Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Jubiläums-Edition

Test: Fame Baphomet II Anniversary Edition

(Bild: Dieter Stork)

Der Hersteller Fame aus Danzig überzeugt seit langer Zeit regelmäßig mit preiswerten, aber hochwertigen Instrumenten – genau genommen seit zwanzig Jahren. Und zu diesem Anlass hat das beliebte Bassmodell Baphomet buchstäblich einen neuen Anstrich spendiert bekommen.

Bisher konnten Instrumente aus dem Hause Fame mit einem guten bis sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis überzeugen, tatsächlich habe ich selbst im Laufe der Jahre einige der Bässe besessen und war damit immer recht zufrieden. Es waren keine High-End-Instrumente, aber solide Arbeitstiere. Mit einer Neuauflage der Baphomet-Serie hat sich dies etwas geändert, denn diese konnte sowohl in Heft 12/20 als auch in Heft 07/19 absolut überzeugen. Von „Preis-Leistung“ kann da nicht mehr wirklich die Rede sein, die getesteten Bässe waren einfach gut. Es freut mich immer, wenn Hersteller es schaffen, über Jahre hinweg eine hohe Qualität zu liefern und diese sogar zu steigern. Dieses Jahr jährt sich die Firmengründung zum zwanzigsten Mal, und um das zu feiern, gibt es nun einige Bässe und Gitarren als Sondermodelle. Hoch sind also die Erwartungen.

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NEUER ANSTRICH

Als Basis für dieses Sondermodell dient der Fame Baphomet, der zurzeit auch das einzige Bassmodell im Sortiment des Herstellers ist. Wie zuvor schon die anderen neuen Varianten dieses Modells begeistert auch die Jubiläumsedition bereits beim Auspacken mit einem geringen Gewicht von deutlich unter 4 Kilo, selbst beim Fünfsaiter. Doch dieses Mal stellt die Rückenfreundlichkeit nicht die einzige Überraschung beim Auspacken dar. Aufgrund nicht existenter Recherche im Vorfeld war ich auf den Anblick beim Öffnen der Kartons nicht vorbereitet. Am ehesten lässt sich die Optik wohl mit einem wenig informativen „wow!“ beschreiben.

Das „Antique“-Finish in der goldenen Variante (Bild: Dieter Stork)

Beim Anblick der goldenen und silbernen Lackierungen vergisst man fast, dass es sich dabei nur um Musikinstrumente handelt. Korpus und Kopfplatte teilen sich das mattierte Finish in der spannenden Optik. Fame selbst bezeichnet den Look als „Antique“, was auch recht gut passt. Es handelt sich dabei nicht um einen „road worn“-Look mit Spielspuren oder Lackplatzern, sondern ein Finish im Aussehen stark gebrauchter Metalloberflächen, wobei die verschiedenen Lackschichten durch die „Kratzer“ hindurchschimmern. Die Lackierung selbst ist dabei makellos und fühlt sich toll und dünn an.

ALTER BEKANNTER

Unter dem Lack schlummert leichte Esche, die mit einer dezenten Wölbung für einen angenehmen Sitz am Körper sorgt. Dass das Design dabei keine harten Kanten aufweist, trägt sicherlich auch einen Teil dazu bei. Ebenfalls sehr angenehm fühlt sich der fünfstreifige Hals aus Ahorn und Mahagoni an. Ein flaches D-Profil sorgt in Verbindung mit der sauberen Verrundung der Bundkanten für einen hochwertigen, modernen Eindruck und erlaubt ein ergonomisches und schnelles Spiel. Das kommt bekannt vor? Richtig, die Standardvariante des Baphomet aus Esche setzt auf die gleichen Komponenten.

Eigenes Block-Inlay zum Jubiläum (Bild: Dieter Stork)

Konstruktive Unterschiede gibt es lediglich beim Griffbrett, denn anstelle von Pau Ferro kommt hier dunkles Ebenholz zum Einsatz, wobei auf Höhe des zwölften Bundes eine große „20“ in Form eines Block Inlays als Bundmarkierung dient. Am oberen Ende befindet sich ein sauber eingelassener und korrekt gefeilter Kunststoffsattel. Trotz des geringen Gewichtes hält sich die Kopflastigkeit sehr in Grenzen und fällt weder im Sitzen noch stehend wirklich negativ auf. So weit ist der erste Eindruck also schonmal sehr gut. Auch das Setup der Bässe ist bereits ab Werk wirklich gut, vorausgesetzt man bevorzugt eine flache Saitenlage und einen kerzengeraden Hals. Mühelos lassen sich Tapping, Slapping und schnelle Läufe umsetzen. Dass das ohne nennenswerte Nebengeräusche vonstattengeht, spricht für eine gewissenhafte Abrichtung der Bünde. Aber auch Freunde höherer Saitenlagen kommen hier auf ihre Kosten, denn die Brückenmechanik ermöglicht intuitiv und simpel das Einstellen auf die präferierte Höhe. Am Saitenabstand hingegen lässt sich nichts ändern, dieser liegt bei 19 mm für den Viersaiter bzw. 17 mm für den Fünfsaiter und trägt zum angenehmen Spielgefühl bei.

KLASSISCHE AUSSTATTUNG

Saubere Arbeit im E-Fach (Bild: Dieter Stork)

Ebenfalls recht modern – wobei „modern“ hier ein dehnbarer Begriff ist – und bewährt stellt sich die Auswahl der Elektronikkomponenten dar. Im Elektronikfach auf der Rückseite kommt eine 2-Band-Elektronik aus dem Hause MEC zum Einsatz, die zusammen mit den ebenfalls von MEC gefertigten, aktiven Singlecoils für einen vielseitigen Klang sorgen soll. Unter Zuhilfenahme eines Plektrums oder schmalen Schraubendrehers lässt sich das rückseitige Batteriefach öffnen und der 9V-Block recht unkompliziert wechseln. Dadurch, dass sowohl Elektronik als auch Tonabnehmer aktiv sind, liegt die Stromaufnahme des ganzen Basses bei knapp unter 4 mA, was vergleichsweise hoch ist. Es empfiehlt sich also, eine Ersatzbatterie im Gigbag dabeizuhaben.

SOUND

Nach dem Anspielen auf dem Trockendock geht es nun an den Verstärker und bereits ab dem ersten Ton ist klar, wohin die Reise geht. Durch Hochziehen des Lautstärkereglers am Bass wird der EQ zunächst umgangen und es präsentiert sich ein klarer, knurriger Ton mit trockenen Bässen und prägnanten Hochmitten. In Mittenrastung des Balance-Reglers sitzt der Bass super im Mix, z.B. einer Metalband, wobei die Hochmitten für ausreichend Biss sorgen, um durchsetzungsfähig zu bleiben. Aber auch funkige Slap-Einlagen kommen hier richtig gut, insbesondere, weil die Tonabnehmer selbst den Ton schon leicht komprimieren und auch die ganz hohen Frequenzen etwas filtern. Für deutlich mehr rohen und mittigen Knurr sorgt das Drehen in Richtung Bridge-PU, allerdings sind die Bässe hier schwächer. Ganz anders sieht es beim Halstonabnehmer aus, der mit viel Bauch und einem holzigen Klang überzeugen kann. So kann der für Metal-Sounds beworbene Bass in Kombination mit einem warm klingenden Amp sogar richtig weich und rund.

Eingriffe durch die Elektronik erweitern das Spielfeld der klanglichen Möglichkeiten noch um einiges mehr. Sowohl Bass- als auch Höhenregler bieten einige Reserven in beide Richtungen, wobei insbesondere beim Anheben der Bässe darauf geachtet werden sollte, den Verstärker oder die Box nicht zu „überfahren“. Um den Fokus von den Hochmitten eher Richtung Höhen zu verschieben und dem Sound mehr Attack zu verleihen, ist die Frequenz des Höhenregler gut gewählt. Zwar kann das Ergebnis je nach Abhörsituation schon extrem wirken, die Extraportion Biss durch eine leichte Anhebung steht dem Instrument aber ganz ausgezeichnet. Das Absenken der Höhen ist zwar deutlich hörbar und nimmt dem Sound einiges an Aufdringlichkeit, aber nichts an Definition. Um den Bass eher im Hintergrund eines Mixes zu platzieren, ist das super, Vintage-Sounds sind aber trotzdem nicht wirklich Teil des Repertoires. Wohl aufgrund der unterschiedlichen Griffbretter wirkt die Jubiläumsedition im Direktvergleich mit der regulären Esche-Variante ein kleines bisschen fokussierter mit etwas klareren Hochmitten.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Wieder einmal beweist Fame, dass Qualität nicht tausende Euro kosten muss. Zwar liegt der Preis für die Jubiläums-Instrumente höher als bei den Standardvarianten, qualitativ gibt es jedoch absolut nichts zu meckern. Bespielbarkeit, Verarbeitung und Sound sind auf sehr hohem Niveau. Gepaart mit der extravaganten Optik werden die Instrumente dem Anlass des Firmenjubiläums absolut gerecht.

PLUS

  • Verarbeitung
  • Auswahl und Qualität der Hölzer
  • Sound und Ansprache
  • Gewicht

MINUS

  • erhöhte Stromaufnahme

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2021)

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