Zwei Schritte zurück, drei vor!

Taylor Gold Label 512e im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Die Gold Label ist irgendwie eine ganz typische Taylor-Gitarre mit allen Vorzügen der maschinengesteuerten Produktion. Aber sie ist doch ein Instrument, das für Musiker gemacht ist. Tolle Hölzer, extrem angenehme Maße, sei es die Halsform oder die Griffbrettwölbung … alles ist perfekt auf Gitarristenhände abgestimmt.

Die 512er-Version ist schlicht und einfach ausgestattet, und hat doch einfach Stil. Zu den Dot-Inlays kommen zwei diamantenförmige Einlagen am 12. Bund. Die gekapselten Taylor-Mechaniken sind einfach, aber extrem funktionell.

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Der neue Taylor Curve-Wing-Steg; aus Klanggründen aus Palisander (Bild: Dieter Stork)

Am Ende des Halses ist ein zweiter Gurthalteknopf angebracht. Wie oft vermisst man den bei anderen Modellen! Mit 1,8 Kilo ist das Modell ein absolutes Leichtgewicht und hängt perfekt ausbalanciert am Körper.

Das absolut Geniale ist jedoch die neue Einstellbarkeit des Halswinkels. Das Holz jeder Gitarre arbeitet mit der Zeit: Mal hebt sich die Decke, mal senkt sie sich. Dadurch verändert sich die Saitenlage. Manchmal braucht man einfach eine flachere Saitenlage, oder aber für die Bühne eine höhere, je nach Spiel- und Anschlagweise.

Unabhängig vom Halsjustierstab, mit dem sich die Krümmung des Griffbretts verändern lässt, wird hier der gesamte Hals leicht nach vorne oder hinten gekippt. Im Web habe ich eine Patenzeichnung von Taylor gefunden. Ich will nicht zu viel verraten, aber der Teil des Halses, der mit dem Halsblock zusammentrifft, hat unterhalb des Griffbretts einen kleinen ausgearbeiteten Drehpunkt (Pivot Point) und so entsteht unterhalb ein kleiner Luftspalt.

Schallloch mit integriertem Volume- und Tone-Regler (Bild: Dieter Stork)

Das Griffbrett ist an dieser kleinen Stelle nicht verstärkt, so dass der Hals ohne Mühe und technische Probleme minimal gekippt werden kann. Diese minimale Bewegung reicht aus, um die Saitenlage zu verändern. Mühelos und einfach.

Die Idee, einen Hals zu kippen, ist nicht neu, sondern geht sogar zurück bis ins späte 19. Jahrhundert zu Staufer, und wurde auch später immer mal wieder verwendet (z.B. Tilt Neck von Fender, Leo Fender hatte ihn ursprünglich für Akustikgitarren entworfen). Auch heute findet man sie immer wieder bei zeitgenössischen Gitarrenbauern. Nur die Umsetzung bei Taylor ist neu und wurde daher auch zum Patent angemeldet. Das ist auch m. M. n. der Grund, warum man bei Taylor selbst nicht darauf eingeht und nur sagt, was passiert, aber nicht wie.

Klang

Wie klingt die „Neue“? Kann sie die hochgeschraubten Erwartungen erfüllen? Ja. Sie hat immer noch den typischen Taylor-Klang, sauber, fein zeichnend, und dank V-Class vor allem super gut intoniert.

Auch ist der Grundklang voller und bassreicher als bei Vergleichsmodellen. Natürlich ist das Volumen des Korpus größer, nicht nur wegen des tieferen Korpus, sondern auch, weil das Instrument keinen Cutaway hat. Rein akustisch klingt die Gitarre feiner, zarter und ausgewogener. Auch vor einem Kondensatormikrofon liefert sie für Aufnahmezwecke ein wunderbares, ausgeglichenes Klangbild.

Taylor-Gitarren wurde ja immer ein HiFi-Klangbild nachgesagt. Was ich nie nachvollziehen konnte. Aber hier höre ich, dass vor allem der Mittenbereich nicht so dominant ist wie sonst und daher der Klang so ausgeglichen wirkt. Klassisch.

Der akustische Klang ist laut, voll und rund, mit ausgezeichneten Höhen. Ich habe – da Taylor ja sagt, sie haben sich an alten Gitarren orientiert – bei einem guten Freund, der Vorkriegs-Modelle von Martin und Gibson besitzt, die Gold Label mit diesen verglichen. Das Ergebnis: Man hört vor allem einen Unterschied im Bassbereich.

Die alten Gitarren, die jetzt schon fast 90 Jahre auf dem Buckel haben, klingen in den Bässen etwas gereifter. Aber Mitten und Höhen sind relativ ähnlich.

Der L.R.Baggs-Pickup klingt ausgezeichnet für die Bühne, aber auch für Aufnahmen. Dank des integrierten Kompressors ist der Klang nicht steril, nicht metallisch, sondern ausgewogen und durchsetzungskräftig. Gut gelungen.

Die Kopfplatte, mit neuer
Form und neuem Logo
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich neue Gitarren von Andy Powers erhalte. Nachdem er mit den V-Class-Instrumenten bereits einen modernen Klang mit äußerst exakter Intonation entworfen hatte, hat er sich bei der Gold-Label-Serie nun auf klassische Sounds gestürzt. Und dazu das leidige Thema der Halswinkelkorrektur beseitigt.

Bei alten Klassikern muss dafür mühsam die Halsverleimung gelöst werden und bei den Taylor-NT-Modellen durfte nur ein von Taylor geschulter Gitarrenbauer die Einstellung mithilfe von Unterlegscheiben ändern. Beim Action-Control-Hals reicht dagegen ein einfacher ¼”-Schlüssel aus. Und die komfortable flexible Welle bekommt man für etwas mehr als 10 Euro.

Das Beste: Diese neuen Gitarren machen Spaß, machen das Musizieren leicht und selbst früher undenkbare Justierarbeiten sind einfach umsetzbar. So muss es sein.

Plus

  • Action-Control-Hals
  • Fanned V-Class Bracing
  • Sound mit klassischen Hölzern
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Intonation
  • bedienungsfreundliche Elektronik
  • sehr leicht

Übersicht

Fabrikat Taylor
Modell Gold Label 512e
Typ elektro-akustische Gitarre, Grand Concert, Fanned V-Class Bracing
Herkunftsland USA
Mechaniken verkapselt, vernickelt (1:21)
Hals Neo-Tropical Mahagoni (Taylors Bezeichnung für nachhaltig bezogenes Mahagoni aus Süd-/Mittelamerika)
Sattel/Stegeinlage White TUSQ Nut, White Micarta Saddle
Griffbrett Ebenholz
Radius 12″
Halsform V, abgeflacht
Halsbreite Sattel 45,2 mm; XII. 54,6 mm
Halsdicke I. 22,0 mm; XII. 27,0 mm
Bünde 20
Saitenlage XII E1 1,6 mm; E6 2,1 mm ab Werk (einstellbar)
Mensur 631,9 mm (24 7/8“)
Zargen & Boden Neo-Tropical Mahagoni; Sitka Fichte torrified
Oberflächen Hochglanz; Decke: Natur; Zargen & Boden Hals: seidenmatt
Elektronik LR Baggs – Element VTC Electronics mit Volumen- und Tonregler im Schallloch
Saiten D’Addario XS Coated Phosphor Bronze Light .012 – .053
Gewicht 1,86 kg
Zubehör Taylor Deluxe Formkoffer
Preise (Street) ca. € 2999

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

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