DER ANKER DER BAND
Mit einem Gurt an den konventionellen großen Pins gibt es auch nicht den Hauch von Kopflastigkeit, die Balance ist absolut perfekt. Allerdings stellt sich auch direkt das Gefühl ein, einen ordentlichen Bootsanker auf der Schulter zu tragen … Im Sitzen macht sich der BTB erstaunlich gut, da merke ich das Gewicht weniger.
Die BTB-Linienführung war von Anfang an klar und eher kantig, so ist auch der 886 geschnitten. Durch geschickte Aussparungen ergeben sich trotzdem ein komfortables Handling und eine sehr gute Erreichbarkeit der hohen Lagen. Erst der 24. Bund auf der H-Saite bereitet mir Schwierigkeiten.
Direkt aus dem Softcase ist der Bass schon gut eingestellt, oft ist Ibanez da konservativer. Ich kann die Saitenlage aber problemlos und schnarrfrei noch sportlicher einstellen. Auch der korpusseitig gut zugängliche Stahlstab arbeitet entspannt und reicht aus, um dem breiten Hals gleichmäßig mehr oder weniger Krümmung zu verpassen.
Mittlerweile sind Multiscales/Fan Frets ja, wie schon geschrieben, nicht mehr so exotisch. Wer sich immer noch fragt, wie man darauf spielen soll, sollte nicht viel nachdenken, sondern den Bass einfach in die Hand nehmen und loslegen. Man kommt sehr schnell damit klar.
Der 886MS belohnt einen schon beim trockenen Anspielen mit einem enormen Ton. Jede Note klingt wie eine Glocke mit klarer, präziser Ansprache und festem, transparentem Bass bis in die allertiefsten Lagen. Da haben die Pickups schon ganz ohne Batterie passiv geschaltet leichtes Spiel.
Sie kommen sauber rüber, mit genau der richtigen Füllmenge an tragfähigen Mitten, auch in der mittenreduzierenden Mittelposition des Balancereglers. Dieser arbeitet schön gleichmäßig und bietet vielfältige Mischungen an. Der Halspickup allein erzeugt einen fundamentalen Ton.
Mit etwas zurückgedrehter Höhenblende, die sich im Minusbereich des Treblepotis befindet, ergibt sich ein Ton, der sich recht traditionell in viele musikalische Lagen einfügt – und dabei sehr stabil und gleichmäßig bleibt. Schön nökig kommt der Stegpickup, der im Level gut an den Kollegen angeglichen ist. Hier mag ich die Tonblende auch ganz zugedreht, es wird im weitesten Sinne Jaco-esk.
Etwas mehr Pfund könnte er allerdings vertragen, dafür ist ja der aktive EQ an Bord. Wie fast immer stellt sich zunächst die Erkenntnis ein, dass eine zugedrehte passive Höhenblende und ein zugedrehtes aktives Höhenpoti sehr unterschiedlich klingen. Nach einem sanften Dreh am eher tief ansetzenden Bassregler nehme ich zum Ausgleich der jetzt fehlenden Mitten den Mittenregler dazu.
Dieser lässt sich über einen Dreiweg-Minischalter in der Frequenz auf 250, 450 oder 700 Hz einstellen. Da ist für ziemlich jeden Bedarf im musikalischen Kontext bei schnellem Zugriff was dabei. Aufgedreht macht auch das Höhenpoti eine gute Figur: Es setzt hoch an und gibt dem ohnehin nicht höhenarmen Ton zusätzliche Luftigkeit.
Er wird sehr klar nach vorne geholt, ohne dass übermäßiges Rauschen auftritt oder es unangenehm wird. Im E-Fach sieht es nicht gerade nach Boutique aus, aber ich habe absolut nichts an den Ergebnissen auszusetzen.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Neue Klangwelten mit dem Medium E-Bass erkunden, das möchte Ibanez mit den Instrumenten aus dem Bass Workshop ermöglichen. Ganz neu im Sinne von „noch nie vorher dagewesen” ist es nicht, was der BTB886MS-BRF liefert, aber eine durchdachte Palette an sehr breit nutzbaren Klangfarben.
Verpackt in einem exzellent zu bespielenden, akkurat gefertigten Bass mit klaren Linien, schönen Maserungen und einer wunderbaren Farbgebung, ist der einzige Wermutstropfen das hohe Gewicht meines Testbasses. Dennoch klare Antestempfehlung, vielleicht finden sich, wenn man das denn möchte, in den Läden ja auch leichtere Exemplare!

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)