"Musik ist die schönste Form der Kunst"

Bass-Rock-Legende Billy Sheehan im Interview

Dieser Rock-Bassist hat sich seinen Platz in der Musikgeschichte gleich mehrfach verdient: Denn Billy Sheehan, gut erhaltener Jahrgang 1953, hat mit so illustren Kapellen & Kollegen wie Talas, bei David Lee Roth mit Steve Vai, bei Mr. Big mit Paul Gilbert, bei G3 mit Joe Satriani und bei Niacin mit Drummer Dennis Chambers und Keyboarder John Novello gespielt.

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Das war noch längst nicht alles: Außerdem hat Sheehan in den 00er-Jahren vier Solo-Alben produziert, seit 2012 ist er mit The Winery Dogs unterwegs – an der Seite von Gitarrist & Sänger Richie Kotzen und Schlagzeuger Mike Portnoy, der nach einem Vierteljahrhundert Dream Theater mal wieder rocken wollte. Auch mit dieser Formation hat busy Billy schon wieder zwei Alben am Start.

Wir trafen den Yamaha-Endorser Billy Sheehan beim Warwick Bass Camp 2015, wo er als Gast des Hauses eine Menge Spaß mit Fans und Kollegen hatte.

Ich habe dich gestern Abend auf der Bühne gesehen, und musste staunen, wie du deinen Bass während des Spielens neben deinem Kopf gehalten hast. Wie macht man das, ohne zusammenzubrechen oder sich zumindest zu verspielen?

Ach, weißt du, ich spiele schon so lange und habe in der Zeit viel Live-Erfahrungen gesammelt. Ich bin kein Fan von Veränderungen, deshalb sind meine Signature-Bässe alle exakt wie mein erster Bass gebaut – und mit dem habe ich die meiste Zeit verbracht. Der Pickup, die Bünde, die Saiten, das Griffbrett sind identisch, und selbst der Gurt hat die gleiche Länge. Es gibt viele Menschen, die immer neue Pickups, Bässe, Verstärker oder Saiten ausprobieren – aber wieso? Meiner Meinung nach kann man sich in seiner Technik und seinem Bass-Spiel um einiges steigern und verbessern, wenn die Veränderungen um einen herum überschaubar bleiben und man sich auf Gewohntes konzentriert.

Was war denn dein erster Bass für ein Modell?

Es war ein Fender Precision Bass in den ich einen Humbucker-Pickup eingebaut habe. Ich liebe diesen Gibson-Bass-Sound aber ich liebe eben auch, wie sich der Fender-Bass spielen lässt, und da dachte ich mir: Vermische einfach das, was du gerne magst! Die Gibson-Bässe sind mir einfach irgendwie zu klein, der Fender-Bass erschien mir dann doch männlicher (lacht). Ich habe den Bass jetzt seit 47 Jahren, er ist schon so eine kleine Berühmtheit geworden, immerhin war er auf fünf verschiedenen Magazin-Covern zu sehen.

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Sheehan & sein Yamaha-Bass (Bild: Marie Haacks)

Wie lange bist du schon Yamaha-Endorser?

Seit etwa 25 Jahren. Ich bin wirklich glücklich mit Yamaha, ich finde die Projekte die sie fördern großartig. Sie stellen Schulen Instrumente zur Verfügung. Sie stecken viel Geld in eine wirklich gute Sache: das Unterrichten. Es ist toll wenn immer mehr junge Menschen Musik direkt und praktisch erleben.

Ich kenne es aus eigener Erfahrung, dass Musikunterricht nicht immer schön ist oder überhaupt etwas mit Musik zu tun hat.

Leider! Als ich jung war, war mein Unterricht noch OK, aber mittlerweile ist er nicht mehr das, was es mal war … Kinder sollten einfach ein Instrument in die Hand nehmen, es ausprobieren, erforschen und sagen: Wow, ich habe ein Geräusch gemacht! Es kann ein einzelner Ton sein, aber Hauptsache sie erfahren so Musik. Denn Musik ist einfach die schönste Facette der Kunst.

Gibst du selbst auch regelmäßig Unterricht oder Workshops?

Ja, ich gebe regelmäßig Workshops! Und Warwick hat mich auch schon als Dozent für das Bass Camp im nächsten Jahr angefragt. Ich unterrichte wirklich gerne, es ist mir immer eine Freude, andere Menschen mit meinem Enthusiasmus anzustecken. Ich liebe es Bass zu spielen und immer wenn ich Zeit habe, nehme ich mir meinen und spiele einfach. Ich habe auch eben gespielt, bevor du gekommen bist, auch gestern Abend, davor den Abend, ganz gleich ob ich zu Hause oder im Hotel bin – ich spiele immer, wenn ich die Zeit finde. Ich lerne auch immer etwas Neues dazu, irgendetwas was ich vorher nicht mal im Ansatz wusste. Ich spiele jetzt über 40 Jahre und bin Tag für Tag begeistert davon, Bass zu spielen. Ich bin zwar wirklich froh über meinen Erfolg im Musik-Business, aber der wahre Erfolg ist, dass ich mich immer wieder für das gleiche begeistern kann.

Erinnerst du dich, wann und wo du das erste Mal einen Bass gehört hast?

Das war bei meinen damaligen Nachbarn, er war einfach unglaublich cool, hatte ein schönes Motorrad, eine noch schönere Freundin und vor allem war er ein toller Bassist. Wir sind Freunde geworden, er hat mir vieles gezeigt und mich so zum Bass gebracht.

Ich war bei einem Gospel-Workshop und als ich da neben der Band stand, hörte ich den Bass und habe mich total verliebt! Ich habe dann auch wirklich schnell angefangen in einer Band zu spielen.

Was macht ihr denn?

Wir spielen von allem ein bisschen, ein großer Mix aus vielen Genres.

Das ist wirklich gut, ich mag es, wenn man sich nicht an einem Genre festbeißt. Zu Beginn meiner Bass-Laufbahn habe ich auch in einer Band gespielt, die zwischen verschiedenen Musikrichtungen hin und hergesprungen ist; Ein bisschen Soul, Funk, Heavy Metal, Pop…. Wir hatten mit jedem Stil unseren Spaß! Viele sagen zum Beispiel: „Ich spiele nur Death-Metal und nichts anderes!“ Dann denke ich mir, OK, das ist deine Sache aber so beraubst du dich selbst deiner Vielfalt und Individualität. Ich sage nicht, dass es nicht gut ist wenn man Death-Metal spielen will, ich verstehe nur einfach nicht, wie man sich so auf etwas versteifen kann. Fast alle, die ich kenne und in solch einer harten Band spielen, hören privat auch ganz andere Sachen. Als ich das erste Mal bei einer Metal-Band Backstage war, habe ich irgendetwas total Hartes erwartet aber von irgendwo kam nur ganz leise (singt) „The shadow of your smile …“, von Frank Sinatra und Tony Bennett. (lacht)

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Billy Sheehan & Stevie Salas live (Bild: Marie Haacks)

Was ist für dich das Wichtigste, das du in deiner Kariere gelernt hast?

Ich denke, es ist die Fähigkeit das Zusammenspiel in einer Band zu beherrschen. In einer Band zu sein ist eine der besten Möglichkeit auf seinem musikalischen Weg weiterzukommen. Ich denke also, das Wichtigste, das ich gelernt habe, war mit den unterschiedlichsten Menschen zurechtzukommen, Kompromisse einzugehen, sie zu verstehen und manchmal auch einfach ruhig zu sein und die Klappe zu halten. Ich kenne tolle Musiker, die in vielen verschiedenen Bands waren, jedoch sind sie nie länger als zwei Wochen in einer geblieben. Meist liegt das an einer Reihe von unnötigen Missverständnissen, die darauf basieren, dass sie nie gelernt haben sich richtig mit anderen zu verständigen, geschweige denn richtig zuzuhören. Ich habe zum Glück früh gelernt mich und meine Ideen zu erklären, sowie andere zu verstehen. In einer Band ist das total wichtig, es ist vielleicht nicht das wichtigste auf musikalischer Ebene aber ohne dieses Verständnis kann Musik nicht existieren.

Spielst du lieber in einer Band oder solo?

Natürlich in einer Band! Nachdem ich David Lee Roths Band verlassen habe, hätte ich eine Solokarriere starten können. Das wollte ich aber nicht, ich wollte unbedingt eine Band haben! Das war der Grund, warum ich Mr. Big gegründet habe. Nebenbei habe ich natürlich auch immer mal wieder mit ein paar Freunden gespielt. Vielleicht spiele ich irgendwann mal eine Solo-Tour. Dann nehme ich mir aber einen tollen Menschen mit, zum Beispiel den Drummer von Korn (Ray Luzier), er ist ein Freund von mir und ein wirklich großartiger Musiker! Nur Bass und Drums wäre eine richtig fette Mischung, aber in einer Band macht einfach alles mehr Spaß. Wenn ich auf die Bühne gehe, dann sind das nicht nur ich und meine Sache: ich bin Teil einer Band, einer Mischung, die miteinander harmoniert! Das macht es einfacher und aufregender!

 

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