Erstaunlicher Coup

Silberstreifen am Horizont: PRS SE Silver Sky Rosewood & SE Silver Sky Maple im Test

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ALLES GROSSE KOMMT AUS DEM KLEINEN

Man muss kein John-Mayer-Fan sein, um die aktuellen PRS-SE-Silver-Sky-Modelle zu mögen. Einerseits ist es damit schon leicht möglich, den beliebten, vintage-orientierten Mayer-Sounds nahezukommen, andererseits steht dieses praxisnah eingerichtete Arbeitspferd freien Auslegungen aller Art keineswegs im Wege.

Dem abgespeckten SE-Modell hat man das auch auf Mayers USA Silver Sky zu findende 635JM-Halsprofil verpasst. Dieses ist den Profilen von Johns Lieblings-Strats aus den Jahren 1963 bis 1965 nachempfunden. Der Protagonist wollte für sein Signature-Modell den alten Fender-Radius von 7,25 Zoll. Die SE ist dagegen mit einem etwas flacheren Griffbrettradius von 8,5″ ausgestattet. Im Vergleich zum Standardradius von 12″ bei Gibson ist das immer noch recht rundlich, erlaubt aber dennoch etwas flachere Saitenlagen ohne Ansetzen der Saiten im höheren Lagenbereich.

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Beide SE-Silver-Sky-Modelle überzeugen auf Anhieb mit einem rundum angenehmen Spielgefühl und leichtem Zugang, was durch die samtig-holzige Haptik der Hälse unterstützt wird. Ein kleiner Makel in Sachen Spielkomfort bei der Ahornhalsvariante sind die scharfkantig herausstehenden Madenschrauben der Saitenreiter – wie bei den guten alten Strats. Das geht besser, wie die Palisandervariante beweist.

Ein bedeutsames Konstruktionselement der Silver Sky, das bei diesem Instrumententyp eher unüblich ist, ist die abgewinkelte 3+3-Kopfplatte mit leicht versetzt montierten Wickelzylindern. Diese sorgen für annähernd gleichmäßige Andruckwinkel auf den Sattel. Dies ist ein wesentliches Detail, welches wohl auch die erfreulich resonanzstarke und ungemein lebhafte Klangentfaltung der SE-Modelle begünstigt. Die mit gut 3,4 kg etwas schwerere Variante mit Palisanderhals klingt akustisch dunkler als das lediglich 3,0 kg wiegende Gegenstück mit Ahornhals. Letztere ist tonal merklich heller angesiedelt und auch etwas direkter in der Ansprache. Beide verfügen aber auf jeden Fall über ausgewogene Schwingeigenschaften und ein ausgezeichnetes Sustain.

Gehen wir nun in den Amp und hören auf Grundsätzliches, wie auch auf womöglich Unterschiedliches, was die Ausstattung der Schwesterinstrumente mit unterschiedlichen Griffbrettern in Hinsicht auf die elektrische Tonwandlung angeht:

Machen guten Sound: 635JM „  S“ Single Coil Pickups (Bild: Dieter Stork)

Die drei Single-Coil-Pickups sind von ausgeglichenem Output, die elektrischen Widerstände liegen bei beiden Gitarren zwischen 7,2 und 7,5 kOhm. Das Palisandermodell ist das gesetztere, mit ausgeglichenem Tonverhalten und rundum seriöser Ausstrahlung. Akkorde kommen mit sauber separierten Stimmen ans Ohr, Clean Sounds besitzen Tiefe, ohne besondere Bassreferenz, und Akkorde zeigen in allen Schaltstellungen plastische Kontur, natürlich mit den positionsbedingten Farbdifferenzen.

Wechseln wir zur SE mit Ahorngriffbrett, so hellt die Gesamttonlage etwas auf. Schnelle Ansprache, dynamische Beweglichkeit und etwas stärkere Kehligkeit im Tonverhalten sind die offensichtlichen Charakteristika dieser Version. Sehr schön gestaffelte Sounds liegen an, geprägt von lobenswerter Offenheit und starker Präsenz. In allen Schaltstufen lassen sich in klaren Einstellungen griffige Akkorde aufrufen, straff im Bassbereich, mit leicht hohlwangigen Mitten und konkret zuschnaappend, selbst beim Steg-Pickup noch mit schön bissigen, aber keineswegs kalten Höhen.

Sehr schön gehen beide Silver Sky Modelle dann auch mit Effekten um. Ein vor den Amp geschalteter Tube Screamer oder Blues Breaker lässt schnell erahnen, warum John Mayer mit diesen Overdrives seinen Sound fand. Mit leicht angezerrtem Ton kommt man problemlos zu entsprechenden Charakter-Sounds: Klänge mit trockenem Ausdruck im Bass, angehobenen Mitten und gutem Quack in den Höhen.

Wiederum lassen sich die beiden SE-Versionen im Wechsel durch leichte Unterschiede charakterisieren. Wo die Palisander-Variante mit breit aufgezogenem Frequenzbild und sattem Farbspiel überzeugt, erweist sich die mit Ahorngriffbrett als offensiver, spritziger, auch hohlkehliger. Bei offensiverer Zerre tönt die SE Rosewood nicht ganz unerwartet nochmals volltönender; die SE Maple kontert mit scharfem Aufriss und größerer Angriffslust. Die erstere gibt dem Solisten dichte und stabile Melodielinien an die Hand, lässt bei gehaltenen Noten Obertöne lässig aufsteigen, ins weit gestreckte Sustain; die zweite zeigt mehr Empfindlichkeit in der Ansprache, ist demgemäß leichter aufzureizen, und bringt Linien mit perkussiv markanter Struktur ans Ohr. Beim Steg-Pickup tönt es in besonders gemeinen Einstellungen, als hätte man knirschenden Sand zwischen den Zähnen (keineswegs negativ gemeint!). Diese rau-giftige Präsenz ist durchaus beeindruckend.

Coda: Die aufliegend montierten und etwas straff eingestellten 2-Punkt Steel Tremolo Systeme klappern etwas beim Aufsetzen auf die Decke – na klar. Spannung und allgemeine Einstellung sollte man aber eh nach eigenen Bedürfnissen einrichten. Bei maßvollem Einsatz funktionieren die Systeme jedoch einwandfrei.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit dem John Mayer Signature Model ist PRS ein erstaunlicher Coup gelungen. Die zuvor herrschenden Meinungen „ST-Modell mit 3+3-Kopfplatte geht ja gar nicht“ und „abgewinkelte Kopfplatte gehört da nicht hin“ hat man erfolgreich überwunden, ja, die Konstruktion mit neuem Leben erfüllt. Bei aller Ähnlichkeit lassen sich dann doch leichte Unterschiede bei den vorgelegten Silver-Sky-Modellvarianten ausmachen, die offenbar einerseits den Griffbrettern – hier Palisander, dort Ahorn – und andererseits dem individuellen Gewicht zu danken sind.

Der akustische Eindruck von leicht dunklerem, gesetzterem Tonverhalten der schwereren Schwester mit Griffbrett aus Palisander im Gegensatz zu der leichteren Verwandten mit demselben aus Ahorn wird dann auch elektrisch bestätigt. Die lobenswert gut klingenden PRS 635JM „S“ Single Coil Pickups übersetzen die schon akustisch beeindruckend resonanten Charaktereigenschaften beider Gitarren in kraftvolle und authentische elektrische Klangbilder. Sehr schön bei rhythmischem Spiel, besser noch in leicht angezerrten Einstellungen und gradezu schlagend bei Zerrsounds.

Der Eindruck, man hätte es mit einem um Wesentliches abgespeckten Instrument zu tun, kommt eigentlich gar nicht erst auf. John Mayer hat sich die Prototypen angeblich oft zuschicken lassen, bis er endlich zufrieden war. Das hat sich offenbar ausgezahlt. Zur persönlichen Überprüfung sehr empfohlen! ●

PLUS

  • traditionelles Design – moderne Auslegung
  • Resonanzverhalten/Sustain
  • 635JM „S“ Single Coil Pickups
  • saubere Verarbeitung
  • authentische Sounds
  • Halsprofil, Haptik
  • Spieleigenschaften

MINUS

  • vorstehende Madenschrauben am Tremolo der Ahorn-Variante


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

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