Ein Feuerwerk an Features

Raum & Zeit: Mooer R7 X2 und D7 X2 im Test

(Bild: Dieter Stork)

Die chinesische Pedalmarke Mooer mischte schon vor rund zehn Jahren den Markt für Effektgeräte ordentlich auf – und zwar mit einer bis dahin nicht gekannten Schrumpfung der Pedale bei gleichzeitiger Beibehaltung von umfangreichen Features. Und einem unverschämt attraktiven Preis. Mit den neuen X2-Pedalen scheint Mooer den Pfad der ultrakleinen Pedale verlassen zu haben.

Die kleinen Mooer-Geschwister R7 und D7, Anfang 2020 veröffentlicht, haben noch das bekannte Mini-Format. Mit 75x115x33mm Größe entsprechen die neuen aber dem gängigen, von Boss und MXR gesetzten Standard. Doch halt – handelt es sich damit wirklich um eine Abkehr vom bisherigen Mooer-Konzept? Wir werden sehen!

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Die beiden – R7 X2 ist ein Reverb, D7 X2 ein Delay – kommen in wertigen Stahlgehäusen und belasten mit 330 g das Pedalboard (und den Rücken) nicht zu sehr. Allerdings wollen sie mit 300 mA Strom gefüttert werden, was die meisten Slots bei Powerbricks überfordern dürfte. In der Praxis liefen beide aber an einem 200-mA-Anschluss problemlos. Natürlich sagt Mooer, man solle ausschließlich das beiliegende Netzteil benutzen – nicht gerade eine Pedalboard-freundliche Ansage.

Bis auf den 9V-Anschluss (ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen) liegen die Mono- und Stereo-Ein/Ausgänge an den Seiten, auch das ist nicht eben platzsparend. Links an der Seite hat man die insgesamt jeweils 14 Sound-Modi der Pedale aufgedruckt – ich frage mich, wer da in der Praxis noch ohne Schnecken-Stielaugen hinschielen kann. Man muss sich also die Modi entweder merken oder das Handbuch immer dabeihaben.

(Bild: Dieter Stork)

D7 X2 (DELAY)

Bleiben wir mal bei der orthodoxen Pedal-Reihenfolge und nehmen uns das Delay als erstes vor. Im Gegensatz zum kleinen D7 mit seinen sechs Modi bietet das D7 X2 nun einen separaten Tap-Tempo-Taster, der sich links unten befindet, 14 Soundmodi, sowie die Stereoanschlüsse. Das kleine D7 hat Tap Tempo in den Bypass-Schalter integriert, was zumindest ich nicht praxisgerecht finde. Abhandengekommen ist dem D7 X2 dafür der Looper des D7. Selbstverständlich gibt es auch eine Preset-Funktion, die alternativ zu den Soundmodi abrufbar ist. Mit Hilfe des Handbuchs erschließt sich die Bedienung dann doch als einfach. Die immer noch recht kleine Kiste steckt also doch wieder voller Features – so kennt man und will man das von Mooer.

Neben dem (True-)Bypass-Schalter gibt es noch folgende Regler: F.B (Feedback, regelt die Zahl der Delays), Time (regelt die Geschwindigkeit der Delays), Mix (regelt die Lautstärke der … ihr wisst schon). Die beiden mit Tweak.1 und Tweak.2 bezeichneten Regler haben je nach angewähltem Soundmodus andere Funktionen. Die 14 Modi lassen sich mit dem als Save bezeichneten Taster durchschalten – als Anzeige dienen die sieben kleinen LEDs links, wobei sie bei den ersten sieben Modi orange und bei den zweiten sieben lila leuchten. Wie gesagt muss man sich gut einprägen, welcher Modus in welcher Stellung aktiv ist, da ein Ablesen nur an der Gehäuseseite möglich ist.

Es würde den Umfang dieses Tests sprengen, ginge man die einzelnen Modi alle durch und erklärte dann auch noch die Tweak-Möglichkeiten. Das D7 X2 beinhaltet alles, was man von einem Delay-Pedal mit so vielen Soundmodi erwartet: Digital, Analog, Tape, Multihead und vieles mehr. Natürlich wartet das D7 X2 auch mit Schmankerln für Sound-Tüftler auf, zum Beispiel einen Sequencer-artigen Low-Pass-Filter auf den Delays, und selbstverständlich allerlei Modulation und ätherisches Geschimmer.

Die Sound-Qualität, auch das kennt man von Mooer, ist zweifellos als sehr hoch einzuschätzen: Kräftig, klar, unmissverständlich und den Referenzen entsprechend erklingen die Modi. Gitarrist:innen erhalten hier also ein umfangreiches Paket, das an sich keine Wünsche offen lässt, und das trotz des leicht größeren Formats (im Vergleich zu den berühmten Mooer-Minipedalen) immer noch in einem sehr kompakten Gerät. Ideal also für jeden, der zwar Tap Tempo separat, die ganzen Soundmodi, Presets und Stereo an Bord haben will, aber immer mit dem Platz auf dem Pedalboard kämpft.

(Bild: Dieter Stork)

R7 X2 (REVERB)

Der Zweite im Bunde ist der babyblaue R7 X2 Reverb. Auch den gibt es schon als Mini-Pedal, mit nur sieben Modi, ohne zweiten Taster und ohne Stereo-Anschlüsse. Design und Funktionalitäten folgen dabei dem gleichen Schema wie beim Delay, wobei die Reglerbelegung freilich anders ist. Der linke Taster ist hier mit „Infinite“ bezeichnet, und man ahnt es schon: Es handelt sich um eine „Hold“-Funktion, bei der das Signal endlos weiterklingt, solange man drückt. Das ist mittlerweile fast schon Standard bei modernen Reverbs. Relativ neu als Standard etabliert sich derzeit ein Pre-Delay-Regler, der einstellt, wie lange es zwischen dem Direktsignal und dem Einsetzen der Hallfahne dauert. Decay und Mix wiederum sollten bekannt sein, sie regeln Dauer des Hallgeschehens sowie die Lautstärke gegenüber dem Direktsignal. Hinter den beiden linken Potis LC und HC verbergen sich eine Höhen- und Tiefenblende für die Hallfahne – bisher habe ich auf Reverbs nur ein allgemeines Tonepoti gesehen. Allerdings wirken die beiden nur sehr subtil auf den Klang der Hallfahne ein.

Soundmodi hat der R7 X ebenfalls insgesamt 14, die sich auf die gleiche Weise wie beim D7 X2 durchschalten lassen. Ebenso funktioniert auch die Preset-Funktion. Was hat der R7 X2 so alles an Bord? Natürlich die Standard-Programme Hall, Room, Spring, Plate, die sich für meine Ohren allerdings nur in Nuancen beziehungsweise der per Default eingestellten Ausklinglänge unterscheiden. Da hätte es auch einer getan, denn mit den beiden Tonblenden sowie Pre-Delay und Decay bietet das R7 X2 ja sehr weitrechende Einstellmöglichkeiten.

Daneben gibt es Hall mit Modulation, Reverse Hall, Riesenhall-Modi wie Church und Cave, und selbstverständlich einen Shim-Reverb. Als Goodies sind hier zu erwähnen die Modi Shake (ein Hall mit leicht Tremolo-artiger Modulation) und Dream (mit wohlig-tiefer anschwellender Modulation). Am meisten begeistert hat mich der Modus Crush, bei dem der Hallfahne ein verzerrter Bitcrush-artiger Effekt hinzugefügt wird – da habe ich sofort Science Fiction-Assoziationen. Die Spezialeffekte spielen ihre jeweiligen Stärken erst so ab 12 Uhr am Mix-Regler aus, vorher überlagert das Dry-Signal zumeist den Effekt zu stark, sodass er nur in langen Spielpausen und ohne Gerumpel von der Band hörbar ist. Bei Rechtsanschlag des Mixreglers hört man nur den dann eingefadeten Effekt.

Die Soundqualität der verschiedenen Hall-Modi ist durchweg als gut einzustufen, lediglich der Shimmer-Hall klingt in meinen Ohren recht digital-eierig und aufdringlich. Das Anwenderkonzept des R7 X2 entspricht dem des D7 X2, es richtet sich an Spieler:innen mit Platzproblemen, denen es dennoch nach separatem Taster (hier für die Hold-Funktion), verschiedenen Modi und einem rundum-sorglos-Paket an Features gelüstet.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit den Duo D7 X2 und R7 X2 hat sich Mooer nur auf den ersten Blick von seinem Mini-Pedalformat verabschiedet. Trotz eines Feuerwerks an Features und Sound-Modi ist man bei einem relativ kleinen Format geblieben. Zwar gibt es umfangreiche Reverbs und Delays in dieser Größe auch von anderen, aber tatsächlich ist die Konkurrenz überschaubar, gerade auch in dieser Preisklasse.

Die Soundqualität weiß sich gegenüber der direkten preislichen Konkurrenz (zum Beispiel Electro-Harmonix mit dem Oceans 11) zu behaupten. Wer kein absoluter Boutique-Aficionado und mäkeliger Soundgourmet ist, der kommt hier voll auf die (erfreulich niedrigen) Kosten. Ob man als Anwender mit der Bedienung der Geräte gut klarkommt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Insgesamt liefert Mooer hier ein starkes Paket aus Preis und Leistung.

Preis (Street): 129 € (D7 X2); 149 € (R7 X2)

PLUS

  • Feature-Umfang
  • separate Taster (Tap, Infinite) trotz kleinen Formats
  • Stereoanschlüsse
  • Preis

MINUS

  • Ablesbarkeit der Soundmodi am Gerät
  • Ähnlichkeit mancher Reverbs & Shimmer-Reverb beim R7 X2

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2022)

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