retro? Klar – die Welt lebt vom Gestern, und nur wer dieses Gestern verstanden hat, kann heute so spannend davon erzählen. Großartige Aufnahme! Weiterhören: André Nendza ist auch auf dem neuen Album des Pianisten Christian Pabst, ,Balbec‘, zu hören, an Upright- und E-Bass. lt

 

FERENC SNÉTBERGER / KELLER QUARTETT: HALLGATÓ

Der 1957 geborene ungarische Jazz-Gitarrist Ferenc Snétberger präsentiert sich hier mal wieder von seiner anderen, der klassischen Seite: Gemeinsam mit dem Keller Streichquartett interpretiert er auf ,Hallgató‘ Kompositionen von John Dowland, Dmitri Schostakowitsch und Samuel Barber, eingerahmt von Snétbergers eigenem Gitarrenkonzert ,In Memory Of My People‘, das er seinen Roma-Vorfahren gewidmet hat, sowie seinem Solo-Gitarrenstück ,Your Smile‘ und der ,Rhapsody 1‘. Ein sehr intensives, überwiegend ruhiges Album. Berührend. lt

 

GREGOR HILDEN ORGAN TRIO: VINTAGE WAX

Vom ersten Ton an musikalisch wie auch gitarristisch spannend startet dieses zweite Album des Gregor Hilden Organ Trio, mit Drummer Dirk Brand, Organ-Handler & funky Gelegenheitssänger Wolfgang Roggenkamp sowie Namensgeber Gregor H., der hier gleich im sich nahtlos anschließenden, großartigen zweiten Track, absolut scharfe, exotische, schön aufgenommene Saiten-Sounds abliefert. Alle hier verwendeten Instrumente werden für die Musiker unter den CD-Käufern detailliert im Innenteil des schön designten DigiPaks aufgeführt.

Das musikalische Spektrum der eigenen und Fremd-Kompositionen von u.a. Peter Green, Marvin Gaye, und Freddie King, reicht von überwiegend instrumentalen, coolen Blues-Nummern, über groovende Soul-Rocker, und Funk-Grooves bis hin zu Stücken, die irgendwie Flower-Power-Feel und Hippie-Pop-Flair haben. Absolut unterhaltsamer Mix und klasse gespielt. Und ja bzw. nein: Nicht alle Gitarren klingen gleich! Aber alle klingen hier hervorragend – wie dieses ganze Album. lt

 

ROBERT KESSLER TRIO: BLOODLINE

Gitarrist Robert Keßler wurde 1984 in Jena geboren, studierte u.a. am Jazz Institut Berlin bei Kurt Rosenwinkel und Jiggs Whigham, spielte Theatermusik und arbeitete mit so verschiedenen Größinnen & Größen wie Jocelyn B. Smith, New York Voices, Udo Lindenberg, Felix Jaehn und Herbert Grönemeyer.

Seit 2017 ist er hauptberuflich als Professor für Gitarre & Ensemble an der SRH University Berlin tätig. ,Bloodline‘ hat er gemeinsam mit Tobias Backhaus (dr) und Andreas Henze (b) eingespielt. Seine gitarristischen Vorbilder Barney Kessel und den frühen Pat Metheny hört man auf ,Bloodline‘ immer wieder heraus: schöne, leichte, oft schwebende Gitarrenmusik. Mehr unter www.robertkesslermusic.de lt

 

 

PHILIPP SCHIEPEK & WALTER LANG: CATHEDRAL

,Golem Dance‘ hieß das Debüt-Album des Gitarristen Philipp Schiepek (*1994), das ich vor knapp zwei Jahren an dieser Stelle gefeiert habe. War er bei der damals auf dem Label enja erschienenen Aufnahme mit seinem Quartett zu hören, hat er diesmal nur einen musikalischen Partner: den Pianisten Walter Lang (*1961). Zwei Generationen, ein Feeling – dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man die elf entspannten Tracks ihres gemeinsamen Albums hört, die Schiepek allesamt mit der Nylonstring-Acoustic eingespielt hat. Minimalistische Melodien, positive Grundstimmung, Harmonien mit rezeptfreiem Entspannungs-Potenzial!

Fast folkloristisch klingt das Ganze gelegentlich – Walter Langs jazzige Keith-Jarrett-Verspieltheit bleibt aber immer in Hörweite. Und Philipp Schiepeks gekonnte Arpeggios und seine perfekte Intonation sind wohl ein Resultat seiner klassischen Gitarrenausbildung – er klingt eben nicht wie ein Jazz-Gitarrist, der auch mal zur Konzertgitarre greift. lt

 

MATTHEW HALPIN: AGREEMENTS

Der irische Saxofonist Matthew Halpin ist auf seinem aktuellen Album mit Drummer Sean Carpio, Organist Kit Downes, Percussionist Sergio Martinez sowie den drei Sängerinnen Veronika Morscher, Rebekka Salomea Ziegler und Laura Totenhagen zu hören. Und mit dem Gitarristen Hanno Busch (*1975), einem Könner in verschiedenen Genres, der nach seinen zehn Jahren bei der TV-Total-Band Heavytones mit zwei gelungenen Trio-CDs und dem Projekt Sommerplatte mit zwei weiteren Alben, einige Spuren hinterlassen hat.

Stilistisch kann man Busch (er hat mit Bosse, Ana Bonfim, Cosmo Klein, Nana Mouskouri, Peter Licht und Gregor Meyle zusammengearbeitet) so wenig festnageln, wie Matthew Halpin. Natürlich ist das Jazz, aber welcher? Guter! Alles andere ist unwichtig. Und an und für sich ist es sowieso immer wieder Blues – dass die Beteiligten auch das draufhaben, beweisen sie in ,Dog Day Afternoon‘. ,Pop Fiction‘ swingt dann noch mal sehr bilderbuchartig, mit einem coolen Gitarrensolo, wie Jazz für den Krimi.

Irgendwie denkt man hier sonst aber oft an eine Jam-Session, und Stücke wie ,Agreements‘ klingen auch oft eher nach Absprachen oder Vereinbarungen, als nach einem kompositorischen Konzept. Aber auch das kann ja ein Konzept sein. Bandleader Matthew Halpins eigene Handschrift kommt dann stärker in den letzten drei Tracks rüber – sehr schön, eigenwillig, unberechenbar. lt

 

GREG LAMY: OBSERVE THEE SILENCE

Geboren 1974 in New Orleans, Studium am Berklee College of Music in Boston und dem Londoner Trinity College – heute lebt er in Luxemburg & Paris: Das sind die Eckdaten des Gitarristen Greg Lamy. 2006 erschien das erste Album des Greg Lamy Quartet, ,What Are You Afraid Of?‘, das aktuelle ,Observe The Silence‘ ist sein siebtes. Mit Jean-Marc Robin (dr) und Gautier Laurent (b) hat Lamy jetzt neues Material veröffentlicht.

Der Archtop-Spieler hat diesmal den Hall entdeckt, dachte ich bei einigen Tracks, die wunderbar im Raum schweben und an Aufnahmen Bill Connors oder Mick Goodrick erinnern. Das muss man mögen – falls nicht, versöhnen einen hier ganz schnell die instrumentalen Beiträge, die dir in diesem Kunstraum trotzdem schnell sehr nahe kommen. Toll gemacht!

Bei drei Titeln ist der Pianist Bojan Z dabei, und da öffnet sich das Klangbild ein weiteres Mal – Lamys Soli wirken dann entspannt und fast befreit. ,Morphine‘ und ,Mothers‘ sind meine Highlights dieses Albums. Keine Frage, hier hört man gleich zwei tolle Bands. Entdecken: www.greglamy.com lt

 

TINI THOMSEN MAX SAX: HORSES & CRANES

Rhythm & Blues, Fuzz-Rock-Gitarren, ächzender James-Brown-on-acid-Funk, schwer groovender Soul-Jazz mit schrägen Sounds: Tini Thomsen’s Max Sax liefert schon eine deftige Mischung ab! Und Bariton-Saxofonistin Thomsen hat mit diesem Album eine sehr eigene Crossover-Nische gefunden. Sie und ihre Band sind hier vor allem eins: unberechenbar. Nigel Hitchcock (as), Joost Kroon (dr), Mark Haanstra (b), der wirklich vielseitige Tom Trapp an elektrischen und akustischen Gitarren, Mandoline und der National Steel Guitar, sowie Posaunist Nils Landgren als Gast in einem Track sind ein eigenwillig-originelles Team. Und perfekte Missionare für alle „Ich höre ja eigentlich keinen Jazz“-Hörer, denen hier eine neue, bunte Welt gezeigt wird. lt

 

CHARLES LLOYD & THE MARVELS: TONE POEM

Nicht mehr ganz frisch, aber extrem lange haltbar ist dieses neue Album des amerikanischen Jazz-Musikers Charles Lloyd (ts, fl), der auf ,Tone Poem‘ mit Reuben Rogers (b), Eric Harland (dr) sowie Steel-Guitar-Player Greg Leisz und dem wandlungsfähigsten Jazz-Gitarristen aller Gitarristenkarrieren, Bill Frisell, zu hören ist.

Interpretiert werden Kompositionen von Lloyd, Ornette Coleman, Leonard Cohen, Thelonious Monk, Gabor Szabo und Bola de Nieve. Und hinter dieser sehr diversen Musikauswahl groovt, nein pulsiert eine Rhythm-Section, die extrem unauffällig trägt, kommen sich zwei String-Sections nie in die Quere, sondern verzahnen ihr Spiel, und der Hauptsolist & Bandleader erdrückt hier auch niemanden. Smells like team spirit.

Gitarrist Gabor Szabos Komposition ,Lady Gabor‘ ist mit knapp elf Minuten der längste Track dieses Albums, und für mich der spannendste: Hier lernt man, wo der Jam-Rock herkam – und wo er, nun komplett entschleunigt, wieder hinführen kann. Schöne, chillige, coole Musik – und trotzdem 70 Minuten Spannung. lt

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo Arnd und Lothar,
    Wieder ein Volltreffer. Lauter geile Platten, die mich für Neues inspirieren.
    Danke. Bitte weiter so.

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