Television

Test: Fame Custom TL RW

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(Bild: Dieter Stork)

Television – ein Wort, das in den 1950ern große Bedeutung erlangte, als erste bewegte Bilder über schwarz-weiße Mattscheiben flatterten und die Television massenhaft in private Räumlichkeiten einzog. Aber war da nicht noch etwas in dieser ganz besonderen Zeit des allgemeinen Aufbruchs …?

Na sicher – da gab es doch diesen jungen Elektrotechniker namens Leo Fender, der sich neben seinem Kerngeschäft, dem Reparieren von Radios, auch an Horizontal- und später auch an merkwürdig erscheinenden E-Gitarren versuchte. Beide Gitarrengattungen sahen mehr oder weniger aus wie mit magnetischen Tonabnehmern versehene Bretter, die die Schwingungen der Saiten in elektrische Energie wandelten und somit eine Verstärkung ermöglichten.

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It might get loud – genau das wurde dank Leos Gitarren uneingeschränkt möglich, auch ohne diese Rückkopplungen, mit denen die verstärkten Archtop-Gitarren alteingesessener Platzhirsche wie z. B. Gibson zu kämpfen hatte. Die Geschichte dieser Gitarre, die erst Broadcaster, dann aber trendsicher Telecaster genannt wurde, begann mit viel Spott und Häme, doch wir alle wissen, dass aus dem oft beleidigten Objekt von damals letztlich die Mutter aller E-Gitarren erwuchs und eine Bewegung ungeahnten Ausmaßes auslöste, die uns nach wie vor in Atem hält.

So auch die Gitarrenexperten des Music Store zu Köln, deren Hausmarke Fame uns nun eine neue, besondere Inkarnation von Mutter T beschert – die Fame Custom TL. Mit vielen Features, die man in der Regel nur von weit höherpreisigen Gitarren kennt.

TLSTJM

Kopfplattenform, Pickup-Typen, Brücke und Controlplate lassen keine Zweifel an dem Masterplan aufkommen, der hinter der neuen Fame Custom TL steckt, bietet er doch reichlich TeleGene. Doch wenn wir uns die Korpusform genauer anschauen, entdecken wir sowohl ST-Type- wie JM-Type-Elemente. Von der ST stammt z. B. die geschwungene obere Korpuskante mit rückwärtigem Belly Cut und auch das typische Shaping der hinteren Decke zur Auflage des rechten Unterarms.

Das JM-Design wird vor allem durch die allgemeine Offset-Charakteristik des Bodys zitiert, sodass wir hier tatsächlich eine gelungene Dreifaltigkeit aus Fender-Design-Elementen feiern können – TL-, ST- und JM-Style. Lediglich die spitze Verrundung des oberen Korpushorns kommt nicht aus dem kalifornischen, sondern aus dem kölschen Baukasten, genügt aber völlig, um dem gesamten Design eine eigene Note verleihen zu können, das auch deutlich schwungvoller ist als die in eine ähnliche Richtung zielende Yamaha Pacifica TL-Style.

(Bild: Dieter Stork)

LAKRITZE

Der Korpus ist aus Mahagoni gefertigt, der Hals aus geröstetem Ahorn mit stehenden Jahresringen. Das Griffbrett besteht aus einem schön gleichmäßig dunklen Palisander, ein mittlerweile schon als Upgrade anzusehendes Detail – zumindest in den unteren Preislagen, wo gerne und oft alternatives Griffbrett-Holz, wie z. B. Lorbeer, verwendet wird. 22 perfekt abgerichtete und verrundete Bünde aus Edelstahl im Medium-Jumbo-Format sowie Dot-Einlagen aus Abalone präsentieren sich auf dem mit 13,75″ recht flachen Griffbrett, an dessen Anfang ein Sattel aus Knochen sitzt, der sehr gut geformt und gekerbt ist.

Womit wir nun endlich beim Licorice (= Lakritze) gelandet wären, lautet doch die offizielle Farbbezeichnung dieser telegenen Erscheinung: „Worn Licorice Over Sunburst” – und das in einer Mattlackierung, damit das offensive Aging der Custom TL auch alt genug erscheinen möge. Die Lackierung ist übrigens in Nitrozellulose ausgeführt.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Also,nicht leicht,-aber auch nicht schwer,-vermutlich dann doch „mittelschwer“,wie immer man dies auch definieren möchte. Verstehe wirklich nicht,warum neu gefertigte Gitarren nach der Produktion stets mutwillig auf „uralt“ und völlig abgeschrubbt getrimmt werden „müssen?“ Etwaige Beschädigungen und Lackplatzer erleben die meisten Gitarren doch faktisch vornehmlich nach jahrelangem Live-Betrieb,da braucht man doch keine absichtlich zugefügten Blessuren ab Fabrik hinzufügen! Relic hin oder her,-mich „begeistert“ das auf gar keinen Fall,ich kaufe immer nur unbeschädigte Gitarren.

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    1. Wie gut, dass der Hersteller auch Non-relic Modelle im Programm hat. Vor allem, weil das Relic hier für mein Empfinden leider völlig missraten ist und viel zu übertrieben wirkt. Selbst nach vielen Jahren heftigen Bühneneinsatzes würde eine E-Gitarre niemals so aussehen. Die Macken wären viel kleiner, dezenter und vor allem an ganz anderen Stellen. Ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt. Sicherlich keine erfahrenen Gitarristen. Praxisgerechte Beispiele gibt es doch genug, wo man sich abschauen kann, wie es aussehen könnte bzw. sollte. Man sollte sich an den Gitarren-Arbeitstieren der Stars orientieren, die jedes Jahr dutzende Shows spielen. Ja, es kommt zu kleineren Blessuren, zu Dings & Dongs. Aber die sieht man fast immer nur aus der Nähe. Dieser unsägliche Trend zu übertriebenem Relic-Overkill ist leider auch bei anderen angesagten Herstellern wie Henry’s zu finden.

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  2. Schade, dass Fame die Linkshänder kaum noch berücksichtigt. Das war früher deutlich besser…

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