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Cubus Magicus

Test: TiefTöner GuitarQube 212

(Bild: Dieter Stork)

Wer kennt das nicht: Auf einer kleinen Club-Bühne oder im engen Probenraum bläst mir der Gitarren-Speaker in die Waden oder Kniekehlen. Nicht weiter schlimm, der Punkt ist jedoch, dass ich alles gut höre, meine Gitarre aber nicht. Oder kaum.

Zwar könnte ich den Combo oder die Box rückwärtig kippen, muss ihn/sie dafür jedoch irgendwo anlehnen, einen entsprechenden Amp-Ständer verwenden oder den Amp notfalls sogar auf die Rückseite legen. Eleganter ist da das neuste Produkt des eigentlichen Bassbauers Frank Behrend von TiefTöner. Beim GuitarCube, dessen Konstruktionsprinzip vielen Bassisten durch die Wohlklang-Boxenserie bereits geläufig sein dürfte, handelt es sich um eine Lautsprecher-Box für E-Gitarre mit nach vorne und oben (!) abstrahlenden Lautsprechern.

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HOLZ, FILZ & STAHL

Da im Gegensatz zu vielen Bassisten die meisten Gitarristen 12″-Lautsprecher bevorzugen, fiel das Gehäuse des GuitarQube zwangsläufig größer aus als die kompakten TiefTöner-Bassboxen mit ihren 8″- oder 10″-Speakern. Um Eigenschwingungen zu vermeiden, versteifen im Innern zwei große rechtwinklige Dreiecke zwischen Rückwand und Boden sowie eine Querstrebe zwischen den Seitenwänden das komplett aus 15 mm Pappelsperrholz gefertigte Gehäuse.

Gleichzeitig wurde auf eine Innendämmung verzichtet, um mehr Fundament und damit Klangfülle zu erzielen. Ein wenig dämmt jedoch auch der äußere Filzbezug, der zudem wesentlich strapazierfähiger ist als konventionelles Tolex. Alternativ bietet TiefTöner auf Kundenwunsch diverse andere Oberflächenbezüge an.

Acht verschraubte Metallecken, zwei stabile, ausbalancierte Schalengriffe an den Seiten, hinten eine Anschlussschale mit zwei parallel verdrahteten Neutrik-Speakon/Klinke-Kombibuchsen, vier große Gummifüße und acht- bzw. neunfach verschraubtes, schwarz pulverbeschichtetes Lochgitter aus Stahl zum Schutz der Lautsprecher komplettieren die Gehäuseausstattung. Damit durch die Gitter – insbesondere das obere – kein Schmutz eindringen kann, hat Frank Behrend sie mit schalldurchlässigem Speaker-Bespannstoff hinterlegt.

Im Innern kommen zwei 12″ Celestion G12 NEO Creamback zum Einsatz, jeweils von außen mit je acht Holzschrauben an Front bzw. Decke montiert. Verdrahtet und verlötet wurden die 16-Ohm-Lautsprecher mit The-Sssnake-SPK225-Kabeln mit 2×2,5 mm2 Querschnitt. Der GuitarQube besitzt somit eine Impedanz vom 8 Ohm und ist nominal mit bis zu 120 Watt belastbar. Um jedoch ganz auf Nummer sicher zu gehen, gibt TiefTöner die Leistung mit 70 Watt an.

Insgesamt wurde die knapp 18 kg wiegende 91-Liter-Box solide und tadellos verarbeitet. Alternativ zum unter dem Lochblech angebrachten Lautsprecher-Bespannstoff bietet TiefTöner hochwertigen zweilagig gewebten PA-Akustikstoff an, der das Gitter von außen abdeckt. Die PA-Bespannung verleiht dem GuitarQube einen traditionelleren Look, gleichzeitig kann auf den unteren Stoff verzichtet werden. Dies dient jedoch lediglich der optischen Aufwertung und kostet € 40 extra.

Anschlussmulde (Bild: Dieter Stork)

WÜRFELSPIEL

Beim ersten Anblick des GuitarQube 212 stellte sich mir die Frage „Wohin mit dem Combo oder Top wenn der obere Speaker vertikal abstrahlt? Einfach auf die Box stellen?!“ Genau. Der obere Celestion wurde nämlich möglichst nah an der Rückwand platziert. Die Messungen des Herstellers ergaben, dass ein mit der Vorderkante des GuitarQube-Gehäuses abschließend abgestellter Verstärker den Abstrahlwinkel und damit auch die Klangwiedergabe nicht beeinträchtigt, solange er die Mittelkalotte des Lautsprechers nicht verdeckt. Somit sollte ein Amp nicht tiefer als 23 cm sein, damit sich der Schall dahinter nach oben ausbreiten kann.

Die Celestion Creambacks mit Neodym-Magneten liefern den authentischen Sound der traditionellen Creambacks/Greenbacks, deren Keramikmagneten jedoch doppelt so schwer sind. Das Ergebnis sind definierte druckvolle Bässe, warme Mitten, kultivierte seidige Höhen und ein luftiges räumliches Hörerlebnis, unabhängig davon, ob man mit Abstand vor dem GuitarQube oder im unmittelbaren Nahbereich neben oder hinter ihm steht. Die Box tönt ausgewogen. Die Bässe blähen sich nicht auf, dröhnen also nicht, und selbst bei tieffrequenten Palm-Mute-Powerchords zeigt der Würfel Straffheit und Präzision. Derweil kommen Cleansounds transparent und detailliert und werden von präsenten aber nie aufdringlichen Höhen begleitet.

RESÜMEE

Nach dem Erfolg seiner bidirektionalen Wohlklang-Bassboxen kontaktierten zahlreiche Gitarristen TiefTöner-Mastermind Frank Behrend mit dem Wunsch nach einer entsprechenden E-Gitarren-Box. Das beeindruckende Ergebnis ist der GuitarQube 212, das optimale Cabinet für beengte Probenräume und platzarme Club-Bühnen. Als flexibler Handwerksbetrieb kann TiefTöner natürlich auch auf spezielle Wünsche der Kunden bezüglich Gehäusebezug und Speaker-Bestückung eingehen. Mit nicht einmal 18 kg dürfte der GuitarQube zu den leichtesten 2×12″-Boxen zählen.

PLUS

● Wiedergabeigenschaften
● Ausgewogenheit
● Monitoring im Nahbereich
● Celestion G12 Neo Speaker
● geringes Gewicht
● ausbalancierte Griffschalen
● Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 11/2018
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