NICHT NUR FÜR AUSSENSAITER

Lone Wolf Audio Outsider im Test

Quizfrage: Was haben Dweezil Zappa, Kurt Ballou (Converge, God City Studios) und Matt Pike (Sleep, High on Fire) gemeinsam? Richtig, sie alle benutzen den Outsider von Lone Wolf Audio. Was es mit dieser geheimnisvollen Kiste auf sich hat, klären wir im folgenden Test.

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(Bild: Dieter Stork)

Es gibt da so ein paar Effekt-Pedale, bei denen es schwierig ist, sie einer bestimmten Klassifizierung zuzuordnen. Der Outsider von Lone Wolf Audio aus Texas gehört definitiv zu diesen Geräten. Angelehnt an den Harmonic Energizer von Systech – welchen schon Frank Zappa gerne nutzte – deckt der Outsider, trotz seines wirklich simplen Aufbaus, eine große Bandbreite verschiedener Funktionsweisen ab. Im Grunde handelt es sich hier um ein Overdrive, dem eine zusätzliche parametrische Mitten-Regelung spendiert wurde.

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Das Innere des Aussenseiters

Die handwerkliche Qualität der Lone Wolf Audio Pedale zu loben, dürfte mittlerweile tatsächlich überflüssig sein. Joe und Haley Anastasio legen nach wie vor eine Verarbeitung an den Tag, die ihresgleichen sucht. Alles, vom Gehäuse, der Pulverbeschichtung, der extrem sauber bestückten Platine, bis hin zu den außerordentlich robusten Metall-Potiachsen vermittelt einen extrem soliden Eindruck.

Besonders gefällt mir, dass weder die Buchsen noch die Potis direkt mit der Platine verbunden sind. Das ist zum einen deutlich wartungsfreundlicher (für den unwahrscheinlichen Fall, dass mal etwas kaputt geht), zum anderen wird die Platine im ruppigen Tour-Alltag nicht unnö- tig belastet. Die Pedale von Lone Wolf Audio sind einfach für den rauen Live-Betrieb gedacht und überstehen mühelos auch härtesten Bühneneinsatz.

Im Inneren: Die Platine des Outsider
Im Inneren: Die Platine des Outsider (Bild: Dieter Stork)

Regelbar ist das Pedal übrigens neben Gain, Level – beide Regler erklären sich selbst – in Freq (Frequenz) und Band (Bandbreite). Ersterer reguliert, in welchem Frequenzbereich geboostet werden soll, während das Band-Poti die Flankensteilheit bestimmt und damit einen erheblichen Einfluss auf den Sound hat.

Die Geheimwaffe

Was aber macht denn nun den Outsider zu dieser allseits beliebten Geheimwaffe der eingangs genannten Musiker, die sich in ihrer musikalischen Ausrichtung ja grundlegend unterscheiden. Nun, die Antwort wird schon nach kurzer Spielzeit ziemlich deutlich. Dieses Teil ist wirklich super vielseitig! Zum Test habe ich den Outsider zunächst vor einen leicht angezerrten Verstärker gehängt und mir mittels der Freq- und Band-Potis zunächst einen fetten Mittenboost gebaut.

Geil, der Ton wird sofort saftiger und voller, alles klingt einfach irgendwie „besser“. Die Gain-Reserven sind zwar nicht gerade gering – satte 35 dB spuckt der kleine Teufel aus – dennoch fühlt sich die Art der Verzerrung sehr natürlich und so gar nicht nach Pedal an. Dreht man den Band-Regler nun langsam weiter nach links, wird der Effekt immer stärker, da ein immer schmaler werdendes Frequenzband geboostet wird.

Dadurch sind zum Beispiel Fixed-Wah-Sounds wie bei ‚Money For Nothing‘ von den Dire Straits sehr gut einzustellen. Aber auch andere Anwendungsgebiete erschließen sich mir zügig. Ein super-fetter Bassboost? Ein richtig aggressiver Ton in den Höhen, sodass es Steve Albinis Shellac die Freudentränen in die Augen treiben würde? Oder doch lieber nur ein dezenter und breitbandiger Boost fürs Solo, um eine Passage noch besser aus dem Mix hervorzuheben?

Der Outsider kann all das und noch viel mehr. Auch in Verbindung mit anderen Overdrive- oder Distortion-Pedalen, schlägt sich das Teil einfach ausgezeichnet. In Kombination mit meinem Rodenberg GAS-808 – welches für sich alleine ja schon großartig klingt – konnte der Outsider wirklich einen wunderbar cremigen und satten Overdrive-Sound erzeugen. Sogar das Left Hand Wrath – ebenfalls aus dem Hause Lone Wolf Audio – konnte von einem dezenten Boost in den Hochmitten durchaus profitieren.


In naher Zukunft wird Lone Wolf Audio übrigens den Insider auf den Markt bringen, der Prototyp ist bereits auf Matt Pikes Pedalboard gesichtet worden. Der Insider ist ein Nachbau des Harmonic Overdriver von Systech und stellt quasi die High-Gain-Version des Outsiders dar.


Alternativen

Die Auswahl an Alternativen zum Outsider ist denkbar gering. Im Grunde fällt mir als direktes Vergleichsgerät eigentlich nur das Triskelion 2.0 von TWA ein, wobei dieses sicherlich deutlich näher am Original von Systech ist. Wenn es einem allerdings nur um den Fixed-Wah-Effekt geht, könnte man auch das Kerry-King-Signatur-Pedal KFKQZ1 von Dunlop in Erwägung ziehen, welches allerdings nur noch gebraucht zu finden ist.

Resümee

Lone Wolf Audio hat es tatsächlich geschafft, mit seinem Outsider eine gelungene Hommage an einen wirklichen Exoten der Pedal-Welt zu kreieren und seine Version dabei sehr vielseitig und nutzerfreundlich zu gestalten. Ob nun als Leadboost, Overdrive, Equalizer oder Fixed-Wah-Pedal; der Outsider macht eine rundherum gute Figur. Angesichts der sensationellen Verarbeitung geht auch der Preis vollkommen in Ordnung. Preis (Street): ca. € 245

PLUS

•Klang

•Verarbeitung

•Vielseitigkeit

• Freq- und Band-Regler

• Zerrstruktur

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