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PRS SE Floyd Custom 24 E-Gitarre im G&B-Test

Die PRS SE Floyd Custom 24

Obgleich Paul Reed Smith die zwischen den USA- und den Korea- Modellen angesiedelte und ebenfalls in den Staaten hergestellte S-Reihe quasi als Mittelklasse etabliert hat, lässt er das erfolgreiche SE-Programm keineswegs aus den Augen.

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Anlässlich der Frankfurter Messe neu vorgestellt wurde neben den Marty Friedman und Zach Myers Signature-Modellen auch die schmucke SE Floyd Custom 24, die entgegen Pauls Gepflogenheiten mit einem Floyd-Rose-Vibrato ausgestattet ist. Ohne mit Vorschusslorbeeren in diesen Test einsteigen zu wollen, muss man sich über den Qualitätsstandard und die Preis-Leistungsrelation dieser koreanischen Instrumente immer wieder wundern. Und was wurde beim Start der SE-Reihe vor nunmehr 13 Jahren die Nase gerümpft! Der erlauchte PRS User Club sprach damals sogar von Blasphemie.

Die SE Floyd Custom 24 kommt in traditioneller PRS-Bauweise mit Mahagoni-Body, eingeleimtem Mahagonihals und flacher, an den Rändern abfallender Ahorndecke. Dass der Korpus aus drei Teilen zusammengesetzt wurde, ist nur mit besonders kritischem Blick zu erkennen. In dieser Preisklasse trägt die Ahorndecke natürlich ein Furnier. Aber was für eines! Bookmatched halbiert, besonders kontrastreich geflammt und sogar mit 3D-Effekt. Das Vintage Sunburst Finish setzt die Flammung perfekt in Szene. Alle anderen Flächen sind dunkelrot transparent lackiert und wie die Decke, der abgetöntes Natural Binding eine dezente Silhouette verleiht, spiegelglatt poliert. Auf der Rückseite decken schwarze Kunststoffplatten die Feder- und Elektrikkammern präzise Oberkante bündig ab. Letztere sind, wie übrigens auch die Pickup-Fräsungen, mittels Graphitlack abgeschirmt. Selbstverständlich besitzt dieser ebenso Kontakt zur Masse wie die Alufolie des E-Fach-Deckels. Ein ovales Zargenblech trägt die Klinkenbuchse, große Pins halten den Gurt. Wie bei PRS üblich, füllt der massige Fuß des Halses die vordere Pickup-Fräsung vollständig aus (Long Neck Tenon).

Das Floyd Rose 1000 Series Vibrato
Optisch kaum vom Original zu unterscheiden: Floyd Rose 1000 Series Vibrato

Dies erhöht die Stabilität und fördert die Schwingungsübertragung. Das Palisandergriffbrett könnte als Lehrbuchbeispiel für perfekte Bundierung inklusive Kantenabrichtung und Politur herangezogen werden. Bird Inlays aus Perloid und Sidedots erleichtern die Navigation. Über den optimal eingepassten, von vorne verschraubten Klemmsattel erreichen die Saiten die tadellos funktionierenden PRSTuner. Ein Kunststoffplättchen deckt den Halsstab ab, der, anders als von FR-Systemen gewohnt, trotz des Saitenniederhalters problemlos zugänglich ist. PRS verwendet nämlich einen Justierstab mit Sechskantmutter, die sich mit dem beiliegenden Ringschlüssel komfortabel drehen lässt. Das in Korea hergestellte Floyd Rose 1000 Vibrato ist nicht frei käuflich, sondern steht ausschließlich Original Equipment Manufacturers (OEM) zur Verfügung. Es entspricht nahezu dem von Schaller gefertigten Original, dessen Materialien, Schrauben und Verarbeitung allerdings höhere Qualität besitzen. Eine Moosgummieinlage in der präzisen Deckenfräsung dämpft etwaiges Aufsetzen der Klemmschrauben nach extremen Up-Bendings ab.

Offener Halsstabzugang
Offener Halsstabzugang Problemlose Halsjustierung trotz Stringtree

Per Schraubmuffe lässt sich die Gängigkeit des Steckhebels variieren. Nichtsdestotrotz arbeitet das koreanische FR-Vibrato stimmstabil und lässt sich butterweich handhaben. Allerdings verursacht das Vibrato bei Hybrid Picking (Kombi aus Plektrum- und Finger- Picking) und zu hartem Fingeranschlag Flattereffekte, ganz so als würde man den Hebel herunterdrücken und ihn plötzlich wieder hochschnellen lassen. Als Tonabnehmer kommen zwei offene PRS SE Humbucker mit Zebra-Spulen zum Einsatz, nämlich ein Vintage Bass in der Halsposition und ein HFS Treble (Hot Fat Scream) am Steg. Verwaltet werden sie per Dreiwegschalter, Master-Volume und Master- Tone. Letzteres besitzt eine Coil-Split- Funktion (Pull/Push), die die inneren (schwarzen) Humbucker-Spulen deaktiviert.

PRS SE Floyd Custom 24 in der Praxis

Die abfallenden Ränder der SE-typischen flachen Decke, die rückseitige Ergofräsung, der tiefe Halsübergang, der ausgeschrägte untere Cutaway, perfekte Balance am Gurt und auf dem Oberschenkel, handliches, schlankes Wide-Thin-Halsprofil – auch kleinen Händen zu empfehlen – und vorzüglich bearbeitete Bundkanten: Mit all dem fährt die PRS SE Floyd Custom 24 schon mal Bestnoten für Ergonomie sowie Trage- und Spielkomfort ein.

Aufgestockt wird das Punktekonto durch beste Dynamikwerte, die sich aus direkter Ansprache, flinker Tonentfaltung und ansprechendem Sustain summieren. Okay, ohne Verstärkung klingt sie nicht sonderlich kraftvoll, kompensiert dies jedoch mit Ausgewogenheit, Transparenz, Leichtigkeit und einem breiten Obertonspektrum. Offenbar keine Gitarre für den Metallarbeiter, sondern eher was für den filigranen, ausdrucksvollen Fingerakrobaten.

Doch der Amp macht deutlich, dass die Gitarre auch andere Genres beherrscht. Der Hals-Humbucker tönt genauso fett und kraftvoll wie der PAF-Typ einer Les Paul. Jedoch verschafft die 24-Bund-Position seinem sehr ausgewogenen Klangbild etwas mehr Luft, Klarheit, Definition und „Glocke“, sodass er neben einem charaktervollen Blues-Ton auch beeindruckende Sounds für Riffs und Rhythmusspiel liefert. Selbst mit zunehmender Verzerrung verliert der Vintage-Bass-Pickup nur unwesentlich von seiner Transparenz, Definition und Dynamik. Auch der HFS Treble Steg-Humbucker glänzt mit guter Balance, auch wenn man von einem „Hot Fat Screamer“ speziell am cleanen Amp eine mittigere Ausrichtung erwarten würde.

Hier macht sich offenbar die Ahorndecke bemerkbar, die zusammen mit dem Mahagoni-Body für knackige Bässe, perkussive Mitten, klare Höhen und reichen Obertongehalt sorgt. Der HFS würde seinem Namen nicht gerecht, könnte er am zerrenden Verstärker nicht sein Scream-Potential entfalten. Etwas lauter als sein Nachbar, treten die Mitten deutlich in den Vordergrund, die Bässe bleiben prägnant und definiert, die Höhen setzen sich mit perfektem Mischungsverhältnis in Szene und werden erst mit steigender Anschlagsintensität bissiger und aggressiver.

PRS Halsfuß
Der typische PRS Halsfuß

Trotz beachtlicher Klangfülle, Druck und Dynamik behält der Sound stets gutes Durchsetzungsvermögen, Lead-Sounds werden vom Sustain getragen. Der Kombination beider Humbucker drückt eher der Hals- Pickup seinen Stempel auf, denn es sprudelt ein luftiges, glockiges Klangbild mit klaren Bässen und offenen, seidigen Höhen aus den Lautsprechern, das sich für perlende Arpeggien und cleanes Rhythmus- oder Singlenote- Spiel anbietet. Aber auch im Distortion- Betrieb liefert die Kombi charaktervolle Sounds.

Mit den Coil Splits stehen drei weitere abrufbare Sounds zur Verfügung, denen der Fender-Stempel nicht abzusprechen ist. Speziell die Paarung beider Creme- Spulen lässt deutlich die Tele erkennen. Unabhängig von clean oder verzerrt bieten sich alle drei Sounds an, wenn etwas weniger Fatness gefragt ist. Beide Potis rotieren sahnig weich und sind dank gleichmäßiger Regelcharakteristik präzise und komfortabel zu handhaben. Ein Kondensator am Volume- Poti lässt beim Zurückdrehen kaum nennenswerte Höhen- und damit Transparenzverluste erkennen.

Fazit

Vorschusslorbeeren hin oder her, auch die SE Floyd Custom 24 bestätigt den außerordentlichen Ruf dieser PRS-Reihe für weniger gut Betuchte. Trotz koreanischer Produktion setzt die Verarbeitung immer noch Maßstäbe. Die Gitarre gibt sich sehr schwingfreudig, liefert exzellente Sounds, ist klanglich sehr flexibel, kommt mit tadellos funktionierendem Vibrato und lässt sich traumhaft bespielen. Ich denke mehr geht nicht, schon gar nicht billiger. 

P l u s

  • Verarbeitung
  • Sounds & Sound-Vielfalt
  • Dynamik & Sustain
  • Spielbarkeit
  • Preis/Leistung
Übersicht

 

Aus Gitarre & Bass 06/2014

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