Californication

Sandberg California Central Matte Black im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Sucht man auf Wikipedia nach „Sandberg, California“, findet man dort die Geschichte eines ehemaligen Hotels und Postamtes, sowie einer späteren Wetterstation, nordwestlich von Santa Clarita. Auf den Seiten dieses Magazins erwartet man aber doch eher Bässe aus Braunschweig, deren California-Reihe eben kalifornische Anklänge hat – und deren jüngsten Zuwachs wir hier präsentieren dürfen.

Circa 160 Meilen Westnordwest von Sandberg liegt San Luis Obispo, ebenfalls in Kalifornien. Anklänge an dort gebaute Bässe finden sich im neuen California Central, der aber genug eigene DNA mitbringt, um als eigenständiges Modell zu überzeugen.

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ÄHNLICH, ABER ANDERS

Die Korpusform teilt er sich mit dem California II der V-Reihe, das Holz ist von der Farbe abhängig. In Anthrazit ist der Body aus Erle, in Mattschwarz wie beim Testbass aus Esche mit entsprechender Maserung, die durch das transparente Finish gut zur Geltung kommt. Die üblichen Shapings für die Rippen und den Unterarm sind schön ausgeprägt gestaltet und geben eine scharfe Kontur. Der sechsfach angeschraubte Hals ist aus leicht geröstetem Ahorn, was neben einer angenehmen Farbe Stabilität und höhere Resistenz gegen Witterungsschwankungen bringen soll. Erhöhte Stabilität verspricht auch die Bauweise mit stehenden Jahresringen, im Fachjargon Quartersawn, was gegenüber den traditionellen liegenden Jahresringen mehr Steifigkeit und eine knackigere Ansprache bringt.

(Bild: Dieter Stork)

Das Griffbrett ist aus Pau Ferro, 22 Bünde plus ein Nullbund sind hier sauber eingesetzt. Für Orientierung sorgen Punkteinlagen an den üblichen Stellen, im zwölften Bund markieren drei Punkte charmant die Oktave. Die Kopfplatte hat die Sandberg-typische Form und Sandberg-typische Features: Der Zugang zum Stahlstab ist sauber gefräst und offen, sodass eine Justierung flott vonstattengeht. Ebenso sauber ist die Saitenführung eingesetzt und gekerbt, mit ziemlich geradem Zug geht es zu den firmeneigenen Ultraleicht-Mechaniken, die sich wie gewohnt sahnig drehen und die Stimmung stabil halten. Für den nötigen Druck auf den Nullbund sorgt der Niederhalter für A- bis G-Saite. Logo und California-Schriftzug sind in schickem und edel anmutendem Silber appliziert.

(Bild: Dieter Stork)

Die Logopunkte finden sich auch auf dem Korpus wieder, und ebenso auf der Brücke. In die können die Saiten praktischerweise einfach eingehängt werden. Oktave, Saitenlage und Spacing können eingestellt werden, ab Werk sind das erwachsene 20 mm. Zur Justierung der Oktavreinheit müssen die Saiten entspannt, die Schlitten gelöst, verschoben und an der hoffentlich richtigen Stelle wieder fixiert werden, was schon etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Ab Werk muss man sich keine Gedanken darüber machen, da ist alles perfekt eingerichtet.

(Bild: Dieter Stork)

Bis hierhin kann diese Beschreibung auf jeden California-Bass zutreffen, was dieses Modell neu und anders macht, ist die Tonabnehmerbestückung. Stingray-eske Pickups kennt man in dieser Reihe schon aus den VM- und TM-Modellen, aber nur in Kombination mit einem zweiten Abnehmer und ziemlich stegnah. Beim California Central steht der Sandberg-Plus-Pickup alleine im Fokus und ist in den Sweetspot gewandert, wie man es vorher nur bei einigen Basic-Modellen und beim Terra gesehen hat. Bearbeitet wird das Signal mit einem Volume-Regler und einem aktiven Dreiband-Equalizer mit Höhen, Mitten und Bässen. Per Zug am Lautstärke-Poti kann der Bass auch ganz ohne Batterie passiv betrieben werden, der aktive Höhenregler wird dann zur passiven Höhenblende. Auf dem dreilagigen Schlagbrett sitzen die Regler auf einem eigenen, fast unsichtbar abgetrennten Teil. Das ist aber nur für leichtere Wartung gedacht, die zum Aktivbetrieb nötige Batterie sitzt in einem eigenen Fach auf der Rückseite.

Wo ich schon dabei bin, schwinge ich den Schraubendreher und sehe mal nach der Elektronik. Das sieht, wie immer bei Sandberg, akkurat und aufgeräumt aus. Weiterer Erkenntnisgewinn: Der Humbucker ist seriell verdrahtet. So, nun aber Deckel wieder drauf und Bespielbarkeit und Sound gecheckt!

LEICHTES SPIEL

Den ersten dicken Pluspunkt sammelt der California Central schon beim ersten Umhängen. Der ganze Bass wiegt nur 3,7 kg, und ist dabei perfekt ausbalanciert, im Sitzen wie im Stehen liegt er schön am Körper an. Wer Schulter- oder Rückenprobleme hat, oder einfach nur auf der Suche nach einem bequemen Bass ist, könnte hier glücklich werden. Mit seiner Bespielbarkeit gehört er ganz klar in die Komfortklasse. Am Sattel misst der C-förmige Hals 39 mm, also im Jott-Bereich. Der Bass ist bestens eingestellt, die Saitenlage flach und schnarrfrei, die Oktavreinheit perfekt und der Saitenabstand führt die Saiten exakt über die charakteristisch großen Pole-Pieces. Genauso perfekt ist die Ansprache. Jeder Ton ist mit definiertem Attack sofort zur Stelle, um sich dann mit gutem Sustain langsam wieder zu verabschieden. Dabei ist nicht mal der Hauch eines Deadspots zu hören, auch alle kritischen Lagen sind voll da.

Diese gute Vorlage verwandelt der Bass am Amp sicher. Frei von jeglichen Nebengeräuschen lässt sich ein – Überraschung – Stingray-esker Sound aus dem Verstärker kitzeln. Präzise und drahtig in den Höhen, fest und tragfähig in den Bässen, und dazu ein ordentlicher Growl in den Mitten, der durch die serielle Schaltung des Tonabnehmers noch angeschoben wird, ohne dass das leichte Lispeln überdeckt wird. Die Potiknöpfe sind, wie von Sandberg gewohnt, exzellent griffig und ablesbar. Das Volume-Poti dreht, wie bei Push/Pull-Potis üblich, etwas leichter, die EQ-Regler drehen sich satt und rasten in der neutralen Mitte ein. Verlässt man die Mitte, merkt man, wie gut abgestimmt der EQ ist. Die Frequenzen sitzen gut, die Bereiche für Anhebung und Absenkung sind so gewählt, dass deutliche Eingriffe möglich sind, ohne übertrieben zu wirken.

Damit lässt sich der charakteristische Ton entschärfen, was ihn noch universaler einsetzbar macht, oder noch präzisieren und betonen, Tragfähigkeit und Biss lassen sich damit fein abwägen. Damit lässt sich der California Central perfekt in diverse musikalische Zusammenhänge einpassen. Noch ein bisschen universaler macht den Bass die Passivschaltung, die im Output gut auf den aktiven Modus abgestimmt ist. Mit zurückgenommenen Höhen an der passiven Tonblende klingt es nach Jazz-Bass-Steg-Pickup auf Steroiden mit Knurr und Wärme im Überfluss, ohne die Definition zu verlieren.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Zu einem überaus fairen Preis bietet der Sandberg California Central viel: leichte Bespielbarkeit bei einem überaus angenehmen Gewicht, eine übers ganze Griffbrett gute Ansprache, und gute Verarbeitung. Dazu noch eine prägnante Wiedergabe über den Pickup, in Kombination mit einem gut sortierten EQ, mit dem Plus einer ebenfalls sehr musikalisch einsetzbaren Passivoption – was will man mehr? Ein gutes Gigbag? Gibt’s auch noch dazu.

Natürlich geht der Sound in Richtung Ray, der seinerseits in ziemlich allen Stilen von Pop bis Metal zuhause ist. Da fügt sich der Sandberg mit seiner Flexibilität entspannt ein und zeigt mit individuellen Details bei der Halskonstruktion, Kopfplatte, Hardware, dem EQ, Schlagbrett etc. genug eigene DNA.

Gelungener Neuzugang, schicker Bass, zum persönlichen Antesten empfohlen!

PLUS

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Gewicht
  • gleichmäßige Ansprache
  • Bespielbarkeit
  • EQ
  • Passiv-Sound
  • Preis/Leistung


(erschienen in Gitarre & Bass 05/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 11/2023
Gitarre & Bass 11/2023
IM TEST: Knaggs Guitars Eric Steckel Kenai T/S +++ Fender Limited Edition Tom DeLonge +++ Stratocaster +++ Cort G290 FAT II +++ Guild D-140 / D-140CE +++ Fender Vintera II 60s Precision Bass +++ Captain Black Betty 1x12 Combo +++ Origin Effects DCX Bass Tone Shaper & Drive +++ Strymon Cloudburst Ambient Reverb +++ Boss IR-200

Kommentar zu diesem Artikel

  1. “die Passivschaltung, die im Output gut auf den aktiven Modus abgestimmt ist”
    Eher ist der Output des aktiven Modus auf den des passiven abgestimmt.
    Ansonsten: Haben wollen! 🙂

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