Silberstreifen am Horizont: PRS SE Silver Sky Rosewood & SE Silver Sky Maple im Test
von Franz Holtmann, Artikel aus dem Archiv
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Auf der Spur des originalen John-Mayer-Signature-Modells: PRS SE Silver Sky (Bild: Dieter Stork)
Beim Anblick des seinerzeit neu vorgestellten PRS-John-Mayer-Signature-Modells hob sich schon so manche Augenbraue, überrascht von der unverhohlenen Nähe zum elementaren kalifornischen Vintage-Design. Aber bitte: Was als ‚Kunst der Variation‘ in der Musik als wesentliches Kompositionsprinzip gilt, beherrscht doch längst auch den aktuellen Gitarrenbau.
2018 wurde das PRS-Modell Silver Sky als Ergebnis einer Kooperation mit John Mayer vorgestellt. John damals: „Es war schon seit Jahren mein Traum, eine Gitarre zu entwerfen, die einige meiner liebsten Vintage-Spezifikationen enthält, aber einen modernen Geist und eine moderne Ästhetik hat. Nach zwei Jahren der Forschung und Weiterentwicklung ist die Silver Sky meine Vision davon, wie eine Neuauflage der E-Gitarre aussehen und sich anfühlen sollte.“
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Die originalen Silver-Sky-Modelle werden in den USA gefertigt, die jetzt vorgestellten, preisgünstigen Versionen aus der SE Serie (Student Edition) kommen aus Indonesien.
BEWÄHRTES IN DIE MODERNE ÜBERFÜHREN
John Mayer liebt und sammelt Vintage-Instrumente. Seine Kollektion soll mehr als 200 Gitarren umfassen, darunter viele alte Fender-Stratocaster-Modelle. Sein gemeinsam mit PRS entwickeltes Signature-Modell Silver Sky kombiniert Elemente seiner liebsten Vintage-Instrumente mit modernen Ausstattungsmerkmalen.
Die kleine SE Silver Sky folgt in den konstruktiven Grundzügen dem Mayer-Modell. Zum Test liegen uns SE-Versionen mit Palisander- und mit Ahorngriffbrett vor, die sich alle anderen Komponenten der Ausstattung teilen. Im Gegensatz zum Signature-Modell mit Erle-Body kommt die SE mit einem Korpus aus Pappel. Dieser ist 4,5 cm stark und gewährleistet die bekannte komfortable Handhabung durch Konturen zur Anlage und Armauflage. Zusätzlich finden wir den für PRS typischen Kehlschnitt im unteren Cutaway.
Satinierter Hals, Griffbrett mit 8,5“-Radius (Bild: Dieter Stork)
Der Hals aus Ahorn ist im Gegensatz zum nitrolackierten Original nur dünn satiniert versiegelt. Die abgewinkelte Kopfplatte im leicht abgewandelten 3+3-PRS-Design wurde unterhalb der ersten drei Bünde großflächig angeschäftet, um Verschnitt zu vermeiden (irgendwo muss ja gespart werden). Dieser mit gekapselten PRS-Mechaniken (Locking-Typ beim Original) und grau/silbernen Stimmwirbeln aus Kunststoff bestückte Kopf ist der vielleicht auffälligste konstruktive Unterschied zum Vorbildmodell.
Headstock in leicht verändertem PRS-Design mit versetzen Mechaniken (Bild: Dieter Stork)
Der Hals ist mit einer Schraubverbindung in Höhe des 18. Bundes in den Korpus eingebracht. Die Neckplate mit Modellbezeichnung und John-Meyer-Signum wurde der ergonomisch verrundeten mittleren Korpuspartie angepasst. Das Griffbrett mit einem Radius von 8,5″ (Original Mayer 7,25″) aus Palisander bzw. Ahorn verfügt über 22 bestens kantenrund verarbeitete mittelstarke Bünde und Small-Bird-Inlays zur Lagenkennung. Der Zugriff auf den Halsstab (PRS Double-Acting) für Korrekturen ist vom Kopf her möglich.
Über den Sattel aus Kunststoff von PRS-typischer Breite (schmaler Knochensattel beim Original) werden die Saiten mit einer Mensur von kalifornisch notorischen 64,8 cm hinüber zur 2-Point-Steel-Tremolo-Bridge mit einzeln justierbaren Saitenreitern geführt (Vintage-style 6-Schrauben-Vibrato beim Original).
(Bild: Dieter Stork)
Die Elektrik besteht aus drei mit Kunststoffkappen auf das dreilagige Pickguard montierten PRS-635JM-„S“-Single-Coil-Pickups, die sich über einen 5-Wege-Blade-Switch gewohnt konventionell anwählen lassen. Zur elektrischen Verwaltung stehen in traditioneller Positionierung ein genereller Volume-Regler oben vorn und zwei nachfolgende Tone-Potis für die Pickups „Bass“ und „Treble“ zur Verfügung.
Beide SE-Modelle erweisen sich als rundum tadellos verarbeitet und spielbereit eingestellt. Ein Gig Bag gehört zum Lieferumfang.
Praxistest und Resümee auf Seite 2 …
ALLES GROSSE KOMMT AUS DEM KLEINEN
Man muss kein John-Mayer-Fan sein, um die aktuellen PRS-SE-Silver-Sky-Modelle zu mögen. Einerseits ist es damit schon leicht möglich, den beliebten, vintage-orientierten Mayer-Sounds nahezukommen, andererseits steht dieses praxisnah eingerichtete Arbeitspferd freien Auslegungen aller Art keineswegs im Wege.
Dem abgespeckten SE-Modell hat man das auch auf Mayers USA Silver Sky zu findende 635JM-Halsprofil verpasst. Dieses ist den Profilen von Johns Lieblings-Strats aus den Jahren 1963 bis 1965 nachempfunden. Der Protagonist wollte für sein Signature-Modell den alten Fender-Radius von 7,25 Zoll. Die SE ist dagegen mit einem etwas flacheren Griffbrettradius von 8,5″ ausgestattet. Im Vergleich zum Standardradius von 12″ bei Gibson ist das immer noch recht rundlich, erlaubt aber dennoch etwas flachere Saitenlagen ohne Ansetzen der Saiten im höheren Lagenbereich.
Beide SE-Silver-Sky-Modelle überzeugen auf Anhieb mit einem rundum angenehmen Spielgefühl und leichtem Zugang, was durch die samtig-holzige Haptik der Hälse unterstützt wird. Ein kleiner Makel in Sachen Spielkomfort bei der Ahornhalsvariante sind die scharfkantig herausstehenden Madenschrauben der Saitenreiter – wie bei den guten alten Strats. Das geht besser, wie die Palisandervariante beweist.
Ein bedeutsames Konstruktionselement der Silver Sky, das bei diesem Instrumententyp eher unüblich ist, ist die abgewinkelte 3+3-Kopfplatte mit leicht versetzt montierten Wickelzylindern. Diese sorgen für annähernd gleichmäßige Andruckwinkel auf den Sattel. Dies ist ein wesentliches Detail, welches wohl auch die erfreulich resonanzstarke und ungemein lebhafte Klangentfaltung der SE-Modelle begünstigt. Die mit gut 3,4 kg etwas schwerere Variante mit Palisanderhals klingt akustisch dunkler als das lediglich 3,0 kg wiegende Gegenstück mit Ahornhals. Letztere ist tonal merklich heller angesiedelt und auch etwas direkter in der Ansprache. Beide verfügen aber auf jeden Fall über ausgewogene Schwingeigenschaften und ein ausgezeichnetes Sustain.
Gehen wir nun in den Amp und hören auf Grundsätzliches, wie auch auf womöglich Unterschiedliches, was die Ausstattung der Schwesterinstrumente mit unterschiedlichen Griffbrettern in Hinsicht auf die elektrische Tonwandlung angeht:
Die drei Single-Coil-Pickups sind von ausgeglichenem Output, die elektrischen Widerstände liegen bei beiden Gitarren zwischen 7,2 und 7,5 kOhm. Das Palisandermodell ist das gesetztere, mit ausgeglichenem Tonverhalten und rundum seriöser Ausstrahlung. Akkorde kommen mit sauber separierten Stimmen ans Ohr, Clean Sounds besitzen Tiefe, ohne besondere Bassreferenz, und Akkorde zeigen in allen Schaltstellungen plastische Kontur, natürlich mit den positionsbedingten Farbdifferenzen.
Wechseln wir zur SE mit Ahorngriffbrett, so hellt die Gesamttonlage etwas auf. Schnelle Ansprache, dynamische Beweglichkeit und etwas stärkere Kehligkeit im Tonverhalten sind die offensichtlichen Charakteristika dieser Version. Sehr schön gestaffelte Sounds liegen an, geprägt von lobenswerter Offenheit und starker Präsenz. In allen Schaltstufen lassen sich in klaren Einstellungen griffige Akkorde aufrufen, straff im Bassbereich, mit leicht hohlwangigen Mitten und konkret zuschnaappend, selbst beim Steg-Pickup noch mit schön bissigen, aber keineswegs kalten Höhen.
Sehr schön gehen beide Silver Sky Modelle dann auch mit Effekten um. Ein vor den Amp geschalteter Tube Screamer oder Blues Breaker lässt schnell erahnen, warum John Mayer mit diesen Overdrives seinen Sound fand. Mit leicht angezerrtem Ton kommt man problemlos zu entsprechenden Charakter-Sounds: Klänge mit trockenem Ausdruck im Bass, angehobenen Mitten und gutem Quack in den Höhen.
Wiederum lassen sich die beiden SE-Versionen im Wechsel durch leichte Unterschiede charakterisieren. Wo die Palisander-Variante mit breit aufgezogenem Frequenzbild und sattem Farbspiel überzeugt, erweist sich die mit Ahorngriffbrett als offensiver, spritziger, auch hohlkehliger. Bei offensiverer Zerre tönt die SE Rosewood nicht ganz unerwartet nochmals volltönender; die SE Maple kontert mit scharfem Aufriss und größerer Angriffslust. Die erstere gibt dem Solisten dichte und stabile Melodielinien an die Hand, lässt bei gehaltenen Noten Obertöne lässig aufsteigen, ins weit gestreckte Sustain; die zweite zeigt mehr Empfindlichkeit in der Ansprache, ist demgemäß leichter aufzureizen, und bringt Linien mit perkussiv markanter Struktur ans Ohr. Beim Steg-Pickup tönt es in besonders gemeinen Einstellungen, als hätte man knirschenden Sand zwischen den Zähnen (keineswegs negativ gemeint!). Diese rau-giftige Präsenz ist durchaus beeindruckend.
Coda: Die aufliegend montierten und etwas straff eingestellten 2-Punkt Steel Tremolo Systeme klappern etwas beim Aufsetzen auf die Decke – na klar. Spannung und allgemeine Einstellung sollte man aber eh nach eigenen Bedürfnissen einrichten. Bei maßvollem Einsatz funktionieren die Systeme jedoch einwandfrei.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Mit dem John Mayer Signature Model ist PRS ein erstaunlicher Coup gelungen. Die zuvor herrschenden Meinungen „ST-Modell mit 3+3-Kopfplatte geht ja gar nicht“ und „abgewinkelte Kopfplatte gehört da nicht hin“ hat man erfolgreich überwunden, ja, die Konstruktion mit neuem Leben erfüllt. Bei aller Ähnlichkeit lassen sich dann doch leichte Unterschiede bei den vorgelegten Silver-Sky-Modellvarianten ausmachen, die offenbar einerseits den Griffbrettern – hier Palisander, dort Ahorn – und andererseits dem individuellen Gewicht zu danken sind.
Der akustische Eindruck von leicht dunklerem, gesetzterem Tonverhalten der schwereren Schwester mit Griffbrett aus Palisander im Gegensatz zu der leichteren Verwandten mit demselben aus Ahorn wird dann auch elektrisch bestätigt. Die lobenswert gut klingenden PRS 635JM „S“ Single Coil Pickups übersetzen die schon akustisch beeindruckend resonanten Charaktereigenschaften beider Gitarren in kraftvolle und authentische elektrische Klangbilder. Sehr schön bei rhythmischem Spiel, besser noch in leicht angezerrten Einstellungen und gradezu schlagend bei Zerrsounds.
Der Eindruck, man hätte es mit einem um Wesentliches abgespeckten Instrument zu tun, kommt eigentlich gar nicht erst auf. John Mayer hat sich die Prototypen angeblich oft zuschicken lassen, bis er endlich zufrieden war. Das hat sich offenbar ausgezahlt. Zur persönlichen Überprüfung sehr empfohlen! ●
PLUS
traditionelles Design – moderne Auslegung
Resonanzverhalten/Sustain
635JM „S“ Single Coil Pickups
saubere Verarbeitung
authentische Sounds
Halsprofil, Haptik
Spieleigenschaften
MINUS
vorstehende Madenschrauben am Tremolo der Ahorn-Variante