Zwei Schritte zurück, drei vor!

Taylor Gold Label 512e im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Als Bob Taylor vor einigen Jahren einen Gitarrenbauer suchte, der in seine Fußstapfen treten sollte, fand er mit Andy Powers jemanden, der sein Profil perfekt erfüllte. Er ist ein ausgezeichneter Gitarrenbauer mit viel Erfahrung, ein hervorragender Gitarrist, er hat Visionen und viele Ideen.

In den letzten Jahren hat Andy Powers das gesamte Taylor-Programm umgekrempelt. Den Anfang machte das patentierte V-Class-Bracing: eine revolutionäre neue Deckenverstrebung, die das Klangspektrum einer Gitarre erweitert und zudem für eine erheblich bessere Intonation sorgt. Nach und nach wurden alle Serien überarbeitet und auf V-Class aktualisiert.

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Andy Powers ist aber auch jemand, der Musikern zuhört und ihre Wünsche analysiert. Im letzten Jahr stellte er die ersten Instrumente der neuen Gold-Serie vor. Sie sind die Lösung für all jene, die einen Klang mit altem Charme suchen.

Die ersten großen Modelle mit tieferem Korpus (Dreadnought, Grand Pacific, Super Auditorium) kamen im letzten Jahr auf den Markt und fanden viele neue Fans unter Musikern, die den vollen und satten Klang der alten Klassiker suchten. Die Serie wurde mittlerweile erweitert, und ich teste bereits seit einigen Wochen eine Grand Concert Gold Label 512e.

Gold Label 512e

Diese komfortable und äußerst reaktionsfreudige Grand Concert verfügt über einen etwas tieferen Korpus aus massivem Mahagoni für Boden und Zargen sowie eine Decke aus wärmebehandelter, massiver Sitka-Fichte. Dies sorgt für einen fokussierten und dennoch kraftvollen Mitteltonbereich mit kontrollierten Obertönen, einem holzigen, trockenen Charakter und einem Hauch von gereifter Süße, die von der speziell gerösteten Decke stammt.

(Bild: Dieter Stork)

Der Korpus des kleinen Modells ist an eine Martin 000 angelehnt und die Gitarre hat eine kurze Mensur von 632 mm. Der kompakte Korpus ist ca. 6 cm tiefer als bei herkömmlichen Grand Concerts und erzeugt im Vergleich zu ähnlichen älteren Taylor-Modellen einen kräftigeren Bass. Zudem wurde das Bracing der Decke modifiziert.

Es basiert zwar weiterhin auf dem V-Class-Prinzip, im unteren Teil (hinter dem Steg) gibt es jedoch ein fächerförmiges sogenanntes Fanned Bracing, das einer Klassikgitarre ähnelt. Es sorgt für mehr Lautstärke, Sustain und Präsenz im Tieftonbereich.

Der neue, patentierte Action-Control-Hals wurde im letzten Jahr bei der Gold-Label-Serie eingeführt und kommt auch bei der 512 zum Einsatz. Der Hals ist mit dem Korpus verschraubt. Durch einen langen Zapfen als Verbindung mit dem Endblock – eine Mischung aus Feder und Nut sowie einer Schwalbenschwanz-Verbindung – und eine große Auflagefläche unter dem Griffbrett verbessert er die Gesamtresonanz und ermöglicht es, das perfekte Spielgefühl in wenigen Minuten einzustellen.

Mit der alten Verbindung – NT = New Technology – konnte der Halswinkel einer Taylor-Gitarre durch Austauschen von zwei Unterlegplatten verändert werden: eine auf der Verbindungsstelle Hals/Korpus und eine auf der Stirnseite des Endblocks. Dies war jedoch nur in einer autorisierten Taylor-Werkstatt möglich.

Dank der neuartigen, patentgeschützten Action-Control-Konstruktion kann der Halswinkel innerhalb kürzester Zeit selbst eingestellt werden. Benötigt wird lediglich ein ¼-Zoll-Schraubenschlüssel, der auch zum Justieren des Stahlstabes für die Griffbrettwölbung genutzt wird. Die Justierschraube ist durch das Schalloch zugänglich und sitzt mittig auf dem Endklotz. Dazu müssen die Saiten gelockert oder abgenommen werden.

Noch leichter wird es, wenn man, wie von Taylor empfohlen, einen flexiblen Schaft für eine Bohrmaschinenverlängerung besorgt. Dieser hat ab Werk auf der einen Seite ein ¼-Zoll-Ende und auf der anderen Seite eine flexible Welle, die sich per Handgriff drehen lässt (ursprünglich ist diese Welle für Bohrmaschinen gedacht). Achtung: Die Einstellung ist so feinfühlig, dass meist eine Viertelumdrehung reicht, um die Saitenlage flacher oder höher zu stellen.

Mit einer flexiblen Welle ist der Halswinkel leicht justierbar, ohne die Saiten zu lockern oder abzunehmen.

(Die Welle gibt es z. B. bei Amazon: Wiha Bithalter Stubby 281-01/Schraubendreher mit Bitaufnahme und Estmoon Flexible Schaft Bits Bohrer Verlängerung).

Die Gold Label 512e verfügt über eine naturglänzende Lackierung, cremefarbene Einfassungen mit passenden Crest-Einlagen, ein Schlagbrett und eine Rosette mit schwarzer Einfassung sowie eine Reihe von Details aus honduranischem Palisander, wie die die Curve-Wing-Brücke und das Kopfplattenfurnier. Die 512e ist mit einer LR-Baggs-Element-VTC-Elektronik ausgestattet und wird mit einem Deluxe-Hartschalenkoffer geliefert.

Bei den Gold-Label-Gitarren greift Andy Powers wieder auf weiße TUSQ-Sättel zurück, während die Stegeinlage aus Micarta besteht. Auch optisch hat Andy Powers einige Veränderungen vorgenommen. Die Gold Label tragen einen handgeschriebenen Taylor-Schriftzug und haben eine veränderte Kopfplatte, deren obere Kante nicht gerade, sondern leicht abgeschrägt ist. Dieses optische Detail hat Andy Powers von Banjos übernommen.

Taylor Fanned V-Class Bracing (li), Taylor V-Class Bracing (re)
Taylor Fanned V-Class Bracing (li), Taylor V-Class Bracing (re)

Elektrisch

Für die Instrumente der Gold-Label-Reihe verwendet Taylor seit neuestem den Akustik-Tonabnehmer LR Baggs Element VTC. Auf Wunsch vieler Gitarristen, die sagen, dass dieser Pickup besser zum traditionellen Klang dieser Gitarren passt. Und das stimmt. Er klingt gut und ist einfach zu handhaben.

Der Tonabnehmer verfügt über Lautstärke- und Klangregler, die elegant unter der Oberkante des Schalllochs versteckt sind und somit für das Publikum nahezu unsichtbar bleiben. Das ist ideal für Musiker, die das traditionelle Aussehen einer rein akustischen Gitarre bewahren möchten. Auch die Batterie ist nicht mehr in der Endbuchse integriert, sondern befindet sich in einer Schaumgummi-Hülle neben dem Halsblock.

Das Element-System ist ein Untersattel-Tonabnehmer. Es nutzt einen ultradünnen Sensor, der den Einfluss von Saitendruck und -vibrationen auf die Klangwiedergabe minimiert und stattdessen den Klang aus der Bewegung der Gitarrendecke erfasst. Das Ergebnis ist ein klarer, warmer Klang mit außergewöhnlicher Detailtreue, der gleichzeitig die Schärfe im Höhenbereich abmildert, die Spieler oft mit klassischen Piezo-Sounds assoziieren.

VTC – Volume, Tone, Compression – bezeichnet eine dem Studiostandard entsprechende Methode zur Bearbeitung akustischer Klänge, die bemerkenswerte Wärme, Ausgewogenheit und Präzision liefert und dabei die subtilen dynamischen Veränderungen widerspiegelt, die jedem Spieler seinen unverwechselbaren Klang verleihen. Der Element-VTC-Tonabnehmer verfügt über einen integrierten, nicht regelbaren Tieftonkompressor, der speziell auf die natürliche Klangtextur der Akustikgitarre abgestimmt ist. Er wird mit der bereits erwähnten herkömmlichen 9-Volt-Batterie betrieben und verfügt über eine Ausgangsbuchse, die im Endpin der Gitarre integriert ist.

Die Gitarre ist ab Werk mit beschichteten Saiten von D’Addario (XS Coated Phosphor Bronze Light .012 – .053) bespannt. Sie hat eine hervorragende Saitenlage, die sich über die Action Control auch noch anpassen lässt, und lässt sich sehr leicht und bequem bespielen.

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(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Die Gold Label ist irgendwie eine ganz typische Taylor-Gitarre mit allen Vorzügen der maschinengesteuerten Produktion. Aber sie ist doch ein Instrument, das für Musiker gemacht ist. Tolle Hölzer, extrem angenehme Maße, sei es die Halsform oder die Griffbrettwölbung … alles ist perfekt auf Gitarristenhände abgestimmt.

Die 512er-Version ist schlicht und einfach ausgestattet, und hat doch einfach Stil. Zu den Dot-Inlays kommen zwei diamantenförmige Einlagen am 12. Bund. Die gekapselten Taylor-Mechaniken sind einfach, aber extrem funktionell.

Der neue Taylor Curve-Wing-Steg; aus Klanggründen aus Palisander (Bild: Dieter Stork)

Am Ende des Halses ist ein zweiter Gurthalteknopf angebracht. Wie oft vermisst man den bei anderen Modellen! Mit 1,8 Kilo ist das Modell ein absolutes Leichtgewicht und hängt perfekt ausbalanciert am Körper.

Das absolut Geniale ist jedoch die neue Einstellbarkeit des Halswinkels. Das Holz jeder Gitarre arbeitet mit der Zeit: Mal hebt sich die Decke, mal senkt sie sich. Dadurch verändert sich die Saitenlage. Manchmal braucht man einfach eine flachere Saitenlage, oder aber für die Bühne eine höhere, je nach Spiel- und Anschlagweise.

Unabhängig vom Halsjustierstab, mit dem sich die Krümmung des Griffbretts verändern lässt, wird hier der gesamte Hals leicht nach vorne oder hinten gekippt. Im Web habe ich eine Patenzeichnung von Taylor gefunden. Ich will nicht zu viel verraten, aber der Teil des Halses, der mit dem Halsblock zusammentrifft, hat unterhalb des Griffbretts einen kleinen ausgearbeiteten Drehpunkt (Pivot Point) und so entsteht unterhalb ein kleiner Luftspalt.

Schallloch mit integriertem Volume- und Tone-Regler (Bild: Dieter Stork)

Das Griffbrett ist an dieser kleinen Stelle nicht verstärkt, so dass der Hals ohne Mühe und technische Probleme minimal gekippt werden kann. Diese minimale Bewegung reicht aus, um die Saitenlage zu verändern. Mühelos und einfach.

Die Idee, einen Hals zu kippen, ist nicht neu, sondern geht sogar zurück bis ins späte 19. Jahrhundert zu Staufer, und wurde auch später immer mal wieder verwendet (z.B. Tilt Neck von Fender, Leo Fender hatte ihn ursprünglich für Akustikgitarren entworfen). Auch heute findet man sie immer wieder bei zeitgenössischen Gitarrenbauern. Nur die Umsetzung bei Taylor ist neu und wurde daher auch zum Patent angemeldet. Das ist auch m. M. n. der Grund, warum man bei Taylor selbst nicht darauf eingeht und nur sagt, was passiert, aber nicht wie.

Klang

Wie klingt die „Neue“? Kann sie die hochgeschraubten Erwartungen erfüllen? Ja. Sie hat immer noch den typischen Taylor-Klang, sauber, fein zeichnend, und dank V-Class vor allem super gut intoniert.

Auch ist der Grundklang voller und bassreicher als bei Vergleichsmodellen. Natürlich ist das Volumen des Korpus größer, nicht nur wegen des tieferen Korpus, sondern auch, weil das Instrument keinen Cutaway hat. Rein akustisch klingt die Gitarre feiner, zarter und ausgewogener. Auch vor einem Kondensatormikrofon liefert sie für Aufnahmezwecke ein wunderbares, ausgeglichenes Klangbild.

Taylor-Gitarren wurde ja immer ein HiFi-Klangbild nachgesagt. Was ich nie nachvollziehen konnte. Aber hier höre ich, dass vor allem der Mittenbereich nicht so dominant ist wie sonst und daher der Klang so ausgeglichen wirkt. Klassisch.

Der akustische Klang ist laut, voll und rund, mit ausgezeichneten Höhen. Ich habe – da Taylor ja sagt, sie haben sich an alten Gitarren orientiert – bei einem guten Freund, der Vorkriegs-Modelle von Martin und Gibson besitzt, die Gold Label mit diesen verglichen. Das Ergebnis: Man hört vor allem einen Unterschied im Bassbereich.

Die alten Gitarren, die jetzt schon fast 90 Jahre auf dem Buckel haben, klingen in den Bässen etwas gereifter. Aber Mitten und Höhen sind relativ ähnlich.

Der L.R.Baggs-Pickup klingt ausgezeichnet für die Bühne, aber auch für Aufnahmen. Dank des integrierten Kompressors ist der Klang nicht steril, nicht metallisch, sondern ausgewogen und durchsetzungskräftig. Gut gelungen.

Die Kopfplatte, mit neuer
Form und neuem Logo
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich neue Gitarren von Andy Powers erhalte. Nachdem er mit den V-Class-Instrumenten bereits einen modernen Klang mit äußerst exakter Intonation entworfen hatte, hat er sich bei der Gold-Label-Serie nun auf klassische Sounds gestürzt. Und dazu das leidige Thema der Halswinkelkorrektur beseitigt.

Bei alten Klassikern muss dafür mühsam die Halsverleimung gelöst werden und bei den Taylor-NT-Modellen durfte nur ein von Taylor geschulter Gitarrenbauer die Einstellung mithilfe von Unterlegscheiben ändern. Beim Action-Control-Hals reicht dagegen ein einfacher ¼”-Schlüssel aus. Und die komfortable flexible Welle bekommt man für etwas mehr als 10 Euro.

Das Beste: Diese neuen Gitarren machen Spaß, machen das Musizieren leicht und selbst früher undenkbare Justierarbeiten sind einfach umsetzbar. So muss es sein.

Plus

  • Action-Control-Hals
  • Fanned V-Class Bracing
  • Sound mit klassischen Hölzern
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Intonation
  • bedienungsfreundliche Elektronik
  • sehr leicht

Übersicht

Fabrikat Taylor
Modell Gold Label 512e
Typ elektro-akustische Gitarre, Grand Concert, Fanned V-Class Bracing
Herkunftsland USA
Mechaniken verkapselt, vernickelt (1:21)
Hals Neo-Tropical Mahagoni (Taylors Bezeichnung für nachhaltig bezogenes Mahagoni aus Süd-/Mittelamerika)
Sattel/Stegeinlage White TUSQ Nut, White Micarta Saddle
Griffbrett Ebenholz
Radius 12″
Halsform V, abgeflacht
Halsbreite Sattel 45,2 mm; XII. 54,6 mm
Halsdicke I. 22,0 mm; XII. 27,0 mm
Bünde 20
Saitenlage XII E1 1,6 mm; E6 2,1 mm ab Werk (einstellbar)
Mensur 631,9 mm (24 7/8“)
Zargen & Boden Neo-Tropical Mahagoni; Sitka Fichte torrified
Oberflächen Hochglanz; Decke: Natur; Zargen & Boden Hals: seidenmatt
Elektronik LR Baggs – Element VTC Electronics mit Volumen- und Tonregler im Schallloch
Saiten D’Addario XS Coated Phosphor Bronze Light .012 – .053
Gewicht 1,86 kg
Zubehör Taylor Deluxe Formkoffer
Preise (Street) ca. € 2999

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

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