Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
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Altbewährtes in neuen Kleidern

Test: Blackstar Silverline Special Combo & Silverline Deluxe Head

Half-Stack oder Combo – beide Konzepte haben ihre Fans. (Bild: Petia Chtarkova)

Allmählich scheint sich bei preiswerten digitalen Einsteigerverstärkern ein Trend abzuzeichnen: Die aktuelle Silverline-Serie von Blackstar präsentiert sich – ähnlich wie schon manch andere Produkte von Mitbewerbern – im coolen klassischen Retro-Look.

Sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen ein Digitalverstärker fast zwangsläufig aussehen muss wie ein schlecht gemachtes Remake eines Achtzigerjahre-19-Zoll-Preamps? Scheinbar haben die Briten von Blackstar Amplification die Zeichen der Zeit erkannt und präsentieren die neuen Blackstar Silverline Modelle in einem äußerst gelungenen Design irgendwo zwischen dem, was Marshall anno dazumal als Silver Jubilee etabliert hat und dem aktuellen Look der Supro Amplification Combos.

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GRAUE HAIE

Gleich vier Combos mit leicht unterschiedlichen Features in unterschiedlichen Größen und ein Topteil zu dem auch eine passende 2×12er Box erworben werden kann, wurden unlängst von den Briten vom Stapel gelassen. Allesamt selbstverständlich in modisches Silbergrau gehüllt und allesamt als Digitalverstärker ausgestattet mit der aktuellen Generation, des schon seit dem Anfang der Neunziger erhältlichen „Super Harvard ARChitecture“ – kurz „Sharc“ – Prozessors.

Für diesen Testbericht haben wir sowohl den Silverline Special Combo, als auch das Silverline Deluxe Topteil samt 2×12er Cabinet geordert.

Gute Wahl: Celestion V-Type G12 Speaker mit 70 Watt Belastbarkeit (Bild: Petia Chtarkova)

Direkt beim Auspacken erlebe ich eine angenehme Überraschung, denn der 50 Watt starke Combo hat mit seinen kompakten Dimensionen von 505 × 418 × 248 mm, der zwecks besserer Abstrahlung leicht abgeschrägten Frontwand und trotz seiner geschlossenen Rückwand ein angenehm geringes Gewicht von 14 kg und ist somit leichter als ein Fender Blues Junior und das, obwohl Blackstar bei der Auswahl des eingebauten Lautsprechers mit dem V-Type 12-Zöller nicht gerade den leichtesten Speaker aus dem Hause Celestion gewählt hat, sondern mutmaßlich den klanglich passendsten. Bravo!

Das 100 Watt starke Silverline Topteil bringt ein Federgewicht von 9,6 kg auf die Waage und auch das 2×12er Cabinet ist mit seinen 11,5 kg kein ausgesprochener Rückenbrecher.

BEDIENELEMENTE UND FUNKTIONEN

Beim Blick auf die Bedienpanele der beiden Verstärker gibt es keine Überraschungen. Sechs verschiedene Vorstufen-Emulationen mit den wenig aussagekräftigen, aber für Blackstar typischen Namen „Warm Clean“, „Bright Clean“, „Crunch“, „Super Crunch“, „OD 1“ und „OD 2“ lassen sich nebst sechs verschiedenen Emulationen von Endstufenröhrenbestückungen über zwei Drehschalter anwählen. Ein klassischer Kanalzug mit Dreiband-Equalizer, Gain- und Volume-Regler, sowie dem ebenfalls aus anderen Produkten der Briten bekannten ISF („infinite shape feature“) Regler stehen nebst Resonance, Presence- und Mastervolume-Regler zum kreativen Gestalten diverser Sounds zur Verfügung. Um die Effektsektion mit Reverb, Delay und Modulationseffekten bedienen zu können, hat das Blackstar-Entwicklerteam auf die altbewährte Mehrfachbelegung eines Potis zurückgegriffen. Neben diesem Type-Regler, der auch die Intensität des gewählten Effekts beeinflusst, befinden sich drei Taster zum Aktivieren der entsprechenden Effektblöcke.

Das Bedien-Panel ist übersichtlich strukturiert. (Bild: Petia Chtarkova)

Ein Taster für den Manual-Modus, vier direkt durch Tastendruck anwählbare Speicherplätze, sowie ein Bank-Auswahl- und auch Tap-Tempo-Taster runden das hinlänglich von der ID und ID:Core Serie bekannte Bedienfeld ab. Ein wichtiges, allerdings verstecktes Feature ist das eingebaute Stimmgerät, das durch langes Herunterdrücken der Manual-Taste aktiviert werden kann.

Hinteres Anschlussfeld des Topteils (Bild: Petia Chtarkova)

Zudem spendiert der Hersteller den beiden Amps eine nach wie vor auch für Homerecording geeignete USB-Schnittstelle, einen mp3/Line-In, einen Emulated/Headphones out und einen Anschluss für die optional erhältlichen FS-4 oder FS-10 Fußschalter. Dem Deluxe Head hat Blackstar zudem einen MIDI Eingang spendiert, um auch mit einem MIDI Board die jeweils vier Speicherplätze der drei Bänke aufrufen zu können.

Keine Röhren, Trafos usw. – stattdessen cleane Digital/Analog-Technik des Jahres 2020 (Bild: Petia Chtarkova)

ANGESPIELT

Ein erster, schneller Eindruck der Basis-Sounds des Silverline Special Combos bestätigt, was sich schon beim Bedienfeld abzeichnet. Der neue Silberling klingt verdächtig nach den schon bekannten Blackstar-ID:Series-Verstärkern, die wiederum in vereinfachter Form schon seit Jahren auch als ID:Core Amps am Markt sind. Das ist durchaus als Kompliment aufzufassen, denn Blackstar hat im letzten Jahrzehnt konsequent an eben diesen extrem erfolgreichen Konzepten gefeilt und entwickelt die Produktpalette nun einfach stringent weiter.

Die Silberlinge bringen den typischen Charakter der ID:Series noch genauer auf den Punkt. Hoher Schalldruck, gute Stabilität in den unteren Mitten, etwas feinere Auflösung der Dynamik. Hier wurde nicht verschlimmbessert, sondern tatsächlich mit neuer Hardware weiterentwickelt.

Die grundsätzliche Variabilität der sechs Preamp-Emulationen alleine würde schon ausreichen, um mit nahezu jeder Gitarre alle Stilrichtungen von Jazz über Funk, Classic Rock bis hin zu extremen Metal-Spielarten zu realisieren. Die ebenfalls auf der digitalen Ebene emulierten Charakteristiken verschiedener Endstufenröhren erweitern den Kreativspielraum hier nochmals enorm. Die über den Response-Regler anwählbaren Emulationen von EL84, 6V6, EL34, KT66, 6L6 sowie KT88 sind nach wie vor erstaunlich glaubwürdig getroffen. Mir persönlich fehlt hier leider noch immer meine Lieblingsendstufenröhre – die 6550. Vielleicht ist das ja mal ein Feature für eine zukünftige Digitalverstärker-Produktreihe?

Der Celestion-V-Type-Speaker schmeichelt dem Amp-Modeling- Charakter der Briten. Sein recht mittiger, leicht gesättigt bis komprimiert klingender Grundsound wirkt hier quasi als Feinzeichner – allerdings stets mit ausreichendem Detailreichtum – auf das grundsätzlich eher als leicht knackig und knirschig zu bezeichnende Klangbild, dass den ID:Series-Verstärkern in der Vergangenheit nicht zu Unrecht nachgesagt wurde. Die geschlossene Rückwand des Combos hilft zudem, um trotz der geringen Abmessungen des Gehäuses ausreichend laute Bässe nach vorne zu reflektieren. Das Topteil kann an der zum Test mitgelieferten 2×12er Box ebenfalls voll punkten. Das sind laute 100 Watt.

Wie schon bei der ID:Series und den ID:Core-Verstärkern, klingt auch die Effektsektion der Silverline auffällig erwachsen. Delay und Hall sind nahezu auf Studio-Niveau und die Modulationseffekte klingen nicht überzogen, sondern sind praxisnah abgestimmt. Das hört man so in dieser Preisklasse selten bis gar nicht.

ALTERNATIVEN

Sowohl die ID:Core als auch die ID:Series sind ähnlich klingende Alternativen aus eigenem Hause. Beide Serien sind vergleichsweise günstiger und das würde man in einem Direktvergleich auch durchaus hörbar machen können. Die Boss-Katana-Serie ist mit einem vergleichsweise ähnlichen Bedienkonzept die wohl naheliegende Alternative, meiner Auffassung nach liefert die Blackstar Silverline in vielerlei Hinsicht authentischere klangliche Ergebnisse als die Katana Amps der Japaner.

(Bild: Petia Chtarkova)

RESÜMEE

Die Blackstar Silverline ist eine sehr konsequente Weiterentwicklung der bereits außerordentlich musikalisch klingenden ID:Series. Es könnte gut sein, dass diese Serie in den nächsten Jahren den Markt bei niedrig- bis mittelpreisigen Digitalverstärkern dominiert, denn nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis der Silverline Verstärker ist hervorragend.

PLUS

  • sehr gut klingende Budget-Amps
  • optisch ansprechendes Design
  • Flexibilität, Dynamik und Transparenz der Sounds
  • geringes Gewicht

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

 

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die Vorgänger Amps hatten das Problem der recht langen Umschaltzeit zwischen zwei Presets. Es entstand immer eine deutliche Pause. Wurde dieses Problem behoben?

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