Produkt: Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
The new oldschool

Test: Guild Starfire I Bass

Guild Starfire Bass I(Bild: Dieter Stork)

Die Bässe von Guild aus den 60ern und 70ern standen immer ein wenig im Schatten der anderen großen amerikanischen Gitarrenfirmen – von den Pilot-Bässen einmal abgesehen, die in den 80ern zeigten, wie ein moderner Jazz Bass aussehen kann, der sogar Jaco begeistern konnte. Ironie des Schicksals, dass Guild 1995 von Fender gekauft wurde.

Seit 2015 ist die Marke in den guten Händen der Cordoba Music Group, die bislang liebevoll gemachte Reissues des klassischen Starfire Basses aus Fernostproduktion auf dem Markt platziert hat, wie wir ihn im Januar-Heft 2020 im Test hatten. Der neue Starfire I Bass ist dagegen zwar klar Vintage-inspiriert, aber keine Wiederauflage eines historischen Modells.

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KOMPAKTKLASSE

Mit dem Finish entscheidet man sich auch für die Zusammenstellung des Holzes. Ist der Korpus beim Vintage-Walnut-Modell aus laminiertem Ahorn, kommt er bei unserem Testbass in Cherry Red aus ebenfalls laminiertem Mahagoni. Durch die ein wenig unsauber lackierten F-Löcher sieht man den Sustain-Block im Inneren, der Stabilität und eben Sustain geben soll. Schön gemacht und sauber gearbeitet ist das Binding um Decke und Boden.

Der Neue kommt nicht mit der klassischen Brücke, die Guild- wie Hagstrom-Bässe zierte, sondern mit einer gibsonesken Tune-o-matic Bridge. Die ist mit zwei Schrauben in der Höhe verstellbar, die an die Griffbrettwölbung angepassten Reiter lassen sich für die Oktavjustierung per Schraube verschieben. Die Saitenhalterung besorgt ein Harfen-Tailpiece mit dem Guild-G als Logo, das laut Homepage „klassische Guild-Ästhetik“ zeigt und gleichzeitig die Verbundenheit mit dem Kontrabass als Urvater der Bass-Saiteninstrumente symbolisieren soll. Nun ja, das eine sehe ich, das andere … mit viel Fantasie.

Wie auch immer, das Tailpiece macht einen soliden Eindruck, die Saiten werden von unten eingehängt, was etwas fummelig sein kann. Der Hals ist ebenfalls aus Mahagoni und hat eine großzügig angeschäftete Kopfplatte in der typischen Guild-Form. Im Vergleich zum Starfire II sitzt der Hals hier deutlich weiter im Korpus. Das eingefasste Griffbrett besteht, der CITES-Ausnahme sei Dank, aus Palisander und ist akkurat mit 21 Bundstäbchen bestückt.

Die Mechaniken sind offene im Vintage-Stil, generische Tuner, die ihren Dienst ohne aufzufallen erledigen. Von nicht auffallen kann beim Pickup nicht die Rede sein. Die Starfire-Bässe der 60er hatten nicht nur die schon erwähnte Hagstrom-Brücke drauf, auch die Pickups wurden von den Schweden geliefert. Gerade diese Bi-Sonic-Abnehmer waren es, die Spieler wie Phil Lesh oder Jack Casady anzogen, eine Anziehung, an deren Ende der Alembic Bass steht, aber das ist eine andere Geschichte.

Bislang waren auch die unter der CMG-Ägide entstandenen Bässe mit modernen Bi-Sonic-Interpretationen bestückt, für den neuen Bass hat man sich etwas anderes ausgedacht, das einem Precision-Pickup verdächtig ähnlich sieht. Die Kreation hört auf den Namen BC-1 BiCoil, hat Alnico-V-Magnete und Nickelcover, die brummunterdrückend sein sollen.

ZU DEN STERNEN!

Während das Versetzen des Halsansatzes bei akustischen Gitarren – Stichwort 12. Bund/14. Bund – deutliche akustische Folgen hat, die sich aus der insgesamt geänderten Konstruktion ergeben, kann man das beim Guild-Bass getrost vernachlässigen. Umso deutlicher sind die Folgen für die Balance, und die sind ausschließlich positiv! Wie üblich, wenn der vordere Gurtpin in der Mitte des Halsfußes sitzt, neigt der Bass dazu, nach vorne wegzukippen. Das ist aber leicht beherrschbar, man sollte eben nicht gleichzeitig beide Arme à la Rocky hochreißen.

Gebändigt ist aber die Neigung zur Kopflastigkeit, der kürzere Hals hat einen weniger üblen Hebel, der Starfire hält sich entspannt in der Waagerechten oder lässt den Hals sogar leicht nach oben zeigen. Weiterer Effekt: die tiefen Lagen rücken näher. Beim Starfire II meint man schon mal, einen Longscale-Bass in der Hand zu haben, der Starfire I ist eindeutig ein entspannt spielbarer Shortscale. Der Trade-Off, wie man auf Deutsch so schön sagt, ist, dass die letzten beiden Bünde nur unter Verrenkungen zu greifen sind. Fairer Deal, würde ich sagen.

Ähnlich wie beim großen Bruder hat der Bass Jazz-Bassige 38 mm am sauber gekerbten Sattel, was mit der kurzen Mensur und dem Thin-U-Halsprofil für flotte Bespielbarkeit sorgt. Der neudesignte Pickup ermöglicht eine weitere kleine, aber nicht unerhebliche Änderung: statt schmaler 17 mm Saitenabstand an der Bücke beim SF II gibt es jetzt erwachsene 19 mm! Das dürfte all jenen entgegenkommen, für die sich der Hals sonst zu sehr nach Besenstiel anfühlen würde.

So, nun aber an den Amp, um dem neuen BiCoil zu lauschen. Wer einen semiakustischen Preci erwartet, dem kann ich sagen: nicht wirklich. Dafür ist die ganze Konstruktion dann doch zu anders. Der Ton ist fett, singt vor allem in den hohen Lagen schön, und hat eine recht deutliche – pardon the pun – hohle Note in den Mitten. Die Tatsache, dass der Guild ab Werk mit Roundwounds ausgeliefert wird (D‘Addario EXL165 / 45 auf 105, um genau zu sein), sorgt für einen gewissen Zzzzing. Der verschwindet, wenn ich die gut abgestimmte Höhenblende runterdrehe: Der Ton wird mollig warm mit dominanten Tiefmitten.

In die andere Richtung mit einer präsenteren Höhenwiedergabe geht’s, wenn ich den Tonregler wieder aufdrehe und den Volume-Regler ziehe, was angesichts des griffig zu drehenden, aber recht glatt zu ziehenden Potiknopfs mit schwitzigen Fingern schwierig werden könnte. Sei‘s drum, auf diese Weise gelangen wir laut Homepage zum Vintage-Sound.

Außer beim Rick verbinde ich mit Vintage beim Bass eher mehr Bass, mehr Mitten und wenig Höhen – der Guild macht es andersrum. Mit parallel geschalteten Spulen verschwindet der Tiefbass etwas, ohne dass es dünn werden würde, die Mitten glätten sich, und die Höhen werden klarer. Es darf sogar zaghaft geslappt werden!

Dieser ausgewogene Ton soll dem nahekommen, den der Starfire II mit beiden Pickups gemeinsam produziert – und in die Richtung geht es tatsächlich. Auch hier arbeitet die Höhenblende gut und dosiert die Klarheit ganz nach Gusto. Mit weit zugedrehter Blende gefällt mir der serielle Modus besser, der Mitten-Peak ist für mich angenehmer. Ich könnte mir sogar vorstellen, den Schalter umzulöten und den Parallelbetrieb des Pickups als Grundstellung zu nutzen, um dann auf das volle Mittenbrett zu ziehen. Ist sicher auch Geschmackssache.

Ebenso wie die Besaitung, ich kann mir den Bass auch bestens mit Flats oder Tapewounds vorstellen. Zu beachten ist dabei, dass der Starfire trotz kurzer Mensur Longscale-Saiten verträgt, das Harfentailpiece und der lange Weg vom Sattel zu den Mechaniken machen es möglich respektive nötig.

 

RESÜMEE

Puristen mögen den Kopf schütteln, verlässt doch Guild mit dem Starfire I Bass den Pfad der reinen Reissue-Lehre und bietet auf Vintage-Basis ein eigenes, neues Instrument an. Zum deutlich kleineren Preisschild trägt auch der Verzicht auf Koffer (wie beim SF II) oder Tasche bei, und der Bass ist natürlich auch mit nur einem Pickup und weniger Reglern einfacher ausgestattet. Dennoch ist er erstaunlich flexibel, ist sehr komfortabel zu spielen und macht einfach großen Spaß – und sieht auch noch super aus dabei. Das Preis-Leistungsverhältnis ist wirklich gut, Minuspunkte waren nicht auszumachen. Klare Antestempfehlung!

PLUS

● Sounds
● Bespielbarkeit
● Gewicht
● Ausbalanciertheit
● Verarbeitung (außer Lackierung F-Löcher)

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2021)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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